Home / Forum / Psychologie & Persönlichkeit / Warum fühle ich mich so schlecht nach der Kündigung?!

Warum fühle ich mich so schlecht nach der Kündigung?!

18. November 2016 um 10:31 Letzte Antwort: 18. November 2016 um 15:10

Hallo Ihr Lieben,

ich brauche mal dringend eine unbeteiligte Meinung.

Vor einem Monat habe ich meinen Job gekündigt. Zuvor habe ich mehrfach Gespräche mit meinem Chef geführt und meine Bedenken über die Situation geäußert. Er hat sich auch alles angehört, aber nie etwas geändert. Unter anderem habe ich ihm gesagt, dass ich ein Rückhalt in der Abteilung hatte. Alle haben sich immer auf mich verlassen, ich habe jedes größere Projekt bearbeitet, drei Auszubildende und eine neue Mitarbeiterin betreut. Die neue Mitarbeiterin war ebenfalls wie eine Auszubildende zu behandeln, da sie nur eine sehr geringe Berufserfahrung hatte. Ich hatte eine tolle Stelle und fühlte mich auch langezeit sehr wohl. Die Verantwortung habe ich geliebt und meinen Job ebenfalls.

Bis vor ca. einem Jahr. Es ging mir plötzlich nicht mehr gut dort. Ich war nur noch genervt und die Arbeit hat mir keinen Spaß mehr bereitet. Jeder Kunde, jeder Kollege und jeder Auszubldende, der mich etwas gefragt hat, hat mich extrem genervt. Ich war trotzdem immer nett und freundlich und habe immer mehr Abreit bekommen. Wenn die Kollegen sich über etwas beschwert haben, habe ich mit dem Chef korrespondiert und nach einer Lösung gesucht. Kurzum: Alle haben sich auf mich verlassen und ich konnte mich auf niemanden verlassen. Mein Chef stand so gut wie überhaupt nicht hinter mir, wie ich schmerzlich an zwei Situationen erfahren musste (ich musste mich bei Kunden entschuldigen, für eine Auskunft, die nicht korrekt war, die ich jedoch zuvor mit meinem Chef und einer Kollegin besprochen hatte). Mein Chef hat nach diesem Vorfall nur noch nach Fehlern bei mir gesucht und mich nur noch angemeckert, bis ich nach einer Woche ein Gespräch gesucht habe. Danach ging es wieder besser. Meine Kollegen haben sich alle (!) gegenseitig und untereinander schlecht gemacht. Die Situation war für mich unerträglich, obwohl ich trotz allem immer hinter (und manchmal auch vor) meinem Chef stand und auch hinter den Kollegen. Ich war vermutlich zu nett zu allen. Trotzdem habe ich meinen Job und das Büro sehr geliebt.

Ich habe mich dann aber für die Kündigung entschieden und mein Chef war total geschockt. Zuvor hatte bereits eine Kollegin gekündigt, die aber wohl nicht so bedeutend war (laut dem Chef). Ihre Kündigung wurde einfach so hingenommen. Bei mir wurden jedoch etliche Gespräche geführt - auch mit anderen Chefs - und es wurde versucht, mich zu halten. Die anderen Chefs haben mir mehr Geld geboten und vier Wochen Urlaub. Mein Chef hat es jedoch einfach so hingenommen... Er wollte nur, dass ich zu unserer Zweigstelle in ein anderes Bundesland gehe oder zu etwaigen Kunden, die mir mal einen Job angeboten haben... Ich habe ihm gesagt, dass ich das äußerst inkompetent finde! Er wollte aber auf keinen Fall, dass ich zur Konkurrenz nebenan gehe... Das war anscheinend seine einzige Sorge...

Wie mir eine Kollegin berichtete, hat mein Chef mich sehr schlecht geredet und ich durfte zum Schluss auch nicht mehr an Abteilungssitzungen teil nehmen etc.. Ich fand das alles ziemlich albern und in dem Moment war ich mir absolut sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Ich habe nun fünf Wochen Urlaub (mein Resturlaub, den ich vorher nie nehmen konnte wegen der Arbeitsbelastung). Mir geht es absolut nicht gut, ich grübel nur noch und frage mich, ob die Kündigung die richtige Entscheidung war. Ich habe die Option, jederzeit zurückzukehren, aber ich bin so enttäuscht von meinem Chef, dass ich diese Option nur im äußersten Notfall nutzen werde.

Am 15. Dezember fange ich nun bei der Konkurenz an, die wirklich sehr nett zu mir war. Ein Chef hat mal mit meinen Chefs zusammengearbeitet und er weiß, was ich kann. Er wollte mich auch unbedingt einstellen und hat sich sehr viel Mühe gegeben. In dem Büro geht es nach Erzählungen etwas menschlicher zu.

Trotzdem fühle ich mich unwohl. Ich bin so enttäuscht von meinem ehemaligen Chef. Ich habe ihm natürlich nie gesagt, dass ich auch wegen ihm gekündigt habe... Aber das tut ja nun auch nichts mehr zur Sache...

Vor zwei Tagen war ich mit meinem Freund essen und mir wurde plötzlich schwarz vor Augen. Seit dem habe ich Kopfschmerzen. Ich glaube, das ist psychosomatischer Natur..

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Seelisch bin ich zurzeit ein Wrack! Kann mir jemand helfen?

Vielen Dank vorab! <3

Mehr lesen

18. November 2016 um 12:15

ich glaube, Du vergisst eins:

Es ist völlig normal, dass man bei so einer einschneidenen Entscheidung, die auch für das eigene Leben durchaus Folgen hat, natürlich Zweifel hat.
Es ist völlig normal, dass man ins Grübeln kommt, wenn sich ein wesentlicher Teil des gewohnten Lebens plötzlich in Luft auflöst und man vor dem "großen Unbekannten" steht.

Dein Text liest sich, als würdest Du "keine Zweifel" erwarten - und damit bist Du in einem beachtlichen inneren Konflikt, in dem Du vielleicht versuchst, diese "komischen" Gedanken und Gefühle "wegzudrücken", was aber nicht funktioniert? Das könnte schon Spannungen aufbauen, die in solchen psychosomatischen Problemen münden.

Wichtig ist aus meiner Sicht für Dich jetzt die Balance. Du solltest schon akzeptieren, dass Zweifel, Grübeln, Unsicherheit dazu gehört. Nur Dich von dem nicht zu sehr beherrschen lassen.
Was mir schon auffällt: Dein Text liest sich wie eine einzige große Rechtfertigung - mit der dringenden Bitte um Bestätigung, dass Du auch wirklich das richtige getan hast, gar keine Wahl hattest usw. - Warum?
Warum hast Du das Gefühl, Dich rechtfertigen zu müssen? Mal abgesehen davon, dass Dir eine Bestätigung, dass Du keine Wahl hattest, gefühlt sicher für ein paar Minuten helfen würde - und danach wird es wieder schlimmer, ist das doch egal. Und wenn Du gekündigt hättest, weil Du im neuen Job besser Deine Fingernägel während der Arbeitszeit lackieren kannst (ja, bewußt überzogen formuliert...) - dann wäre das genauso legitim. Du hast das Recht, Dir Deinen Job zu wählen, wann auch immer Du jemanden findest, der Dich als Arbeitnehmer wählen möchte. So einfach ist es eigentlich.

Du hast jetzt viel Urlaub? Feiere den Begin des neuen Lebensabschnittes. Guck mal, ob es sonst noch etwas in Deinem Leben zu ändern gibt - Hobbys, die Dich schon immer interessiert haben, aber irgendwie nie zum Zuge kamen? Die Schlafzimmer-Einrichtung ( oder Wandfarbe oder...) die Dir schon eine Weile nicht mehr gefällt, was Du aber nie geändert hast? Jetzt wäre ein super Zeitpunkt.
Bereite Dich auf Deinen neuen Job vor - was war in der alten Firma wirklich richtig gut? Welche Prozesse, welche Ideen, welche Herangehensweisen sind super gewesen?
Welche Fehler hast Du gemacht, die Du nicht wiederholen solltest? (Wenn Du meine Meinung wissen möchtest: die Idee, Dir alle Sorgen auf Deinen Tisch zu ziehen, fände ich es wert hinterfragt zu werden) - und nein, bewußt NICHT die Fehler von Deinem Chef betrachten. Das ist vorbei. Game over. Darüber zu grübeln, wird Dir im neuen Job nicht weiterhelfen, da ist der alte Chef nämlich nicht und abgesehen davon kannst (und sollst!) Du IHN nun sowieso nicht ändern.

Ansonsten tue das, was Deine Seele zum Schnurren bringt - was auch immer das ist, Du hast Dir Deinen Urlaub verdient, also gönn Deiner Seele ein paar "Streicheleinheiten".

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
18. November 2016 um 12:30
In Antwort auf avarrassterne1

ich glaube, Du vergisst eins:

Es ist völlig normal, dass man bei so einer einschneidenen Entscheidung, die auch für das eigene Leben durchaus Folgen hat, natürlich Zweifel hat.
Es ist völlig normal, dass man ins Grübeln kommt, wenn sich ein wesentlicher Teil des gewohnten Lebens plötzlich in Luft auflöst und man vor dem "großen Unbekannten" steht.

Dein Text liest sich, als würdest Du "keine Zweifel" erwarten - und damit bist Du in einem beachtlichen inneren Konflikt, in dem Du vielleicht versuchst, diese "komischen" Gedanken und Gefühle "wegzudrücken", was aber nicht funktioniert? Das könnte schon Spannungen aufbauen, die in solchen psychosomatischen Problemen münden.

Wichtig ist aus meiner Sicht für Dich jetzt die Balance. Du solltest schon akzeptieren, dass Zweifel, Grübeln, Unsicherheit dazu gehört. Nur Dich von dem nicht zu sehr beherrschen lassen.
Was mir schon auffällt: Dein Text liest sich wie eine einzige große Rechtfertigung - mit der dringenden Bitte um Bestätigung, dass Du auch wirklich das richtige getan hast, gar keine Wahl hattest usw. - Warum?
Warum hast Du das Gefühl, Dich rechtfertigen zu müssen? Mal abgesehen davon, dass Dir eine Bestätigung, dass Du keine Wahl hattest, gefühlt sicher für ein paar Minuten helfen würde - und danach wird es wieder schlimmer, ist das doch egal. Und wenn Du gekündigt hättest, weil Du im neuen Job besser Deine Fingernägel während der Arbeitszeit lackieren kannst (ja, bewußt überzogen formuliert...) - dann wäre das genauso legitim. Du hast das Recht, Dir Deinen Job zu wählen, wann auch immer Du jemanden findest, der Dich als Arbeitnehmer wählen möchte. So einfach ist es eigentlich.

Du hast jetzt viel Urlaub? Feiere den Begin des neuen Lebensabschnittes. Guck mal, ob es sonst noch etwas in Deinem Leben zu ändern gibt - Hobbys, die Dich schon immer interessiert haben, aber irgendwie nie zum Zuge kamen? Die Schlafzimmer-Einrichtung ( oder Wandfarbe oder...) die Dir schon eine Weile nicht mehr gefällt, was Du aber nie geändert hast? Jetzt wäre ein super Zeitpunkt.
Bereite Dich auf Deinen neuen Job vor - was war in der alten Firma wirklich richtig gut? Welche Prozesse, welche Ideen, welche Herangehensweisen sind super gewesen?
Welche Fehler hast Du gemacht, die Du nicht wiederholen solltest? (Wenn Du meine Meinung wissen möchtest: die Idee, Dir alle Sorgen auf Deinen Tisch zu ziehen, fände ich es wert hinterfragt zu werden) - und nein, bewußt NICHT die Fehler von Deinem Chef betrachten. Das ist vorbei. Game over. Darüber zu grübeln, wird Dir im neuen Job nicht weiterhelfen, da ist der alte Chef nämlich nicht und abgesehen davon kannst (und sollst!) Du IHN nun sowieso nicht ändern.

Ansonsten tue das, was Deine Seele zum Schnurren bringt - was auch immer das ist, Du hast Dir Deinen Urlaub verdient, also gönn Deiner Seele ein paar "Streicheleinheiten".

Hallihallo,

danke für Deine schnelle Antwort.

Du hast es ganz genau erkannt, jedes Wort ist richtig - danke! =)

Deine Antwort hilft mir sehr!

LG
 

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
18. November 2016 um 12:31

Danke, Du hast Recht.
Kopf aus, Welt an! =)

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
18. November 2016 um 13:05

eins habe ich noch vergessen, was auch mit hineinspielen dürfte:

wenn man unter großem Stress, großem Druck steht - funktioniert man, auch wenn man die "persönliche Grenze" schon sehr deutlich überschritten hat. Fällt der Stress und der Druck dann plötzlich weg - fällt man nicht selten in ein grosses, tiefes Loch. Auch das ist normal.

Ich kann Dich nur nach den paar Zeilen hier einschätzen, was zugegeben eine arg dünne Basis ist, aber ich würde vermuten, Dein Stress hielt sich konsequent bis zum letzten Arbeitstag, weil Du unbedingt und um jeden Preis alles "sauber" und "glatt" verlassen wolltest. (und es vielleicht auch nicht gerade Deine Stärke ist, etwas in andere Hände legen zu können?)
Jetzt ist der Druck weg ... und die "Trägheit", die einen über die erste Zeit noch "weiterrutschen lässt" - und booooom, das große Loch schlägt zu ...

Auch deswegen: gönn Deiner Seele Streicheleinheiten, Du hast sie in der Vergangenheit zu stark gequengelt, das hat sie sich verdient

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
18. November 2016 um 15:10

In deinem Schreiben lese ich das Wort oder die Wörter "CHEF" oder "CHEFS" mindestens 20 Mal. Die müssen Dich ja sehr beeindruckt haben, diese ... "CHEFS". Ich bin heilfroh, dass ICH keinen "CHEF"mehr habe, obwohl ich selber einmal einer war. Geschäftsführer um exakt zu sein. Wenn ich am frühen Morgen in den Spiegel sah, den Strick um den Hals, auch Krawatte genannt, hätte ich schon k ... können. Es hat mir noch nie gepasst, Befehle auszuführen oder welche zu erteilen. "CHEFS" waren für mich nur Klugscheisser und Besserwisser. Bin froh, keinen mehr zu sehen.

LG.,

lib

1 LikesGefällt mir Hiflreiche Antwort !
Wir machen deinen Tag bunter!
instagram