Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Was genau ist mit mir los?

30.04.21 um 19:24

Hallo ihr Lieben!

Seit langem habe ich Probleme mit mir selbst und ich habe Gefühl, dass ich mich an niemanden wenden kann, niemand der es verstehen würde.
Daher wage ich den Versuch mir hier alles von der Seele zu schreiben. Vielleicht gibt es hier den ein oder anderen dem es ähnlich geht ...

Zu mir, ich bin 29 Jahre alt. Ich bin alleinerziehend, meine Tochter ist 8 Jahre alt. Wir haben einen Hund, 7 Jahre alt. Bekommen haben wir ihn mit 7 Monaten, als die Pflegestelle dringend einen Besitzer gesucht hat wurde er uns quasi hinterhergeworfen. Er hat eine elendige Krankheitsgeschichte. 
Mit 5 Monaten von Rumänien hier her, hier direkt die Hüfte operiert, beidseitige Hüftdysplasie, Zahn-OP, Goldimplantate ... 
Mit 3 Jahren musste ich ihn an beiden Ellbogen operieren lassen, beidseitige Ellbogendysplasie.
Mit 4 Jahren wurde eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert (ich hatte es untersuchen lassen, weil er Menschen, sowie Hunden gegenüber sehr feindselig ist; nicht uns gegenüber), diese wurde dann letztes Jahr bei einem anderen Tierarzt wegen falscher Diagnose verworfen, also 2 Jahre umsonst Medikamente. 
Mit 5 Jahren musste die Hüfte aufgrund hochgradiger Arthrose neu goldimplantiert werden und Ende letzten Jahres konnte er wegen hochgradiger Arthrose nicht mehr laufen. OP keine Option, da jede OP die Arthrose nur verschlimmert, Cortison ins Gelenk, Nebenwirkungen ohne Ende, Schmerzmitteltherapie keine Option da er dann Blut kotzt ... 
Ich gebe jetzt pures Kollagen und damit kommt er ganz gut klar. Wenn wieder was bei ihm aufkommt muss ich wieder den Tierarzt wechseln, weil der jetzige der uns nun auch schon die ganze Zeit begleitet hat die Flagge geworfen hat, weil er nicht mehr weiter weiß.

Ich arbeite 40 Stunden, als Buchhalterin für einen Steuerberater. 30 im Büro, 10 Zuhause.

Aktuell kümmere ich mich noch um ein 31-jähriges Pferd, dass vernachlässigt wurde und beinahe verhungert wäre.

So nun zu meinem Problem.

Seit ich denken kann, fühle ich mich nirgends zugehörig. 
Meine Kindheit war nicht gerade rosig, aber dem gebe ich tatsächlich nicht mehr die Schuld.
Mir ist des öfteren aufgefallen, dass ich anders zu denken scheine als die Mehrheit der Menschen. 
Dinge über die sich andere niemals einen Kopf machen würden, die anderen niemals auffallen würden.
Letztens erst habe ich mit einem Freund auf dem Sofa gesessen und im Fernsehen kam ein Bild. Sofort habe ich angefangen es zu analysieren und sofort den Sinn dahinter verstanden. Er hat mich angesehen, als wäre ich vom anderen Stern. Das ist jetzt nur ein Beispiel.
Noch extremer geht es mir mit Menschen. Ich reagiere extrem empfindlich auf andere Menschen. Wie sie mit mir sprechen, mich ansehen, ob sie zwinkern oder die Schultern hängen lassen, ob sie mir länger in die Augen schauen oder ob die Mundwinkel sich bewegen.
Je nachdem auf welche Art und Weise sie das tun kann es mich richtig aufwühlen oder sogar fertig machen. Aber auch andersrum, es kann mich glücklich machen.
Schon in der Schule war ich immer eine Außenseiterin, ich kam mit niemandem klar. ich habe mich immer mehr zurückgezogen und kaum Freunde gehabt. 
Seit meinem sechsten Lebensjahr bis ungefähr zur Ausbildung bin ich geritten. Ich war von morgens bis abends mit anderen Kindern an diesem Stall. Ich bin Turniere geritten, habe einen Sieg nach dem anderen geholt und dort war ich nicht so. Da war ich kein Außenseiter und ich hatte Freunde.
Heute ist es so, dass ich immernoch nicht viele Freunde habe. Mit anderen Müttern kann ich nicht viel anfangen. Ich habe ein oder 2 gute Freundinnen, aber das wars. ich kann die Freundschaften einfach nicht pflegen weil sie mir zu anstrengend sind. Was ja völlig bescheuert ist, weil Freundschaften ja was schönes sind. Aber die Ansichten die andere Menschen manchmal haben oder die Art und Weise wie sie sich geben wie zb. Menschen die immer so überschwänglich fröhlich sind oder immer so laut witzig sein wollen oder immer erzählen wie toll sie sind. Während andere darüber einfach hinwegsehen können möchte ich einfach nur flüchten.
Beziehungen zu einem Mann scheitern grundsätzlich. Ich erwische immer die Lachse unter den vielen Fischen da draußen, die nicht mehr können als heiße Luft versprühen.
Seit Jahren eigentlich schon verliere ich immer die Lust an schönen Dingen. Ich freue mich nicht mehr über simple Dinge. 
Das Leben macht keinen Spaß mehr. Mit der Trennung meines Ex-Freundes im Jahre 2019 ist die Hoffnung auf einen anständigen Partner komplett verloren gegangen. Und das zieht mich so dermaßen runter. 
Es ist so als wäre da seitdem ein tiefes, tiefes Loch was ich nicht füllen kann. Ich habe immer gedacht nur ein Mann kann das Loch füllen, weil es das war wonach ich mich am meisten gesehnt habe. Ein Mann, der mich mit meinen Lebensstil so annimmt wie ich bin (also ich bin natürlich nicht nur der Trauerkloß in Beziehungen gewesen ), jemand der für mich da sein kann eine Partnerschaft eben, Liebe. Also habe ich versucht dieses Loch mit Männern zu füllen, nur gaben die Männer die ich so kennenlernte mir nicht das was ich möchte. Ich mache mich dann total abhängig von dem Verhalten der Männer. Melden sie sich, wann melden sie sich, wie melden sie sich, wie oft haben sie Zeit bla bla. Ganz extrem, ich sitze dann tagelang da und warte und warte und das kuriose ist, mein Verstand weiß ey das ist ein Spinner, aber sobald die Aufmerksamkeit kommt kann ich nicht anders als sie anzunehmen nur um hinter her wieder fallen gelassen zu werden. Ich bewundere Frauen, die sowas niemals mit sich machen lassen würden, die stark genug sind und ja nunmal auch gescheit die Männer ins Boxhorn zu jagen. Für mich es eine Droge. Es ist als wäre ich außerhalb meines Körpers und schaue mir bei dem Irrsinn zu. ich rufe meinem inneren was weiß ich zu um Gottes Willen hör auf damit, aber es will nicht hören. Der Witz ist, nach außen hin gebe ich dieses Bild nicht. Niemand würde je vermuten, dass ich diese Probleme habe die ich gerade schildere. Meine Arbeitskollegen beschreiben mich als temperamentvoll, jemand der selbstbewusst ist sich durchsetzt und weiß wohin er will.
Ich hab nach der Trennung 2019 kuriose Neurosen entwickelt, die manchmal schlimmer und manchmal gar nicht schlimm sind. Wie zb. Krümmel auf dem Fußboden, da könnte ich ausflippen. Oder Schuhe in der Wohnung. Ganz extrem. War bei mir nie ein Thema.
Aber es kann ja auch nicht sein, dass ich um dieses Loch zu füllen unbedingt ein zweites menschliches Wesen brauche?! Ich war zwar immer fest davon überzeugt, dass es das ist was das Loch verursacht aber was wenn es was anderes ist? Das einzige was Abhilfe gegen diese unerträgliche Einsamkeit schafft sind Tiere. Tiere oder eben ein Mann. Mein Hund, das Pferd. Aber auch nur vorübergehend. Das Gefühl, dass etwas Entscheidendes fehlt kommt immer wieder und überrollt mich jedes Mal. Jeden Tag mittlerweile versuche ich die Lösung zu finden, den Teil von mir der verloren gegangen ist, aber ich kann ihn definitiv nicht finden. 
Ich habe ohne groß darüber nachzudenken meinen Alltag zugepflastert mit allem möglichen. Arbeit, Kind, Hund, Pferd. Bei dem Pferd habe ich investiert ohne Ende und mich da so krass reingehängt. Es ging mir wirklich richtig gut für bestimmt eine Woche. Dann ging es dem Pferd besser, sie hat wieder an Gewicht zugenommen und wurde gesund. Damit kam meine Einsamkeit wieder. 
Ich singe, zwar nur für mich mittlerweile, aber ich nehme auf und freue mich, dass ich es immernoch kann. Ich lese Bücher und schreibe sogar Geschichten auf, meinen Fantasien und tue manchmal so, zb, wenn ich mit dem Hund im Wald bin, als ob ich in dieser Fantasie leben würde. Ich tue also eigentlich quasi alles um vor mir selbst und meinem Leben wegzulaufen habe ich das Gefühl.
Ich weiß wie verrückt sich das anhört und einige mögen denken ich bin reif für die Klapse. Trotzdem habe ich die Hoffnung, dass es hier Menschen gibt, die auch so fühlen wie ich und die ihr fehlendes Stück vielleicht gefunden haben. 
Ich habe mir ein Buch gekauft in dem man sich Ziele etc. aufschreiben kann um Ordnung in sich selbst zu bringen, aber das hat nichts gebacht.
Eine Therapeuten würde ich so nicht aufsuchen wollen aus verschiedenen Gründen.

Vielleicht findet sich der ein oder andere ín meinem Text wieder und mag sich austauschen oder mir Inspiration fürs Lochstopfen geben.
Ich würde mich jedenfalls sehr drüber freuen und bitte euch von doofen Kommentaren abzusehen. 

Lieben Gruß und schönes Wochenende.
Bella

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