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Wie werde ich weniger außenorientiert?

15. März 2016 um 21:22

Hallo zusammen,

ich muss mir doch leider immer wieder von Zeit zu Zeit Dinge von der Seele schreiben.. vllt. bin ich doch ein deutlich verschlossenerer Mensch als ich denke.. wobei ich glaube zu wissen wo die Ursache für die meisten meiner Probleme liegt; es ist die Außenorientiertheit vermutlich gepaart mit einem eher schwachen Selbstbewusstsein. Ich kann mich davon einfach nicht lösen.. von den Erwartungen der anderen.. von dem sozialen Druck meines Umfelds. Ich will so gerne gefallen. Und das ist mein großes Problem. Ich achte sehr auf die Meinung der anderen. Umso mehr leide ich, wenn ich das Gefühl habe, dass die Meinung über mich schlecht ist. Ich kann es nicht ändern, dass ich darunter sehr leide. Das bezieht sich momentan im Speziellen auf eine Liebschaft von mir. Ich finde ihn als Mensch toll und muss sagen, dass ich sehr glücklich mit ihm bin. Ich glaube es gibt momentan kaum jemanden, der mich glücklicher machen kann. Also warum so hadern? Es ist mir sogar hier unangenehm darüber zu schreiben, was wirklich ein schlechtes Zeichen ist.. wenn man bedenkt, dass mich ja sowieso keiner kennt. Das "Problem" an ihm ist, dass er erstens in einer Burschenschaft ist und zweitens in der AfD. Diese Kombination ist eigentlich wirklich schlimm für mich und ich traue mich nicht es irgendjemandem zu erzählen. Ich habe natürlich selbst meine Zweifel und der Grundtenor in Burschenschaften (rechtes Gedankengut) gefällt mir überhaupt nicht und auch von der AfD halte ich absolut gar nichts. Ich weiß allerdings, dass er ein Guter ist und keinem Menschen etwas zu Leide tun will und auch nicht "rechts" denkt, wenn auch vielleicht teilweise etwas traditionell. Ich dagegen bin eigentlich in meiner ganzen Art eher "links". Ich würde ihn definitiv als Menschenfreund bezeichnen und in gewisser Weise ist diese politische Diskrepanz bei uns auch sehr sexy. Es wird nie langweilig und wir diskutieren viel und geben uns gegenseitig unterschiedliche Denkansätze. Ich habe starke Gefühle für ihn, traue mich gleichzeitig aber nicht in der Öffentlichkeit zu ihm zu stehen. Vor allem vor Freunden.. es fällt mir so schwer ihn in mein Leben zu lassen, aus Angst was die anderen denken und hinter meinem Rücken über mich/uns reden könnten. Ich weiß einfach nicht wie ich diese Welten vereinen soll und fühle mich so furchtbar gespalten.. eine Zeit lang war diese Geheimnistuerei auch sehr reizvoll. Aber so langsam finde ich es nur noch anstrengend, die ganze Zeit etwas verschleiern zu müssen und nicht offen mit meinen Gefühlen umgehen zu können.. am liebsten würde ich zur Zeit einfach mit ihm abhauen und ein neues Leben starten; irgendwo im Ausland wo uns keiner kennt und gemeinsam bei Null starten und sich ein neues, gemeinsames Umfeld aufbauen.. ohne AfD und Burschenschaft.. aber das ist Wunschdenken.

So, das ist das eine Problem. Dass ich mich hin- und hergerissen fühle. Das wird auch dadurch verstärkt, dass ich gerade ein Masterstudium begonnen habe in dem die Strukturen sehr locker sind und man keinen wirklichen Zusammenhalt unter den Kommilitonen hat. Dadurch fühle ich mich ein wenig einsam und es ist mir alles ein wenig zu unverbindlich. Keine richtigen Freundschaften, wenn auch teilweise große Sympathie. Aber man muss sich schon bemühen den Anschluss nicht zu verpassen.. und ich möchte auch nicht während dem gesamten Studium als Außenseiter dastehen und keine wirkliche Bezugsperson haben.. aber gleichzeitig finde ich es so mühsam. Ich hätte einfach gerne meine kleine Clique mit der ich jede Vorlesung zusammen habe und man alles gemeinsam durchgeht. Ich fühle mich wohl im Kollektiv, aber das Studium ist nicht so ausgelegt, dass sich so ein Zusammenhalt ergibt, weil alle unterschiedliche Module belegen.. habe meinen Bachelor an einer FH gemacht, da war das ganz anders.. und ich sehne mich ein wenig danach zurück. Ich glaube ich bin einfach nicht ganz der Uni-Typ. Ich mag es eher klein und familiär.

Das führt mich zu meinem nächsten Problem: Überforderung. Ich fühle mich momentan ein wenig überfordert und unterlegen.. ich muss zugeben, dass es schon auch ein wenig leichter war an der FH. Und jetzt merke ich, dass ich durchaus ein paar Defizite gegenüber den anderen habe. Vorher hatte ich meine Gruppe und wir haben uns immer gegenseitig bei allem geholfen. Jetzt bin ich auf mich alleine gestellt und merke, dass ich damit so meine Schwierigkeiten habe. Meine Bachelorarbeit war z.B. die einzige wissenschaftliche Arbeit, die ich bisher geschrieben hab. Sowas wie Hausarbeiten gab's bei uns praktisch nicht.. hier ist das jetzt Gang und Gebe.. und teilweise auch in Form von Gruppenarbeit, was der absolute Horror ist. Neulich hatte ich eine Arbeit mit einer Mädelsgruppe, mit der ich auch so ein wenig befreundet bin.. und habe das Gefühl ich hab mich total dumm angestellt. Ich wurde nicht wirklich ernst genommen und ich glaube ich hab größtenteils Mist fabriziert und wusste auch echt nicht so wirklich Bescheid was die ganzen Regeln angeht.. die BA ist schon ne Weile her und ich bin einfach wirklich nicht geübt im wissenschaftlichen Arbeiten. Gleichzeitig habe ich mich auch nicht sonderlich angestrengt.. bzw. war eher so semi-bemüht. Ich glaube die Mädels waren mir auch nen Ticken zu engagiert.. also sehr über-perfektionistisch. Ich bin einfach nicht so gewissenhaft und eher etwas schluderig und dann bleiben halt einfach paar Fehler übrig und ich komme mir irgendwie so vor als könnte man sich nicht auf meine Leistung verlassen. Was ja auch stimmt.. deswegen bin ich grade auch echt unzufrieden mit mir, dass ich mich nicht ein bisschen mehr angestrengt habe und mir das alles nochmal vorher durchgelesen habe wie man was macht und was die Regeln sind und nicht einfach so drauf los machen und hoffen, dass es schon irgendwie passen wird. (meistens fahre ich ganz gut damit).. merke aber, dass es in letzter Zeit immer häufiger schief geht. :/ Ich werde da zwar nie der Typ sein, der seine komplette Energie und sein Herzblut in so eine Arbeit steckt, aber komplett schlechte Leistung möchte ich jetzt auch nicht erbringen. Ja und jetzt bin ich enttäuscht von mir und habe das Gefühl mich blamiert zu haben.. und irgendwie fällt es mir jetzt schwer ganz normal vor ihnen zu tun. Jetzt ist da irgendwie der Elefant im Raum, den keiner ansprechen will.. und ich habe das Gefühl das steht jetzt zwischen uns. Auch wieder die Außenorientiertheit.. die denken jetzt alle "die hat's ja mal gar nicht drauf" und "wie hat die ihr Studium gepackt"...ich fühl mich grade echt unfähig. Teilweise bin ich sicherlich auch ein wenig faul und unstrukturiert in meiner Arbeitsweise.. aber das ist denke ich einfach ne Typ-Sache.. ich bin halt eher der "Chiller", wenn man so will... und es fällt mir schwer wirklich engagiert zu sein. Ich gehe halt meistens den Weg des geringsten Widerstandes und der am einfachsten für mich ist.. per se kann ich daran auch nichts Schlechtes sehen.. warum sollte ich es mir denn unnötig schwer machen, wenn es auch einfacher sein kann? Aber gleichzeitig möchte ich natürlich nicht als komplett unfähig dastehen... Ich glaube ich bin auch so einfach nicht sonderlich leistungsorientiert und das wird zunehmend zum Problem.. eigentlich möchte ich nur mein Leben genießen und schöne Momente erleben und dafür eben das Nötigste tun, um mir meine Träume zu ermöglichen.. aber naja mir den Arsch für irgendein Unternehmen aufzureißen.. warum sollte ich das tun? Das ist einfach Lebenszeitverschwendung für mich.. ein bisschen sehe ich das eben auch mit der Uni so. Ich will jetzt zwar keine schlechten Noten haben und schaue schon, dass die auch ordentlich sind. Aber ich versuche eben möglichst Module zu belegen, die nicht allzu schwer sind.. und man mit möglichst wenig Aufwand eine gute Note bekommt. Teilweise habe ich auch Module belegt, die mich wirklich interessieren.. aber z.B. Hausarbeiten schreiben macht mir echt keinen Spaß und da bin ich dann auch super wenig bemüht. Bestimmt bin ich auch ein bisschen der klassische Tritt-Brett-Fahrer.. ich mach nicht unbedingt mehr als ich muss. Sicherlich ist das eher eine schlechte Eigenschaft und ich bin auch nicht unbedingt stolz drauf. Aber gleichzeitig mag ich eben das gemütliche Leben und möchte mich auch gar nicht zuu sehr anstrengen (was nicht heißt, dass ich mich gar nicht anstrenge.. aber eben nur so viel wie nötig) und ja, empfinde irgendwie keine Befriedigung darin Top-Leistung zu erbringen.

Naja familiär kommt auch noch ein Krankheitsfall dazu, der mich gedanklich auch sehr beschäftigt.. was die Leistungsfähigkeit und Motivation noch mehr einschränkt. Da ich meine Emotionen nicht einfach so wegstecken kann und dann schon mal schnell einige Tage plötzlich ziemlich unproduktiv werden..


Keine Ahnung, ob das überhaupt wer liest. ist ja ganz schön lang geworden.. und wahrscheinlich sind das für die meisten jetzt keine riesigen Probleme.. aber ja, ich merke, dass ich langsam erwachsen werden muss und lernen muss wirklich Verantwortung zu übernehmen und Dinge durchzuziehen. Nur irgendwie scheint das eben so ganz und gar nicht spaßig zu sein.

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