Home / Forum / Psychologie & Persönlichkeit / Vor 8 Jahren vergewaltigt...einem neuen Partner sagen? Hilfe!

Vor 8 Jahren vergewaltigt...einem neuen Partner sagen? Hilfe!

15. September 2009 um 16:12

Hi ihr

nachdem ich mir nun seit einiger Zeit den Kopf zerbrochen habe und mich immer wieder im Kreis drehe, habe ich mich nun überwunden hier zu schreiben.

Vor 8 Jahren habe ich mit einer größeren Gruppe an Freunden und Bekannten gefeiert und als wir dann alle nach Hause gegangen sind, meinte einer den ich nur vom Sehen kannte, daß er gerne mit mir kommen würde.

Daraufhin habe ich heftigst klar gemacht daß ich das nicht will. Dann wollte er noch ein Stück mitkommen als die anderen sich in alle Himmelsrichtungen zerstreuten. Wollte ich eigentlich auch nicht, aber er kam dann ein Stück mit.

Dann meinte er plötzlich er müsse mal dringend auf Toilette und ob er nicht schnell bei mir gehen könnte...auch das wollte ich nicht, aber er hat mich dann überredet. Dann ist es passiert und ich war so geschockt daß ich mich gar nicht richtig gewehrt habe, hatte wohl auch zu viel getrunken. Morgens habe ich stundenlang nur geweint und er hat gar nicht verstanden daß er etwas sehr Falsches gemacht hat.

Ich habe mich immer schuldig dafür gefühlt weil ich nicht ganz nüchtern war, mich nicht richtig gewehrt habe. Eigentlich habe ich mir bis vor kurzem gar nicht zugestanden daß ich wirklich vergewaltigt wurde. Immer noch plagen mich Zweifel ob ich das ganze wirklich so nennen darf...

Damals habe ich dann angefangen zuzunehmen und habe seither mit keinem Mann mehr geschlafen, sondern immer Distanz gehalten.

Nun habe ich das Gefühl alles verarbeitet zu haben und einen tollen Mann kennen gelernt, bei dem ich tatsächlich das Gefühl habe daß ich ihm genug vertraue um auch körperliche Nähe zuzulassen. Ich wünsche es mir sogar.

Allerdings muss alles ein bisschen langsamer gehen und ich möchte auch eigentlich gerne daß er weiß warum ich so lange keinen Freund hatte.

Nun ist meine Angst allerdings groß daß er sich von mir abwendet wenn ich ihm erzähle was damals passiert ist. Soll ich ihm überhaupt alles erzählen und meine Angst überwinden? Oder ist er vielleicht abgeschreckt? Ich werde bald bei ihm übernachten, denn er wohnt recht weit weg von mir und ich vertraue ihm absolut (was ich so zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren von einem Mann sagen kann), möchte es aber wie schon gesagt zumindest etwas langsamer angehen lassen.

Damit er versteht warum ich ein bisschen mehr Zeit brauche, hätte ich eigentlich gerne daß er weiß was damals passiert ist. Ich habe auch das Gefühl damit einen "Schlussstrich" unter diese Jahre zu ziehen, in denen ich keinen Mann in mein Leben lassen konnte...

Entschuldigt bitte falls all das etwas verwirrend geschrieben ist, aber ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen...ich bin jetzt 32 Jahre alt und kann kaum beschreiben wie toll es wäre endlich einen tollen Mann in meinem Leben zu haben. Leider ist da eben doch noch so einiges an Unsicherheit, vor allem weil ich Angst habe daß er mich für "seltsam" hält weil ich so viele Jahre keine echte Beziehung hatte...

Mehr lesen

15. September 2009 um 22:49

Danke
Danke für Deine ausführliche Antwort.

Ich hab mich damals deutlich verbal gewehrt...aber nicht geschrien oder körperlichen Widerstand geleistet.

Was das Unrechtsbewusstsein betrifft...er hat ja auch dann nicht kapiert daß es etwas tut was nicht ok ist, als er morgens immer wieder versucht hat mich - von Weinkrämpfen geschüttelt - unter die Dusche zu zerren.

Ehrlich gesagt fühle ich mich jetzt richtig schlecht, verzweifelt und schäme mich weil ich das ganze nachdem ich mich jahrelang nicht getraut habe es als Vergewaltigung anzusehen, es nun doch so genannt habe, aber es wohl nicht zu Recht getan habe.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

16. September 2009 um 13:17

Vergewaltigung offen legen
Hallo,

es tut mir sehr leid zu lesen, was Dir angetan worden ist. Da was Dir passiert ist, ist eine Vergewaltigung, so dass Du es auch so nennen darfst. An dieser Vergewaltigung bist Du auf keinen Fall Schuld, deswegen rede Dir dies auf keinen Fall ein. Du wolltest mit ihm nicht verkehren, was er wusste und er hat es gegen Deinen Willen gemacht, Dich einfach fuer seine Zwecke benutzt.

Wenn Du wirklich körperliche Nähe mit diesem (neuen) Mann moechtest, dann kannst Du es auch zulassen, ganz sicher. Stelle Deinen Willen entsprechend ein, dass Du es zulassen moechtst, dass Du seine körperliche Nähe haben moechtest, dass Du diese oder jene Beruehrung seinerseits geniessen moechtest. Ich sehe es auch so, dass es etwas langsamer gehen sollte, damit Du Zeit hast Dich darauf einzustellen.

Es ist das Beste, wenn Du ihm sagst, dass Du vor 8 Jahren vergewaltigt worden bist. Wenn Du es nicht selbst moechtest, musst Du nichts weiter dazu sagen, denn schon dann ist klar, dass es sein kann, dass Du mit körperlicher Nähe und Sex zu wie soll ich sagen Schwierigkeiten kommen koennte. Wenn dieser Mann einfuehlsam ist, wird er dies wissen und es verstehen koennen, wenn es mit der körperlichen Nähe nicht (gleich) klappen sollte.

Sagst Du es ihm nicht und es kommt dazu, dass Du körperliche Nähe verweigerst, obwohl Du dieser zuvor zugestimmt hast, ist es für ihn nicht nachvollziehbar, warum Du es jetzt verweigerst. Weiss er, dass es eine Vergewaltigung gab, kann er dies nachvollziehen und wenn er Dich wirklich liebt, wird er Dir die Zeit geben die Du brauchst um körperliche Nähe zulassen zu können.

Ich halte es in einer Beziehung fuer äußerst wichtig, dass der Partner von der Tatsache der Vergewaltigung weiss. Eine Vergewaltigung beeinflusst das Leben der Frau sehr stark, oft auch in Bereichen, wo es der Frau selbst sogar nicht bewusst ist. Ich meine, dass es auch in anderen Bereichen des partnerschaftlichen Zusammenseins zu Situationen kommen kann, die nur dadurch zu erklären sind, dass es eine Vergewaltigung oder eine sexuelle Noetigung gab. Bsp. der Partner, den man liebt, ist fuer den anderen Partner vielfach sein Ein und Alles. Dies kann man seinem Partner auch sagen; viele hoeren dies auch gerne. Bei einer Frau jedoch, die Opfer eines Sexualdelikts geworden ist, kann es aber passieren, dass sie mit dieser Tatsache des Ein und Alles seins nicht zurecht kommt. Es ist ein Ausdruck des sehr engen Näheverhältnisses zueinander und genau das, Nähe zuzulassen fällt vielen Frauen, die Opfer eines Sexualdelikts wurden, gerade schwer. Ohne Kenntnis der Vergewaltigung wären Probleme mit dem Ein und Alles Seins für den Mann nicht nachvollziehbar; mit Kenntnis aber schon.

Wenn dieser Mann Dich wirklich liebt, wird er sich keinesfalls von Dir abwenden. Tut er dies dennoch, dann ist es sogar besser fuer Dich, wenn er es jetzt tut, bevor es zu einer Beziehung gekommen ist. Es bringt nichts, dass Du mit einem Mann eine Beziehung hast, der Dich nicht so annehmen kann, wie Du bist, Es bringt nichts, wenn Dein Partner nicht versteht, was es fuer eine Frau bedeutet vergewaltigt worden zu sein. Eine solche Beziehung geht nicht lange gut.

Du musst ihm nicht sagen, dass Du lange keinen Freund hattest. Das ist meines Erachtens vollkommen egal. Du kannst es aber auch tun, wenn Du es magst. Der Zuammenhang mit der Vergewaltigung ist sichtbar.

Mich wuerde es keinesfalls abschrecken, wenn meine Freundin mir dies offenbaren wuerde. Ich wuerde versuchen sie gut ich kann zu unterstützen und für sie dazu sein.

Wer weiss, was es bedeutet vergewaltigt worden zu sein, wird Dich keinesfalls als seltsam auffassen. Wie gesagt, eine solche Tat hat Auswirkungen in alle Bereiche des Lebens. Sie beeinflusst Deine mündlichen Äußerungen, Dein ganzes Tun und Lassen. Oftmals sind Dir selbst diese Zusammenhänge nicht klar, sondern werde es erst dann, wenn Du darauf hingewiesen bist.

Ich hoffe ich konnte Dir weiter helfen. Wenn Du moechtest, kannst Du mir gerne auch eine pn schreiben. Wenn ich Dir helfen kann, tue ich dies gerne.

Viele Gruesse

smartie

1 LikesGefällt mir Hiflreiche Antwort !

14. Mai 2010 um 8:36
In Antwort auf odalis_12343703

Danke
Danke für Deine ausführliche Antwort.

Ich hab mich damals deutlich verbal gewehrt...aber nicht geschrien oder körperlichen Widerstand geleistet.

Was das Unrechtsbewusstsein betrifft...er hat ja auch dann nicht kapiert daß es etwas tut was nicht ok ist, als er morgens immer wieder versucht hat mich - von Weinkrämpfen geschüttelt - unter die Dusche zu zerren.

Ehrlich gesagt fühle ich mich jetzt richtig schlecht, verzweifelt und schäme mich weil ich das ganze nachdem ich mich jahrelang nicht getraut habe es als Vergewaltigung anzusehen, es nun doch so genannt habe, aber es wohl nicht zu Recht getan habe.

Vergewaltigung durch Ehemann
Mir ging es ähnlich wie dir. Meine Vergewaltigung geschah durch meinen damaligen Ehemann. Ich habe 5 Jahre gebraucht, bis ich das was damals geschah, beim Namen genannt habe. Vorher habe ich mir auch immer wieder die Schuld dafür gegeben. Ich dachte immer:

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Teste die neusten Trends!
experts-club

Das könnte dir auch gefallen