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Zerrüttetes Verhältnis zur Mutter?

7. November 2017 um 11:26 Letzte Antwort: 8. November 2017 um 8:29

Hallo, ich wende mich an das Forum, weil ich inzwischen wirklich verzweifelt bin.
Ich bin 19 und hatte immer ein extrem enges Verhältnis zu meiner Mama, wir waren eigentlich fast wie "zusammengewachsen". Von Anfang an war unsere Beziehung auch geprägt von meinem Vater, der ein wirklich bösartiger und beinahe hinterlistiger Mensch war und der hautsächlich das Ziel hatte, kein gutes Haar an meiner Mutter und auch an mir zu lassen (war damals ein Kleinkind), und - sobald er nicht mehr "gebraucht" hat - mit brutaler Härte gegen sie vorgegangen ist. Sie musste lange um mein Wohl und auch das ihre kämpfen. Danach hat sie sich (laut eigener Aussage) mir zuliebe keinen neuen Partner gesucht, weil ich das wohl nicht verkraftet hätte. Es hat auch lange gedauert, die Traumata die ich davongetragen hatte, zu bewältigen. Inzwischen studiere ich, wohne aber noch daheim. Wir sprachen wirklich über alles, hatten oft die gleichen Gedanken im gleichen Moment und ich habe kaum etwas mit Freunden unternommen (extrem viele hatte ich auch nicht), weil mir meine Mama, die Unternehmungen mit ihr und ihren Freunden (war sehr oft dabei) einfach genügt haben. Ich habe nie gegen sie aufbegehrt oder in der Pubertät "rebelliert". Jetzt habe ich aber plötzlich einen Freundeskreis, aber leider einen unpassenden. Einige von ihnen stammen aus einer anderen "Schicht", bildungs- wie auch gesellschaftstechnisch. Nicht alle, aber eben doch einige. Wir unternehmen viel zusammen und haben auch einige zeitintensive Hobbies. Und das größte Problem ist mein Freund, weil er nur einen einfachen Beruf erlernt hat und aus einer einfachen Familie kommt. Meine Familie erträgt es nicht, er darf unser Haus nicht betreten und meine Mama möchte nichts mit ihm zu tun haben. Sie wird von all ihren Freunden (die teils in unglücklichen Ehen gefangen sind, teils von weiter weg kommen und ihn noch nicht mal gesehen haben) in ihrer radikalen Ablehnug bekräftigt, auch von meinen Großeltern (weil solche Menschen kein Umgang für ein intelligentes und gebildetes Mädchen wie mich wären). und es stimmt, jahrelang war mir keiner gut genug, aber ich genieße mit ihm einfach diesen "Ausgleich" zum Studium und dem Stress. Leider habe ich auch Fehler begangen, habe meiner Mama mal nicht gesagt dass ich bei ihm übernachte, wenn wir etwas unternommen haben. Natürlich hätte ich es ihr sagen müssen. Aber in den Momenten fand ich es leider irgendwie nicht so dramatisch. Und nachdem deshalb wieder ein riesen Streit entbrannt ist, habe ich ihr gesagt dass ich am kommenden Abend nicht da bin, falls ich meinen Lernstoff schaffe. Ich bin von meinem Freund geholt worden, sie war noch nicht daheim. Und dann wieder am nächsten Tag der Streit: ich bin eine hinterfotzige Lügnerin, weil ich nicht konkret gesagt habe dass ich mit meinem unsäglichen Freund unterwegs wäre, weil ich nach dem Streit den Anstand haben müsste einige Tage zuhause zu bleiben und so weiter. In der Woche bin ich ca. 3 Abende nicht da oder unternehme wochenends mal was ohne sie. Das findet sie viel zu viel. Jetzt meint sie, ich stürze sie mit meiner Respektlosigkeit in den Tod weil sie emotional zusammenbricht und ich käme genau nach meinem Vater, ich wäre genauso zerstörerisch und verlogen. Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht wie die Beziehung noch zu retten ist. Ich möchte mich halt auch nicht um des lieben Friedens willen von meinem Freund trennen, da ich ihn wirklich mag.. Natürlich ist meine Mama für mich unglaublich wichtig, aber was soll ich jetzt tun außer meine ganzen Kontakte abzubrechen und alles so zu machen wie früher?
 

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8. November 2017 um 8:29
In Antwort auf srkh

Hallo, ich wende mich an das Forum, weil ich inzwischen wirklich verzweifelt bin.
Ich bin 19 und hatte immer ein extrem enges Verhältnis zu meiner Mama, wir waren eigentlich fast wie "zusammengewachsen". Von Anfang an war unsere Beziehung auch geprägt von meinem Vater, der ein wirklich bösartiger und beinahe hinterlistiger Mensch war und der hautsächlich das Ziel hatte, kein gutes Haar an meiner Mutter und auch an mir zu lassen (war damals ein Kleinkind), und - sobald er nicht mehr "gebraucht" hat - mit brutaler Härte gegen sie vorgegangen ist. Sie musste lange um mein Wohl und auch das ihre kämpfen. Danach hat sie sich (laut eigener Aussage) mir zuliebe keinen neuen Partner gesucht, weil ich das wohl nicht verkraftet hätte. Es hat auch lange gedauert, die Traumata die ich davongetragen hatte, zu bewältigen. Inzwischen studiere ich, wohne aber noch daheim. Wir sprachen wirklich über alles, hatten oft die gleichen Gedanken im gleichen Moment und ich habe kaum etwas mit Freunden unternommen (extrem viele hatte ich auch nicht), weil mir meine Mama, die Unternehmungen mit ihr und ihren Freunden (war sehr oft dabei) einfach genügt haben. Ich habe nie gegen sie aufbegehrt oder in der Pubertät "rebelliert". Jetzt habe ich aber plötzlich einen Freundeskreis, aber leider einen unpassenden. Einige von ihnen stammen aus einer anderen "Schicht", bildungs- wie auch gesellschaftstechnisch. Nicht alle, aber eben doch einige. Wir unternehmen viel zusammen und haben auch einige zeitintensive Hobbies. Und das größte Problem ist mein Freund, weil er nur einen einfachen Beruf erlernt hat und aus einer einfachen Familie kommt. Meine Familie erträgt es nicht, er darf unser Haus nicht betreten und meine Mama möchte nichts mit ihm zu tun haben. Sie wird von all ihren Freunden (die teils in unglücklichen Ehen gefangen sind, teils von weiter weg kommen und ihn noch nicht mal gesehen haben) in ihrer radikalen Ablehnug bekräftigt, auch von meinen Großeltern (weil solche Menschen kein Umgang für ein intelligentes und gebildetes Mädchen wie mich wären). und es stimmt, jahrelang war mir keiner gut genug, aber ich genieße mit ihm einfach diesen "Ausgleich" zum Studium und dem Stress. Leider habe ich auch Fehler begangen, habe meiner Mama mal nicht gesagt dass ich bei ihm übernachte, wenn wir etwas unternommen haben. Natürlich hätte ich es ihr sagen müssen. Aber in den Momenten fand ich es leider irgendwie nicht so dramatisch. Und nachdem deshalb wieder ein riesen Streit entbrannt ist, habe ich ihr gesagt dass ich am kommenden Abend nicht da bin, falls ich meinen Lernstoff schaffe. Ich bin von meinem Freund geholt worden, sie war noch nicht daheim. Und dann wieder am nächsten Tag der Streit: ich bin eine hinterfotzige Lügnerin, weil ich nicht konkret gesagt habe dass ich mit meinem unsäglichen Freund unterwegs wäre, weil ich nach dem Streit den Anstand haben müsste einige Tage zuhause zu bleiben und so weiter. In der Woche bin ich ca. 3 Abende nicht da oder unternehme wochenends mal was ohne sie. Das findet sie viel zu viel. Jetzt meint sie, ich stürze sie mit meiner Respektlosigkeit in den Tod weil sie emotional zusammenbricht und ich käme genau nach meinem Vater, ich wäre genauso zerstörerisch und verlogen. Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht wie die Beziehung noch zu retten ist. Ich möchte mich halt auch nicht um des lieben Friedens willen von meinem Freund trennen, da ich ihn wirklich mag.. Natürlich ist meine Mama für mich unglaublich wichtig, aber was soll ich jetzt tun außer meine ganzen Kontakte abzubrechen und alles so zu machen wie früher?
 

Hej
Du machst offensichtlich einen schweren Abnabelungsprozess durch.
Gerade, weil Du diesen in der Pubertät nicht schon ein bisschen gemacht hast, ist es umso mehr jetzt.

Bei mir war es auch schwierig für meine Mutter. Sie hätte fast den Kontakt zu mir abgebrochen, als ich ausgezogen bin, und sie war auch mit meiner Freundin. Bei mir hat jedoch die Familie positiv auf sie gewirkt.

Ich denke, es muss Dir bewusst sein, dass es ein Abnabelungsprozess ist, den Du durchgehen musst.
Dein Freund tut Die gut, dann behalte ihn unbedingt. Mach nicht Deiner Mutter zuliebe das kapputt.

Ganz gemein sind die Vorwürfe Deiner Mutter. Eine Aussage, Du seist wie Dein Vatee ist ausschliesslich verletzend und nichts anderes. Würde Sie sagen Du bist doof oder egoistisch oder naiv (nur Beispiele), dann könnte man evtl. noch daran arbeiten (ich meine es nur als Beispiele); jedoch eine Aussage "Du bist wie Dein Vater" hilft nicht, denn Du bist ja so, es ist nur gemein und nichts anderes. Ich würde da mal einen Brief schreiben, wo Du diese Aussage verbietest.

Übrigens: jeder von uns ist Egoist. Als junge Frau, die sich langsam aufmacht erwachsen und selbständig zu werden, ist das gesunder Egoismus.
Ungesunder Egoismus ist, wenn Deine Mutter die junge Tochter braucht und nicht loslässt.

Viel Glück!

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