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Zum Vater ziehen

25. Februar 2016 um 16:43 Letzte Antwort: 11. April 2016 um 11:38

Ich bin 21w und habe nach der Schule eine Ausbildung gemacht. Nun möchte ich mir endlich den Traum vom Studium erfüllen. Am liebsten wäre mir an den Studienort ins Wohnheim zu ziehen, nur leider stehe ich noch auf der Warteliste und man kann mit etwa ein einhalb Jahren Wartezeit rechnen. Für etwas anderes als ein Wohnheim habe ich kein Geld.

Meine Eltern haben sich als ich in der Pubertät war getrennt. Seitdem lebe ich bei meiner Mutter. Jedoch eher aus Bequemlichkeit als aus irgendwelchen anderen Gründen. Ich habe mich bis heute nie getraut das Thema anzureißen, weil ich meine Mutter nicht verletzen wollte. Ich halte es aber langsam einfach nicht mehr aus. Zuhause ist alles unglaublich kalt. Mit dem Lebensgefährten meiner Mutter habe ich in den 8 Jahren, die er bei uns wohnt nicht ein einziges mal über etwas tiefgründigeres als das Wetter geredet. Eine Umarmung gibts dann einmal pro Jahr zu Weihnachten. Manchmal frage ich mich ob die beiden untereinander irgendwelche tiefgründigen Themen anreißen können. Auch zu meiner Mutter ist das Verhältnis eher kalt. Ich kann zwar gelegentlich Gefühlsthemen anreißen, fühle mich im Nachhinein aber immer unwohl, wenn ich höre wie sie später mit ihrem Partner über andere redet. Ich fühle mich sehr oft verletzt. Meine Mum ist stark auf Äußerlichkeiten fixiert und ich bin nicht gerade eine Schönheitskönigin. Beim Abendessen wird regelmäßig darüber getratscht welcher Arbeitskollege wieviel Gramm zugenommen hat, wer was getragen hat und dass überhaupt alle Menschen außer den beiden völlig inkompetent, hässlich und überflüssig sind.

Solange ich mit meiner Mutter alleine bin, ist es eigentlich ok. Kalt wird es erst sobald ihr Partner dazu kommt. Wir hatten nie Streit oder sowas. Es sind die Oberflächlichkeiten, die mich stören und mir auch das Gefühl geben unerwünscht zu sein. Auch das Studium ist nicht im Sinne meiner Eltern. Ich kann mir beinahe täglich anhören, dass das schließlich viel kostet, da fragwürdig ist ob ich BAFÖG bekomme und meine Mutter mich nicht unterstützen möchte.

Ich frage mich manchmal wie die beiden über mich reden wenn ich nicht da bin und habe ganz ehrlich kein gutes Gefühl dabei.

Der Lebensgefährte meiner Mutter hat ebenfalls zwei Kinder. Eines hat zeitweise bei uns gewohnt und hat mir dann berichtet, dass sie es bei uns ebenfalls unglaublich kalt und lieblos findet. Auch sie kann mit ihrem Vater über nichts tiefgründiges sprechen.

Bei meinem Vater spürt man im wahrsten Sinne des Wortes Liebe wenn man hereinkommt. Man wird erstmal geknuddelt und dann wird gequatscht. Ich fühle mich im allgemeinen verbundener zu meinem Vater. Er ist auf jeden Fall ein Gefühlsmensch durch und durch.

Ich bedauere oft, dass ich nicht damals die Chance ergriffen habe und zu ihm gezogen bin. Ich bin jetzt 21. Eine eigene Wohnung kann ich mir nicht leisten und das Studentenwohnheim hat bislang noch keinen Platz. Ich fühle mich verdammt unselbstständig und schäme mich auch ein wenig in diesem alter noch zu meinem Vater ziehen zu wollen, aber so empfinde ich die Situation zur Zeit und es tut gut sich das alles mal von der Seele zu schreiben.

Ich bin mir unsicher ob ich das Thema ansprechen soll. Ich weiß, dass ich meine Mutter verletzen würde und das möchte ich schließlich auch nicht. Soll ich einfach warten bis das Wohnheim sich meldet? Andererseits denke ich oft, dass ich in diesem Theater zuhause bald durchdrehe...

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11. April 2016 um 11:38

Dann mache Nägel mit Köpfen
Spreche mit deinem Vater wann du zu ihm ziehen kannst. Gibt es denn bei ihm eine Uni oder so in der Nähe?

Deiner Mutter musst du ja nicht sagen, dass du hauptsächlich weg willst weil dir die Atmosphäre zu kalt ist. Schiebe doch einfach die Ausbildung vor, z.B. In der Nähe deines Vaters gebe es auch bessere Aushilfsjobs um die Zeit zu überbrücken usw. .

Viel Glück, vielleicht hat sich in den letzten 2 Monaten ja noch etwas ergeben.

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