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Wie lernt man Gelassenheit und Kritikfähigkeit

19. September 2017 um 14:52 Letzte Antwort: 22. September 2017 um 14:10

Hallo liebe Community,

ich habe ein Problem, welches mich im Alltag stark belastet und würde mir deshalb gern Tipps und Anregungen holen. Wie der Titel sagt, reagiere ich bei kleinen und großen Konfrontationen weder kritikfähig noch gelassen. Allerdings nur im Umgang mit Fremden. Weiterhin schleppe ich selbst nichtige Auseinandersetzungen in Gedanken sehr lange mit mir rum. Das ist eigentlich mein größtes Problem. 

Ich könnte unzählige Beispiele geben, beschränke mich aber auf zwei, die in der letzten Woche passiert sind:

Vorfall 1: Ich wurde im Parkhaus von einer Frau mittleren Alters bedrängelt. Bei der ersten Gelegenheit hat sie mich noch im Parkhaus überholt, so dass ich abbremsen musste. Ich habe gehupt. Bei der Ausfahrt (wir standen nebeneinander) hat sie eine Grimasse geschnitten, mir zugewunken und ist dann weggefahren. 
Normalerweise sollte das einen Menschen komplett kalt lassen. Das Problem ist, dass ich gekocht habe vor Wut. Dieser Vorfall hat am Donnerstag stattgefunden und ich denke immer noch darüber nach. 

Vorfall 2: Ich war gestern bei IKEA und habe unter anderem eine kleine Pflanze gekauft. Hinter mir war ein Ehepaar, auch wieder mittleren Alters. Als ich meine Sachen auf das Fließband legte, ist mir die Pflanze umgekippt, so dass im vorderen Bereich -der Metallbereich, der an das Fließband anschließt- ein wenig Blumenerde verschüttet wurde. Ebenso befanden sich auf dem Fließband selber einige Krümel Erde (allerdings bei meiner Ware). Ich habe die Erde mit meiner Hand vom Fließband gefegt und nichts weiter unternommen. Die Frau hinter mir blafft daraufhin in die Luft "und wir sollen jetzt unsere Sachen in den Dreck legen???".
Mal davon abgesehen, dass sich auf dem Fließband keine Erde mehr befand, hatte sie zwei kleine Bilderrahmen in der Hand, die in Plastikfolie eingeschweißt waren. Diese Folie ist wahrscheinlich dreckiger als die Blumenerde. Ich habe ihr dann gesagt, dass sie ihre Ware ganz normal aufs Fließband legen kann, da sich dort keine Erde befindet. Und selbst das bisschen Erde auf dem Metallstück war höchstens ein Esslöffel. Sie blaffte dann weiter "Man wird ja wohl Taschentücher dabeihaben, um das wegzumachen". Ich hatte keine Taschentücher dabei und habe auf sie auch nicht weiter reagiert, weil ich zu dem Zeitpunkt das Gefühl hatte, sie sei einfach in Meckerlaune. Sie hatte sich, vor dem Blumenerdefiasko, bereits bei ihrem Mann über den Kunden vor mir beschwert "Der hat so viele Kerzen gekauft. Das wird jetzt wieder Ewigkeiten dauern, bis der die ganzen Kerzen aufs Band legt." 
Sie selber war der Typ 'aufs feinste rausgeputzt' und zuckersüß zur Verkäuferin. Ich glaube, man merkt schon an meinen Formulierungen, dass ich emotional immer noch bei IKEA an der Kasse stehe. 

Ich bin kein Typ, der auf Konfrontation geht. Ich bleibe freundlich und meistens reagiere ich irgendwann einfach nicht mehr.
ABER, wenn ich zuhause bin, brüte ich unendlich lange über diesen "Konfrontationen". Ich fühle mich persönlich angegriffen, obwohl ich diese Menschen nicht kenne. Ich schäume vor Wut. Ich überlege, was ich hätte sagen sollen, um ihnen so richtig eins reinzuwürgen, wie sch*ße diese Menschen sind, dass deren Leben anscheinend so langweilig ist, dass sie sich die Zeit mit Gemeckere über Kerzen kaufende oder Blumenerde verschüttende Kunden vertreiben müssen. Und ich bin in der Lage, mich in den Vorfall immer und immer wieder reinzusteigern. Es gibt Vorfälle, die Jahre zurückliegen, an die ich mich noch erinnere und die in mir immer noch Wut auslösen. 

Ich werde wütend, dass Menschen nicht freundlicher zueinander sein können und sich über Kleinigkeiten aufregen, BIN ABER SELBER NICHT BESSER. 

Wie arbeite ich daran, gelassen zu reagieren und solche Situationen nicht mit mir rumzuschleppen. Wie schaffe ich es, mich bei Fremden nicht persönlich angegriffen zu fühlen (wie gesagt, mit Familie, Freunden und Bekannten habe ich dieses Problem nicht). Wie schaffe ich es, die schlechte Laune anderer nicht aufzunehmen. 

Ich weiß, dass mein Verhalten übertrieben ist. Aber ich weiß nicht, wie ich es ändern soll. 

Lieben Dank für alle Anregungen, Meinungen und Tipps! 
 

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19. September 2017 um 15:00

kannst Du sagen, warum Du Dich persönlich angegriffen fühlst?

Wie schaut es mit Deinem Selbstbewußtsein aus?

Wie wichtig ist Dir, was "Fremde" von Dir halten?
Ist das situationsabhängig oder generell so? Wenn ich Dir jetzt genatwortet hätte, was zur Hölle das für eine dämliche Frage ist, wäre es vermutlich genauso, oder? Die Art, wie Du in Deinem Posting vorbaust deutet zumindest darauf hin?
 

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19. September 2017 um 15:18
In Antwort auf avarrassterne1

kannst Du sagen, warum Du Dich persönlich angegriffen fühlst?

Wie schaut es mit Deinem Selbstbewußtsein aus?

Wie wichtig ist Dir, was "Fremde" von Dir halten?
Ist das situationsabhängig oder generell so? Wenn ich Dir jetzt genatwortet hätte, was zur Hölle das für eine dämliche Frage ist, wäre es vermutlich genauso, oder? Die Art, wie Du in Deinem Posting vorbaust deutet zumindest darauf hin?
 

Ich würde sagen, dass mein Selbstbewusstsein in Ordnung ist, weil ich im Umgang mit Menschen, die ich kenne, ganz normal reagiere. Da verkrafte ich auch richtige Kritik und meine Reaktion ist ganz normal.  Ob es aber wirklich in Ordnung sein kann, wenn mich Fremde so aus dem Konzept bringen?

Mir ist es nicht wichtig, was Fremde über mich denken. Ich frage mich in solchen Situationen eher, warum man seine schlechte Laune ausgerechnet an mir auslassen muss. Ich fühle mich in dem Moment als machtloses, unterlegenes Opfer. Das ist auch der Grund, dass ich zuhause irgendwelche Fantasien ausbrüte, was ich zum Beispiel der Frau bei IKEA alles an den Kopf knallen könnte, damit sie sich klein mit Hut fühlt. (Ob die dann denken würde, ich sei unhöflich, wäre mir total egal.) Diese Gedanken geben mir dann das Gefühl, nicht mehr unterlegen zu sein. Weil die KOnfrontation aber schon vorbei ist, kann ich sie nicht zu meiner Zufriedenheit lösen, so dass ich immer aufs neue anfange zu kochen.  

Rational begreife ich natürlich, dass ich nicht Opfer bin, sondern meine Reaktion total unverhältnismäßig ist. Emotional sieht es aber anders aus.
Früher wollte ich einfach schlagfertig sein und, wie bereits gesagt, anderen richtig eins reinwürgen. Früher befand ich mich auch wie in Schockstarre und habe gar nichts gesagt. Mittlerweile versuche ich direkt vor Ort, aufrichtig freundlich zu reagieren. Ich möchte nicht selber Arsch werden, um mich besser zu fühlen. Das wäre für mich ein schlechter Schutzmechanismus. Ich möchte lernen, dass "Angriffe" komplett an mir abprallen. Und damit habe ich extreme Schwierigkeiten. 

Und ja, du hast Recht. Wenn du geschrieben hättest, wie dämlich meine Frage ist, würde mich das kränken. 

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19. September 2017 um 15:40
In Antwort auf miamaram

Ich würde sagen, dass mein Selbstbewusstsein in Ordnung ist, weil ich im Umgang mit Menschen, die ich kenne, ganz normal reagiere. Da verkrafte ich auch richtige Kritik und meine Reaktion ist ganz normal.  Ob es aber wirklich in Ordnung sein kann, wenn mich Fremde so aus dem Konzept bringen?

Mir ist es nicht wichtig, was Fremde über mich denken. Ich frage mich in solchen Situationen eher, warum man seine schlechte Laune ausgerechnet an mir auslassen muss. Ich fühle mich in dem Moment als machtloses, unterlegenes Opfer. Das ist auch der Grund, dass ich zuhause irgendwelche Fantasien ausbrüte, was ich zum Beispiel der Frau bei IKEA alles an den Kopf knallen könnte, damit sie sich klein mit Hut fühlt. (Ob die dann denken würde, ich sei unhöflich, wäre mir total egal.) Diese Gedanken geben mir dann das Gefühl, nicht mehr unterlegen zu sein. Weil die KOnfrontation aber schon vorbei ist, kann ich sie nicht zu meiner Zufriedenheit lösen, so dass ich immer aufs neue anfange zu kochen.  

Rational begreife ich natürlich, dass ich nicht Opfer bin, sondern meine Reaktion total unverhältnismäßig ist. Emotional sieht es aber anders aus.
Früher wollte ich einfach schlagfertig sein und, wie bereits gesagt, anderen richtig eins reinwürgen. Früher befand ich mich auch wie in Schockstarre und habe gar nichts gesagt. Mittlerweile versuche ich direkt vor Ort, aufrichtig freundlich zu reagieren. Ich möchte nicht selber Arsch werden, um mich besser zu fühlen. Das wäre für mich ein schlechter Schutzmechanismus. Ich möchte lernen, dass "Angriffe" komplett an mir abprallen. Und damit habe ich extreme Schwierigkeiten. 

Und ja, du hast Recht. Wenn du geschrieben hättest, wie dämlich meine Frage ist, würde mich das kränken. 

hm, damit sind schon mal die "üblichen Verdächtigen" vom Tisch.

Wie reagierst Du selbst, wenn eine andere Person irgend etwas tut, was Dir quer geht - die direkte Interaktion mal ausgenommen. Also irgend etwas sau nerviges. Die Leute die sich im Supermarkt auf die Kasse stürzen, die gerade geöffnet wird, als wären sie auf der Flucht und dort läge das ganze Band voller 100-Geld-Scheine oder die Angestellten am Postschalter, die sooooo dermaßen die Ruhe weghaben, dass man da bei 7 Leuten in der Schlange vor einem locker 20+x min warten muss (ist zumindest hier so und da wachsen mir jedenfalls echt Federn jedes Mal ) - oder was auch immer das bei Dir sein mag?

btw: wenn Dir meine Fragen zu blöd oder zu nervig sind - sag es. ich stocher nur herum auf der Suche nach einem Muster - und damit einem Ansatzpunkt, an sich geht mich das alles ja nix an

Bis jetzt sind es zwei Punkte, die Dich stören, wenn ich das richtig verstanden habe: erstens, dass Du in der Situation selbst wesentlich stärker reagierst als "nötig" wäre und zweitens, dass es Dir so "nachhängt".

Ich habe aber bis jetzt nur zwei Ansatzpunkte.
Der ist Deine Wortwahl: "Kritikfähigkeit" - hat damit eigentlich gar nichts zu tun. Nach Deiner Beschreibung sind das Situationen, wo es gar nicht um Kritik an Dir geht (wie Du ja auch selbst schreibst - siehe "warum man seine schlechte Laune ausgerechnet an mir auslassen muss" - genau. Nix Kritik. Da tickt einfach nur irgendwer bissl rum - ist keine Kritik an Dir, Du bist halt nur der, der gerade da stand.
Das zweite ist das mit dem "unterlegen fühlen" - lass mich raten, in Bezug auf meine Frage in diesem Beitrag hier lautet die Antwort, dass Du im umgekehrten Fall, wenn jemand anders etwas tut, was Du nervig findest, ganz anders reagierst - sicher bissl genervt, aber definitiv keine Überreaktion und gar nichts was Dir "nachhängt" - richtig?

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19. September 2017 um 16:26

Nein, im Gegenteil, ich bin dankbar, dass du konkrete Fragen stellst, weil mir das hilft, mich zu hinterfragen. 

Bei den von dir beschriebenen Situationen war ich früher genervt und ungeduldig. Drängelnde Kunden eigentlich weniger, aber trödelnde Rentner und langsame Verkäufer haben meine Geduld strapaziert. 
Ich habe dann bewusst daran gearbeitet, in solchen Situationen ruhig zu bleiben, nachdem ich auf einen Artikel zu dem Thema gestoßen bin. Ich lenke mich dann ab, indem ich über etwas nachdenke oder was am Handy mache. Das klappt sehr gut, deshalb denke ich, dass ich lernfähig bin. 

Und ja, du triffst es gut: In solchen Situationen fühle ich mich weder unterlegen, noch hängt mir etwas nach. ABER...wenn man mich zum Beispiel aus dem Weg schubsen würde, um sich an der neu geöffneten Kasse vorzudrängeln, könnte ich wahrscheinlich nicht gelassen reagieren. Mein Problem ist daher die direkte, persönliche "Konfrontation". 



 

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19. September 2017 um 16:41
In Antwort auf miamaram

Nein, im Gegenteil, ich bin dankbar, dass du konkrete Fragen stellst, weil mir das hilft, mich zu hinterfragen. 

Bei den von dir beschriebenen Situationen war ich früher genervt und ungeduldig. Drängelnde Kunden eigentlich weniger, aber trödelnde Rentner und langsame Verkäufer haben meine Geduld strapaziert. 
Ich habe dann bewusst daran gearbeitet, in solchen Situationen ruhig zu bleiben, nachdem ich auf einen Artikel zu dem Thema gestoßen bin. Ich lenke mich dann ab, indem ich über etwas nachdenke oder was am Handy mache. Das klappt sehr gut, deshalb denke ich, dass ich lernfähig bin. 

Und ja, du triffst es gut: In solchen Situationen fühle ich mich weder unterlegen, noch hängt mir etwas nach. ABER...wenn man mich zum Beispiel aus dem Weg schubsen würde, um sich an der neu geöffneten Kasse vorzudrängeln, könnte ich wahrscheinlich nicht gelassen reagieren. Mein Problem ist daher die direkte, persönliche "Konfrontation". 



 

genau das waren die zwei Punkte, auf die ich gezielt habe. Also ob es wirklich die direkte Interaktion ist und auf das Unterlegenheitsthema - exakt

Nun ist die direkte Interaktion schon mal an sich persönlicher als ein trödelnder Renter, der halt alles aufhält, was hinter ihm ist - aber nur auf den ersten Blick.
Das mit dem Ablenken funktioniert in direkter Interaktion natürlich nicht - aber in Punkto "nachhängen" kannst Du das genauso nutzen um das ewige Kreisen um das Thema abzublocken. Ist halt das Übliche: "Denke nicht an rosa Elefanten" geht nicht. Im Grunde jeder stellt sich umgehend eine rosa Elefanten vor. Du auch gerade beim Lesen? Aber was prima funktioniert, ist die rosa Elefanten vom Bildschirm zu wischen, indem man sich auf etwas anderes konzentriert. Geht auch, wenn Du abends im Dunklen im Bett liegst, eigentlich schlafen willst und statt dessen virtuelle Ringkämpfe im IKEA durchspielst. Konzentriere Dich an der Stelle statt dessen bewußt auf eine Phantasie. Einen "Tagtraum" - sowas in der Art.
Das löst schon mal Problem 1 von 2 und hilft auch beim zweiten immerhin mit, indem es diesen Effekt der "Spirale" rausnimmt, weißt Du, was ich damit meine? Im Grunde fütterst Du innerlich mit dem Kreisen um IKEA (als Beispiel gemeint natürlich) auch gleich mit das nächste Ereignis an - baust dem schon mal eine schööööööööne, dicke, fette, gemütliche Basis - und das unterbindest Du indem Du die IKEA-Tusse aus Deinem Bett kickst.

Versuchs mal, ich denke, das dürfte schon einiges bringen.

zum anderen Punkt: würdest Du sagen, Du bist ein Mensch mit viel Phantasie oder eher nüchtern / rational?

Ich versuch mich da mal morgen weiter dran, für heute ist fast Feierabend, noch schnell den einen Auftrag abschliessen und dann kann ich nach Hause \o/

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19. September 2017 um 17:45
In Antwort auf avarrassterne1

genau das waren die zwei Punkte, auf die ich gezielt habe. Also ob es wirklich die direkte Interaktion ist und auf das Unterlegenheitsthema - exakt

Nun ist die direkte Interaktion schon mal an sich persönlicher als ein trödelnder Renter, der halt alles aufhält, was hinter ihm ist - aber nur auf den ersten Blick.
Das mit dem Ablenken funktioniert in direkter Interaktion natürlich nicht - aber in Punkto "nachhängen" kannst Du das genauso nutzen um das ewige Kreisen um das Thema abzublocken. Ist halt das Übliche: "Denke nicht an rosa Elefanten" geht nicht. Im Grunde jeder stellt sich umgehend eine rosa Elefanten vor. Du auch gerade beim Lesen? Aber was prima funktioniert, ist die rosa Elefanten vom Bildschirm zu wischen, indem man sich auf etwas anderes konzentriert. Geht auch, wenn Du abends im Dunklen im Bett liegst, eigentlich schlafen willst und statt dessen virtuelle Ringkämpfe im IKEA durchspielst. Konzentriere Dich an der Stelle statt dessen bewußt auf eine Phantasie. Einen "Tagtraum" - sowas in der Art.
Das löst schon mal Problem 1 von 2 und hilft auch beim zweiten immerhin mit, indem es diesen Effekt der "Spirale" rausnimmt, weißt Du, was ich damit meine? Im Grunde fütterst Du innerlich mit dem Kreisen um IKEA (als Beispiel gemeint natürlich) auch gleich mit das nächste Ereignis an - baust dem schon mal eine schööööööööne, dicke, fette, gemütliche Basis - und das unterbindest Du indem Du die IKEA-Tusse aus Deinem Bett kickst.

Versuchs mal, ich denke, das dürfte schon einiges bringen.

zum anderen Punkt: würdest Du sagen, Du bist ein Mensch mit viel Phantasie oder eher nüchtern / rational?

Ich versuch mich da mal morgen weiter dran, für heute ist fast Feierabend, noch schnell den einen Auftrag abschliessen und dann kann ich nach Hause \o/

Ja, genau das ist es. Ich spiele ein vergangenes Ereignis im Kopf tausendmal durch und steigere mich gleichzeitig in ein bevorstehendes rein. Ich male mir auch aus, wie cool ich reagieren werde, wenn mir eine ähnliche Situation nochmal widerfahren sollte.
Allerdings rutsche ich bei meinen Gedankenspielen immer in das rein, was ich nicht will. Ich habe mir gestern auf der Fahrt nach Hause überlegt, dass ich hätte sagen sollen, dass sie sich wie eine Mimose anstellt, wenn sie ihre eingeschweißten Bilderrahmen nicht auf ein Fließband legen möchte, wo sich vielleicht noch Erdspuren befinden. Der Gedanke des "Reinwürgens" ist dann wie Balsam für meine Seele. Und dann denke ich mir, dass es doch einen anderen Weg geben muss, damit umzugehen, statt zur ekligen Zicke zu mutieren. Warum reicht es mir nicht aus, dass ich sie freundlich darauf hingewiesen habe, dass sich auf dem Fließband keine Blumenerde befindet und sie ihre Sachen drauflegen kann? Wenn sie diesen Hinweis nicht annimmt und die Bilderrahmen stur in der Hand behält, ist das ihr Problem. Das begreife ich leider nur in der Theorie. 

Tagträume funktionieren bei mir leider nicht. Das hat allerdings einen Grund, der mit der Ursache meines Problems zusammenhängt. Ich bin mit einer extrem kritischen Mutter aufgewachsen. Nichts war gut genug. Alles habe ich falsch gemacht. Dafür gab es auch Strafen. Ich sollte hauptsächlich ihren Vorstellungen entsprechen, damit sie mich der Gesellschaft als 'Traumtochter' präsentieren kann und ich durch mein vorbildliches Verhalten ein positives Licht auf sie, die Mutter, werfe. Ich habe mich, bis ich ausgezogen bin, in extreme Tagträume geflüchtet. Diese Tagträume haben aber nichts an meinem Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit ändern können. Deshalb habe ich nach meinem Auszug hart daran gearbeitet, bei Problemen nicht diese Flucht zu ergreifen, sondern mich direkt der Realität, die mich eh einholt, zu stellen. 

Die Frage, ob ich ein fantasievoller oder nüchterner Mensch bin, kann ich gar nicht beantworten. Ich fühle, dass ich beides bin. Es kommt auf die Situation an. 

Mir hilft es zum Beispiel über deine Fragen nachzudenken. Das fühlt sich an, als wäre ich bei den Vorfällen dabei, aber als unbeteiligte Person. Bei Problemlösungen würde ich mich deshalb eher als nüchtern und rational einstufen. Gleichzeitig habe ich nach dem Vorfall im Parkhaus im Internet recherchiert, wie man auf egoistisches Verhalten im Straßenverkehr reagieren sollte und habe einen Artikel gelesen, der dazu rät, sich vorzustellen, dass es der andere Fahrer deshalb egoistisch reagiert, weil er zu einem geliebten Menschen muss. Man soll also die eigene Fantasie betätigen, was wiederum unsere Empathie aktiviert und im Idealfall Gelassenheit erzeugt. Das leuchtet mir ein und das teste ich auch gerade. 

Ich habe diese Vorstellung auch bei der IKEA Frau probiert, nur hat es nicht geklappt, weil ihr ganzes Auftreten so ein naserümpfendes 'ich habe ansonsten keine Probleme, deshalb muss ich mich jetzt über jemanden beschweren' hatte. Die war einfach von negativer Energie umgeben und ich habe diese negative Energie regelrecht aufgesogen. 

Ich möchte dir übrigens für deine bisherigen Antworten danken, weil es mir wirklich hilft, über deine Kommentare nachzudenken. Zumindest bin ich in diesen Momenten nicht wütend auf eine fremde Frau. 



 

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19. September 2017 um 19:19
In Antwort auf miamaram

Ja, genau das ist es. Ich spiele ein vergangenes Ereignis im Kopf tausendmal durch und steigere mich gleichzeitig in ein bevorstehendes rein. Ich male mir auch aus, wie cool ich reagieren werde, wenn mir eine ähnliche Situation nochmal widerfahren sollte.
Allerdings rutsche ich bei meinen Gedankenspielen immer in das rein, was ich nicht will. Ich habe mir gestern auf der Fahrt nach Hause überlegt, dass ich hätte sagen sollen, dass sie sich wie eine Mimose anstellt, wenn sie ihre eingeschweißten Bilderrahmen nicht auf ein Fließband legen möchte, wo sich vielleicht noch Erdspuren befinden. Der Gedanke des "Reinwürgens" ist dann wie Balsam für meine Seele. Und dann denke ich mir, dass es doch einen anderen Weg geben muss, damit umzugehen, statt zur ekligen Zicke zu mutieren. Warum reicht es mir nicht aus, dass ich sie freundlich darauf hingewiesen habe, dass sich auf dem Fließband keine Blumenerde befindet und sie ihre Sachen drauflegen kann? Wenn sie diesen Hinweis nicht annimmt und die Bilderrahmen stur in der Hand behält, ist das ihr Problem. Das begreife ich leider nur in der Theorie. 

Tagträume funktionieren bei mir leider nicht. Das hat allerdings einen Grund, der mit der Ursache meines Problems zusammenhängt. Ich bin mit einer extrem kritischen Mutter aufgewachsen. Nichts war gut genug. Alles habe ich falsch gemacht. Dafür gab es auch Strafen. Ich sollte hauptsächlich ihren Vorstellungen entsprechen, damit sie mich der Gesellschaft als 'Traumtochter' präsentieren kann und ich durch mein vorbildliches Verhalten ein positives Licht auf sie, die Mutter, werfe. Ich habe mich, bis ich ausgezogen bin, in extreme Tagträume geflüchtet. Diese Tagträume haben aber nichts an meinem Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit ändern können. Deshalb habe ich nach meinem Auszug hart daran gearbeitet, bei Problemen nicht diese Flucht zu ergreifen, sondern mich direkt der Realität, die mich eh einholt, zu stellen. 

Die Frage, ob ich ein fantasievoller oder nüchterner Mensch bin, kann ich gar nicht beantworten. Ich fühle, dass ich beides bin. Es kommt auf die Situation an. 

Mir hilft es zum Beispiel über deine Fragen nachzudenken. Das fühlt sich an, als wäre ich bei den Vorfällen dabei, aber als unbeteiligte Person. Bei Problemlösungen würde ich mich deshalb eher als nüchtern und rational einstufen. Gleichzeitig habe ich nach dem Vorfall im Parkhaus im Internet recherchiert, wie man auf egoistisches Verhalten im Straßenverkehr reagieren sollte und habe einen Artikel gelesen, der dazu rät, sich vorzustellen, dass es der andere Fahrer deshalb egoistisch reagiert, weil er zu einem geliebten Menschen muss. Man soll also die eigene Fantasie betätigen, was wiederum unsere Empathie aktiviert und im Idealfall Gelassenheit erzeugt. Das leuchtet mir ein und das teste ich auch gerade. 

Ich habe diese Vorstellung auch bei der IKEA Frau probiert, nur hat es nicht geklappt, weil ihr ganzes Auftreten so ein naserümpfendes 'ich habe ansonsten keine Probleme, deshalb muss ich mich jetzt über jemanden beschweren' hatte. Die war einfach von negativer Energie umgeben und ich habe diese negative Energie regelrecht aufgesogen. 

Ich möchte dir übrigens für deine bisherigen Antworten danken, weil es mir wirklich hilft, über deine Kommentare nachzudenken. Zumindest bin ich in diesen Momenten nicht wütend auf eine fremde Frau. 



 

hm, das "rationale" Gegenstück zu den Tagträumen wären Konzentrationsübungen. Alle Hauptstädte aufzählen. Oder alle Flüsse. Alle Mädchennamen, die Du kennst. So etwas in der Art.

Ich habe meinen vorherigen Beitrag in der Version "fantasievoll" bzw. vor allem "visuell" geschrieben. Scroll noch mal hoch und lies den Beitrag noch mal. Diesmal aber nicht mit Fokus darauf, WAS ich geschrieben habe, sondern WIE. Es ist zum einen sehr bildhaft (zumindest hab ich das versucht... *hüstel* ) und zum anderen mit dem direkten und erklärten Ziel, Deinen Blickwinkel zu ändern. Weniger nett ausgedrückt: ich versuche, Dich zu manipulieren, gestehe ich hiermit öffentlich und freiwillig. Es geht mir darum, Dir zu zeigen, wie es geht. Deswegen auch Formulieren wie das mit dem Ringkampf. Oder "Tusse" und "aus dem Bett kicken". Siehst Du, was ich meine?
Es nimmt die werte Dame erst einmal von dem gar nicht so werten Sockel, auf den Du sie gehievt hast. Es wirft ein anderes Licht auf die Story (schon das Wort "Story" spielt es herunter - "Erlebnis" gäbe dem deutlich mehr Gewicht... Worte beeinflussen die Art, wie man über etwas denkt und das beenflusst unsere Emotion...)

So, wieder zurück und weiter: das mit dem geliebten Menschen hätte ich Dir nie empfohlen. Passt nicht zu Dir, das ist für eine andere Perspektive auf die Welt. Wenn Du kurz darüber nachdenkst, kommst Du vermutlich auch darauf, warum?
Wie wäre es mit einer anderen Version? Versuche mal - testweise rückwirkend am IKEA - Beispiel, ich denke, das ist noch "frisch" genug, folgendes: stell Dir die Szene mal als Comic vor. So RICHTIG bis zum Anschlag überzeichnet. Da wird die Dame ... naja, bei mir eher zum Gockel. Aufplusternd und gackernd.
Das ist etwas, was man immer auch in einer direkten Interaktion machen kann.
Oder die Version, die an der Stelle am häufigsten empohlen wird: stell Dir die Person, mit der Du gerade sprichst, in Unterwäsche vor. Feinripp. Volles Programm. Sollte es auch tun

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20. September 2017 um 8:32
In Antwort auf avarrassterne1

hm, das "rationale" Gegenstück zu den Tagträumen wären Konzentrationsübungen. Alle Hauptstädte aufzählen. Oder alle Flüsse. Alle Mädchennamen, die Du kennst. So etwas in der Art.

Ich habe meinen vorherigen Beitrag in der Version "fantasievoll" bzw. vor allem "visuell" geschrieben. Scroll noch mal hoch und lies den Beitrag noch mal. Diesmal aber nicht mit Fokus darauf, WAS ich geschrieben habe, sondern WIE. Es ist zum einen sehr bildhaft (zumindest hab ich das versucht... *hüstel* ) und zum anderen mit dem direkten und erklärten Ziel, Deinen Blickwinkel zu ändern. Weniger nett ausgedrückt: ich versuche, Dich zu manipulieren, gestehe ich hiermit öffentlich und freiwillig. Es geht mir darum, Dir zu zeigen, wie es geht. Deswegen auch Formulieren wie das mit dem Ringkampf. Oder "Tusse" und "aus dem Bett kicken". Siehst Du, was ich meine?
Es nimmt die werte Dame erst einmal von dem gar nicht so werten Sockel, auf den Du sie gehievt hast. Es wirft ein anderes Licht auf die Story (schon das Wort "Story" spielt es herunter - "Erlebnis" gäbe dem deutlich mehr Gewicht... Worte beeinflussen die Art, wie man über etwas denkt und das beenflusst unsere Emotion...)

So, wieder zurück und weiter: das mit dem geliebten Menschen hätte ich Dir nie empfohlen. Passt nicht zu Dir, das ist für eine andere Perspektive auf die Welt. Wenn Du kurz darüber nachdenkst, kommst Du vermutlich auch darauf, warum?
Wie wäre es mit einer anderen Version? Versuche mal - testweise rückwirkend am IKEA - Beispiel, ich denke, das ist noch "frisch" genug, folgendes: stell Dir die Szene mal als Comic vor. So RICHTIG bis zum Anschlag überzeichnet. Da wird die Dame ... naja, bei mir eher zum Gockel. Aufplusternd und gackernd.
Das ist etwas, was man immer auch in einer direkten Interaktion machen kann.
Oder die Version, die an der Stelle am häufigsten empohlen wird: stell Dir die Person, mit der Du gerade sprichst, in Unterwäsche vor. Feinripp. Volles Programm. Sollte es auch tun

Ich habe gestern noch mal genauer über deine Frage nachgedacht, ob ich fantasievoll oder nüchtern bin. Und komme immer wieder zu dem Entschluss, dass ich in allererster Linie ein emotionaler Mensch bin. Mir gehen Dinge viel zu nah.
Wenn ich auf der Straße sehe, wie eine Mutter ihr Kind zurechtweist, steigt in mir Angst und Wut auf. Wenn ich Werbung für Hundefutter sehe, muss ich weinen. Von Spendenwerbungen, Nachrichten und traurigen Filmen wollen wir erst gar nicht reden. Wenn eine Freundin befördert wird, verspüre ich eine Freude, als wäre ich befördert worden. Bei herzlichen sozialen Interaktionen mit Fremden, z.Bsp. lässt man mich an der Kasse vor oder ich lasse jemanden vor, kann mir das einen schlechten Tag retten. Umgekehrt kann mir ein schlechter Vorfall einen guten Tag versauen. 

Deshalb springe ich auch sofort auf alles an, was meine Emotionen aktiviert, sowohl positive als auch negative. Dein Vorschlag, mir den IKEA Vorfall als Comic vorzustellen, hat sofort funktioniert. Bei der Parkhaus Frau übrigens auch. Der Unterwäsche Trickt war sogar noch besser. Allerdings hält meine Gelassenheit und Ruhe nur für die Dauer der Vorstellung an. Es hat sich bei mir in der Zwischenzeit leider zu viel angestaut, so dass meine Wut im Hintergrund weiter brodelt. Ich muss deine Methode beim nächsten Mal sofort testen, solange ich noch in der Situation bin. Ich muss den Moment unterbinden, der nach der Konfrontation eintritt. Da tritt nämlich meine übertriebene Reaktion ein und da beginne ich erst, das Geschehene aufzubauschen und emotional zu werden. Denn es ist danach, dass ich mich um die Gelegenheit betrogen fühle, der anderen Person zu zeigen, dass sie mit mir nicht einfach machen kann, was sie möchte. 

Ich habe bei der Comic oder Unterwäsche Methode deshalb auch die Befürchtung, dass ich damit Eigenschaften pflege, die man nicht pflegen sollte. Ich weiß, dass ich mich nicht unterlegen fühle, wenn ich Zicke werde. Es gab einige Vorfälle, wo ich die betreffende Person angezickt und klar demonstriert habe, dass ich seine/ihre Sch*ße nicht mitmachen werde. Das sind meist Tage, an denen ich selber schlecht gelaunt bin und keine Geduld aufbringen kann. Wenn mein Gegenüber vor lauter Überraschung sofort den Mund zuklappt, hängen mir die Vorfälle nicht nach. Ich fühle mich dann als überlegener Sieger. 
Dabei sollte ich diese Situationen gar nicht als Kämpfe einstufen. Bei der Comic/Unterwäsche Methode mache ich das aber, oder nicht? Ich muss die andere Person lächerlich machen und innerlich bloßstellen, um mich überlegen und somit besser zu fühlen. Das ist ein Bewältigungsmechanismus der funktioniert, aber mein eigentliches Problem nicht löst. Und ich habe wirklich Angst, dass diese Art der Bewältigung mein Anker wird, an den ich mich jedesmal klammern muss. 
Ich stelle mir eine Wand vor, die mit Schimmel befallen ist. Ich kann die Wand streichen und sie wird im schönsten Weiß erstrahlen. Der Schimmel ist trotzdem noch da. 

Deshalb hat mir die Empathiemethode spontan gefallen, denn bei ihr bin ich weder unterlegen noch überlegen, sondern stehe mit der anderen Person auf einer Stufe. Ich trete einen Schritt zurück und gestehe mir ein, dass ich nicht wissen kann, warum mich jemand "angreift" und versuche Gründe zu finden, die ich aus meinem eigenen Leben kenne. Man hat schlechte Nachrichten bekommen, ein geliebter Mensch ist krank. Und so weiter. Ich hoffe so sehr, dass diese Methode funktioniert, weil ich dabei nicht nur lerne, gelassen zu sein, sondern auch gutmütiger Mensch bleibe und nicht Arsch werde. Und weil ich mir so viel davon verspreche, komme ich nicht darauf (oder will nicht darauf kommen), warum du denkst, die Methode würde bei mir nicht klappen können. 

Ich kämpfe eigentlich gegen zwei Dinge an: Meine übertrieben emotionale Reaktion danach und die Versuchung, der anderen Person sofort eins reinzuwürgen, um mich überlegen zu fühlen. 

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20. September 2017 um 10:25
In Antwort auf miamaram

Ich habe gestern noch mal genauer über deine Frage nachgedacht, ob ich fantasievoll oder nüchtern bin. Und komme immer wieder zu dem Entschluss, dass ich in allererster Linie ein emotionaler Mensch bin. Mir gehen Dinge viel zu nah.
Wenn ich auf der Straße sehe, wie eine Mutter ihr Kind zurechtweist, steigt in mir Angst und Wut auf. Wenn ich Werbung für Hundefutter sehe, muss ich weinen. Von Spendenwerbungen, Nachrichten und traurigen Filmen wollen wir erst gar nicht reden. Wenn eine Freundin befördert wird, verspüre ich eine Freude, als wäre ich befördert worden. Bei herzlichen sozialen Interaktionen mit Fremden, z.Bsp. lässt man mich an der Kasse vor oder ich lasse jemanden vor, kann mir das einen schlechten Tag retten. Umgekehrt kann mir ein schlechter Vorfall einen guten Tag versauen. 

Deshalb springe ich auch sofort auf alles an, was meine Emotionen aktiviert, sowohl positive als auch negative. Dein Vorschlag, mir den IKEA Vorfall als Comic vorzustellen, hat sofort funktioniert. Bei der Parkhaus Frau übrigens auch. Der Unterwäsche Trickt war sogar noch besser. Allerdings hält meine Gelassenheit und Ruhe nur für die Dauer der Vorstellung an. Es hat sich bei mir in der Zwischenzeit leider zu viel angestaut, so dass meine Wut im Hintergrund weiter brodelt. Ich muss deine Methode beim nächsten Mal sofort testen, solange ich noch in der Situation bin. Ich muss den Moment unterbinden, der nach der Konfrontation eintritt. Da tritt nämlich meine übertriebene Reaktion ein und da beginne ich erst, das Geschehene aufzubauschen und emotional zu werden. Denn es ist danach, dass ich mich um die Gelegenheit betrogen fühle, der anderen Person zu zeigen, dass sie mit mir nicht einfach machen kann, was sie möchte. 

Ich habe bei der Comic oder Unterwäsche Methode deshalb auch die Befürchtung, dass ich damit Eigenschaften pflege, die man nicht pflegen sollte. Ich weiß, dass ich mich nicht unterlegen fühle, wenn ich Zicke werde. Es gab einige Vorfälle, wo ich die betreffende Person angezickt und klar demonstriert habe, dass ich seine/ihre Sch*ße nicht mitmachen werde. Das sind meist Tage, an denen ich selber schlecht gelaunt bin und keine Geduld aufbringen kann. Wenn mein Gegenüber vor lauter Überraschung sofort den Mund zuklappt, hängen mir die Vorfälle nicht nach. Ich fühle mich dann als überlegener Sieger. 
Dabei sollte ich diese Situationen gar nicht als Kämpfe einstufen. Bei der Comic/Unterwäsche Methode mache ich das aber, oder nicht? Ich muss die andere Person lächerlich machen und innerlich bloßstellen, um mich überlegen und somit besser zu fühlen. Das ist ein Bewältigungsmechanismus der funktioniert, aber mein eigentliches Problem nicht löst. Und ich habe wirklich Angst, dass diese Art der Bewältigung mein Anker wird, an den ich mich jedesmal klammern muss. 
Ich stelle mir eine Wand vor, die mit Schimmel befallen ist. Ich kann die Wand streichen und sie wird im schönsten Weiß erstrahlen. Der Schimmel ist trotzdem noch da. 

Deshalb hat mir die Empathiemethode spontan gefallen, denn bei ihr bin ich weder unterlegen noch überlegen, sondern stehe mit der anderen Person auf einer Stufe. Ich trete einen Schritt zurück und gestehe mir ein, dass ich nicht wissen kann, warum mich jemand "angreift" und versuche Gründe zu finden, die ich aus meinem eigenen Leben kenne. Man hat schlechte Nachrichten bekommen, ein geliebter Mensch ist krank. Und so weiter. Ich hoffe so sehr, dass diese Methode funktioniert, weil ich dabei nicht nur lerne, gelassen zu sein, sondern auch gutmütiger Mensch bleibe und nicht Arsch werde. Und weil ich mir so viel davon verspreche, komme ich nicht darauf (oder will nicht darauf kommen), warum du denkst, die Methode würde bei mir nicht klappen können. 

Ich kämpfe eigentlich gegen zwei Dinge an: Meine übertrieben emotionale Reaktion danach und die Versuchung, der anderen Person sofort eins reinzuwürgen, um mich überlegen zu fühlen. 

die Empathiemathode hat für mich einen großen Nachteil: sie verstärkt das "persönliche", statt es abzuschwächen. Schon allein durch die Empathie.
Es ist aber ja nicht persönlich, Du kennst diese Menschen nicht, sie Dich nicht.
Das hat mehr was von einem Hund, der aus dem Wasser kommt und sich bei nächstbester Gelegenheit schüttelt. Was daneben steht, wird halt nass - aber es geht nicht gegen MICH, wenn ich gerade daneben stehe und nass werde. Fokussiere ich mich jetzt auf Wauwi, gewichte ich das alles viel mehr. Klar ist es dem armen Tierchen schrecklich unangenehm, nasses Fell zu haben und ein Hund reagiert an der Stelle nun einmal instinktiv - aber das wandelt ein "jetzt bin ich nass, weil so ein *** baden war!!!" nicht in ein achselzuckendes "sh*t happenz!"
Dementsprechend wäre meine eigene Reaktion im IKEA auch eher eine hochgezogene Augenbraue und "Heul doch!" als ein "reinwürgen".

Wenn Du Dir Deine Formulierung mal anschaust:
"Ich trete einen Schritt zurück und gestehe mir ein, dass ich nicht wissen kann, warum mich jemand "angreift" und versuche Gründe zu finden..."
Wo liegt der Fokus in dem Falle? Auf dem ANGREIFEN - auch wenn es in "" steht. UND auf dem ANGREIFER. Ey, da schüttelt sich nur ein Hund das Wasser aus dem Fell, wenn der angreifen würde, sähe das deutlich anders aus! Wenn es regnet, ist das auch kein Angriff von Petrus auf Deine schicke Frisur - und wenn Du jetzt nach Gründen suchst, warum Petrus (oder wer auch immer) gerade jetzt seinen Badezuber leeren musste, dann machst Du Dich damit weiter zum Opfer (bzw. verstärkst das "Opfermuster" ) , wenn auch als "Kollateralschaden" irgendwelcher möglicher wichtiger anderer Ereignisse. So ist es aber doch gar nicht - sondern nur blöd gelaufen.

Die Comic - Version nimmt dem Ganze die persönliche und "zu reale" Komponente.
Die Unterwäasche - Version ist die, die generell empfohlen wird, wenn jemand Probleme mit Unterlegenheitsgefühlen hat - Ich sage es mal so: das Format, auch mit runtergelassenen Hosen noch überlegen zu wirken haben doch nur SEHR, sehr, sehr wenige Menschen.

Die Empathie-Version hat für mich noch einen anderen Nachteil: die geht mir für meinen Geschmack zu weit am rationalen vorbei. Ganz im Ernst: es GIBT Idioten auf dieser Welt. Mit etwas Glück gehören wir selbst nicht dazu - aber Fakt ist: es gibt Menschen, die sind nun mal in der optimistischsten Einschätzung ein unausstehlicher Besen. Ist eine Tatsache.
Früher oder später hast Du es mit einem Arbeitskollegen (oder einer Kollegin natürlich, fein politisch korrekt bleiben) zu tun, die in diese Kategorie fällt. Jeden verdammten Tag. Und dann? Dann bist Du mit "der hat gerade eine schlechte Nachricht erhalten" (Pardon) echt am Ar***. Da hilft nur noch "der ist 'nen armes Würstchen" (= Unterhosen) oder nen Gockel (Comic).

Was den Nachhall angeht - wie gesagt: den Gedanken abblocken, sobald er kommt. Immer. Grundsätzlich.
An sich ist es natürlich wichtig, Situationen im Nachinein zu reflektieren, aber bei Dir läuft dieser Mechanismus, der an sich wichtig und nützlich ist, nun einmal volle Kanne Amok. Im Grunde kann man auch lernen, das zurückzusetzen, das ist aber ungleich komplizierter und schwerer als abblocken, bis es sich wieder eingekriegt hat - was bei Dir eigentlich reichen sollte.

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20. September 2017 um 10:28
In Antwort auf avarrassterne1

die Empathiemathode hat für mich einen großen Nachteil: sie verstärkt das "persönliche", statt es abzuschwächen. Schon allein durch die Empathie.
Es ist aber ja nicht persönlich, Du kennst diese Menschen nicht, sie Dich nicht.
Das hat mehr was von einem Hund, der aus dem Wasser kommt und sich bei nächstbester Gelegenheit schüttelt. Was daneben steht, wird halt nass - aber es geht nicht gegen MICH, wenn ich gerade daneben stehe und nass werde. Fokussiere ich mich jetzt auf Wauwi, gewichte ich das alles viel mehr. Klar ist es dem armen Tierchen schrecklich unangenehm, nasses Fell zu haben und ein Hund reagiert an der Stelle nun einmal instinktiv - aber das wandelt ein "jetzt bin ich nass, weil so ein *** baden war!!!" nicht in ein achselzuckendes "sh*t happenz!"
Dementsprechend wäre meine eigene Reaktion im IKEA auch eher eine hochgezogene Augenbraue und "Heul doch!" als ein "reinwürgen".

Wenn Du Dir Deine Formulierung mal anschaust:
"Ich trete einen Schritt zurück und gestehe mir ein, dass ich nicht wissen kann, warum mich jemand "angreift" und versuche Gründe zu finden..."
Wo liegt der Fokus in dem Falle? Auf dem ANGREIFEN - auch wenn es in "" steht. UND auf dem ANGREIFER. Ey, da schüttelt sich nur ein Hund das Wasser aus dem Fell, wenn der angreifen würde, sähe das deutlich anders aus! Wenn es regnet, ist das auch kein Angriff von Petrus auf Deine schicke Frisur - und wenn Du jetzt nach Gründen suchst, warum Petrus (oder wer auch immer) gerade jetzt seinen Badezuber leeren musste, dann machst Du Dich damit weiter zum Opfer (bzw. verstärkst das "Opfermuster" ) , wenn auch als "Kollateralschaden" irgendwelcher möglicher wichtiger anderer Ereignisse. So ist es aber doch gar nicht - sondern nur blöd gelaufen.

Die Comic - Version nimmt dem Ganze die persönliche und "zu reale" Komponente.
Die Unterwäasche - Version ist die, die generell empfohlen wird, wenn jemand Probleme mit Unterlegenheitsgefühlen hat - Ich sage es mal so: das Format, auch mit runtergelassenen Hosen noch überlegen zu wirken haben doch nur SEHR, sehr, sehr wenige Menschen.

Die Empathie-Version hat für mich noch einen anderen Nachteil: die geht mir für meinen Geschmack zu weit am rationalen vorbei. Ganz im Ernst: es GIBT Idioten auf dieser Welt. Mit etwas Glück gehören wir selbst nicht dazu - aber Fakt ist: es gibt Menschen, die sind nun mal in der optimistischsten Einschätzung ein unausstehlicher Besen. Ist eine Tatsache.
Früher oder später hast Du es mit einem Arbeitskollegen (oder einer Kollegin natürlich, fein politisch korrekt bleiben) zu tun, die in diese Kategorie fällt. Jeden verdammten Tag. Und dann? Dann bist Du mit "der hat gerade eine schlechte Nachricht erhalten" (Pardon) echt am Ar***. Da hilft nur noch "der ist 'nen armes Würstchen" (= Unterhosen) oder nen Gockel (Comic).

Was den Nachhall angeht - wie gesagt: den Gedanken abblocken, sobald er kommt. Immer. Grundsätzlich.
An sich ist es natürlich wichtig, Situationen im Nachinein zu reflektieren, aber bei Dir läuft dieser Mechanismus, der an sich wichtig und nützlich ist, nun einmal volle Kanne Amok. Im Grunde kann man auch lernen, das zurückzusetzen, das ist aber ungleich komplizierter und schwerer als abblocken, bis es sich wieder eingekriegt hat - was bei Dir eigentlich reichen sollte.

jetzt kann man mich auch arrogant nennen, weil ich einen Zeitungsartikel von jemandem, der da sicher mehr im Fach ist als ich, der ich Laie bin, so falsch finde (wobei hier natürlich dazu kommt: das kann man nie auf bestimmte Menschen zuschneiden, man weiß ja nicht, wer das liest und kann die ganzen Fragen, mit denen ich versucht habe, dem für Dich näher zu kommen, ja nicht stellen) - aber nunja... Sh*t happenz...

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20. September 2017 um 12:34
In Antwort auf avarrassterne1

die Empathiemathode hat für mich einen großen Nachteil: sie verstärkt das "persönliche", statt es abzuschwächen. Schon allein durch die Empathie.
Es ist aber ja nicht persönlich, Du kennst diese Menschen nicht, sie Dich nicht.
Das hat mehr was von einem Hund, der aus dem Wasser kommt und sich bei nächstbester Gelegenheit schüttelt. Was daneben steht, wird halt nass - aber es geht nicht gegen MICH, wenn ich gerade daneben stehe und nass werde. Fokussiere ich mich jetzt auf Wauwi, gewichte ich das alles viel mehr. Klar ist es dem armen Tierchen schrecklich unangenehm, nasses Fell zu haben und ein Hund reagiert an der Stelle nun einmal instinktiv - aber das wandelt ein "jetzt bin ich nass, weil so ein *** baden war!!!" nicht in ein achselzuckendes "sh*t happenz!"
Dementsprechend wäre meine eigene Reaktion im IKEA auch eher eine hochgezogene Augenbraue und "Heul doch!" als ein "reinwürgen".

Wenn Du Dir Deine Formulierung mal anschaust:
"Ich trete einen Schritt zurück und gestehe mir ein, dass ich nicht wissen kann, warum mich jemand "angreift" und versuche Gründe zu finden..."
Wo liegt der Fokus in dem Falle? Auf dem ANGREIFEN - auch wenn es in "" steht. UND auf dem ANGREIFER. Ey, da schüttelt sich nur ein Hund das Wasser aus dem Fell, wenn der angreifen würde, sähe das deutlich anders aus! Wenn es regnet, ist das auch kein Angriff von Petrus auf Deine schicke Frisur - und wenn Du jetzt nach Gründen suchst, warum Petrus (oder wer auch immer) gerade jetzt seinen Badezuber leeren musste, dann machst Du Dich damit weiter zum Opfer (bzw. verstärkst das "Opfermuster" ) , wenn auch als "Kollateralschaden" irgendwelcher möglicher wichtiger anderer Ereignisse. So ist es aber doch gar nicht - sondern nur blöd gelaufen.

Die Comic - Version nimmt dem Ganze die persönliche und "zu reale" Komponente.
Die Unterwäasche - Version ist die, die generell empfohlen wird, wenn jemand Probleme mit Unterlegenheitsgefühlen hat - Ich sage es mal so: das Format, auch mit runtergelassenen Hosen noch überlegen zu wirken haben doch nur SEHR, sehr, sehr wenige Menschen.

Die Empathie-Version hat für mich noch einen anderen Nachteil: die geht mir für meinen Geschmack zu weit am rationalen vorbei. Ganz im Ernst: es GIBT Idioten auf dieser Welt. Mit etwas Glück gehören wir selbst nicht dazu - aber Fakt ist: es gibt Menschen, die sind nun mal in der optimistischsten Einschätzung ein unausstehlicher Besen. Ist eine Tatsache.
Früher oder später hast Du es mit einem Arbeitskollegen (oder einer Kollegin natürlich, fein politisch korrekt bleiben) zu tun, die in diese Kategorie fällt. Jeden verdammten Tag. Und dann? Dann bist Du mit "der hat gerade eine schlechte Nachricht erhalten" (Pardon) echt am Ar***. Da hilft nur noch "der ist 'nen armes Würstchen" (= Unterhosen) oder nen Gockel (Comic).

Was den Nachhall angeht - wie gesagt: den Gedanken abblocken, sobald er kommt. Immer. Grundsätzlich.
An sich ist es natürlich wichtig, Situationen im Nachinein zu reflektieren, aber bei Dir läuft dieser Mechanismus, der an sich wichtig und nützlich ist, nun einmal volle Kanne Amok. Im Grunde kann man auch lernen, das zurückzusetzen, das ist aber ungleich komplizierter und schwerer als abblocken, bis es sich wieder eingekriegt hat - was bei Dir eigentlich reichen sollte.

Deine Gedanken zu der Empathiemethode haben mir sehr viel Stoff zum Nachdenken gegeben. Siehst du, so weit habe ich gar nicht gedacht, weil bei mir die Emotionen, wie du treffend sagst, sofort Amok laufen. 

Ich habe gestern noch mit meinem Freund und einer Freundin speziell über die IKEA Situation geredet und gefragt, wie sie reagiert hätten. Interessanterweise haben beide original deine Worte benutzt "Heul doch". Und beide sind sehr liebe, hilfsbereite Menschen. Ich möchte damit sagen, dass ich vielleicht in gewisser Weise die Ansprüche, die meine Mutter an mich gestellt hat, übernommen habe. Wenn ich nicht absolut perfekt und wie der verständnisvolle Mensch vor dem Herrn reagiere, habe ich versagt. Ich bin ja selber total unsicher. Ist es gemein, sich die keifende IKEA Frau als gackerndes Huhn vorzustellen? Oder ist das völlig in Ordnung. Ich bin bei vielen Dingen noch unsicher, weil ich mir erst nach meinem Auszug von zuhause langsam alles zum zwischenmenschlichen Verhalten selber beibringen musste. Und bei einigen Interaktionen, die andere locker wegstecken, stecke ich noch in den Kinderschuhen. 
Ich muss jetzt daran arbeiten, die goldene Mitte zu treffen. Mir weder die andere Person als ein armes Wesen vorzustellen, dem gestern die gesamte Familie weggebombt wurde, noch sie als meinen persönlichen Feind Nr. 1 zu sehen, wo ich ausfallend und beleidigend werden muss, um mich nicht unterlegen zu fühlen.

Wie ich lernen kann, das Verhalten von Mitmenschen nicht mehr als persönliche Angriffe zu werten, bereitet mir noch Kopfschmerzen. Ich überlege, ob ich mir nach der ersten Reaktion der anderen Person eine 3 Sekunden Auszeit verschreiben soll. Ich bin sehr impulsiv und reagiere sofort blind und emotional. Diese 3 Sekunden, wo ich nichts sage und nichts mache, kann ich nutzen, um einmal durchzuatmen und mir selber zu sagen "das hat nichts mit dir persönlich zu tun". Danach kann ich mir den Menschen in Feinripp-Liebestötern vorstellen und dann antworten oder gar nicht reagieren.

Mein Problem ist, dass in solchen Situationen meine Gefühle mit voller Wucht auf mich einprügeln. Mir leuchtet ALLES, was du schreibst, ein. Vor allem deine Bilder mit dem Hund und dem Regen. Aber weil ich überschwemmt werde und sich mein Gehirn ausschaltet, glaube ich, dass ich konkrete Methoden benötige, die ich, wie beim Sport, trainieren kann. 
Die Unterwäsche/Comic Methode wäre das eine. Die 3 Sekunden Auszeit vielleicht das andere. 

Ich bin so froh, dass ich mich durchgerungen habe, mein Problem zu posten. Ich hatte Angst davor, bin aber erleichtert, dass ich es getan habe. Du hast mich auf mehrere Dinge hingewiesen, auf die ich alleine nie gekommen wäre. Momentan bin ich voller Optimismus, dass ich mein Problem wirklich in den Griff bekommen könnte.  



 

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20. September 2017 um 12:44
In Antwort auf miamaram

Deine Gedanken zu der Empathiemethode haben mir sehr viel Stoff zum Nachdenken gegeben. Siehst du, so weit habe ich gar nicht gedacht, weil bei mir die Emotionen, wie du treffend sagst, sofort Amok laufen. 

Ich habe gestern noch mit meinem Freund und einer Freundin speziell über die IKEA Situation geredet und gefragt, wie sie reagiert hätten. Interessanterweise haben beide original deine Worte benutzt "Heul doch". Und beide sind sehr liebe, hilfsbereite Menschen. Ich möchte damit sagen, dass ich vielleicht in gewisser Weise die Ansprüche, die meine Mutter an mich gestellt hat, übernommen habe. Wenn ich nicht absolut perfekt und wie der verständnisvolle Mensch vor dem Herrn reagiere, habe ich versagt. Ich bin ja selber total unsicher. Ist es gemein, sich die keifende IKEA Frau als gackerndes Huhn vorzustellen? Oder ist das völlig in Ordnung. Ich bin bei vielen Dingen noch unsicher, weil ich mir erst nach meinem Auszug von zuhause langsam alles zum zwischenmenschlichen Verhalten selber beibringen musste. Und bei einigen Interaktionen, die andere locker wegstecken, stecke ich noch in den Kinderschuhen. 
Ich muss jetzt daran arbeiten, die goldene Mitte zu treffen. Mir weder die andere Person als ein armes Wesen vorzustellen, dem gestern die gesamte Familie weggebombt wurde, noch sie als meinen persönlichen Feind Nr. 1 zu sehen, wo ich ausfallend und beleidigend werden muss, um mich nicht unterlegen zu fühlen.

Wie ich lernen kann, das Verhalten von Mitmenschen nicht mehr als persönliche Angriffe zu werten, bereitet mir noch Kopfschmerzen. Ich überlege, ob ich mir nach der ersten Reaktion der anderen Person eine 3 Sekunden Auszeit verschreiben soll. Ich bin sehr impulsiv und reagiere sofort blind und emotional. Diese 3 Sekunden, wo ich nichts sage und nichts mache, kann ich nutzen, um einmal durchzuatmen und mir selber zu sagen "das hat nichts mit dir persönlich zu tun". Danach kann ich mir den Menschen in Feinripp-Liebestötern vorstellen und dann antworten oder gar nicht reagieren.

Mein Problem ist, dass in solchen Situationen meine Gefühle mit voller Wucht auf mich einprügeln. Mir leuchtet ALLES, was du schreibst, ein. Vor allem deine Bilder mit dem Hund und dem Regen. Aber weil ich überschwemmt werde und sich mein Gehirn ausschaltet, glaube ich, dass ich konkrete Methoden benötige, die ich, wie beim Sport, trainieren kann. 
Die Unterwäsche/Comic Methode wäre das eine. Die 3 Sekunden Auszeit vielleicht das andere. 

Ich bin so froh, dass ich mich durchgerungen habe, mein Problem zu posten. Ich hatte Angst davor, bin aber erleichtert, dass ich es getan habe. Du hast mich auf mehrere Dinge hingewiesen, auf die ich alleine nie gekommen wäre. Momentan bin ich voller Optimismus, dass ich mein Problem wirklich in den Griff bekommen könnte.  



 

Mädel, wenn Du ein absolut perfekter Mensch wärst, wärst Du für alle anderen UNERTRÄGLICH!

Schon mal darüber nachgedacht?

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20. September 2017 um 13:08
In Antwort auf miamaram

Deine Gedanken zu der Empathiemethode haben mir sehr viel Stoff zum Nachdenken gegeben. Siehst du, so weit habe ich gar nicht gedacht, weil bei mir die Emotionen, wie du treffend sagst, sofort Amok laufen. 

Ich habe gestern noch mit meinem Freund und einer Freundin speziell über die IKEA Situation geredet und gefragt, wie sie reagiert hätten. Interessanterweise haben beide original deine Worte benutzt "Heul doch". Und beide sind sehr liebe, hilfsbereite Menschen. Ich möchte damit sagen, dass ich vielleicht in gewisser Weise die Ansprüche, die meine Mutter an mich gestellt hat, übernommen habe. Wenn ich nicht absolut perfekt und wie der verständnisvolle Mensch vor dem Herrn reagiere, habe ich versagt. Ich bin ja selber total unsicher. Ist es gemein, sich die keifende IKEA Frau als gackerndes Huhn vorzustellen? Oder ist das völlig in Ordnung. Ich bin bei vielen Dingen noch unsicher, weil ich mir erst nach meinem Auszug von zuhause langsam alles zum zwischenmenschlichen Verhalten selber beibringen musste. Und bei einigen Interaktionen, die andere locker wegstecken, stecke ich noch in den Kinderschuhen. 
Ich muss jetzt daran arbeiten, die goldene Mitte zu treffen. Mir weder die andere Person als ein armes Wesen vorzustellen, dem gestern die gesamte Familie weggebombt wurde, noch sie als meinen persönlichen Feind Nr. 1 zu sehen, wo ich ausfallend und beleidigend werden muss, um mich nicht unterlegen zu fühlen.

Wie ich lernen kann, das Verhalten von Mitmenschen nicht mehr als persönliche Angriffe zu werten, bereitet mir noch Kopfschmerzen. Ich überlege, ob ich mir nach der ersten Reaktion der anderen Person eine 3 Sekunden Auszeit verschreiben soll. Ich bin sehr impulsiv und reagiere sofort blind und emotional. Diese 3 Sekunden, wo ich nichts sage und nichts mache, kann ich nutzen, um einmal durchzuatmen und mir selber zu sagen "das hat nichts mit dir persönlich zu tun". Danach kann ich mir den Menschen in Feinripp-Liebestötern vorstellen und dann antworten oder gar nicht reagieren.

Mein Problem ist, dass in solchen Situationen meine Gefühle mit voller Wucht auf mich einprügeln. Mir leuchtet ALLES, was du schreibst, ein. Vor allem deine Bilder mit dem Hund und dem Regen. Aber weil ich überschwemmt werde und sich mein Gehirn ausschaltet, glaube ich, dass ich konkrete Methoden benötige, die ich, wie beim Sport, trainieren kann. 
Die Unterwäsche/Comic Methode wäre das eine. Die 3 Sekunden Auszeit vielleicht das andere. 

Ich bin so froh, dass ich mich durchgerungen habe, mein Problem zu posten. Ich hatte Angst davor, bin aber erleichtert, dass ich es getan habe. Du hast mich auf mehrere Dinge hingewiesen, auf die ich alleine nie gekommen wäre. Momentan bin ich voller Optimismus, dass ich mein Problem wirklich in den Griff bekommen könnte.  



 

P.S. ich fürchte, damit bin ich jetzt aber auch mit dem, was in diesem Rahmen möglich ist, so ziemlich durch - ich hoffe, es hilft Dir wirklich

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20. September 2017 um 15:06
In Antwort auf avarrassterne1

P.S. ich fürchte, damit bin ich jetzt aber auch mit dem, was in diesem Rahmen möglich ist, so ziemlich durch - ich hoffe, es hilft Dir wirklich

Ja, du hast mir sehr geholfen. Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass ich so viele Anregungen und konkrete Tipps bekommen würde, die mir richtig Mut machen. Vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit für mich genommen hast.  

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20. September 2017 um 16:23
In Antwort auf miamaram

Ja, du hast mir sehr geholfen. Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass ich so viele Anregungen und konkrete Tipps bekommen würde, die mir richtig Mut machen. Vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit für mich genommen hast.  

kein Ding, wenn ich das nicht gewollt hätte, hätte ich es schließlich auch nicht gemacht

Denn bleibt mir nur noch, Dir viel Glück & Erfolg damit zu wünschen

und denk daran: perfekte Menschen sind UNERTRÄGLICH - so willst Du NICHT werden / sein :P

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21. September 2017 um 8:38
In Antwort auf avarrassterne1

kein Ding, wenn ich das nicht gewollt hätte, hätte ich es schließlich auch nicht gemacht

Denn bleibt mir nur noch, Dir viel Glück & Erfolg damit zu wünschen

und denk daran: perfekte Menschen sind UNERTRÄGLICH - so willst Du NICHT werden / sein :P

Danke!  Den Gedanken, dass ich in jeder Situation perfekt sein/reagieren muss, ist bei mir tief verwurzelt. Es ist schon viel besser geworden, aber ich falle noch oft in alte Muster zurück.  

Purplemoonlight, du hast teilweise Recht. Ich ärgere mich nachträglich, weil ich mich unterlegen fühle. Eine schlagfertige Antwort wandelt meine Unterlegenheit in Überlegenheit. Ich glaube, ich habe das in einer meiner Antworten auch geschrieben. Es gab Situationen, wo ich angeblafft wurde und, meistens aufgrund schlechter Laune, zurückgeblafft habe oder wie du sagst, der anderen Person ordentlich die Meinung gegeigt habe. Wenn mein Gegenüber daraufhin still ist, ist die Sache für mich erledigt. Ich denke nicht mehr darüber nach. 

Da ich aber innerlich bereits während der Situation koche, ist es auch passiert, dass ich zurückgeblafft habe, die andere Person jedoch dann noch einen draufgesetzt hat und wir uns mitten in einer BIBLIOTHEK wie zwei Hyänen angekreischt haben. Ich konnte nicht aufhören, weil ich dachte, wenn ich jetzt aufgebe, geht die andere als Gewinnerin aus der Situation. Sie hat wahrscheinlich ähnlich gedacht. Am Ende hat sie "gewonnen", weil sie sich irgendwann umgedreht hat, um zu gehen, mir aber noch ein F*ck dich über die Schulter zugerufen hat. Ich war danach verstummt vor Schock.
 
Mir ist gestern außerdem aufgefallen, dass ich zu 99,99% mit Menschen mittleren Alters (50-65) aneinandergerate. Mir fällt spontan kein Vorfall mit einer jüngeren Person ein. Ich bin aber Mitte 20 und fühle mich verpflichtet, zu Menschen, die deutlich älter sind als ich, besonders höflich zu sein. Es könnte sein, dass ich mich von dieser Altersgruppe besonders getriggert fühle, weil sie meine Eltern sein könnten. Mit älteren Frauen gibt es übrigens auch deutlich mehr "Konfrontationen" als mit Männern bzw. empfinde ich die Situationen mit Frauen häufiger als Angriff. Bei Männern bin ich viel besser in der Lage, darüber zu lachen. 


Um auf das Thema zurückzukommen. Ich wäre gerne schlagfertig, allerdings höflich schlagfertig. Ich werde schnell persönlich, weil die Situation selber für mich zutiefst persönlich ist. Ich habe viel zu lernen im Umgang mit unfreundlichen Fremden und wusste lange gar nicht, wo ich anfangen soll. Avarrassterns Gedanken zur Empathiemethode haben mir einen ganz anderen Blickwinkel gegeben, weshalb ich zuerst den Unterwäsche Trick anwenden werde, um der Situation das "reale" zu nehmen. Wenn ich Erfolge sehe, wäre der nächste Schritt womöglich deiner, nämlich Schlagfertigkeit trainieren. Für mich wäre es einfacher, mich auf einen Marathon vorzubereiten. Aber da muss und will ich durch, weil das für mich kein ertragbarer Zustand mehr ist.  

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22. September 2017 um 14:01
In Antwort auf miamaram

Danke!  Den Gedanken, dass ich in jeder Situation perfekt sein/reagieren muss, ist bei mir tief verwurzelt. Es ist schon viel besser geworden, aber ich falle noch oft in alte Muster zurück.  

Purplemoonlight, du hast teilweise Recht. Ich ärgere mich nachträglich, weil ich mich unterlegen fühle. Eine schlagfertige Antwort wandelt meine Unterlegenheit in Überlegenheit. Ich glaube, ich habe das in einer meiner Antworten auch geschrieben. Es gab Situationen, wo ich angeblafft wurde und, meistens aufgrund schlechter Laune, zurückgeblafft habe oder wie du sagst, der anderen Person ordentlich die Meinung gegeigt habe. Wenn mein Gegenüber daraufhin still ist, ist die Sache für mich erledigt. Ich denke nicht mehr darüber nach. 

Da ich aber innerlich bereits während der Situation koche, ist es auch passiert, dass ich zurückgeblafft habe, die andere Person jedoch dann noch einen draufgesetzt hat und wir uns mitten in einer BIBLIOTHEK wie zwei Hyänen angekreischt haben. Ich konnte nicht aufhören, weil ich dachte, wenn ich jetzt aufgebe, geht die andere als Gewinnerin aus der Situation. Sie hat wahrscheinlich ähnlich gedacht. Am Ende hat sie "gewonnen", weil sie sich irgendwann umgedreht hat, um zu gehen, mir aber noch ein F*ck dich über die Schulter zugerufen hat. Ich war danach verstummt vor Schock.
 
Mir ist gestern außerdem aufgefallen, dass ich zu 99,99% mit Menschen mittleren Alters (50-65) aneinandergerate. Mir fällt spontan kein Vorfall mit einer jüngeren Person ein. Ich bin aber Mitte 20 und fühle mich verpflichtet, zu Menschen, die deutlich älter sind als ich, besonders höflich zu sein. Es könnte sein, dass ich mich von dieser Altersgruppe besonders getriggert fühle, weil sie meine Eltern sein könnten. Mit älteren Frauen gibt es übrigens auch deutlich mehr "Konfrontationen" als mit Männern bzw. empfinde ich die Situationen mit Frauen häufiger als Angriff. Bei Männern bin ich viel besser in der Lage, darüber zu lachen. 


Um auf das Thema zurückzukommen. Ich wäre gerne schlagfertig, allerdings höflich schlagfertig. Ich werde schnell persönlich, weil die Situation selber für mich zutiefst persönlich ist. Ich habe viel zu lernen im Umgang mit unfreundlichen Fremden und wusste lange gar nicht, wo ich anfangen soll. Avarrassterns Gedanken zur Empathiemethode haben mir einen ganz anderen Blickwinkel gegeben, weshalb ich zuerst den Unterwäsche Trick anwenden werde, um der Situation das "reale" zu nehmen. Wenn ich Erfolge sehe, wäre der nächste Schritt womöglich deiner, nämlich Schlagfertigkeit trainieren. Für mich wäre es einfacher, mich auf einen Marathon vorzubereiten. Aber da muss und will ich durch, weil das für mich kein ertragbarer Zustand mehr ist.  

da muss ich mich jetzt doch noch mal einklinken...

Die Hyänen in der Bibliothek (was haben nur alle gegen Hyänen, ich mag die irgendwie, da bin ich im Zoo immer am längsten...) sind auch eine Überreaktion - aber anders.
Ich habe mich letztens auch mit einem anderen Fahrgast im Zug gefetzt. Aber so richtig - und ja auch laut und auch über mehrere Minuten und ja, auch böse.
Und ja, ich gebe es zu, dass ich da richtig gepflegt ausgetickt bin, lag zum Teil daran, dass ich eh nicht den besten Tag aller Zeiten hatte und auch zum Teil daran, dass der werte Herr etwas gemacht hat, was ständig vorkommt (und mich auch ständig nervt), wo ich mir bei den 99 Helden vor ihm aber einen Kommentar verbissen habe (und bei denen nach ihm bisher auch). Soll ich Dir sagen, wie viel schlechtes Gewissen ich deswegen habe? Gar keins

Was will ich damit sagen? Ist normal. Passiert bei jedem Mal, so lange man nicht ständig "mit einem Messer zwischen den Zähnen" (im übertragenen Sinne natürlich) unterwegs ist oder solche Szenen beim Tee mit der Queen hinlegt, ist das gar kein Ding. Niemand von uns ist ein reinweißer Engel - und das ist verdammt gut so!

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22. September 2017 um 14:10
In Antwort auf avarrassterne1

da muss ich mich jetzt doch noch mal einklinken...

Die Hyänen in der Bibliothek (was haben nur alle gegen Hyänen, ich mag die irgendwie, da bin ich im Zoo immer am längsten...) sind auch eine Überreaktion - aber anders.
Ich habe mich letztens auch mit einem anderen Fahrgast im Zug gefetzt. Aber so richtig - und ja auch laut und auch über mehrere Minuten und ja, auch böse.
Und ja, ich gebe es zu, dass ich da richtig gepflegt ausgetickt bin, lag zum Teil daran, dass ich eh nicht den besten Tag aller Zeiten hatte und auch zum Teil daran, dass der werte Herr etwas gemacht hat, was ständig vorkommt (und mich auch ständig nervt), wo ich mir bei den 99 Helden vor ihm aber einen Kommentar verbissen habe (und bei denen nach ihm bisher auch). Soll ich Dir sagen, wie viel schlechtes Gewissen ich deswegen habe? Gar keins

Was will ich damit sagen? Ist normal. Passiert bei jedem Mal, so lange man nicht ständig "mit einem Messer zwischen den Zähnen" (im übertragenen Sinne natürlich) unterwegs ist oder solche Szenen beim Tee mit der Queen hinlegt, ist das gar kein Ding. Niemand von uns ist ein reinweißer Engel - und das ist verdammt gut so!

P.S.: dass sich das vor allem auf Frauen in einem bestimmten Alter konzentriert, ist natürlich wichtig und auffällig, aber der Hintergrund dafür dürfte klar sein.
Um der Wahrheit die Ehre zu geben: bis Du mit diesem Hintergrund wirklich aufräumen kannst, wirst Du noch bißchen brauchen.

Wichtig ist aber, dass Du bestimmt nicht zu jemandem werden musst, der nie die Kontrolle verliert (um den Kontrollverlust ging es Dir doch, oder?) Aus eigener unschöner Erfahrung: schon mit dem Versuch, da hin zu kommen, kannst Du Dir selbst ziemlich schaden

-> ein paar Aussetzer ab und an gehören dazu Das zu akzeptieren ist wichtig für Dich, denke ich.

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