Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Wie werde ich endlich frei und erwachsen?

14. März um 23:27 Letzte Antwort: 26. März um 20:14

Hey, ich möchte das jetzt endlich in die Hand nehmen und wage mich das erste mal an die "Öffentlichkeit". Ich bin bereits seit einiger Zeit in Therapie und komme gut mit meiner Therapeutin aus. Die Behandlung hat mir vor allem offengelegt wie unfassbar broke ich bin.
Was ist mein Problem? Ich habe grundsätzlich alles, was es zum Leben braucht. Essen, Wohnung, eine Familie die vor allem durch Arbeit (und nicht durch Geld) vieles versucht zu ermöglicht und in gewisser Weise einen Ansprechpartner für alles wirklich wichtige bietet.
Ich habe nie eine wirkliche Misshandlung erleiden müssen oder sonstig ernsthafte Situationen erlebt.
Meine Mutter war psychisch labil und später dann so krank, dass sie sich das Leben nahm.
Mein Vater ist ein sehr starker und familientreuer Mensch, der uns Zurückgebliebenen so gut es nur irgendwie ging, durch diese Zeit brachte. Ich habe keine Schädigungen erlitten die mich zu einer ebenso kranken Persönlichkeit gemacht hätten.
Seit ich sechs Jahre alt bin verliebe ich mich in ältere Männer. Eigentlich immer Menschen, die ich aufgrund einer äußeren Konstellation anhimmeln und idealisieren konnte. Oft welche, die eine Art Macht besitzen (auch wenn mir das Wort Macht nicht passt, aber vermutlich geht es um die Macht, auf mich aufzupassen).
Seit ich also sechs bin fahre ich absolute Gefühlsachterbahnen, komme nie an, und bin jedes Mal aufs Neue unglaublich erschöpft wenn ich zum Ende einer solchen Phase komme.
Von unerreichbaren Filmpersonen, fiktiven Charakteren, Sängern, Erziehern, nun Menschen im realeren Umfeld, Chefs, Ärzte. Wenn sich Gefühle entwickeln, das tun sie bei einer passenden Mischung an Faktoren prompt, sind sie sehr verlockend und selbst wenn ich wöllte, bekomme ich sie nicht los. Es ist unmöglich für mich davon loszukommen oder zu versuchen die Gründe in mir für dieses Geschehen zu akzeptieren um nach und nach eine gesündere Haltung oder zumindest einen gesünderen Umgang damit zu erlernen. Davon bin ich weit entfernt. Ich musste nun nach langer Ahnung feststellen, dass ich bei dieser Tortur an Energien keine übrig hatte für meine persönliche Entwicklung. Ich bin in manchen Dingen so unterentwickelt, hilflos, wahnsinnig naiv, hoffnungsvoll, wie mit sechs Jahren. Sex immer nur interessant zu Beginn einer Beziehung (wenn diese Art Wahngefühle eine Rolle spielen) und später dann unerträglich. Mittlerweile habe ich schon eine leichte Abneigung gegen das männliche Glied entwickelt. Es ist zum Verzweifeln. Mein ganzes Leben liegt nur in den Fängen dieser emotionalen Sucht. Denn das verhängnisvolle: Es verspricht neben Leiden und dem Druck alles zu tun und riskieren was geht, um dieser Sehnsucht nachzukommen, auch den Sinn im Leben. Es ist wie die duftend frische und saftige Frucht die am Horizont frohlockt, während ich vom Schlamm des alltäglichen Lebens in grauen Farben klebend zurückgehalten werde. Je mehr ich versuche im Hier und Jetzt etwas ins positive zu verändern oder eben nicht, nur zu akzeptieren, umfängt mich das Grau und ich verliere die Orientierung. Es breitet sich eine gähnene, verzehrende Langeweile in meinem Herzen, in meiner Brust aus und presst mit einem so ungeheuren Druck gegen mein Inneres, dass ich drohe zu explodieren. Vielleicht ist es nur als Langeweile getarnt. In Wahrheit vielleicht das gleiche Gefühl wie mit sechs darauf zu warten und zu hoffen, dass sich einer meiner Eltern erbarmt und mich durch ihr Erkennen zum Leben bringt. Vielleicht ist es ein Warten. Egal was ich tue, Hobbys, Interessen verfolgen, mir selbst genug sein, mich lieben, in Ruhe atmen, weniger Erwartungen, keine Erwartungen an mich oder andre erheben, das Leben zu nehmen wie es ist, oder eben nicht und Ziele zu verfolgen, so komme ich doch keinen Zentimeter weiter. Ich meditiere, überlege, ob ich wohl gar nicht weiter muss, ich mir nur eine andre Brille aufsetzen sollte, oder vielleicht einfach nur eine absetzen muss, es verändert sich nichts.
Nach einer langen Erschöpfungsphase ging es mir zumindest nicht mehr so wild, ich konnte mich beruhigen, arrangieren mit dem, was ist. Aber kaum ist mein Akku wieder halb geladen feuern die Verliebtheitsgefühle vom Neuen. Es gibt mir Sinn, Freude, Sehnsucht, Gefühle und Farbe, aber entzieht mir auch zugleich jegliche Lebenskraft und Normalität.
Verdrängen, akzeptieren, fragen, nichts bringt mich weiter.
Woran liegt das? Es liegt wohl an einem Mangel in der Kindheit und Jugend. Ich war viel auf mich allein gestellt, musste die Große sein. Habe aufgepasst, Fehler waren nicht gut. Das wusste ich selbst. Wenig Wertschätzung und Anerkennung, mein Vater ist selbst schambesetzt würde er mir einen Kuss auf die Stirn geben. Ich muss mit anpacken, soll leisten was ein Mann leistet. Irgendwie weiß er dass er manchmal etwas zu viel von mir verlangt. Aber ich weiß, dass er auch zu viel von sich selbst verlangt. Es wär ein leichtes zu sagen hier liegt der Hase begraben. Da ist so viel mehr. Und einem Vater, der vieles opfert, den Rücken zu kehren, ist nicht die alleinige Lösung.
Als ich letztens vor einer Behandlung beim Arzt stand und geflennt habe aus Angst vor der Behandlung, wurde ich ungewohnt einfühlsam in Schutz genommen und war von Kompetenz und Menschlichkeit überworfen und verliebte mich. "Verliebte" Dass das keine Liebe auf Augenhöhe ist... Und ehrlich gesagt wird mir klar, dass ich noch nie auf diese natürliche Weise geliebt habe. Es geht immer nur um Aufmerksamkeit, um Anerkennung, und ums Solidarisieren. Mit mir.
Ich bin sonst im Leben bei diesen Punkten sehr empfindlich. Und gerade weil ich so viel davon bräuchte, ungefragt, fühlte ich mich nie zugehörig im normalen Leben. Was ich auch versuchte, in mir klafft immer dieses große Loch an dessen Rand ich stehe. Melancholie. Kennt ihr das, diese kühle Luft die einen umfängt, steht man vor einem solch tiefem Nichts. Wie an einem windigen, intensivgräulichen Tag, angenehme Luftfeuchtigkeit und Geborgenheit, aber zugleich diese Verlorenheit.
Was ist mein Problem und vor allem: Wie bitte, wie kann ich mich besser fühlen?
Manchmal, wenn ich genug Konzentration zusammenbringen kann, stelle ich mir angenehme Situationen vor. Ich versuche dann danach herauszufinden worum es dabei eigentlich geht und wie ich mir da selbst helfen kann, mich in die richtige Richtung schubsen kann. Vorhin stellte ich mir vor, wie ich dem Arzt erzähle, nachdem er fragte ob ich was gegen meine Ängste tue und dass ich vielleicht einsehen konnte dass die Behandlung nicht schlimm war, ich ihm etwas von mir erzählte. Dass ich ihm dankbar dafür bin und genau das meine Ängste genommen hat, sein Dasein. Und dass ich das Gefühl hatte, das von jemanden zu bekommen den ich geistig begreifen kann. Ich stoße bei vielen an Grenzen, weil sie nicht die Welt sehen die ich sehe. Ich meine nicht die melancholische Färbung, sondern Details eben, feine Mimiken von Menschen, Alltagshumor, Ideen, usw. (In solchen kurzen Momenten spüre ich einen Funken Hoffnung, dass ich eigentlich ein vielfältiger Mensch bin und einfach niemand passenden für mich gefunden habe, der mir meine sozialen Bedürfnisse erfüllt und das auch schwierig wird, weil ich zu empfindlich bin, wenn verschiedene Standpunkte auftreten. Wobei ich nichts gegen das Streiten habe.)
Dass ich denke von ihm geistig gefordert zu werden, er ähnliche menschliche Ansichten lebt und diese Frische hat, lebt, mit dem man Spaß haben kann. Ein bisschen schadenfoh war er wohl auch, das passt für mich. Er steckt einfach so im Leben, so wie ich es auch tue, wenn es mir gut geht und ein bisschen anders ist, wie ich. Einfach das tut, was ihm passt, aber ohne dabei ein Rebell zu sein, mehr ein intelligenter Mensch.
Kurz vorm Gehen ich in Schnelldurchlauf in die letzte Minute des Termins hineinquetsche, ob er mich nicht für eine Stunde in der Woche psychosomatisch durch liebevolle Sitzungen behandelt, mich umarmt und einfach seine Vorträge hält, wir uns Fragen stellen und einfach etwas erschaffen, frei von Bezeichnungen, sondern einfach das was gut tut. Ich das aber leider nicht bezahlen könnte, außer er gibt sich mit meiner Gesellschaft und gutem Essen zufrieden. Ich sage, oh ok, ich sehe das schlägt nicht an während er mich noch leicht verwirrt anguckt, vergessen wir was ich die letzten Sekunden sagte, und wenn ich mich pflege wohl auch nicht mehr hier auftauchen müsste, danke und einen schönen Tag. Während ich flink durch die Tür entwische er mich ins Zimmer zurückholt, die Tür hinter sich schließt und mich fest und bewusst umarmt. Meine Idee gut findet.
Das gibt mir so viel Lebensenergie und Freude, dass ich jedem der trübselig dreinschaut bei der Hand fassen möchte und ihn beiläufig frage, warum er nicht einfach lebt, während ich ihn einfach mit in mein Leben nehme um ihn wieder auf Vordermann zu bringen bis er seine eigenen Ziele verfolgen möchte. Es gibt dann keine Grenzen mehr für mich.
Ein wunderbares Gefühl. Was wohl niemals Realität werden wird.

Ja, irgendwie ist das ein Luxusproblem. Aber es ist ein wahres Problem. Ich habe es selbst als Luxus angesehen und mich gepeitscht, dass das nicht sein kann. Ich habe alles. Ja, ich sehe dass es da etwas gibt, dass nicht stimmt, aber ich werde das auch hinbekommen. Ganz sicher! Aber zugleich erdrückt mich die Verpflichtung vor meinem Problem erst eine Lösung für die Weltproblematik herbei zu schaffen. Denn wenn ich so nicht glücklich sein kann, wie Kinderarbeiter, Kindersoldaten, stark erkrankte Menschen, hungernde Menschen, misshandelte und ermorderte Menschen, ganze Völkergruppen unterdrückte, in Angst lebende Menschen,... Wie kann das sein? Wie kann das nur sein? Ich muss so schwach sein, dass sich das zu einem derartigen Problem entwickelt hat.

Ich weiß wirklich nicht mehr weiter. Ich möchte einfach nur zufrieden sein. Ich habe auch Sorge, damit eine Art Ultimatum aufzustellen. Das wäre im Verhältnis zur Weltgeschichte und aktuellen Lage unglaublich schwach respektlos. Aber es wäre auch einfach nur Leugnung, würde ich das innere Problem nicht aussprechen dürfen.

Ich weiß nicht wie ich mich heilen kann, ich weiß es nicht. Ich verbringe alle Zeit damit, einen Weg zu finden und selbst wenn ich mal die Lösung versuche zu finden indem ich einfach nur das Leben so sein lasse wie es ist, ist das nichts als diese erdrückende Langeweile. Das Warten.

Ich habe schon viele solcher Einträge gelesen, habe auch versucht mit diesen Menschen in Kontakt zu kommen oder mit den Antwortenden. Aber auch das war alles nichts das mich weiterbringen konnte. Es gibt noch weitere Dinge die in diesen Strudel an Problemen mit hineinspielen, aber selbst dieser Text ist so lang, das ich kaum glaube eine angemessene Antwort zu erhalten. Aber weniger zu schreiben würde wieder ein Eintrag bedeuten, der niemanden etwas bringt.

Ich bin Mitte 20 und ja, ich bin so unglaublich kindlich für viele, aber dann wieder so viel zu alt und tiefgründig. 

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15. März um 13:44

Genauso wie du es beschreibst fühle ich mich. Ich muss es beschämend zugeben. Es ist die Sucht nach dir. Meine Gefangenheit in den Gefühlen zu dir. Keiner versteht mich wie du. Du reizt, stichst, provoziert, sprichst durch die Blume, bist direkt, lachst mich aus, stößt mich weg, schenkst meinem Inneren Aufmerksamkeit. Jedoch sind es alle meine Defizite die du beim Namen nennst. Erinnere deinen Blick, der mich verstand ohne Worte. Ich empfinde mehr als Freundschaft für dich. Es ist so bitter, dass es soweit kommen musste. Dass ich besessen von dir bin. Würde gern durch dick und dünn mit dir gehen. Mit dir mich unbesiegbar fühlen. Allen Widerständen trotzen. Mich selbst fühlen. Das scheinbar unendliche Glück durch dich fühlen. Du willst mich wachrütteln, stehst kopfschüttelnd neben mir. Ich begreife mich selber nicht. Drückst mich sehenden Auges mit der Nase direkt in die Scheiße. Und doch ändere ich nichts. Es kostet dich Energie. Ich bin Ohnmächtig. Finde die Abzweigung nicht. Bist mein Magnet, auch wenn du schmerzt. Weil du meine Seele berührst. Für mich bist du mehr als eine Vaterfigur. Warum lass ich nicht los. Wie und wann werde ich erwachsen und frei von dir? Es ist wirklich ein Luxusproblem. Du appellierst an meinen Verstand. Ich gebe ertappt zu, dass ich es nicht hinbekomme. Das Leben ohne dich ist einfach grau. 

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15. März um 16:22

Ich habe dir persönlich geschrieben...

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16. März um 16:40

Lange Geschichte kurzer Sinn, einfach erwachsen werden!

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25. März um 21:13
In Antwort auf

Hey, ich möchte das jetzt endlich in die Hand nehmen und wage mich das erste mal an die "Öffentlichkeit". Ich bin bereits seit einiger Zeit in Therapie und komme gut mit meiner Therapeutin aus. Die Behandlung hat mir vor allem offengelegt wie unfassbar broke ich bin.
Was ist mein Problem? Ich habe grundsätzlich alles, was es zum Leben braucht. Essen, Wohnung, eine Familie die vor allem durch Arbeit (und nicht durch Geld) vieles versucht zu ermöglicht und in gewisser Weise einen Ansprechpartner für alles wirklich wichtige bietet.
Ich habe nie eine wirkliche Misshandlung erleiden müssen oder sonstig ernsthafte Situationen erlebt.
Meine Mutter war psychisch labil und später dann so krank, dass sie sich das Leben nahm.
Mein Vater ist ein sehr starker und familientreuer Mensch, der uns Zurückgebliebenen so gut es nur irgendwie ging, durch diese Zeit brachte. Ich habe keine Schädigungen erlitten die mich zu einer ebenso kranken Persönlichkeit gemacht hätten.
Seit ich sechs Jahre alt bin verliebe ich mich in ältere Männer. Eigentlich immer Menschen, die ich aufgrund einer äußeren Konstellation anhimmeln und idealisieren konnte. Oft welche, die eine Art Macht besitzen (auch wenn mir das Wort Macht nicht passt, aber vermutlich geht es um die Macht, auf mich aufzupassen).
Seit ich also sechs bin fahre ich absolute Gefühlsachterbahnen, komme nie an, und bin jedes Mal aufs Neue unglaublich erschöpft wenn ich zum Ende einer solchen Phase komme.
Von unerreichbaren Filmpersonen, fiktiven Charakteren, Sängern, Erziehern, nun Menschen im realeren Umfeld, Chefs, Ärzte. Wenn sich Gefühle entwickeln, das tun sie bei einer passenden Mischung an Faktoren prompt, sind sie sehr verlockend und selbst wenn ich wöllte, bekomme ich sie nicht los. Es ist unmöglich für mich davon loszukommen oder zu versuchen die Gründe in mir für dieses Geschehen zu akzeptieren um nach und nach eine gesündere Haltung oder zumindest einen gesünderen Umgang damit zu erlernen. Davon bin ich weit entfernt. Ich musste nun nach langer Ahnung feststellen, dass ich bei dieser Tortur an Energien keine übrig hatte für meine persönliche Entwicklung. Ich bin in manchen Dingen so unterentwickelt, hilflos, wahnsinnig naiv, hoffnungsvoll, wie mit sechs Jahren. Sex immer nur interessant zu Beginn einer Beziehung (wenn diese Art Wahngefühle eine Rolle spielen) und später dann unerträglich. Mittlerweile habe ich schon eine leichte Abneigung gegen das männliche Glied entwickelt. Es ist zum Verzweifeln. Mein ganzes Leben liegt nur in den Fängen dieser emotionalen Sucht. Denn das verhängnisvolle: Es verspricht neben Leiden und dem Druck alles zu tun und riskieren was geht, um dieser Sehnsucht nachzukommen, auch den Sinn im Leben. Es ist wie die duftend frische und saftige Frucht die am Horizont frohlockt, während ich vom Schlamm des alltäglichen Lebens in grauen Farben klebend zurückgehalten werde. Je mehr ich versuche im Hier und Jetzt etwas ins positive zu verändern oder eben nicht, nur zu akzeptieren, umfängt mich das Grau und ich verliere die Orientierung. Es breitet sich eine gähnene, verzehrende Langeweile in meinem Herzen, in meiner Brust aus und presst mit einem so ungeheuren Druck gegen mein Inneres, dass ich drohe zu explodieren. Vielleicht ist es nur als Langeweile getarnt. In Wahrheit vielleicht das gleiche Gefühl wie mit sechs darauf zu warten und zu hoffen, dass sich einer meiner Eltern erbarmt und mich durch ihr Erkennen zum Leben bringt. Vielleicht ist es ein Warten. Egal was ich tue, Hobbys, Interessen verfolgen, mir selbst genug sein, mich lieben, in Ruhe atmen, weniger Erwartungen, keine Erwartungen an mich oder andre erheben, das Leben zu nehmen wie es ist, oder eben nicht und Ziele zu verfolgen, so komme ich doch keinen Zentimeter weiter. Ich meditiere, überlege, ob ich wohl gar nicht weiter muss, ich mir nur eine andre Brille aufsetzen sollte, oder vielleicht einfach nur eine absetzen muss, es verändert sich nichts.
Nach einer langen Erschöpfungsphase ging es mir zumindest nicht mehr so wild, ich konnte mich beruhigen, arrangieren mit dem, was ist. Aber kaum ist mein Akku wieder halb geladen feuern die Verliebtheitsgefühle vom Neuen. Es gibt mir Sinn, Freude, Sehnsucht, Gefühle und Farbe, aber entzieht mir auch zugleich jegliche Lebenskraft und Normalität.
Verdrängen, akzeptieren, fragen, nichts bringt mich weiter.
Woran liegt das? Es liegt wohl an einem Mangel in der Kindheit und Jugend. Ich war viel auf mich allein gestellt, musste die Große sein. Habe aufgepasst, Fehler waren nicht gut. Das wusste ich selbst. Wenig Wertschätzung und Anerkennung, mein Vater ist selbst schambesetzt würde er mir einen Kuss auf die Stirn geben. Ich muss mit anpacken, soll leisten was ein Mann leistet. Irgendwie weiß er dass er manchmal etwas zu viel von mir verlangt. Aber ich weiß, dass er auch zu viel von sich selbst verlangt. Es wär ein leichtes zu sagen hier liegt der Hase begraben. Da ist so viel mehr. Und einem Vater, der vieles opfert, den Rücken zu kehren, ist nicht die alleinige Lösung.
Als ich letztens vor einer Behandlung beim Arzt stand und geflennt habe aus Angst vor der Behandlung, wurde ich ungewohnt einfühlsam in Schutz genommen und war von Kompetenz und Menschlichkeit überworfen und verliebte mich. "Verliebte" Dass das keine Liebe auf Augenhöhe ist... Und ehrlich gesagt wird mir klar, dass ich noch nie auf diese natürliche Weise geliebt habe. Es geht immer nur um Aufmerksamkeit, um Anerkennung, und ums Solidarisieren. Mit mir.
Ich bin sonst im Leben bei diesen Punkten sehr empfindlich. Und gerade weil ich so viel davon bräuchte, ungefragt, fühlte ich mich nie zugehörig im normalen Leben. Was ich auch versuchte, in mir klafft immer dieses große Loch an dessen Rand ich stehe. Melancholie. Kennt ihr das, diese kühle Luft die einen umfängt, steht man vor einem solch tiefem Nichts. Wie an einem windigen, intensivgräulichen Tag, angenehme Luftfeuchtigkeit und Geborgenheit, aber zugleich diese Verlorenheit.
Was ist mein Problem und vor allem: Wie bitte, wie kann ich mich besser fühlen?
Manchmal, wenn ich genug Konzentration zusammenbringen kann, stelle ich mir angenehme Situationen vor. Ich versuche dann danach herauszufinden worum es dabei eigentlich geht und wie ich mir da selbst helfen kann, mich in die richtige Richtung schubsen kann. Vorhin stellte ich mir vor, wie ich dem Arzt erzähle, nachdem er fragte ob ich was gegen meine Ängste tue und dass ich vielleicht einsehen konnte dass die Behandlung nicht schlimm war, ich ihm etwas von mir erzählte. Dass ich ihm dankbar dafür bin und genau das meine Ängste genommen hat, sein Dasein. Und dass ich das Gefühl hatte, das von jemanden zu bekommen den ich geistig begreifen kann. Ich stoße bei vielen an Grenzen, weil sie nicht die Welt sehen die ich sehe. Ich meine nicht die melancholische Färbung, sondern Details eben, feine Mimiken von Menschen, Alltagshumor, Ideen, usw. (In solchen kurzen Momenten spüre ich einen Funken Hoffnung, dass ich eigentlich ein vielfältiger Mensch bin und einfach niemand passenden für mich gefunden habe, der mir meine sozialen Bedürfnisse erfüllt und das auch schwierig wird, weil ich zu empfindlich bin, wenn verschiedene Standpunkte auftreten. Wobei ich nichts gegen das Streiten habe.)
Dass ich denke von ihm geistig gefordert zu werden, er ähnliche menschliche Ansichten lebt und diese Frische hat, lebt, mit dem man Spaß haben kann. Ein bisschen schadenfoh war er wohl auch, das passt für mich. Er steckt einfach so im Leben, so wie ich es auch tue, wenn es mir gut geht und ein bisschen anders ist, wie ich. Einfach das tut, was ihm passt, aber ohne dabei ein Rebell zu sein, mehr ein intelligenter Mensch.
Kurz vorm Gehen ich in Schnelldurchlauf in die letzte Minute des Termins hineinquetsche, ob er mich nicht für eine Stunde in der Woche psychosomatisch durch liebevolle Sitzungen behandelt, mich umarmt und einfach seine Vorträge hält, wir uns Fragen stellen und einfach etwas erschaffen, frei von Bezeichnungen, sondern einfach das was gut tut. Ich das aber leider nicht bezahlen könnte, außer er gibt sich mit meiner Gesellschaft und gutem Essen zufrieden. Ich sage, oh ok, ich sehe das schlägt nicht an während er mich noch leicht verwirrt anguckt, vergessen wir was ich die letzten Sekunden sagte, und wenn ich mich pflege wohl auch nicht mehr hier auftauchen müsste, danke und einen schönen Tag. Während ich flink durch die Tür entwische er mich ins Zimmer zurückholt, die Tür hinter sich schließt und mich fest und bewusst umarmt. Meine Idee gut findet.
Das gibt mir so viel Lebensenergie und Freude, dass ich jedem der trübselig dreinschaut bei der Hand fassen möchte und ihn beiläufig frage, warum er nicht einfach lebt, während ich ihn einfach mit in mein Leben nehme um ihn wieder auf Vordermann zu bringen bis er seine eigenen Ziele verfolgen möchte. Es gibt dann keine Grenzen mehr für mich.
Ein wunderbares Gefühl. Was wohl niemals Realität werden wird.

Ja, irgendwie ist das ein Luxusproblem. Aber es ist ein wahres Problem. Ich habe es selbst als Luxus angesehen und mich gepeitscht, dass das nicht sein kann. Ich habe alles. Ja, ich sehe dass es da etwas gibt, dass nicht stimmt, aber ich werde das auch hinbekommen. Ganz sicher! Aber zugleich erdrückt mich die Verpflichtung vor meinem Problem erst eine Lösung für die Weltproblematik herbei zu schaffen. Denn wenn ich so nicht glücklich sein kann, wie Kinderarbeiter, Kindersoldaten, stark erkrankte Menschen, hungernde Menschen, misshandelte und ermorderte Menschen, ganze Völkergruppen unterdrückte, in Angst lebende Menschen,... Wie kann das sein? Wie kann das nur sein? Ich muss so schwach sein, dass sich das zu einem derartigen Problem entwickelt hat.

Ich weiß wirklich nicht mehr weiter. Ich möchte einfach nur zufrieden sein. Ich habe auch Sorge, damit eine Art Ultimatum aufzustellen. Das wäre im Verhältnis zur Weltgeschichte und aktuellen Lage unglaublich schwach respektlos. Aber es wäre auch einfach nur Leugnung, würde ich das innere Problem nicht aussprechen dürfen.

Ich weiß nicht wie ich mich heilen kann, ich weiß es nicht. Ich verbringe alle Zeit damit, einen Weg zu finden und selbst wenn ich mal die Lösung versuche zu finden indem ich einfach nur das Leben so sein lasse wie es ist, ist das nichts als diese erdrückende Langeweile. Das Warten.

Ich habe schon viele solcher Einträge gelesen, habe auch versucht mit diesen Menschen in Kontakt zu kommen oder mit den Antwortenden. Aber auch das war alles nichts das mich weiterbringen konnte. Es gibt noch weitere Dinge die in diesen Strudel an Problemen mit hineinspielen, aber selbst dieser Text ist so lang, das ich kaum glaube eine angemessene Antwort zu erhalten. Aber weniger zu schreiben würde wieder ein Eintrag bedeuten, der niemanden etwas bringt.

Ich bin Mitte 20 und ja, ich bin so unglaublich kindlich für viele, aber dann wieder so viel zu alt und tiefgründig. 

Die Probleme der Welt müssen gelöst sein, dass du glücklich bist?
Evtl solltest du die Medien ne Weile abschalten mach dir deine Welt ein bißchen kleiner, schaffe dir ne Welt mit wenigen Menschen dann bist du fähig allen zu helfen in deiner Welt. Und es geht nie alkes gleichzeitig gib den Dingen ne prio und arbeite danach ab und das nur in deinem Tempo es hilft nichts wenn du dich an eigentlich fremden Problemen nervlich aufreibst und daran zu Grunde gehst. 
Zur Liebe du kennst sie wohl noch nich du kennst das verliebt sein.
Offenbar verliebst du dich zu schnell und dein Raster ist recht speziell. Dass du aus dem Raster raus musst weißt du ja so wie ich lese selbst. 
Wenn dir dass was du und dein dad macht, als zu anstrengend empfindet setzt euch zusammen prüft ob ihr Anspruch auf Hilfe habt, versucht euch zu entlasten damit ihr endlich die Ruhe zum trauern findet. Ich habe irgendwie das gefühl das dafür nich die notwendige Zeit war. 

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26. März um 20:05
In Antwort auf

Die Probleme der Welt müssen gelöst sein, dass du glücklich bist?
Evtl solltest du die Medien ne Weile abschalten mach dir deine Welt ein bißchen kleiner, schaffe dir ne Welt mit wenigen Menschen dann bist du fähig allen zu helfen in deiner Welt. Und es geht nie alkes gleichzeitig gib den Dingen ne prio und arbeite danach ab und das nur in deinem Tempo es hilft nichts wenn du dich an eigentlich fremden Problemen nervlich aufreibst und daran zu Grunde gehst. 
Zur Liebe du kennst sie wohl noch nich du kennst das verliebt sein.
Offenbar verliebst du dich zu schnell und dein Raster ist recht speziell. Dass du aus dem Raster raus musst weißt du ja so wie ich lese selbst. 
Wenn dir dass was du und dein dad macht, als zu anstrengend empfindet setzt euch zusammen prüft ob ihr Anspruch auf Hilfe habt, versucht euch zu entlasten damit ihr endlich die Ruhe zum trauern findet. Ich habe irgendwie das gefühl das dafür nich die notwendige Zeit war. 

Ich danke dir für deine liebe Nachricht, und es passt auch, dass seit der Frage etwas Zeit vergangen ist. Es ist eine liebe Anleitung, guten Gewissens eine neue Haltung einzunehmen. Es hilft viel, wenn zur eigenen Meinung eine andere von außen hinzukommt. 

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26. März um 20:14
In Antwort auf

Ich danke dir für deine liebe Nachricht, und es passt auch, dass seit der Frage etwas Zeit vergangen ist. Es ist eine liebe Anleitung, guten Gewissens eine neue Haltung einzunehmen. Es hilft viel, wenn zur eigenen Meinung eine andere von außen hinzukommt. 

Gerne 

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