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Wie mit erdrückenden Ängsten umgehen

13. Januar 2017 um 21:02

Hallo Leute,

Eigentlich ist es nicht so meine Art in Foren zu schreiben, aber mich würden auch objektive Antworten zu meinem Problem interessieren...
Ich bin 22, studiere und habe letzten Sommer mit 1,4 meinen Bachelor abgeschlossen, ich mache jetzt meinen Master in Geschichte. Ich glaube, meine Ängste kommen von Horrorgeschichten, die mir eine Kommilitonin erzählt hat, dass der Arbeitsmarkt für Historiker sehr schlecht momentan sei und für Dozenten noch mehr. Da ich eigentlich Dozentin werden wollte, ließ ich das wohl sehr nah an mich ran. Ich habe mich umgeschaut nach was anderem, etwas mit einer stabileren Zukunft und bin auf den Archivar gestoßen. Ich würde mit 23 mit der Promotion anfangen, je nachdem mit 26/27 fertig werden und dann 2 Jahre noch die Ausbildung zum Archivar machen... Ich habe nur so große Angst vor dieser Zukunft, dass ich gestern den ganzen Tag geweint habe, meine Mutter (ich studiere in meiner Heimatstadt und wohne somit daheim) konnte mich kaum beruhigen. Ich hatte nie viel Selbstvertrauen in mich (Mobbing) und habe Angst, dass ich im Master, der Promo oder an der Bewerbung der Ausbildung scheitere und alles umsonst war. Ich habe vor der finanziellen Lage Angst, weil nach dem Master wohl mein Unterhalt wegfällt und das Kindergeld (ich suche bereits nach Nebenjobs). Auch habe ich Sorge um meine Mutter, sie verdient nicht viel und könnte sich die Wohnung nicht mehr leisten, müsste umziehen und wäre allein.
War jemand schon einmal in einer ähnlichen Lage? Geplagt von Existenzängsten oder einfach ohnmächtig vor Sorge? Wie seid ihr damit umgegangen? Im Moment heule ich mich viel aus (was eigentlich gar nicht meine Art ist) und rede auch sehr viel darüber.
Ich freue mich auf eure Antworten!
Eule

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13. Januar 2017 um 23:29

Hallo Eule  
erstmal Wow! Respekt für das was du bereits geschafft hast!
Aber nun zu deinem eigentlichen Anliegen; Existenzangst ist zumindest in den Geistesschaften wohl gang und gebe (studiere selbst auch in dem Bereich). Ich habe noch nie jemanden sagen hören: Boah mit meinem Philosophie; Geschichts; Kunstgeschichts; Romanistik usw. Studium weiß ich ganz genau wo es hin geht und ich mache mit überhaupt keine Sorgen um meine Zukunft.
Meiner Meinung nach macht das unsere Fächer aus, diese Ungewissheit und die Entwicklung auf persönlicher und wissenschaftlicher Ebene. 
So romantisch das klingt, wäre es natürlich nur leichtsinnig sich keine Gedanken über die Zukunft zu machen, egal welches Fach man studiert. 

Die große Herausforderung meines Erachtens aber darin auf diese Angst zu hören und aus Ihnen Erkentniss zu gewinnen. Das fokussieren was einen bremst und zu versuchen die Angst zu lindern statt sich von ihr lähmen zu lassen.  

Ich lese aus dem was du schreibst 2 Dinge heraus: du weißt wo du hin  willst lässt dich aber von Anderen verunsichern - was dazu führt, dass deine Verunsicherung sich auf mehreren Ebenen (finanzielle Lage/ soziales persönliches Umfeld) ausbreitet.

 Ohne dich zu kennen scßhließt sich mir daraus, dass dir Praxis fehlt.  Bilde dir deine eigene Meinung über den Arbeitsmarkt und über deine Chancen deine Ziele zu erreichen! Wenn dir Archivar zusagt bewirbt dich auf SH Plätze oder Praktikas willst du lieber in der Lehre bleiben sei am Institut und an der Uni präsent (auch außerhalb deiner VL/ Semi) und bewirb dich z.Bbei der Heinrich Böll Stiftung um Lehrerfahrung und Auslandserfahrung zu sammeln. Schaffe dir einen Basis, ein Grundvertrauen in dich selbst und deine Arbeit.  

Du bist noch sehr jung und hast mächtig aufs Turbopedal gedrückt was sehr lobenswert ist! Aber nehm dir Zeit für dich. Ein Studium ist keine Ausbildung, eher ein Prozess und wer du bist, beeinflusst nachher auch auf deine Arbeit als Wissenschaftlerin.  

P.s. Heul und rede darüber daran ist nichts falsch 
LG 

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14. Januar 2017 um 0:31
In Antwort auf jinjil

Hallo Eule  
erstmal Wow! Respekt für das was du bereits geschafft hast!
Aber nun zu deinem eigentlichen Anliegen; Existenzangst ist zumindest in den Geistesschaften wohl gang und gebe (studiere selbst auch in dem Bereich). Ich habe noch nie jemanden sagen hören: Boah mit meinem Philosophie; Geschichts; Kunstgeschichts; Romanistik usw. Studium weiß ich ganz genau wo es hin geht und ich mache mit überhaupt keine Sorgen um meine Zukunft.
Meiner Meinung nach macht das unsere Fächer aus, diese Ungewissheit und die Entwicklung auf persönlicher und wissenschaftlicher Ebene. 
So romantisch das klingt, wäre es natürlich nur leichtsinnig sich keine Gedanken über die Zukunft zu machen, egal welches Fach man studiert. 

Die große Herausforderung meines Erachtens aber darin auf diese Angst zu hören und aus Ihnen Erkentniss zu gewinnen. Das fokussieren was einen bremst und zu versuchen die Angst zu lindern statt sich von ihr lähmen zu lassen.  

Ich lese aus dem was du schreibst 2 Dinge heraus: du weißt wo du hin  willst lässt dich aber von Anderen verunsichern - was dazu führt, dass deine Verunsicherung sich auf mehreren Ebenen (finanzielle Lage/ soziales persönliches Umfeld) ausbreitet.

 Ohne dich zu kennen scßhließt sich mir daraus, dass dir Praxis fehlt.  Bilde dir deine eigene Meinung über den Arbeitsmarkt und über deine Chancen deine Ziele zu erreichen! Wenn dir Archivar zusagt bewirbt dich auf SH Plätze oder Praktikas willst du lieber in der Lehre bleiben sei am Institut und an der Uni präsent (auch außerhalb deiner VL/ Semi) und bewirb dich z.Bbei der Heinrich Böll Stiftung um Lehrerfahrung und Auslandserfahrung zu sammeln. Schaffe dir einen Basis, ein Grundvertrauen in dich selbst und deine Arbeit.  

Du bist noch sehr jung und hast mächtig aufs Turbopedal gedrückt was sehr lobenswert ist! Aber nehm dir Zeit für dich. Ein Studium ist keine Ausbildung, eher ein Prozess und wer du bist, beeinflusst nachher auch auf deine Arbeit als Wissenschaftlerin.  

P.s. Heul und rede darüber daran ist nichts falsch 
LG 

Danke für deine Antwort, sie hat mich doch positiver gestimmt als ich dachte

Ich bin vom Dozententum quasi zum Archivar überwechselt, weil ich da auf Anhieb mehr Stellen gefunden habe und ich mal im Museum alte Münzen quasi "archiviert" habe, das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Auch orientiere ich mich ein bisschen an einem meiner Dozenten. Er ist eigentlich ein promovierter Bibliothekar, gibt aber dennoch Seminare. Ich denke, es hilft auch sich klarzumachen, dass man mit Geschichte viel Auswahl hat. Als Archivar dann noch mehr. So müsste ich das Lehren nicht aufgeben, denn ich rede gerne vor Menschen um etwas zu vermitteln.
Um wenigstens ein bisschen Praxiserfahrung zu bekommen, habe ich mich schon vor ein paar Wochen für ein Ehrenamt im Museum gemeldet.
Eule

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