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Was will die Welt von mir?

27. Juni 2009 um 19:42

Diese Frage stelle ich mir sehr oft. Ich bin 24 Jahre alt und musste mich bereits durch vieles Kämpfen. Mit 13 haben sich meine Eltern getrennt und ich bin mit meiner Mutter ausgezogen. Ab diesem Zeitpunkt bin ich schon ziemlich selbstständig geworden. Es war oft nicht einfach da mein Vater seit ich denken kann starker Alkoholiker ist und das wird immer schlimmer. Als ich 18 war habe ich ihn sogar in eine Entzugsklinik gefahren. Man muss dazu sagen ich habe zwei Brüder. Der eine ist 29 Jahre und der andere 31. Und trotzdem bliebe es an mir hängen.

Vor drei Jahren musste meine Großmutter ins Altersheim und brauchte einen gesetzlichen Betreuer. Mein Vater dachte nur an sein Geld und somit blieb wieder alles an mir hängen. Ich musste mit 21 gegen meinen Vater und für meine Großmutter kämpfen.

Vor kurzem hab ich mich dann nach einer dreijährigen Beziehung getrennt. Es waren drei tolle Jahre. Allerdings hatte ich in dieser Zeit durch den ganzen Stress oft heftige Panikattacken und Nervenzusammenbrüche. Ich bekam dann Psychopharmaka welche ich aber nach drei Monaten wieder abgesetzt habe.

Jetzt hab ich mir das alte Haus meiner Großmutter überschreiben lassen und dieses in nur drei Monaten komplett renoviert. War eine heftige Zeit, aber ich wollte was eigenes. Nebenbei habe ich noch ein Gewerbe angemeldet da ich mich finanziell absichern möchte.

Jetzt wohne ich allerdings neben meinem Vater und meinem 31 Jahre alten Bruder. Beide bekommen ihr Leben nicht in den Griff und ich bekomme ständig die Alkohollaunen meines Vaters ab (gott sei dank nicht aggressiv, aber wie ein Kleinkind ist auch nicht besser) und muss mir Sorgen um meinen Arbeitslosen Bruder machen.

Ich habe oft das Gefühl dass ich schon Sachen durchgemacht habe, was manch 30 jährige noch nicht hat. Ich bin zwar stolz darauf, kann mich aber oft nicht in der Gesellschaft einordnen. Ich will schon ernst genommen werden, habe aber auch keine Lust ständig der Mülleimer für alle zu sein. Das schlimme ist aber, dass ich mir ständig über ALLE anderen Sorgen mache. Immer habe ich Angst wie es mit meinem Vater weitergeht oder dass mein Bruder auf der Strasse landet. Außderdem sollte ich mich am Besten für den wichtigsten Menschen in meinem Leben ständig verstellen....meine Mutter. Wir haben eine klasse Beziehung und verstehen uns super, aber sie kann einfach nicht akzeptieren, dass ich z.B. nicht so leise rede wie sie und so ruhig bin sondern einfach temperamentvoller. Jedesmal muss ich mir anhören ich soll doch leiser reden und nicht so schnell erzählen, usw. echt Kleinigkeiten. Aber wieso kann sie mich nicht so akzwptieren? Mann kann doch nicht ständig jemand ändern wollen!

Das ist so ein Gefühlschaos. Ich habe immerhin schon theoretisch kapiert, dass ich auch auf mich schauen muss und nicht verantworlich für das Leben der anderen bin. Aber das ist so schwer umzusetzten. Ständig verbockt mein Bruder sein Leben weil er stinkfaul ist und ich solls auffangen. Ich kann nicht mehr. Manchmal würde ich einfach gerne zu einer Gesprächstherapie gehen (nicht gleich zum Psychologen), aber ich weis nicht wo man sowas findet.

Ich wäre euch wirklich sehr sehr dankbar wenn ihr Tipps für mich habt. Wie bekomme ich mein Gefühlschaos in den Griff? Wie kann ich lernen dass ich einem Menschen nur bedingt helfen kann, dieser aber am Ende für sein Leben selbst verantwortlich ist? Ich weis es einfach nicht mehr.

danke schon einmal für eure Antworten

lg Perle7071

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28. Juni 2009 um 10:34

Hab dir
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8. Juli 2009 um 22:55

Tja, deine Geschichte hat mich doch berührt
Hallo Perle,
das scheinst du ja echt zu sein wie du schreibst. Ich denke du solltest dir wirklich Hilfe holen. Geprächsanpartner gibt es bei der Caritas, auch bei Diakonie und gelegentlich auch in Großen Stätten, mal beim Landratsamt anrufen.
Aber um dich zu trösten, es geht glaube ich jedem Menschen so, wenn er sich entwickelt und innerlich wächst, dass er an den Punkt kommt, wo er merkt, dass er sich innerlich ein Stück weit lösen muss, von der Familie und was einem da so blockiert.
Was deine Mama angeht, das haben manche so an sich. Am Besten du fragst mal warum sie das so meint. Theatisieren. Und ihr sagen, das du dich so wohl fühlst wie du bist und deine Freunde dich auch so mögen wie du bist. Ich denke das Problem liegt nicht bei dir oder an dir sondern irgendetwas bei deiner Mutter aus vergangenen Tagen.
Was die Alkoholsucht betrifft, hab ich da schon einige Erfahrungen hinter mir. Hab mich damals ganz radikal abgewandt, einfach weil ich mich selber retten muss. Ein Alkoholiker kann sich insoweit nur selber aus dem Schlammassel ziehen, indem er lernt einzusehen, dass er es ist und er sich Hilfe holt beim Arzt oder bei Hilfsvereinen. Ansonsten können diese Menschen einem ganz schön runter ziehen, und das kann ganz gefährlich werden. Sicher es schmerzt entsetzlich und es quält einem immer der Gedanke ob es auch richtig ist, was man macht. Aber in Organisationen wie die anonymen Alkoholikern kann man lernen wo man die Grenzen zieht und es gibt Gruppen für Familienangehörige, weil man weis, dass die Probleme von Alkoholikern eine ganze Familie belastet. Leider haben sie recht.
Ich hoffe ich konnte dir ein bischen helfen.
lg Flocke1960

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