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Wie kann man jemandem eine Depression erklären?

7. Oktober 2010 um 11:16 Letzte Antwort: 7. April 2011 um 15:07

Hallo,

ich benötige dringend eure Hilfe, weil ich nicht mehr weiß, was ich tun soll.

Ich habe letzte Woche Mittwoch zum wiederholten Mal versucht, mir das Leben zu nehmen und es ist das zweite mal, dass ich mir dabei eine schwere arterielle Verletzung am Handgelenk zugefügt habe. Doch das erste mal, dass ich mir Hilfe gesucht habe. Ich war drei Tage in der Psychiatrie und habe mich dann gegen den dringenden Rat der Ärzte nach Hause entlassen, um mich ambulant weiterbehandeln zu lassen. Diagnose: rez. Depression (mittelschwere Episode)

Mein eigentliches Problem dreht sich nicht um mich, sondern um meinen Freund, auch wenn mir dazu eigentlicch die Kraft fehlt und ich meine Energie für meine baldige Genesung einsetzen will. Er versteht einfach nicht, was mit mir los ist und ich glaube, momentan ist er sogar in einer noch schlechteren Verfassung als ich. Ich habe ihm mehrfach erklärt, was eine Depression ist und worum es sich dabei handelt und da ich selbst Krankenschwester bin, kenn ich mich damit auch ein wenig aus. Doch er macht mir nur Vorwürfe und fragt mich ständig, wie ich ihm das antun konnte, unterstellt mir, ihn nicht zu lieben und macht mir ständig ein schlechtes Gewissen, indem er mir sagt, wie schlecht es ihm geht.

Mehrfach habe ich ihm erklärt, dass ich krank bin, dass ich nur MIR etwas antun wollte und niemandem sonst und dass ich das getan habe, weil ich einfach am Ende meiner Kräfte war, ich einfach nicht mehr konnte.

Anstatt froh zu sein, dass nichts schlimmeres passiert ist, ich bereit bin, mir helfen zu lassen und es mir langsam wieder besser geht, zieht er mich immer weiter runter. Ich war schon so weit zu sagen, dass er demnächst erstmal keinen Kontakt zu mir suchen soll, aber das will er auch nicht. Da mein Freund (übrigens 28 und somit auch kein Kleinkind mehr) zur Zeit im Ausland arbeitet, tel. wir täglich über Skype. Ihn da zu sehen, zerreißt mich förmlich und während ich so langsam wieder fähig bin, auch mal wieder über etwas lachen zu können, verzieht er keine Miene und ich schäme mich dafür.

Im Großen und Ganzen: Mein Freund versteht die Situation nicht und macht mir alles schwerer, als es von allein schon ist. Was kann ich tun? Wie kann ich ihm die Krankheit plausibel erklären? Oder ist er einfach nur egoistisch?

Bitte helft mir, ich will ihn nicht verlieren, aber so wird es kommen, wenn er sich nicht einkriegt.

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22. Dezember 2010 um 8:29

Ich kenne das...
ich kenne das. Diese Krankheit belastet unsere Beziehung. Mein Freund ist ein sehr ausgeglichener Mensch. Er kann nicht verstehen, dass man so traurig ist, dass man nicht mehr kann. Dass man einen Suizid als einzige Lösung sieht um sich von den Qualen zu erlösen.

Mein Psychiater hat mir geraten, dass mein Freund versuchen soll sich über die Krankheit zu lesen oder ewtl. in Selbsthilfegruppe für Angehörige auszutauschen. Dort tut er sich mit Menschen zusammen, die nahe Angehörige haben, die depressiv sind.

Einen dringenden Rat an dich. Suche dir schnell ambulante Hilfe. Es gibt Anlaufstellen, die einem dabei helfen. Aber ist nach einem Suizidversuch nicht auch eine stationäre Behandlung in Erwägung zu ziehen?? Das ist keine Schande!

Gruß,

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7. April 2011 um 15:07

Das ist nicht "einfach nur egoistisch" - das ist notwendig.
Du stehst mit deinen Kräften zur Zeit dicht am Limit. Dass du da erstmal ein "Überlebensprogramm" fahren und deine verbliebenen Kräfte genau einteilen musst, ist völlig verständlich. Wenn dein Freund dich wirklich besser verstehen will, dann sollte er sich mal selbständig in das Thema Depression einlesen. Dann kann er dir immer noch - informierte - Fragen stellen, und wird hoffentlich auch begreifen, dass mit Vorwürfen niemandem gedient ist. Aber dass du ihm neben deiner eigenen Therapie noch einen kompletten "Grundkurs" frei haus lieferst, kann nicht angehen. Krankenschwestervorsprung hin oder her - er sollte da, wenn er dich wirklich liebt, schon etwas Eigeninitiative zeigen. Sein Alter spielt da wohl weniger eine Rolle als seine Lebenserfahrung, sein Charakter, seine eigene psychische Verfassung. Dass es ihn schockt, dich so zu sehen, ist natürlich kein Wunder. Vielleicht gibt es in seiner Nähe ja auch so etwas wie eine Selbsthilfegruppe von Angehörigen Depressiver? Da könnte er sicherlich einiges Durcharbeiten, Erfahrungen austauschen, den Trost finden, den du ihm nicht geben kannst, weil du jetzt erstmal mit dir selbst ins Reine kommen musst. Ich hoffe, er lernt noch, Verständnis zu entwickeln und findet die Kraft dazu, damit er dich nicht verliert. Dir auch alles Gute!

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