Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Wer bin ich

Letzte Nachricht: 3. Juni 2012 um 21:30
28.05.12 um 12:26

Hallo,
schon lange überlege ich, ob ich mir hier im Forum alles mal von der Seele schreiben soll. Nun bin ich so weit, denn ich halte es einfach nicht mehr aus...
Ich bin jetzt 33 Jahre, habe ein Kind, meine erste echte Beziehung, eigentlich endlich mal relativ zufrieden in meinem Leben.
Ich mache seit vielen jahren eine Therapie und plötzlich sitze ich da in einer Stunde und es kommt ein Gefühl in mir hoch, ich hätte nur noch schreien können. Und ich sage zu meinem Therapeuten, ich bin sexuell missbraucht worden. es war ganz klar. Ganz ganz klar.
Ich weiß nicht warum mir dass plötzlich bewußt wurde. Und alles ergab plötzlich ein Bild, mein ganzes trauriges Leben erklärte sich, wo ich immer fassungslos neben mir gestanden habe und nicht begriffen habe, was eigentlich mit mir los ist.
Ich habe mit 14 angefangen wahllos mit Männern und Frauen zu schlafen, es war egal, hat mich nicht berührt, habe mich schlagen lassen, habe mich erniedrigen lassen, habe es nie länger als 2 wochen mit jemanden ausgehalten. sobald es um gefühle ging, wurde ich starr, fühlte mich ausgeliefert, kann nicht nein sagen. Noch heute könnte ich heulen, wenn mein Mann mich berührt und ich nicht möchte. Ich denke nein nein nein, traue mich aber nichts zu sagen. Sex macht mir keinen spaß. Ich fühle nichts. Bin froh wenn es vorbei ist und ich wieder lieb gehabt werde. Fühle mich erniedrigt, benutzt und kann nicht glauben geliebt zu werden, weil ich ich bin.
früh wurde ich magersüchtig, dann Suizidversuch, ständig Depressionen. Und immer die Farge warum. Habe immer abgestritten missbraucht worden zu sein. War lange in der Klinik, habe immer gesagt das kann nicht sein, mein armer vater würde so etwas nicht tun.
Und wenn ich heute zurückschaue ergibt alles sinn. Warum schreibe ich mit 10 in mein Tagebuch ich will sterben, warum schickt meine Mutter (meine Mutter ist psychisch krank muss ich erwähnen) mich mit den Worten weg, ich will das nicht wissen als ich weinend vor ihr stehe. Warum wollte meine Mutter mich immer daran hindern eine Therapie zu machen? Warum hat meine Familie nie gefragt, warum ich eigentlich sterben wollte? Alles sind nur so fragmente. Jahrelang ins Bett gepinkelt. Kaum eine Erinnerung an meinen Vater.
Meine Eltern sind übrigens getrennt, wechseln seit 10 kein Wort miteinander, meine Mutter sagt mein Vater wäre ein böser Mann, von einem bösen Geist besessen...
Aber ich kann mich nicht "an den Missbrauch" erinnern und etwas in mir sagt dann auch "will mich nicht erinnern, kann das nicht aushalten".
Aber ich sitze hier tagtäglich, habe diesen Schmerz in mir, alles schreit, ich habe plötzlich das Bedürfnis mir mit einem Messer alles aufzuschneiden (würde ich nicht machen, aber habe plötzlich eben dieses komische Verlangen), ich weiß nicht was ich glauben soll. Ich fühle mich wie eine verrückte, wie in 2 Welten. Wenn ich mir glaube, was war dann mein Leben, wer bin ich? Ich bin emotional schwer von meiner Mutter missbraucht worden, was hatte ich denn für ein fürchterliches Leben, wie konnte ich erwachsen werden. Was geschieht wenn ich mich erinnere.
Oder bin ich verrückt wie meine Eltern sagen, hysterisch, bilde mir alles ein... stelle mich an, bin halt ein bisschen melancholisch. Ich fühle mich gar nicht, ich fühle das was mir erlaubt wurde. Habe ich mich 33 Jahre lang verpasst?
Und was nun? Werde ich mich erinnern können, bilde ich mir alles nur ein, will ich mich nur wichtig machen?
Und wie begegne ich meinen Eltern, sie bedrängen mich, und ich schaffe es nicht, kann nicht sagen, ich will Euch nicht in meinem Leben haben. Habe so eine Angst mein Vater könne von meinem "Verdacht" erfahren, schäme mich so, habe Angst meine Eltern können daran zerbrechen.
Hat einer von Euch ähnliche Erfahrungen? Hat jemand einen Rat? Kann ich mir das alles nur einbilden???
Danke..

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28.05.12 um 15:12

Einbildung?
Also erst mal du bildest dir gar nicht ein!
Uns ergeht es allen so, das wir immer wieder Momente erleben, an denen Vergangenheit mit der Realität verschwimmt, wir erleben Trigger und fühlen uns wie "damals". Das ist für Menschen die Missbrauch erlebt haben ganz "normal".
Das erste was ich persönlich durch eine Therapeutin gelernt habe ist: Fang an dir selbst zu vertrauen, deinen Gefühlen, deinen Erinnerungen, ganz egal was ein anderer in deiner Familie sagt oder denkt.

Oft gehen die Wahrnehmungen der betreffenden Personen auseinander, da will die Mutter nicht wissen, was der Tochter passiert ist, weil sie vielleicht selbst invollviert war, oder es selbst nicht verhindern konnte, oder gar wollte.

Viele Missbrauchte bekommen dann zu hören: das stimmt so nicht, oder noch schlimmer, du bist selbst daran schuld.

Wir leben eine ganze Weile damit, aber irgendwann sollte das vorbei sein.

Wenn du also wissen willst, wer du bist, dann musst du anfangen alles in dir anzunehmen, deine Erinnerungen, deine Ängste, genauso wie deine Stärken und Schwächen. All das gehört zu dir und macht dich als Mensch aus.

Und noch was, du musst nicht dein ganzes Leben lang Opfer sein, das darf sich verändern, irgendwann ist auch das nur Vergangenheit, wenn du es zulässt.

Was deine Beziehung zu deiner Familie betrifft, da hilft nur Offenheit, heißt ganz klar sagen, was du willst und was nicht. Vielleicht kannst du dir ja vorstellen erst mal auf Abstand zu gehen, wenn du nicht Lügen willst, kannst du sagen, das du gerade sehr mit deinen Leben beschäftigt bist und mal eine Auszeit brauchst.

Fang an dich selbst an erster Stelle zu stellen, heißt, wenn es dir schlecht geht, wenn du deine Eltern siehst, triff dich nicht alleine mit ihnen, ruf sie stattdessen an. Am Anfang hilft es auch zu sagen, das du beruflich / privat gerade sehr eingespannt bist.

Liebe Grüße von Tammymoon

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30.05.12 um 12:56
In Antwort auf

Einbildung?
Also erst mal du bildest dir gar nicht ein!
Uns ergeht es allen so, das wir immer wieder Momente erleben, an denen Vergangenheit mit der Realität verschwimmt, wir erleben Trigger und fühlen uns wie "damals". Das ist für Menschen die Missbrauch erlebt haben ganz "normal".
Das erste was ich persönlich durch eine Therapeutin gelernt habe ist: Fang an dir selbst zu vertrauen, deinen Gefühlen, deinen Erinnerungen, ganz egal was ein anderer in deiner Familie sagt oder denkt.

Oft gehen die Wahrnehmungen der betreffenden Personen auseinander, da will die Mutter nicht wissen, was der Tochter passiert ist, weil sie vielleicht selbst invollviert war, oder es selbst nicht verhindern konnte, oder gar wollte.

Viele Missbrauchte bekommen dann zu hören: das stimmt so nicht, oder noch schlimmer, du bist selbst daran schuld.

Wir leben eine ganze Weile damit, aber irgendwann sollte das vorbei sein.

Wenn du also wissen willst, wer du bist, dann musst du anfangen alles in dir anzunehmen, deine Erinnerungen, deine Ängste, genauso wie deine Stärken und Schwächen. All das gehört zu dir und macht dich als Mensch aus.

Und noch was, du musst nicht dein ganzes Leben lang Opfer sein, das darf sich verändern, irgendwann ist auch das nur Vergangenheit, wenn du es zulässt.

Was deine Beziehung zu deiner Familie betrifft, da hilft nur Offenheit, heißt ganz klar sagen, was du willst und was nicht. Vielleicht kannst du dir ja vorstellen erst mal auf Abstand zu gehen, wenn du nicht Lügen willst, kannst du sagen, das du gerade sehr mit deinen Leben beschäftigt bist und mal eine Auszeit brauchst.

Fang an dich selbst an erster Stelle zu stellen, heißt, wenn es dir schlecht geht, wenn du deine Eltern siehst, triff dich nicht alleine mit ihnen, ruf sie stattdessen an. Am Anfang hilft es auch zu sagen, das du beruflich / privat gerade sehr eingespannt bist.

Liebe Grüße von Tammymoon

Danke
Hallo Tammymoon,
danke für Deine liebe Antwort.
Ich habe den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen. Ich habe es sogar geschafft zu sagen warum. Noch fühlt es sich schrecklich an. Ich hoffe ich lerne endlich mal auf mich und meine Wahrnehmung zu vertrauen!
Ich wünsche auch Dir alles Gute!

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30.05.12 um 20:54

Einbildung
Dann sei Stolz auf dich, das du das geschafft hast!!
Ich wünsche dir auch alles Gute und liebe Grüße von Tammymoon

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03.06.12 um 21:30

Keine Hirngespinnste!
Das was du fühlst ist normal und ich glaube das es keine Einbildung ist.
Deine Mutter weiß bestimmt was dir angetan wurde. weil er es auch mit ihr gemacht hat, sonst würde sie nicht sowas zu einem Kind sagen, Vielleicht ist sie deshalb Psychisch Krank und weil deine Mama nicht mehr zur Verfügung stand hat er es mit dir getan.
Das du deinen Eltern nicht sagen kannst, das du sie nicht in deinem Leben ertragen kannst ist nachvollziehbar,aber deine Angst, das deine Eltern daran zerbrechen könnte ist unbegründet. Zumindestens ist deine MAMA daran zerbrochen, und eigentlich ist es ihre Aufgabe gewesen dich zu beschützen.
Nimm also nicht Rücksicht auf deine Eltern,
Lg Steffi

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