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Wie verhalten?

17. Februar 2013 um 21:38


Ich bin neu hier und es geht um ein Thema, das mich mein ganzes Leben lang schon begleitet und sehr emotional behaftet ist, also fange ich einfach direkt an euch mein Problem zu schildern.

Zu meiner Vorgeschichte: Ich bin 20 Jahre alt und wurde zwei Tage vor meinem 14.Geburtstag vergewaltigt. Es war quasi mein "erstes Mal" wenn man das so bezeichnen will, und ich wurde daraufhin schwanger.
Ich lies das Baby in meiner Verzweiflung und Hilflosigkeit abtreiben, was mir das Herz brach und was ich bis heute nicht verwunden habe. Ich bin alle Phasen der Trauer und des Selbsthasses durch aber im Endeffekt kann man Tatsachen nicht ändern.
Aber meine nicht verwundene Abtreibung ist eigentlich nicht mein Problem, sondern Folgendes:

Ich habe seit längerer Zeit einen wirklich sehr lieben Freund, mit dem ich eine glückliche Beziehung führe und den ich über alles liebe. Er weiß von meiner Vergangenheit, er weiß dass ich traurig bin noch immer, allerdings verstecke ich meine tiefe Verzweiflung vor ihm sowie auch vor allen anderen, denn ich denke mehr als die Leute um mich sowieso schon tun, so können sie nicht vollständig verstehen wie ich fühle und mir die Traurigkeit und Erinnerung nicht nehmen.
Mein Freund hat einen Bruder, dessen Freundin nun ein Baby bekommt, sie ist momentan gerade im KH und bekommt es.

Ich freue mich wirklich sehr für sie, und ich will nicht, dass ihr mich falsch versteht, ich gönne den beiden wirklich ihr Glück und freue mich für sie.

ABER: wir werden sie in den nächsten Tagen besuchen fahren, das Baby kennenlernen mit allem drum und dran. Und ich hab keine Ahnung wie ich da durch soll.

ich habe seit damals den Kontakt zu Babys gemieden, z.B. nie ein Baby auf den Arm gehalten oder ähnliches (es gab in der nahen Verwandtschaft aber auch keine), weil es mich so unendlich traurig macht und ich in ein tiefes Loch von Vorwürfen und "was wäre wenns" falle.

Der Bruder meines Freundes und seine Freundin wissen nichts von meiner Vergewaltigung/Abtreibung und ich weiß einfach nicht, wie ich reagieren werde, wenn man mir z.B. das Baby auf den Arm gibt.
Ich habe Angst, dass ich anfange zu weinen. Ich will diesen Augenblick nicht vermiesen.

Und ich glaube mein Freund versteht nicht, wie sehr mich soetwas noch mitnimmt, nach all der Zeit.

Ich habe auch schon überlegt, nicht mitzufahren, aber das geht natürlich nicht.

Ich weiß einfach nicht was ich tun soll und erhoffe mir Rat.

Tut mir Leid, dass es so lang geworden ist, ich hoffe jemand hat die Zeit, es durchzulesen.

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18. Februar 2013 um 12:04

Ehrlichkeit
Hey,
wie es scheint, hast du ja einen sehr verständnisvollen Freund. Ich würde ihm einfach erzählen, dass es dich noch immer traurig macht ein Baby zu sehen und dass es nicht damit zu tun hat, dass du es keinem anderen gönnst. Ich denke, er wird es verstehen. Natürlich möchtest du nicht jedem deine Geschichte erzählen, aber dein Freund könnte ja vielleicht seinem Bruder einfach vorher sagen, dass dich wegen einer bestimmten Erfahrung Babys etwas traurig machen, er muss ja nicht alles erzählen, was passiert ist, aber dann wird deine Reaktion beim Besuch wenigstens verstanden und du kommst dir nicht so "blöd" vor.
Ich kann deine Verzweiflung und Trauer völlig verstehen, aber irgendwann musst du dich mit deiner Entscheidung, die du damals getroffen hast, akzeptieren. Irgendwann möchtest du bestimmt noch einmal schwanger werden, aber in einer schöneren Situation. Dann bringt es nichts, wenn du dich weiterhin schuldig fühlst. Vielleicht hilft dir eine Therapie oder eine Krisenhilfe, bei der man einfach mal anrufen kann um sich Rat zu holen.
Liebe Grüße

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18. Februar 2013 um 12:46
In Antwort auf lagina_11963255

Ehrlichkeit
Hey,
wie es scheint, hast du ja einen sehr verständnisvollen Freund. Ich würde ihm einfach erzählen, dass es dich noch immer traurig macht ein Baby zu sehen und dass es nicht damit zu tun hat, dass du es keinem anderen gönnst. Ich denke, er wird es verstehen. Natürlich möchtest du nicht jedem deine Geschichte erzählen, aber dein Freund könnte ja vielleicht seinem Bruder einfach vorher sagen, dass dich wegen einer bestimmten Erfahrung Babys etwas traurig machen, er muss ja nicht alles erzählen, was passiert ist, aber dann wird deine Reaktion beim Besuch wenigstens verstanden und du kommst dir nicht so "blöd" vor.
Ich kann deine Verzweiflung und Trauer völlig verstehen, aber irgendwann musst du dich mit deiner Entscheidung, die du damals getroffen hast, akzeptieren. Irgendwann möchtest du bestimmt noch einmal schwanger werden, aber in einer schöneren Situation. Dann bringt es nichts, wenn du dich weiterhin schuldig fühlst. Vielleicht hilft dir eine Therapie oder eine Krisenhilfe, bei der man einfach mal anrufen kann um sich Rat zu holen.
Liebe Grüße

Geschehenes überwinden
Hallo,
ja mein Freund ist sehr verständnisvoll, auch wenn er meine Gefühle nicht immer nachvollziehen kann, so versucht er es dennoch. Ich bin wirklich froh ihn zu haben.
Was mich an meiner Entscheidung so fertig macht, ist,dass ich sie so sehr bereue. Ich war damals in einem Schockzustand, hatte nicht viel Zeit,mich zu entscheiden und hatte das Gefühl, dass niemand verstehen würde,wie man sich denn für ein Baby, das durch eine Vergewaltigung "entstanden" ist, entscheiden kann und es lieben kann.

Ich weiß all die Dinge, die man zu einer Frau, die in solch einer Situation steckt, sagt, wie z.B. dass sie keine Schuld trägt usw.
Das alles ist mir bewusst, mein Kopf weiß es, doch mein Herz fühlt es nicht.
Ich vermisse mein ungeborenes Baby, so absurd dies auch klingen mag. Ich denke an all die Dinge, die es bis heute erlebt hätte und daran, wie es sich wohl angefühlt hätte,es zu halten,wenn es die ersten Schritte macht usw.

Ich würde so gern damit umgehen können. Damit meine ich nicht, dass ich es vergessen oder verdrängen will, sondern einfach damit klar kommen, sodass ich nicht jedes Mal einen Heulkrampf bekomme, wenn ich daran denke. Aber ich weiß eben nicht wie.

Und ja, ich habe einen sehr großen Kinderwunsch schon seit über 2 Jahren, sowie auch mein Freund, allerdings erlauben es die Umstände (bin noch in der Ausbildung) nicht. Vielleicht finde ich meinen Frieden, wenn ich erneut schwanger bin.

LG und danke für deine Antwort

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18. Februar 2013 um 18:33
In Antwort auf confused1992

Geschehenes überwinden
Hallo,
ja mein Freund ist sehr verständnisvoll, auch wenn er meine Gefühle nicht immer nachvollziehen kann, so versucht er es dennoch. Ich bin wirklich froh ihn zu haben.
Was mich an meiner Entscheidung so fertig macht, ist,dass ich sie so sehr bereue. Ich war damals in einem Schockzustand, hatte nicht viel Zeit,mich zu entscheiden und hatte das Gefühl, dass niemand verstehen würde,wie man sich denn für ein Baby, das durch eine Vergewaltigung "entstanden" ist, entscheiden kann und es lieben kann.

Ich weiß all die Dinge, die man zu einer Frau, die in solch einer Situation steckt, sagt, wie z.B. dass sie keine Schuld trägt usw.
Das alles ist mir bewusst, mein Kopf weiß es, doch mein Herz fühlt es nicht.
Ich vermisse mein ungeborenes Baby, so absurd dies auch klingen mag. Ich denke an all die Dinge, die es bis heute erlebt hätte und daran, wie es sich wohl angefühlt hätte,es zu halten,wenn es die ersten Schritte macht usw.

Ich würde so gern damit umgehen können. Damit meine ich nicht, dass ich es vergessen oder verdrängen will, sondern einfach damit klar kommen, sodass ich nicht jedes Mal einen Heulkrampf bekomme, wenn ich daran denke. Aber ich weiß eben nicht wie.

Und ja, ich habe einen sehr großen Kinderwunsch schon seit über 2 Jahren, sowie auch mein Freund, allerdings erlauben es die Umstände (bin noch in der Ausbildung) nicht. Vielleicht finde ich meinen Frieden, wenn ich erneut schwanger bin.

LG und danke für deine Antwort

Überwinden
Ich denke trotzdem, dass du es erst überwinden musst, bevor du ein Kind bekommst. Ich find ein schönes Sprichwort ist: Nichts ist segensreicher für ein Kind, als eine glückliche Mutter. Sei zuerst mit dir selbst im Reinen, bevor du ein Kind großziehen möchtest, ist meine Meinung.
Ich würde mir vielleicht wirklich professionelle Hilfe suchen, da dir kein anderer etwas anderes sagen kann, als: du bist es nicht Schuld. Das hilft ja leider nicht, wenn du es nicht genauso siehst.
Liebe Grüße

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27. Februar 2013 um 11:14

Du hast Schreckliches durch gemacht
Wart ihr mittlerweile bei seinem Bruder und dem Kind?

Ich weiß nicht wie ich mich verhalten würde, aber sofern du nicht willst dass sie es wissen bitte doch einfach deinen Freund das Kind von dir "fernzuhalten". So doof sich das auch anhört.

Möglich ist dass es dir dadurch sogar beser geht. Aber ich weiß es nicht.

In meinen Augen brauchst du Hilfe - professionelle Hilfe (nicht böse gemeint), aber du musst mit jmd. reden der dir helfen kann.

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