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Was haben Autoritätspersonen an sich?

2. Januar um 7:23 Letzte Antwort: Gestern um 17:42

Hi, ich bin Erzieherin, gerade mit der Ausbildung fertig geworden, und mir ist aufgefallen, dass ich Schwierigkeiten habe, mich durchzusetzen und die Kinder das natürlich sehr schnell merken und ausnutzen. Ich habe mich an meine Kollegin gewandt und sie gefragt, wie sie sowas handhaben würde, aber ihre Lösung für die meisten Dinge ist, sich die Kinder zu schnappen und irgendwo hinzusetzen. Ich möchte aber so weit wie möglich auskommen, ohne körperlich oder laut zu werden. Ich will ja, dass die Kinder mir zuhören, weil sie mich respektieren und nicht, weil ich größer und stärker bin als sie. Ich persönlich würde eine Person nicht respektieren, die mich erst irgendwohin zerren muss damit sie mit mir sprechen kann, und so habe ich es auch nicht in der Ausbildung gelernt.

Während meinen Praktika hab ich andere Erzieherinnen beobachtet, die sowas drauf haben; sie müssen nur den Raum betreten und sofort werden die Kinder entspannter und ruhiger, ein Blick genügt, damit sie aufhören, Quatsch zu machen, und wenn die Erzieherin spricht, hören die Kinder ihr zu anstatt sich einen Spaß daraus zu machen, wegzurennen. Ich habe versucht, das Verhalten dieser Erzieher zu kopieren weil genau das meinem Bild einer guten Erzieherin entspricht, aber bei mir zieht das irgendwie nicht. Ich strahle dieses gewisse Etwas nicht aus, das man bei solchen Leuten spürt.

Deshalb wollte ich hier mal fragen: was haben Personen, die man respektiert, ohne dass sie jemals die Stimme heben müssen, eigentlich an sich und was muss man tun, um das auch zu können?

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2. Januar um 20:03

Hallo,

ich bin auch Erzieherin in einem Kindergarten und kann dir nur sagen das da die Ausstrahlung leider nicht ausreicht. Die Kinder haben sich gegenüber den besagten Erzieherinnen deswegen so benommen weil sie genau wissen das es Konsequenzen geben wird wenn sie nicht hören. Viele setzen sich auch erst dann durch (anhand von schimpfen o.ä.) wenn es niemand mit bekommt. Aber Ausstrahlung alleine genügt da nicht und es ist auch wichtig das sie Kinder merken wann schluss ist. Warum sollten sie mit dem Quatsch aufhören wenn die Erzieherin sie nur mal böse anschaut aber weiter nichts unternimmt?
Wichtig ist auch eine gute Beziehung zu den Kindern aufzubauen, spiel viel mit ihnen aber mach auch klar das du angedrohtes umsetzt wenn es nicht funktioniert sonst tanzen dir die Kinder bald auf dem Kopf rum.

Lg

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2. Januar um 21:33

Natürliche Autorität, Authentizität, (Selbst)Sicherheit, Selbstbewusstsein, innere Klarheit, Natürlichkeit, Vertrauen, Gelassenheit, Flexibilität, Konsequenz, Freundlichkeit - das alles gehört für mich irgendwie zusammen und kann bestimmt noch ergänzt werden.
 

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4. Januar um 1:08
In Antwort auf jamewii

Hi, ich bin Erzieherin, gerade mit der Ausbildung fertig geworden, und mir ist aufgefallen, dass ich Schwierigkeiten habe, mich durchzusetzen und die Kinder das natürlich sehr schnell merken und ausnutzen. Ich habe mich an meine Kollegin gewandt und sie gefragt, wie sie sowas handhaben würde, aber ihre Lösung für die meisten Dinge ist, sich die Kinder zu schnappen und irgendwo hinzusetzen. Ich möchte aber so weit wie möglich auskommen, ohne körperlich oder laut zu werden. Ich will ja, dass die Kinder mir zuhören, weil sie mich respektieren und nicht, weil ich größer und stärker bin als sie. Ich persönlich würde eine Person nicht respektieren, die mich erst irgendwohin zerren muss damit sie mit mir sprechen kann, und so habe ich es auch nicht in der Ausbildung gelernt.

Während meinen Praktika hab ich andere Erzieherinnen beobachtet, die sowas drauf haben; sie müssen nur den Raum betreten und sofort werden die Kinder entspannter und ruhiger, ein Blick genügt, damit sie aufhören, Quatsch zu machen, und wenn die Erzieherin spricht, hören die Kinder ihr zu anstatt sich einen Spaß daraus zu machen, wegzurennen. Ich habe versucht, das Verhalten dieser Erzieher zu kopieren weil genau das meinem Bild einer guten Erzieherin entspricht, aber bei mir zieht das irgendwie nicht. Ich strahle dieses gewisse Etwas nicht aus, das man bei solchen Leuten spürt.

Deshalb wollte ich hier mal fragen: was haben Personen, die man respektiert, ohne dass sie jemals die Stimme heben müssen, eigentlich an sich und was muss man tun, um das auch zu können?

Manche Menschen strahlen Autorität aus, andere nicht. Autorität bedeutet aber nichts anderes als die Macht zu haben Konsequenzen für bestimmte Handlungen festzulegen. Ausstrahlung ohne das entsprechende Verhalten reicht nicht aus um Kinder oder Erwachsene zu führen. Man muss in seinem Handeln selbst konsequent sein. Du musst für dich selbst Regeln ausstellen wie die Kinder sich dir gegenüber und anderen gegenüber zu verhalten haben, was du tolerieren willst und wo du Grenzen festlegst. Klare, nachvollziehba re Regeln sind wichtig für Kinder. Diese musst du aber konsequent durchsetzen und deine eigenen Regeln einhalten. Bist du inkonsequent, dann merken die Kinder das sofort und nehmen dich nicht mehr ernst. Man muss nicht besonders streng sein, aber man kommt nicht darum herum auch mal zu bestrafen. Lautes Brüllen bringt auch nichts, denn das strahlt eher Schwäche aus und lässt den der brüllt im Unrecht erscheinen. Sanft, liebevoll aber bestimmt, das ist der beste Weg. Du musst nicht der beste Freund der Kinder sein, aber jemand dem sie vertrauen können und der verlässlich ist, weil er sich immer nachvollziehbar und berechenbar verhält. Die Kinder müssen in der Lage sein vorher zu wissen wie du reagieren wirst, bevor sie etwas anstellen. Wenn sie wissen dass du ohnehin ein Auge zudrücken wirst, werden sie das als Bestätigung werten den Unsinn anzustellen. Wissen sie dass du das nicht ohne Konsequenzen hinnehmen wirst, dann werden sie es unterlassen etwas anzustellen. Wissen sie nicht wie du reagieren wirst, dann wissen sie nicht was sie dürfen und was nicht. Grenzen (nicht nur Regeln) müssen klar erkennbar und verständlich sein.

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4. Januar um 7:52

Vielen Dank für eure Antworten, das hilft mir sehr! Ich muss da wohl wirklich noch meine Rolle finden. Ihr habt Recht, Konsequenzen müssen sein und schimpfen muss man auch, das sehe ich genauso! Ich möchte nur nicht, dass die Konsequenzen darauf beruhen, dass ich die Kinder z.B. körperlich von einem Ort an den anderen tragen muss

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4. Januar um 11:47
In Antwort auf jamewii

Vielen Dank für eure Antworten, das hilft mir sehr! Ich muss da wohl wirklich noch meine Rolle finden. Ihr habt Recht, Konsequenzen müssen sein und schimpfen muss man auch, das sehe ich genauso! Ich möchte nur nicht, dass die Konsequenzen darauf beruhen, dass ich die Kinder z.B. körperlich von einem Ort an den anderen tragen muss

Also ich bin keine Erzieherin, habe aber schon mehrere Kinder gleichzeitig betreut.
Und ich habe eine natürliche Autorität, bzw. strahle ich sie aus. Das auch Erwachsenen gegenüber.
Mit Strafe und schimpfen habe ich es nicht so, das ist nicht meine Art.
Eher beobachten und im richtigen Moment das Kind ansprechen.
Wenn ich den Überblick verloren habe und ein Kind bestrafe, weil ich es einfach als "Schuldigen" sehe, aber gar nicht weiß, wie es zu dem Vorfall kam oder einfach meine Aufsichtspflicht vernachlässigt habe (wer kann schon mehrere Kinder gleichzeitig im Auge haben...), dann wäre es äußerst ungerecht zu schimpfen und zu bestrafen. Das hätte dann auch nichts mehr mit natürlicher Autorität zu tun.
Man muss auch seine Grenzen kennen und sich die Vorstellung von Perfektion besser abschminken.

Wenn du Gewalt anwenden musst (das Kind wegtragen etc.), dann kannst du dabei ja auch liebevoll sein, es liebevoll halten, absetzen, mit ihm reden, dein Verhalten erklären.
Immer das Kind im Blick behalten, verbunden bleiben, auch wenn du manchmal Dinge tun musst, die du eigentlich nicht tun willst.
Wichtig ist, dass du weißt, warum du es tust.

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5. Januar um 11:58

Ich arbeite auch mit Kindern, allerdings an einer Schule.
Die Kinder haben alle Respekt vor mir und ich bin kein cholerischer Punisher, sondern klar, respektvoll im Umgang mit ihnen und ehrlich.
Die Kinder kennen unsere gemeinsamen Regeln und zusammen im Klassenrat besprechen wir auch, wie wir damit umgehen. 
Was ich sagen möchte: wenn man direkt zu Beginn deutlich macht, was man möchte und warum, klar, transparent , konsequent und ehrlich ist, hat man schon viel erreicht. 
Ich kenne alle 200 Schüler und suche auch aktiv Kontakt zu ihnen. Alle Kinder kennen mich und viele suchen auch den Kontakt zu mir.
vielleicht habe ich eine natürliche Authoritat, allerdings spiele ich meine Macht nicht blind aus, sondern bin im Team "Fairplay" und ja, wenn ich in eine Klasse komme, wird es auch ruhig, ganz ohne Geschrei und Androhung von Strafen. 
 

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6. Januar um 10:17
In Antwort auf jamewii

Hi, ich bin Erzieherin, gerade mit der Ausbildung fertig geworden, und mir ist aufgefallen, dass ich Schwierigkeiten habe, mich durchzusetzen und die Kinder das natürlich sehr schnell merken und ausnutzen. Ich habe mich an meine Kollegin gewandt und sie gefragt, wie sie sowas handhaben würde, aber ihre Lösung für die meisten Dinge ist, sich die Kinder zu schnappen und irgendwo hinzusetzen. Ich möchte aber so weit wie möglich auskommen, ohne körperlich oder laut zu werden. Ich will ja, dass die Kinder mir zuhören, weil sie mich respektieren und nicht, weil ich größer und stärker bin als sie. Ich persönlich würde eine Person nicht respektieren, die mich erst irgendwohin zerren muss damit sie mit mir sprechen kann, und so habe ich es auch nicht in der Ausbildung gelernt.

Während meinen Praktika hab ich andere Erzieherinnen beobachtet, die sowas drauf haben; sie müssen nur den Raum betreten und sofort werden die Kinder entspannter und ruhiger, ein Blick genügt, damit sie aufhören, Quatsch zu machen, und wenn die Erzieherin spricht, hören die Kinder ihr zu anstatt sich einen Spaß daraus zu machen, wegzurennen. Ich habe versucht, das Verhalten dieser Erzieher zu kopieren weil genau das meinem Bild einer guten Erzieherin entspricht, aber bei mir zieht das irgendwie nicht. Ich strahle dieses gewisse Etwas nicht aus, das man bei solchen Leuten spürt.

Deshalb wollte ich hier mal fragen: was haben Personen, die man respektiert, ohne dass sie jemals die Stimme heben müssen, eigentlich an sich und was muss man tun, um das auch zu können?

Aus Erfahrung kann ich mit Gewissheit sagen, dass rumschreien eher die Autorität einschränkt als erzeugt.
Bestes Beispiel ist ein Elternpaar aus meinem Bekanntenkreis. Die Mama ist leider sehr temperamentvoll und lässt das auch ihre Kinder mal spüren. Da kommt es schon mal vor, dass sie die aus nichtigen Gründen anschreit. Im Gegensatz dazu steht der Vater. Ein ruhiger, überlegener Typ, der wirklich nur in Ausnahmesituationen laut wird. Und genau das ist der Punkt. Wenn die Mama laut wird, berührt das die Kinder schon gar nicht mehr, weil sie es nicht mehr Ernst nehmen. Hingegen wenn der Papa mal laut wird, merken sie: oh, da haben wir Mist gebaut.
Ich denke, maßgeblich wird die Autorität auch von der inneren Haltung und dem Selbstbild  geprägt. Manche brauchen nur den Raum betreten und strahlen diese Autorität aus. Solche Leute werden sicherlich nicht innerlich denken: Ich bin niemand, die halten mich alle für einen Versager.
In diesem Zusammenhang findest du auch in diesem Blogbeitrag Anregungen, wie man die eigene Ausstrahlung verbessern kann. In dem Beitrag geht es zwar um die Ausstrahlung während einer Präsentation, aber es lässt sich vieles übertragen.

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11. Januar um 22:07

ich würde sagen die jahre, die erfahrung, das handling, die ausstrahlung usw. UND wenn du eine maßnahme ankündigst, DANN mußt du die auch durchziehen.  

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19. Januar um 16:44

Hi, also vielen vielen Dank nochmal für eure Antworten und eure tollen Tipps! Ich hab jetzt mal wirklich darauf geachtet, dass ich bei allen meinen Aussagen bleibe, keine Verbote ausspreche, wenn ich mir nicht 100% sicher bin, klare Ansagen mache und den Kindern begründe, warum sie dies oder jenes nicht dürfen. Inzwischen ist es schon viel besser geworden! Die Kinder maulen und diskutieren zwar hin und wieder, wenn ich ihnen was sage, aber sie machen es in 90% der Fälle dann trotzdem. Und gleichzeitig suchen sie extrem oft meine Nähe und wollen kuscheln und hören zu, wenn ich mit ihnen spreche. Ich bin gerade voll zufrieden, auch wenn durchaus noch Luft nach oben ist. Bis zu meinem Ziel ist es glaub ich noch ein weiter Weg, aber jetzt bin ich auf alle Fälle motivierter!

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Gestern um 17:42
In Antwort auf jamewii

Hi, ich bin Erzieherin, gerade mit der Ausbildung fertig geworden, und mir ist aufgefallen, dass ich Schwierigkeiten habe, mich durchzusetzen und die Kinder das natürlich sehr schnell merken und ausnutzen. Ich habe mich an meine Kollegin gewandt und sie gefragt, wie sie sowas handhaben würde, aber ihre Lösung für die meisten Dinge ist, sich die Kinder zu schnappen und irgendwo hinzusetzen. Ich möchte aber so weit wie möglich auskommen, ohne körperlich oder laut zu werden. Ich will ja, dass die Kinder mir zuhören, weil sie mich respektieren und nicht, weil ich größer und stärker bin als sie. Ich persönlich würde eine Person nicht respektieren, die mich erst irgendwohin zerren muss damit sie mit mir sprechen kann, und so habe ich es auch nicht in der Ausbildung gelernt.

Während meinen Praktika hab ich andere Erzieherinnen beobachtet, die sowas drauf haben; sie müssen nur den Raum betreten und sofort werden die Kinder entspannter und ruhiger, ein Blick genügt, damit sie aufhören, Quatsch zu machen, und wenn die Erzieherin spricht, hören die Kinder ihr zu anstatt sich einen Spaß daraus zu machen, wegzurennen. Ich habe versucht, das Verhalten dieser Erzieher zu kopieren weil genau das meinem Bild einer guten Erzieherin entspricht, aber bei mir zieht das irgendwie nicht. Ich strahle dieses gewisse Etwas nicht aus, das man bei solchen Leuten spürt.

Deshalb wollte ich hier mal fragen: was haben Personen, die man respektiert, ohne dass sie jemals die Stimme heben müssen, eigentlich an sich und was muss man tun, um das auch zu können?

aus meiner Sicht Ruhe, Gelassenheit und Lebenserfahrung, Berufserfahrung oder sogar einen guten Lehrer.

Vielleicht, dass sie nicht viel reden und dann nur verbindliche Sachen. sollten weit ruhiger und gelassener sein, als die Kinder.
 

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