Forum / Psychologie & Persönlichkeit

von BPD Bruder misshandelt?

16. September um 13:06 Letzte Antwort: 20. Oktober um 9:49

Hallo,
mir geht es momentan echt nicht gut...
Würde mich sehr freuen, wenn mir jemand helfen kann, mein Gefühlschaos einzuordnen.
Mein Bruder hat BPD, immer schon gehabt, war immer schon Thema in meiner Familie.

Ich stand ihm am Nächsten von uns allen, war die, die zu ihm fuhr wenn er sich einschloss und nicht mehr aufmachte, Suiziddrohungen machte, etc, weil er auf mich hörte. Mir gelang immer, das zu sagen, das ihn letztlich beruhigen konnte. Manchmal sofort, manchmal nach 8h Diskussion, manchmal nach einer Woche Diskussion.

Das war für mich alles noch in Ordnung, weil ich wusste, wir haben dafür ein ganz spezielles Band, das niemand brechen kann. Er hatte immer wahnsinnig Angst, ich würde anderen von seiner Krankheit erzählen, war irrsinnig paranoid, als wir noch daheim wohnten hat er meine Freunde gerne belauscht, ob ich schlecht über ihn rede mit ihnen. 

Aber wir hatten auch gute Phasen, viele. Nur habe ich jetzt erfahren, dass er in meinem Heimatort begonnen hat, zu erzählen, ich sei geldgeil und machtbesessen geworden (habe der Stadt studiert) und mit unzufriedenen Geschäftspartnern von mir gemeinsam gegen mich stichelt. Ich stehe ein bisschen in der Öffentlichkeit, das bedeutet, er wird immer Menschen finden, die mich nicht mögen.

Und das war für mich aufeinmal ein Bruch, dass ich nicht mehr vertrauen kann, dass er auf meiner Seite ist, sodass ich begonnen habe, alles zu hinterfragen. Und es gab Situationen zwischen uns, die mir jetzt bitter im Kopf herum spuken.

zB hat er, wenn ich Sachen von daheim gebraucht habe, (zB Scans von Zeugnissen etc), wenn wir gerade stritten, immer bis zur letzten Sekunde gewartet oder bis ich fast gebettelt habe, dass er sie mir schickt und fand das lustig. Beschimpfungen möchte ich gar nicht alle aufzählen. Seinen Bettgefährtinnen hat er auch immer erzählt, ich sei verrückt - die gingen dann an mir vorbei und sahen mich an, als wäre ich der Teufel. Bin daher auch mit 18 sofort ausgezogen.

Und als Kinder hat er mich natürlich unter Wasser gedrückt bis ich geheult habe. Aber wieweit ist sowas noch normal und wieweit nicht mehr? Natürlich hat er mich ja nicht ertrinken lassen. Handgreiflich wurde er, abgesehen vom spielerischen, nie.

Und natürlich gab es unzählige Situationen, in denen er mich von Parties in der Nacht abgeholt hat oder bei Trennungen mit mir Eis gegegessen und Sex&the City mitgeschaut hat. Gemeinsame Urlaube, in denen wir noch Zimmer teilten und ich in der Früh auf sein Bett gesprungen bin und gesagt habe, wir gehen jetzt zum Frühstück und er Schlafmusik aufgedreht hat, damit ich noch eine Stunde Ruhe gebe (lang ists her). 

Ich weiß sowieso, dass ich mich distanzieren muss. Aber ab wann sagt man, es sind Dinge vorgefallen, da ist auch eine weite Distanz zu nahe. Ab wann ist etwas Missbrauch? 

Danke, falls jemand so weit gelesen hat!
 

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16. September um 15:17
In Antwort auf lostsis

Hallo,
mir geht es momentan echt nicht gut...
Würde mich sehr freuen, wenn mir jemand helfen kann, mein Gefühlschaos einzuordnen.
Mein Bruder hat BPD, immer schon gehabt, war immer schon Thema in meiner Familie.

Ich stand ihm am Nächsten von uns allen, war die, die zu ihm fuhr wenn er sich einschloss und nicht mehr aufmachte, Suiziddrohungen machte, etc, weil er auf mich hörte. Mir gelang immer, das zu sagen, das ihn letztlich beruhigen konnte. Manchmal sofort, manchmal nach 8h Diskussion, manchmal nach einer Woche Diskussion.

Das war für mich alles noch in Ordnung, weil ich wusste, wir haben dafür ein ganz spezielles Band, das niemand brechen kann. Er hatte immer wahnsinnig Angst, ich würde anderen von seiner Krankheit erzählen, war irrsinnig paranoid, als wir noch daheim wohnten hat er meine Freunde gerne belauscht, ob ich schlecht über ihn rede mit ihnen. 

Aber wir hatten auch gute Phasen, viele. Nur habe ich jetzt erfahren, dass er in meinem Heimatort begonnen hat, zu erzählen, ich sei geldgeil und machtbesessen geworden (habe der Stadt studiert) und mit unzufriedenen Geschäftspartnern von mir gemeinsam gegen mich stichelt. Ich stehe ein bisschen in der Öffentlichkeit, das bedeutet, er wird immer Menschen finden, die mich nicht mögen.

Und das war für mich aufeinmal ein Bruch, dass ich nicht mehr vertrauen kann, dass er auf meiner Seite ist, sodass ich begonnen habe, alles zu hinterfragen. Und es gab Situationen zwischen uns, die mir jetzt bitter im Kopf herum spuken.

zB hat er, wenn ich Sachen von daheim gebraucht habe, (zB Scans von Zeugnissen etc), wenn wir gerade stritten, immer bis zur letzten Sekunde gewartet oder bis ich fast gebettelt habe, dass er sie mir schickt und fand das lustig. Beschimpfungen möchte ich gar nicht alle aufzählen. Seinen Bettgefährtinnen hat er auch immer erzählt, ich sei verrückt - die gingen dann an mir vorbei und sahen mich an, als wäre ich der Teufel. Bin daher auch mit 18 sofort ausgezogen.

Und als Kinder hat er mich natürlich unter Wasser gedrückt bis ich geheult habe. Aber wieweit ist sowas noch normal und wieweit nicht mehr? Natürlich hat er mich ja nicht ertrinken lassen. Handgreiflich wurde er, abgesehen vom spielerischen, nie.

Und natürlich gab es unzählige Situationen, in denen er mich von Parties in der Nacht abgeholt hat oder bei Trennungen mit mir Eis gegegessen und Sex&the City mitgeschaut hat. Gemeinsame Urlaube, in denen wir noch Zimmer teilten und ich in der Früh auf sein Bett gesprungen bin und gesagt habe, wir gehen jetzt zum Frühstück und er Schlafmusik aufgedreht hat, damit ich noch eine Stunde Ruhe gebe (lang ists her). 

Ich weiß sowieso, dass ich mich distanzieren muss. Aber ab wann sagt man, es sind Dinge vorgefallen, da ist auch eine weite Distanz zu nahe. Ab wann ist etwas Missbrauch? 

Danke, falls jemand so weit gelesen hat!
 

Aber ab wann sagt man, es sind Dinge vorgefallen, da ist auch eine weite Distanz zu nahe.

Ab dem Moment, wo man etwas nicht mehr möchte. Aller spätestens, wenn man etwas nicht mehr kann und / oder sich selbst schadet.

Mißbrauch... schwierig.
für mich (!) würde ein Mißbrauch bedingen, dass der / die andere sich nicht wehren kann bzw. keine Wahl hat, sich zu entziehen und zum anderen: Vorsatz / Absicht. Sehe ich hier beides nicht.

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21. September um 20:20

Du hast Recht, und diese Definition gefällt mir, dass Missbrauch bedeutet, dass der andere nicht gehen KANN oder der Situation ausgesetzt ist. Ich hätte immer gehen können und bei jeglichen Beschimpfungen auch auflegen (mit dem Risiko, dass er dann noch länger wütend ist), aber letztlich war es immer eine Entscheidung.
Und wahrscheinlich ist das genau der Punkt, es war damals immer meine Entscheidung, dass ich es noch "schaffe", dass es mich noch nicht zu weit runterzieht oder beeinträchtigt. Und mittlerweile ist es so, dass ich merke, es geht über meine Grenzen hinaus... wodurch meine Entscheidung ist, ich distanziere mich. 

Danke!

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21. September um 20:20

Du hast Recht, und diese Definition gefällt mir, dass Missbrauch bedeutet, dass der andere nicht gehen KANN oder der Situation ausgesetzt ist. Ich hätte immer gehen können und bei jeglichen Beschimpfungen auch auflegen (mit dem Risiko, dass er dann noch länger wütend ist), aber letztlich war es immer eine Entscheidung.
Und wahrscheinlich ist das genau der Punkt, es war damals immer meine Entscheidung, dass ich es noch "schaffe", dass es mich noch nicht zu weit runterzieht oder beeinträchtigt. Und mittlerweile ist es so, dass ich merke, es geht über meine Grenzen hinaus... wodurch meine Entscheidung ist, ich distanziere mich. 

Danke!

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22. September um 7:09

Hmm jetzt klingt es so als hättest du dich ihm aufgezwungen 🤔


Nichts für ungut aber Distanz wird euch beiden gut tun. 

Jeder für sich und dann wieder alle zusammen 😉

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22. September um 7:35
In Antwort auf lostsis

Du hast Recht, und diese Definition gefällt mir, dass Missbrauch bedeutet, dass der andere nicht gehen KANN oder der Situation ausgesetzt ist. Ich hätte immer gehen können und bei jeglichen Beschimpfungen auch auflegen (mit dem Risiko, dass er dann noch länger wütend ist), aber letztlich war es immer eine Entscheidung.
Und wahrscheinlich ist das genau der Punkt, es war damals immer meine Entscheidung, dass ich es noch "schaffe", dass es mich noch nicht zu weit runterzieht oder beeinträchtigt. Und mittlerweile ist es so, dass ich merke, es geht über meine Grenzen hinaus... wodurch meine Entscheidung ist, ich distanziere mich. 

Danke!

Lies Deinen Beitrag noch mal...

"mit dem Risiko, dass er dann noch länger wütend ist" Du schützt Deine Grenzen, Dein Selbst nicht, lässt Dir weh tun, weil Du das Risiko scheust, dass jemand länger auf Dich wütend ist?

Mal abgesehen davon, dass es schlußendlich zu viel mehr Distanz geführt hat, würde ich Dir dringend raten, das Thema anzugehen. Du wirst in Deinem Leben noch viele, viele, viele Menschen treffen, die Deine Grenzen überschreiten. Quietschgesunde Menschen, ganz ohne BPD. Weil das normal ist, selbst an sich rücksichtsvollen Menschen passieren kann und wird - und nicht alle Menschen rücksichtsvoll sind (und auch nicht sein müssen! ).

Deine Grenzen musst DU setzen und musst DU wahren. Immer. Schon allein, weil andere die noch nicht mal unbedingt kennen (können). Es passiert tatsächlich viel seltener, als man annimmt, dass einem das übel genommen wird.

Abgesehen vom grundsätzlichen und allgemeinen: ich nehme an BPD = borderline personal desease? Gerade im Umgang mit Borderlinern ist es unerlässlich Grenzen zu setzen und zu wahren, da gerade wir extrem schlecht darin sind, das für andere zu tun.

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22. September um 16:44
In Antwort auf lostindarness

Hmm jetzt klingt es so als hättest du dich ihm aufgezwungen 🤔


Nichts für ungut aber Distanz wird euch beiden gut tun. 

Jeder für sich und dann wieder alle zusammen 😉

Danke für deinen Input. Ja, das habe ich sicherlich. Wenn er sich einschloss und tagelang nicht rausgehen wollte, habe ich versucht, zu ihm zu fahren, auf ihn durch die Tür einzureden, anzurufen, usw. Allerdings auch nur deshalb, weil ich wusste, manchmal half das. In 9/10 Situationen kam er dann raus und fing sich wieder - weil ich diesen Drath zu ihm hatte oder wusste, was ich sagen konnte oder musste, um ihn rauszuziehen.
In letzter Zeit gelang mir das immer weniger und es wurde durch mein Einmischen schlimmer statt besser. 

Früher waren seine Beschimpfungen auch schlimm, mittlerweile äußert er diese aber auch vor anderen und wird richtig verletzend (mein Leben wäre ruhiger, wenn du nie geboren worden wärest, ich möchte dich nie mehr sehen etc)

Ich akzeptiere das nun - aber es fällt mir unendlich schwer, weil ich nicht verstehen kann, wie einem Familie so wenig bedeuten kann. Wird mein Kind nie einen Onkel haben,... 
 

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22. September um 16:59
In Antwort auf avarrassterne3

Lies Deinen Beitrag noch mal...

"mit dem Risiko, dass er dann noch länger wütend ist" Du schützt Deine Grenzen, Dein Selbst nicht, lässt Dir weh tun, weil Du das Risiko scheust, dass jemand länger auf Dich wütend ist?

Mal abgesehen davon, dass es schlußendlich zu viel mehr Distanz geführt hat, würde ich Dir dringend raten, das Thema anzugehen. Du wirst in Deinem Leben noch viele, viele, viele Menschen treffen, die Deine Grenzen überschreiten. Quietschgesunde Menschen, ganz ohne BPD. Weil das normal ist, selbst an sich rücksichtsvollen Menschen passieren kann und wird - und nicht alle Menschen rücksichtsvoll sind (und auch nicht sein müssen! ).

Deine Grenzen musst DU setzen und musst DU wahren. Immer. Schon allein, weil andere die noch nicht mal unbedingt kennen (können). Es passiert tatsächlich viel seltener, als man annimmt, dass einem das übel genommen wird.

Abgesehen vom grundsätzlichen und allgemeinen: ich nehme an BPD = borderline personal desease? Gerade im Umgang mit Borderlinern ist es unerlässlich Grenzen zu setzen und zu wahren, da gerade wir extrem schlecht darin sind, das für andere zu tun.

Bei anderen Menschen ist das in Ordnung, aber beim eigenen Bruder? Für mich bedeutet es etwas, eine intakte Familie zu haben - es ist für mich ein Zeichen meines eigenen Versagens, wenn mein Bruder nicht mit mir spricht und mir seine Handynummer nicht sagt, oder meinen Freundinnen sagt, ich wäre verrückt. 

Ich finde, es sagt sich leicht "Grenzen setzen", aber wenn er anrief und ich merkte, dass er eine Phase hatte und er begann, mich zu beschimpfen, dann war er ja überzeugt, dass ich ihn beleidigt hätte oder etwas Böses getan. Wenn ich es dabei belassen hätte, dann hätte er sich monatelang nicht gemeldet und jedem im Ort erzählt, die böse Schwester habe XY getan. HABE ICH NICHT. NIE. Daher rannte ich ihm fürchterlich nach, bis es mir gelang, darzulegen, dass es das Verhalten, dass er mir vorwarf nicht gab. 

Abgesehen davon - es ginge vielleicht, wenn ich ausgeschlafen, erholt und geistig voll da bin. Aber einfach nur als eines von Millionen Beispielen - wir haben noch eine kleine Schwester (hat mittlerweile keinen Kontakt mehr zu ihm). Als sie einmal im Krankenhaus für eine Operation war, war ich im Warteraum vollkommen fertig und er arbeiten für irgendeinen Gelegenheitsjob, den er damals gerade hatte. Ich rief an, dass ich mir frei genommen hatte, deshalb im KH war und wartete und einfach so Angst hätte usw - und er meinte sinngemäß ich sei eine Jammerliese, solle mich zusammenreißen, es ginge nicht immer um mich (!?) er habe meinen Egoismus satt und wolle nichts mehr hören und solle selber bleiben wo der Pfeffer wächst. 
Es sind solche Situationen, in denen ich hilflos bin/war - da bin ich ja selbst auch nicht rational und denke mir, okay, da ist eine Grenze, ich lege jetzt auf, weil ich jetzt die Kraft für Beschimpfungen nicht habe - sondern ich denke mir, er ist mein Bruder, ich brauche ihn doch, Hilfe - und lasse dann alles zu.

Er hat auch immer als Methode, zu sagen "wenn du XY nicht tust, spreche ich nie wieder mit dir" und einen dann wirklich nicht mehr zu sehen, reden,... Ich glaube mittlerweile, dass ich auch nicht mehr um ihn kämpfen werde, sondern es diesmal wirklich zulasse, dass er von der Bildfläche verschwindet. 

Aber ich frage mich einfach, wie das fair sein kann. Dass andere Leute Geschwister haben, die sie in den Arm nehmen, wenn sie Angst haben oder gemeinsame Filmeabende machen - und ich habe einen Bruder, der sagt, er will mich nie wieder sehen und partiell komplett in paranoide Unterstellungen verfällt ("du hast gesagt ich sei minderwertig, deshalb hau jetzt ab, ich hoffe ich seh dich nie mehr!!",...). 

Wie gesagt. Es fühlt sich an, als wäre es mein Fehler. Als müsste ich irgendetwas tun können, um eine intakte Familie herzustellen und würde daran aber versagen.

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22. September um 18:38

Hab mir den Text zweimal durchgelesen, aber den Teil mit dem Missbrauch/ Misshandlung hab ich wohl übersehen...

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22. September um 19:55
In Antwort auf lostsis

Hallo,
mir geht es momentan echt nicht gut...
Würde mich sehr freuen, wenn mir jemand helfen kann, mein Gefühlschaos einzuordnen.
Mein Bruder hat BPD, immer schon gehabt, war immer schon Thema in meiner Familie.

Ich stand ihm am Nächsten von uns allen, war die, die zu ihm fuhr wenn er sich einschloss und nicht mehr aufmachte, Suiziddrohungen machte, etc, weil er auf mich hörte. Mir gelang immer, das zu sagen, das ihn letztlich beruhigen konnte. Manchmal sofort, manchmal nach 8h Diskussion, manchmal nach einer Woche Diskussion.

Das war für mich alles noch in Ordnung, weil ich wusste, wir haben dafür ein ganz spezielles Band, das niemand brechen kann. Er hatte immer wahnsinnig Angst, ich würde anderen von seiner Krankheit erzählen, war irrsinnig paranoid, als wir noch daheim wohnten hat er meine Freunde gerne belauscht, ob ich schlecht über ihn rede mit ihnen. 

Aber wir hatten auch gute Phasen, viele. Nur habe ich jetzt erfahren, dass er in meinem Heimatort begonnen hat, zu erzählen, ich sei geldgeil und machtbesessen geworden (habe der Stadt studiert) und mit unzufriedenen Geschäftspartnern von mir gemeinsam gegen mich stichelt. Ich stehe ein bisschen in der Öffentlichkeit, das bedeutet, er wird immer Menschen finden, die mich nicht mögen.

Und das war für mich aufeinmal ein Bruch, dass ich nicht mehr vertrauen kann, dass er auf meiner Seite ist, sodass ich begonnen habe, alles zu hinterfragen. Und es gab Situationen zwischen uns, die mir jetzt bitter im Kopf herum spuken.

zB hat er, wenn ich Sachen von daheim gebraucht habe, (zB Scans von Zeugnissen etc), wenn wir gerade stritten, immer bis zur letzten Sekunde gewartet oder bis ich fast gebettelt habe, dass er sie mir schickt und fand das lustig. Beschimpfungen möchte ich gar nicht alle aufzählen. Seinen Bettgefährtinnen hat er auch immer erzählt, ich sei verrückt - die gingen dann an mir vorbei und sahen mich an, als wäre ich der Teufel. Bin daher auch mit 18 sofort ausgezogen.

Und als Kinder hat er mich natürlich unter Wasser gedrückt bis ich geheult habe. Aber wieweit ist sowas noch normal und wieweit nicht mehr? Natürlich hat er mich ja nicht ertrinken lassen. Handgreiflich wurde er, abgesehen vom spielerischen, nie.

Und natürlich gab es unzählige Situationen, in denen er mich von Parties in der Nacht abgeholt hat oder bei Trennungen mit mir Eis gegegessen und Sex&the City mitgeschaut hat. Gemeinsame Urlaube, in denen wir noch Zimmer teilten und ich in der Früh auf sein Bett gesprungen bin und gesagt habe, wir gehen jetzt zum Frühstück und er Schlafmusik aufgedreht hat, damit ich noch eine Stunde Ruhe gebe (lang ists her). 

Ich weiß sowieso, dass ich mich distanzieren muss. Aber ab wann sagt man, es sind Dinge vorgefallen, da ist auch eine weite Distanz zu nahe. Ab wann ist etwas Missbrauch? 

Danke, falls jemand so weit gelesen hat!
 

Viel missbräuchlicher finde ich Eltern, die ihre Tochter 8 stunden auf einen suizidgefährdeten Bruder einreden lassen. Wo waren die? Wo war professionelle Hilfe?

Übrigend, Erkrankungen hin oder her, hat er nicht das Recht gegen dich zu hetzen oder zu belauschen. Ich denke es ist irgendwo Neid das du dein Leben auf die Kette kriegst.
 

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23. September um 7:50
In Antwort auf lostsis

Bei anderen Menschen ist das in Ordnung, aber beim eigenen Bruder? Für mich bedeutet es etwas, eine intakte Familie zu haben - es ist für mich ein Zeichen meines eigenen Versagens, wenn mein Bruder nicht mit mir spricht und mir seine Handynummer nicht sagt, oder meinen Freundinnen sagt, ich wäre verrückt. 

Ich finde, es sagt sich leicht "Grenzen setzen", aber wenn er anrief und ich merkte, dass er eine Phase hatte und er begann, mich zu beschimpfen, dann war er ja überzeugt, dass ich ihn beleidigt hätte oder etwas Böses getan. Wenn ich es dabei belassen hätte, dann hätte er sich monatelang nicht gemeldet und jedem im Ort erzählt, die böse Schwester habe XY getan. HABE ICH NICHT. NIE. Daher rannte ich ihm fürchterlich nach, bis es mir gelang, darzulegen, dass es das Verhalten, dass er mir vorwarf nicht gab. 

Abgesehen davon - es ginge vielleicht, wenn ich ausgeschlafen, erholt und geistig voll da bin. Aber einfach nur als eines von Millionen Beispielen - wir haben noch eine kleine Schwester (hat mittlerweile keinen Kontakt mehr zu ihm). Als sie einmal im Krankenhaus für eine Operation war, war ich im Warteraum vollkommen fertig und er arbeiten für irgendeinen Gelegenheitsjob, den er damals gerade hatte. Ich rief an, dass ich mir frei genommen hatte, deshalb im KH war und wartete und einfach so Angst hätte usw - und er meinte sinngemäß ich sei eine Jammerliese, solle mich zusammenreißen, es ginge nicht immer um mich (!?) er habe meinen Egoismus satt und wolle nichts mehr hören und solle selber bleiben wo der Pfeffer wächst. 
Es sind solche Situationen, in denen ich hilflos bin/war - da bin ich ja selbst auch nicht rational und denke mir, okay, da ist eine Grenze, ich lege jetzt auf, weil ich jetzt die Kraft für Beschimpfungen nicht habe - sondern ich denke mir, er ist mein Bruder, ich brauche ihn doch, Hilfe - und lasse dann alles zu.

Er hat auch immer als Methode, zu sagen "wenn du XY nicht tust, spreche ich nie wieder mit dir" und einen dann wirklich nicht mehr zu sehen, reden,... Ich glaube mittlerweile, dass ich auch nicht mehr um ihn kämpfen werde, sondern es diesmal wirklich zulasse, dass er von der Bildfläche verschwindet. 

Aber ich frage mich einfach, wie das fair sein kann. Dass andere Leute Geschwister haben, die sie in den Arm nehmen, wenn sie Angst haben oder gemeinsame Filmeabende machen - und ich habe einen Bruder, der sagt, er will mich nie wieder sehen und partiell komplett in paranoide Unterstellungen verfällt ("du hast gesagt ich sei minderwertig, deshalb hau jetzt ab, ich hoffe ich seh dich nie mehr!!",...). 

Wie gesagt. Es fühlt sich an, als wäre es mein Fehler. Als müsste ich irgendetwas tun können, um eine intakte Familie herzustellen und würde daran aber versagen.

Familie kann man sich nicht aussuchen.
Ich habe selbst mit meiner Familie gebrochen, ich weiß auch, dass das nicht leicht ist. Egal, was vorgefallen ist. Und ja, es wohl muss zu viel passieren, damit das geht, ich habe es auch erst geschafft, den Schlußstrich zu ziehen, als es schon viel zu spät war.

Und ich bin selbst Borderliner, ich weiß leider zu gut, wie wir sind, wenn wir mit uns selbst nicht klar kommen.

Aber man hat niemals "versagt", wenn man mit einem Menschen nicht zurecht kommt. Auch dann nicht, wenn man mit demjenigen verwandt ist.

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23. September um 8:04
In Antwort auf rabenschwarz

Viel missbräuchlicher finde ich Eltern, die ihre Tochter 8 stunden auf einen suizidgefährdeten Bruder einreden lassen. Wo waren die? Wo war professionelle Hilfe?

Übrigend, Erkrankungen hin oder her, hat er nicht das Recht gegen dich zu hetzen oder zu belauschen. Ich denke es ist irgendwo Neid das du dein Leben auf die Kette kriegst.
 

ich denke, das hat alles mit verzerrter Wahrnehmung zu tun und nichts mit Neid.

Soweit man das an Hand von paar Zeilen Beschreibung sagen kann, ohne die Beteiligten überhaupt zu kennen, natürlich. Nur das Problem selbst kenne ich ja leider super.

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23. September um 17:54
In Antwort auf rabenschwarz

Viel missbräuchlicher finde ich Eltern, die ihre Tochter 8 stunden auf einen suizidgefährdeten Bruder einreden lassen. Wo waren die? Wo war professionelle Hilfe?

Übrigend, Erkrankungen hin oder her, hat er nicht das Recht gegen dich zu hetzen oder zu belauschen. Ich denke es ist irgendwo Neid das du dein Leben auf die Kette kriegst.
 

Waren selbst überfordert. Ich glaube dadurch habe ich auch lange die Schwere des Ganzen nicht erkannt und reagiere so "falsch", weil ich immer gewohnt war, dass ich es dann hinbiege. Vielleicht, weil als Kind mein Bruder bei mir noch einen gewissen Respekt hatte und mir nie gemein gekommen wäre. Nur ab dem Zeitpunkt, ab dem ich dann mit dem Studium fertig war und einen guten Job in der Stadt hatte, hat er glaube ich aufgehört mich als "die Kleine" zu sehen und daher auch aufgehört bei mir andere Maßstäbe anzusetzen und "fetzt mich" genauso, wie jeden anderen. 

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23. September um 17:55
In Antwort auf avarrassterne3

Familie kann man sich nicht aussuchen.
Ich habe selbst mit meiner Familie gebrochen, ich weiß auch, dass das nicht leicht ist. Egal, was vorgefallen ist. Und ja, es wohl muss zu viel passieren, damit das geht, ich habe es auch erst geschafft, den Schlußstrich zu ziehen, als es schon viel zu spät war.

Und ich bin selbst Borderliner, ich weiß leider zu gut, wie wir sind, wenn wir mit uns selbst nicht klar kommen.

Aber man hat niemals "versagt", wenn man mit einem Menschen nicht zurecht kommt. Auch dann nicht, wenn man mit demjenigen verwandt ist.

Ja wohl wahr. Fühlt sich trotzdem wie versagen an..

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23. September um 19:59
In Antwort auf lostsis

Waren selbst überfordert. Ich glaube dadurch habe ich auch lange die Schwere des Ganzen nicht erkannt und reagiere so "falsch", weil ich immer gewohnt war, dass ich es dann hinbiege. Vielleicht, weil als Kind mein Bruder bei mir noch einen gewissen Respekt hatte und mir nie gemein gekommen wäre. Nur ab dem Zeitpunkt, ab dem ich dann mit dem Studium fertig war und einen guten Job in der Stadt hatte, hat er glaube ich aufgehört mich als "die Kleine" zu sehen und daher auch aufgehört bei mir andere Maßstäbe anzusetzen und "fetzt mich" genauso, wie jeden anderen. 

nein, ich glaube, das liegt daran, dass es uns bei psysischen Erkrankungen eklatant an Allgemeinbildung fehlt. 

Mal kurz zusammengefasst: er war auf Grund einer Erkrankung in akuter Lebensgefahr. Kein Mensch mit einem IQ oberhalb von Mehl käme auf die Idee, das selbst "wieder hin zu biegen". Man würde einen Arzt rufen. Aber fix. Bis dahin Erste Hilfe leisten. Klar. Für wenige Minuten.

WENN es eine körperliche Erkrankung wäre.

Aber wenn es "NUR" psychisch ist, nimmt die Lebensgefahr plötzlich keiner mehr für voll und die meisten fühlen sich in der Pflicht, das selbst "hinzubiegen", statt an einen Arzt zu übergeben.

Warum? Weil auch in unserer Zeit noch den meisten das Wissen fehlt, dass man psychische und physische Erkrankungen weitestgehend gleich behandeln sollte. Ein Mensch in Lebensgefahr ist ein Mensch in Lebensgefahr. Da gibt es kein "NUR". Und kein "Hinbiegen". Es sein denn man ist auf einer Insel im Nirgendwo ohne Möglichkeit, einen Arzt zu erreichen, DANN muss man sich selbst irgendwie kümmern.

Nur das Bewußtsein dafür fehlt. Nicht bei Dir, das ist kein Vorwurf. Es fehlt bei gut und gern 90% der Bevölkerung. Und das hat Konsequenzen. Für alle.

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24. September um 12:12

Man bekommt es auch von Hollywood so suggeriert. Denk doch an alles wo "bösewichte" vorkommen, bspw Vampire oder Werwölfe oder Menschen die wie The Hulk in eine Stimmung verfallen. In 90% ist in Hollywood die Lösung lange drauf einreden und sich davor stellen "hey, hör mir zu!" "hey, ich bin ja da". 
Und meine Eltern haben gesehen, dass es funktionierte, wenn das die 8jährige Schwester beim 14jährigen Bruder machte, weil er dann tatsächlich ruhiger wurde.
Und die 15jährige beim 21jährigen klappte immer noch.
Nur die 30jährige Frau beim 36jährigen Erwachsenen kommt nicht mehr weiter damit. Wenn ich mich damals vor ihn gestellt habe und gebrüllt habe, "sieh doch wie viel du mir zerstörst, willst du mir diesen Tag auch noch nehmen, heute, wo ich ...(Zeugnis, Geburtstag,...) habe? Bitte lass mich heute feiern und glücklich sein!" dann hat er irgendwann aufgehört und jedenfalls nicht noch ein Schauferl draufgelegt.
Mache ich das heute und sage, "bitte XX ich bin im Urlaub, ich brauche die Erholung", dann geht die Rage eine Stufe weiter und es wird "du egoistische B*tch, du arbeitest doch sowieso nichts, wovon könnte jemand wie DU Erholung brauchen, ...usw usf" - oder, wenn ich auflege sichtlich, dass er es dann der erstbesten Person erzählt, der er begegnet.

Und ich habe noch so stark im Kopf, dass es früher ging.
Da gingen diese "erste Hilfe Maßnahmen", wirklich. 
 

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24. September um 12:12

Man bekommt es auch von Hollywood so suggeriert. Denk doch an alles wo "bösewichte" vorkommen, bspw Vampire oder Werwölfe oder Menschen die wie The Hulk in eine Stimmung verfallen. In 90% ist in Hollywood die Lösung lange drauf einreden und sich davor stellen "hey, hör mir zu!" "hey, ich bin ja da". 
Und meine Eltern haben gesehen, dass es funktionierte, wenn das die 8jährige Schwester beim 14jährigen Bruder machte, weil er dann tatsächlich ruhiger wurde.
Und die 15jährige beim 21jährigen klappte immer noch.
Nur die 30jährige Frau beim 36jährigen Erwachsenen kommt nicht mehr weiter damit. Wenn ich mich damals vor ihn gestellt habe und gebrüllt habe, "sieh doch wie viel du mir zerstörst, willst du mir diesen Tag auch noch nehmen, heute, wo ich ...(Zeugnis, Geburtstag,...) habe? Bitte lass mich heute feiern und glücklich sein!" dann hat er irgendwann aufgehört und jedenfalls nicht noch ein Schauferl draufgelegt.
Mache ich das heute und sage, "bitte XX ich bin im Urlaub, ich brauche die Erholung", dann geht die Rage eine Stufe weiter und es wird "du egoistische B*tch, du arbeitest doch sowieso nichts, wovon könnte jemand wie DU Erholung brauchen, ...usw usf" - oder, wenn ich auflege sichtlich, dass er es dann der erstbesten Person erzählt, der er begegnet.

Und ich habe noch so stark im Kopf, dass es früher ging.
Da gingen diese "erste Hilfe Maßnahmen", wirklich. 
 

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24. September um 12:57
In Antwort auf lostsis

Man bekommt es auch von Hollywood so suggeriert. Denk doch an alles wo "bösewichte" vorkommen, bspw Vampire oder Werwölfe oder Menschen die wie The Hulk in eine Stimmung verfallen. In 90% ist in Hollywood die Lösung lange drauf einreden und sich davor stellen "hey, hör mir zu!" "hey, ich bin ja da". 
Und meine Eltern haben gesehen, dass es funktionierte, wenn das die 8jährige Schwester beim 14jährigen Bruder machte, weil er dann tatsächlich ruhiger wurde.
Und die 15jährige beim 21jährigen klappte immer noch.
Nur die 30jährige Frau beim 36jährigen Erwachsenen kommt nicht mehr weiter damit. Wenn ich mich damals vor ihn gestellt habe und gebrüllt habe, "sieh doch wie viel du mir zerstörst, willst du mir diesen Tag auch noch nehmen, heute, wo ich ...(Zeugnis, Geburtstag,...) habe? Bitte lass mich heute feiern und glücklich sein!" dann hat er irgendwann aufgehört und jedenfalls nicht noch ein Schauferl draufgelegt.
Mache ich das heute und sage, "bitte XX ich bin im Urlaub, ich brauche die Erholung", dann geht die Rage eine Stufe weiter und es wird "du egoistische B*tch, du arbeitest doch sowieso nichts, wovon könnte jemand wie DU Erholung brauchen, ...usw usf" - oder, wenn ich auflege sichtlich, dass er es dann der erstbesten Person erzählt, der er begegnet.

Und ich habe noch so stark im Kopf, dass es früher ging.
Da gingen diese "erste Hilfe Maßnahmen", wirklich. 
 

Tja, dann guck mal lieber Action-Filme. Danach kannst Du Schußwunden versorgen, einen Luftröhrenschnitt machen, wenn jemand zu ersticken droht. Herzinfakt überstehen und tiefe Schnittwunden nähen.
Machen die Helden dort nämlich auch immer. Wegen so einer blöden Kleinigkeit wie einer tiefen Schnittwunde geht ja keiner zum Arzt. Nadel, Faden und ne Buddel Vodka zum desinfizieren und - unbedingt!- jeder einen Schluck trinken, passt schon!

Und jaaaaaaaa, stimmt, geht. Wenn man mal großzügig darüber hinweg sieht, dass die Narbe ungleich schlechter heilt und häßlicher wird und wahrscheinlich in paar Jahren bei jedem Sturm höllisch weh tun wird.
Wenn man großzügig darüber hinweg sieht, dass Alkohol schon desinfiziert, mit der Laienversion aber das Risiko für alles von Entzündungen bis Wundbrand und Wundstarrkrampf (Tetanus) enorm ansteigt ... aber egal, das würde eh noch paar Tage dauern, JETZT sieht es super aus!
Wenn man großzügig darüber hinweg sieht, dass man ohne Erfahrung und Diagnostik zwar die Wunde in der Haut verschließen kann, nur leider nicht weiß, ob da noch tiefere Wunden unter der Oberfläche sind, noch ein Splitter in der Wunde steckt oder ein Knochen falsch zusammen wächst, der dann später entweder erneut gebrochen werden muss (ist genau so häßlich wie es klingt) oder halt für immer weh tut... aber egal, auch das käme erst sehr viel später. Jetzt sieht es gut aus!

Alles davon kann man 1:1 auf eine psychische Erkrankung übertragen.
Es ist kein Zufall, dass die Wunden nie ganz verheilen, sondern immer wieder und immer schlimmer wieder aufbrechen.

Und da fehlt mir wirklich das Allgemeinwissen. Auch mit 8 Jahren weiß man, dass es körperliche Wunden gibt, wo "Pflaster drauf kleben" keine Lösung mehr ist. Obwohl das bei so vielen anderen kleinen Wunden super funktioniert.
Aber die meisten wissen das leider noch nicht mal als Erwachsene, wenn es um psychische statt physische Wunden geht.
Schließt leider die selbst Betroffenen absolut ein.

Das einzige, was da hilft, ist Aufklärung.
Also schließ Dich mir bitte an, wenn sich die Gelegenheit ergibt, verbreite die Informationen.
Mit ganz viel Glück kannst Du damit irgendwann einmal verhindern, dass eine Schwester um ihren Bruder trauern muss.

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24. September um 13:29
In Antwort auf avarrassterne3

Tja, dann guck mal lieber Action-Filme. Danach kannst Du Schußwunden versorgen, einen Luftröhrenschnitt machen, wenn jemand zu ersticken droht. Herzinfakt überstehen und tiefe Schnittwunden nähen.
Machen die Helden dort nämlich auch immer. Wegen so einer blöden Kleinigkeit wie einer tiefen Schnittwunde geht ja keiner zum Arzt. Nadel, Faden und ne Buddel Vodka zum desinfizieren und - unbedingt!- jeder einen Schluck trinken, passt schon!

Und jaaaaaaaa, stimmt, geht. Wenn man mal großzügig darüber hinweg sieht, dass die Narbe ungleich schlechter heilt und häßlicher wird und wahrscheinlich in paar Jahren bei jedem Sturm höllisch weh tun wird.
Wenn man großzügig darüber hinweg sieht, dass Alkohol schon desinfiziert, mit der Laienversion aber das Risiko für alles von Entzündungen bis Wundbrand und Wundstarrkrampf (Tetanus) enorm ansteigt ... aber egal, das würde eh noch paar Tage dauern, JETZT sieht es super aus!
Wenn man großzügig darüber hinweg sieht, dass man ohne Erfahrung und Diagnostik zwar die Wunde in der Haut verschließen kann, nur leider nicht weiß, ob da noch tiefere Wunden unter der Oberfläche sind, noch ein Splitter in der Wunde steckt oder ein Knochen falsch zusammen wächst, der dann später entweder erneut gebrochen werden muss (ist genau so häßlich wie es klingt) oder halt für immer weh tut... aber egal, auch das käme erst sehr viel später. Jetzt sieht es gut aus!

Alles davon kann man 1:1 auf eine psychische Erkrankung übertragen.
Es ist kein Zufall, dass die Wunden nie ganz verheilen, sondern immer wieder und immer schlimmer wieder aufbrechen.

Und da fehlt mir wirklich das Allgemeinwissen. Auch mit 8 Jahren weiß man, dass es körperliche Wunden gibt, wo "Pflaster drauf kleben" keine Lösung mehr ist. Obwohl das bei so vielen anderen kleinen Wunden super funktioniert.
Aber die meisten wissen das leider noch nicht mal als Erwachsene, wenn es um psychische statt physische Wunden geht.
Schließt leider die selbst Betroffenen absolut ein.

Das einzige, was da hilft, ist Aufklärung.
Also schließ Dich mir bitte an, wenn sich die Gelegenheit ergibt, verbreite die Informationen.
Mit ganz viel Glück kannst Du damit irgendwann einmal verhindern, dass eine Schwester um ihren Bruder trauern muss.

was ich damit sagen will:
Du konntest (!) nie "gewinnen" auf diesem Wege. Weil nun mal alles, was Du tun konntest nie heilen konnte. Es hat vielleicht kurzfristig die Wunde geschlossen - unter der Oberfläche eitert es weiter und die Wunde wird immer größer und immer tiefer. Bricht immer häufiger und immer schwerer wieder auf.

Konntest Du nicht sehen und kannst Du jetzt nicht mehr ändern. Weiß ich. Ist kein Vorwurf.
Auch kein "versagen" im Übrigen.

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24. September um 16:52

Hmm, sehr interessant was du sagst und regt mich zum Nachdenken an - stimmt natürlich, bei körperlichen Wunden hätte einem das sofort ein komisches Gefühl bereitet, selbst etwas zu machen. 
Bei geistigen Wunden, da wo man nichts sieht war es am nächsten Tag praktisch vergessen und ich sah ja nicht, wie es in ihm zuging.
Leider braucht es wohl auch die Einsicht des Betroffenen, sich in Therapie zu begeben - aber vielleicht ist es da auch das Richtige, wenn ich zulasse, dass er mich von sich stößt, weil wenn ich auf Dauer immer seine Wunden notfürftig verarzte, dann bekomme ich eben dieses Verpflichtungsgefühl und immer mehr von meinem Leben (wie ich es ja jetzt auch merke) leidet, weil ich sofort hinlaufen muss, wenn etwas ist und kaum durchatmen kann. Wenn ich nicht mehr da bin, hat er die Chance zu sehen, dass er professionelle Hilfe braucht - und wenn nicht, dann muss ich das auch so hinnehmen.
Aber ich kann als Laie wohl auch mit noch so viel Motivation nicht kitten, was nicht zu kitten ist, weil kein "das wird schon wieder" oder "hör mir doch zu, ich habe das nie gesagt!" sein inneres Gefühl ändern kann... 

Zumindest wenn er oft hinfallen würde und die Knochen rausstehen, wäre ich auch nicht auf die Idee gekommen, mich "dran zu versuchen" und mich daran zu verausgaben. 

Er stellt es nur auch so dar, dass ich versagt hätte. Also er sagt mir explizit, dass es meine Schuld sei, dass er mich nicht mehr sehen wolle. Ist zwar beim Rest der Familie genauso, ich nehme es mir nur als Einzige zu Herzen.

Aber es ist einmal ein Ansatz, zu hören, dass ich mich nicht an Sachen messen muss, die ich nicht hätte besser machen können - mir geistert ja im Kopf herum "wenn ich XY gemacht hätte" oder "ihm das geschenkt hätte" "jenes gesagt hätte" etc, aber das bringt wohl nichts.

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24. September um 17:36
In Antwort auf lostsis

Hmm, sehr interessant was du sagst und regt mich zum Nachdenken an - stimmt natürlich, bei körperlichen Wunden hätte einem das sofort ein komisches Gefühl bereitet, selbst etwas zu machen. 
Bei geistigen Wunden, da wo man nichts sieht war es am nächsten Tag praktisch vergessen und ich sah ja nicht, wie es in ihm zuging.
Leider braucht es wohl auch die Einsicht des Betroffenen, sich in Therapie zu begeben - aber vielleicht ist es da auch das Richtige, wenn ich zulasse, dass er mich von sich stößt, weil wenn ich auf Dauer immer seine Wunden notfürftig verarzte, dann bekomme ich eben dieses Verpflichtungsgefühl und immer mehr von meinem Leben (wie ich es ja jetzt auch merke) leidet, weil ich sofort hinlaufen muss, wenn etwas ist und kaum durchatmen kann. Wenn ich nicht mehr da bin, hat er die Chance zu sehen, dass er professionelle Hilfe braucht - und wenn nicht, dann muss ich das auch so hinnehmen.
Aber ich kann als Laie wohl auch mit noch so viel Motivation nicht kitten, was nicht zu kitten ist, weil kein "das wird schon wieder" oder "hör mir doch zu, ich habe das nie gesagt!" sein inneres Gefühl ändern kann... 

Zumindest wenn er oft hinfallen würde und die Knochen rausstehen, wäre ich auch nicht auf die Idee gekommen, mich "dran zu versuchen" und mich daran zu verausgaben. 

Er stellt es nur auch so dar, dass ich versagt hätte. Also er sagt mir explizit, dass es meine Schuld sei, dass er mich nicht mehr sehen wolle. Ist zwar beim Rest der Familie genauso, ich nehme es mir nur als Einzige zu Herzen.

Aber es ist einmal ein Ansatz, zu hören, dass ich mich nicht an Sachen messen muss, die ich nicht hätte besser machen können - mir geistert ja im Kopf herum "wenn ich XY gemacht hätte" oder "ihm das geschenkt hätte" "jenes gesagt hätte" etc, aber das bringt wohl nichts.

2 Kinder laufen einen groooooooooooooooooooooooßen Berg hoch.

Eines von beiden tritt sich einen Dorn in den Fuß. Das andere sieht den Dorn nicht, wohl aber, dass das erste Kind nicht mehr richtig laufen kann. Es wird also das andere Kind stützen beim Laufen. Und abends das Feuerholz allein sammeln und auch das Essen allein machen, damit das andere das verletzte Füßchen schön hoch legen kann. Und so lange das erste Kind den Fuß nicht sehr belastet, wird es auch erst mal besser.
Aber der Dorn ist noch immer drin.
Und so wandern sie tagein, tagaus, immer stüzt das eine Kind das andere, immer geht es das Feuerholz allein sammeln, bekommt dafür vielleicht auch mal ein Blümchen vom Wegesrand... dann kommen die Tage, wo der Fuß richtig vereitert ist. da trägt das gesunde Kind das andere mehr als es stützt.

Tagein, tagaus...

Und irgendwann einmal fängt das gesunde Kind an, auch mal allein einige Ausflüge zu unternehmen. Geht dabei immer weiter weg - und ist plötzlich nicht mehr da.

Und jetzt sag mal ganz ehrlich: wie wird das Kind mit dem verletzten Fuß wohl reagieren - Boderliner oder nicht? Begeistert? Einsichtig? Verständnisvoll? NEVER!!! Man fühlt sich im Stich gelassen. Von dem wichtigsten Menschen der Welt einfach im Stich gelassen. Verraten. Abgeschoben.

Auch wenn das nicht so ist, schließlich sind wir nicht allein auf einem Berg und zudem sowieso schon die ganze Zeit auf dem falschen Weg.
Faktisch ist es also nicht wahr, dass da irgendwer irgendwen im Stich lässt. Real fühlt es sich aber ganz häßlich genau so an - und man müsste dafür noch nicht mal Borderliner sein. Das Borderline sorgt "nur" (wohlweislich in " ! ) dafür, dass man den faktischen Teil noch sehr viel schwerer sehen kann.

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25. September um 12:24
In Antwort auf avarrassterne3

2 Kinder laufen einen groooooooooooooooooooooooßen Berg hoch.

Eines von beiden tritt sich einen Dorn in den Fuß. Das andere sieht den Dorn nicht, wohl aber, dass das erste Kind nicht mehr richtig laufen kann. Es wird also das andere Kind stützen beim Laufen. Und abends das Feuerholz allein sammeln und auch das Essen allein machen, damit das andere das verletzte Füßchen schön hoch legen kann. Und so lange das erste Kind den Fuß nicht sehr belastet, wird es auch erst mal besser.
Aber der Dorn ist noch immer drin.
Und so wandern sie tagein, tagaus, immer stüzt das eine Kind das andere, immer geht es das Feuerholz allein sammeln, bekommt dafür vielleicht auch mal ein Blümchen vom Wegesrand... dann kommen die Tage, wo der Fuß richtig vereitert ist. da trägt das gesunde Kind das andere mehr als es stützt.

Tagein, tagaus...

Und irgendwann einmal fängt das gesunde Kind an, auch mal allein einige Ausflüge zu unternehmen. Geht dabei immer weiter weg - und ist plötzlich nicht mehr da.

Und jetzt sag mal ganz ehrlich: wie wird das Kind mit dem verletzten Fuß wohl reagieren - Boderliner oder nicht? Begeistert? Einsichtig? Verständnisvoll? NEVER!!! Man fühlt sich im Stich gelassen. Von dem wichtigsten Menschen der Welt einfach im Stich gelassen. Verraten. Abgeschoben.

Auch wenn das nicht so ist, schließlich sind wir nicht allein auf einem Berg und zudem sowieso schon die ganze Zeit auf dem falschen Weg.
Faktisch ist es also nicht wahr, dass da irgendwer irgendwen im Stich lässt. Real fühlt es sich aber ganz häßlich genau so an - und man müsste dafür noch nicht mal Borderliner sein. Das Borderline sorgt "nur" (wohlweislich in " ! ) dafür, dass man den faktischen Teil noch sehr viel schwerer sehen kann.

das ist eine wirklich sehr schöne Analogie.
Weil: Es wird nämlich auch Tage geben, wo das Kind ohne Dorn einmal richtig müde ist und selbst nicht mehr kann und beginnt verständnislos zu werden, übermüdet, überanstrengt, einfach mal nur einen Tag Erholung möchte und dann auch einmal was falsches sagt. In deiner Metapher fühlt es sich dann nicht mehr so schlimm/versagend an, weil es irgendwo verständlich ist, dass beide von der Situation überfordert sind und nur das tun, was sie tun können - es aber beiden nicht hilft.

Mein Bruder weigert sich in Therapie zu gehen oder sich medikamentös richtig einstellen zu lassen. Ich hatte wohl immer gehofft, ich könnte den Dorn selbst rausziehen - aber richtig ist auch, dass ich ihn nicht sehe: Oft merke ich gar nicht, was ihn gerade gekippt hat und stocher daher im Nebel, zu erraten, wie ich das was passiert ist, für ihn wieder erträglich mache.

Danke für die Metaphern. Leicht wird / ist es trotzdem nicht. Aber es ist annehmbar.

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25. September um 13:07
In Antwort auf lostsis

das ist eine wirklich sehr schöne Analogie.
Weil: Es wird nämlich auch Tage geben, wo das Kind ohne Dorn einmal richtig müde ist und selbst nicht mehr kann und beginnt verständnislos zu werden, übermüdet, überanstrengt, einfach mal nur einen Tag Erholung möchte und dann auch einmal was falsches sagt. In deiner Metapher fühlt es sich dann nicht mehr so schlimm/versagend an, weil es irgendwo verständlich ist, dass beide von der Situation überfordert sind und nur das tun, was sie tun können - es aber beiden nicht hilft.

Mein Bruder weigert sich in Therapie zu gehen oder sich medikamentös richtig einstellen zu lassen. Ich hatte wohl immer gehofft, ich könnte den Dorn selbst rausziehen - aber richtig ist auch, dass ich ihn nicht sehe: Oft merke ich gar nicht, was ihn gerade gekippt hat und stocher daher im Nebel, zu erraten, wie ich das was passiert ist, für ihn wieder erträglich mache.

Danke für die Metaphern. Leicht wird / ist es trotzdem nicht. Aber es ist annehmbar.

vor allem geht es darum, dass das Stochern mal so gar nicht Deine Aufgabe ist. Du bist Laie.
Pflaster ist Deine Aufgabe. Vielleicht auch ein kleiner Stützverband. Aber bei schweren Verletzungen und Erkrankungen bist Du raus.
Schon allein, weil Du es genauso gut schlimmer wie besser machen kannst.

Du hast es bis jetzt weiter versucht, weil Du es nicht besser wusstest.
Für ihn gilt leider das gleiche - bis jetzt und wohl immer noch.
Gleiches Problem, gleiche Folgen. Er nimmt das ebenso wenig ernst wie Du (und offensichtlich auch Eure Eltern).

Klassischer Stoff für eine altgriechische Tragödie. Jeder kann nur nach dem handeln, was er / sie eben weiß und für richtig befindet - und das reißt zwangsläufig alle ins Verderben.

Da kann ich grundsätzlich nur dazu raten, mal den Doc zu wechseln. Der / die wo Dein Bruder bis jetzt war, hat wohl die Diagnostik gemacht, aber nicht einer von Euch allen hat die Konsequenzen und den Ernst verstanden. Vielleicht bekommt es ein/e andere/r Doc besser hin, das zu verklickern.

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25. September um 15:07
In Antwort auf avarrassterne3

vor allem geht es darum, dass das Stochern mal so gar nicht Deine Aufgabe ist. Du bist Laie.
Pflaster ist Deine Aufgabe. Vielleicht auch ein kleiner Stützverband. Aber bei schweren Verletzungen und Erkrankungen bist Du raus.
Schon allein, weil Du es genauso gut schlimmer wie besser machen kannst.

Du hast es bis jetzt weiter versucht, weil Du es nicht besser wusstest.
Für ihn gilt leider das gleiche - bis jetzt und wohl immer noch.
Gleiches Problem, gleiche Folgen. Er nimmt das ebenso wenig ernst wie Du (und offensichtlich auch Eure Eltern).

Klassischer Stoff für eine altgriechische Tragödie. Jeder kann nur nach dem handeln, was er / sie eben weiß und für richtig befindet - und das reißt zwangsläufig alle ins Verderben.

Da kann ich grundsätzlich nur dazu raten, mal den Doc zu wechseln. Der / die wo Dein Bruder bis jetzt war, hat wohl die Diagnostik gemacht, aber nicht einer von Euch allen hat die Konsequenzen und den Ernst verstanden. Vielleicht bekommt es ein/e andere/r Doc besser hin, das zu verklickern.

er war als Jugendlicher bei mehreren Ärzten, verschiedenste Diagnosen (Angststörung, Borderline, bipolar, Borderline, ADHS) - auch medikamentös eingestellt, weil er zeitweise wirklich nicht arbeiten/lernen/studieren konnte. Und dann gings (scheinbar) bergauf - stabiler Job, gutes Gehalt, Freundin (schon seit längerem). Und ab da war er der Meinung er hat es selbst im Griff - in Therapie war er sowieso nie lange gegangen, dann gar nicht mehr, er "liest Selbsthilfebücher". 
Das ging würde ich sagen paar Jahre okay (eben mein übliches Eingreifen, seine Phasen wochenlang Kontakt zu verweigern, dann aber wieder friedlich und immer dann die Ausrede auf eine spezielle Situation: Da war gerade XY, das tut ihm leid, da war er so angespannt und dann hat ihn das so durchgebeutelt). 
Und letzten Sommer hat er begonnen selbst mit den Medikamenten zu spielen. Mal mehr, mal weniger. Er kennt sich aus. Er weiß, wie er dosieren muss und er braucht nicht so viel. Er hat vergessen, aber das macht nichts, er nimmt dann nächste Woche wieder. 
Dazwischen hat er wieder genommen, dadurch dachte ich es wäre wieder besser. Aber so wie er momentan vom Verhalten her ist, erkenne ich ihn zum Teil nicht wieder.

Also den Doc, der ihm das verklickert, könnte es nur geben, wenn er ihn zu sich heranlassen würde. und das leider, spielt es nicht: Er hat ja nichts.

Er hat mir einmal gesagt, es werde schlimmer und ich habe - weil nachts, müde, überarbeitet und er hat es gegen Ende des Gesprächs beiläufig eingestreut - nicht wirklich etwas dazu gesagt, nur, dass es mir leidtut und vielleicht könne er ein Wochenende mal Urlaub machen.
Dafür mache ich mir halt zB Vorwürfe. 

Aber es ist wirklich diese Berg-Metapher, weil ich ihn echt manchmal gerne anbrüllen würde, siehst du denn nicht, wieviel ich für dich da war??! War ich gerne, aber du tust so als hätte ich dich verstoßen! Und ich will ihn nicht verstoßen - wie eben in deinem Bsp - ich wollte nur ein wenig Distanz, einmal ein bisschen eine Strecke alleine wandern, aber ich wäre immer umgedreht um ihn aufzusammeln - und er unterstellt mir, ich hätte ihn verstoßen dadurch.

Wirklich wirklich gute Metapher. Vielleicht heilt die Zeit ein bisschen etwas von meiner Enttäuschung und seiner Wut.

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25. September um 21:43
In Antwort auf lostsis

er war als Jugendlicher bei mehreren Ärzten, verschiedenste Diagnosen (Angststörung, Borderline, bipolar, Borderline, ADHS) - auch medikamentös eingestellt, weil er zeitweise wirklich nicht arbeiten/lernen/studieren konnte. Und dann gings (scheinbar) bergauf - stabiler Job, gutes Gehalt, Freundin (schon seit längerem). Und ab da war er der Meinung er hat es selbst im Griff - in Therapie war er sowieso nie lange gegangen, dann gar nicht mehr, er "liest Selbsthilfebücher". 
Das ging würde ich sagen paar Jahre okay (eben mein übliches Eingreifen, seine Phasen wochenlang Kontakt zu verweigern, dann aber wieder friedlich und immer dann die Ausrede auf eine spezielle Situation: Da war gerade XY, das tut ihm leid, da war er so angespannt und dann hat ihn das so durchgebeutelt). 
Und letzten Sommer hat er begonnen selbst mit den Medikamenten zu spielen. Mal mehr, mal weniger. Er kennt sich aus. Er weiß, wie er dosieren muss und er braucht nicht so viel. Er hat vergessen, aber das macht nichts, er nimmt dann nächste Woche wieder. 
Dazwischen hat er wieder genommen, dadurch dachte ich es wäre wieder besser. Aber so wie er momentan vom Verhalten her ist, erkenne ich ihn zum Teil nicht wieder.

Also den Doc, der ihm das verklickert, könnte es nur geben, wenn er ihn zu sich heranlassen würde. und das leider, spielt es nicht: Er hat ja nichts.

Er hat mir einmal gesagt, es werde schlimmer und ich habe - weil nachts, müde, überarbeitet und er hat es gegen Ende des Gesprächs beiläufig eingestreut - nicht wirklich etwas dazu gesagt, nur, dass es mir leidtut und vielleicht könne er ein Wochenende mal Urlaub machen.
Dafür mache ich mir halt zB Vorwürfe. 

Aber es ist wirklich diese Berg-Metapher, weil ich ihn echt manchmal gerne anbrüllen würde, siehst du denn nicht, wieviel ich für dich da war??! War ich gerne, aber du tust so als hätte ich dich verstoßen! Und ich will ihn nicht verstoßen - wie eben in deinem Bsp - ich wollte nur ein wenig Distanz, einmal ein bisschen eine Strecke alleine wandern, aber ich wäre immer umgedreht um ihn aufzusammeln - und er unterstellt mir, ich hätte ihn verstoßen dadurch.

Wirklich wirklich gute Metapher. Vielleicht heilt die Zeit ein bisschen etwas von meiner Enttäuschung und seiner Wut.

was soll ich dazu sagen... vielleicht mal in groben Zügen meine Geschichte erzählen.

Ich hätte (bzw. habe) noch mit 30 gesagt, dass ich eine normale, glückliche Kindheit hatte. Hätte ich da schon besser wissen müssen, da war ich bereits in Behandlung, zwei meiner behandelnden Ärzte haben völlig unabhängig von einander meine Mutter kennen gelernt und gesagt, dass sie ein Nazisst ist. (hat keinen (!) Kontext zu Euch, ist nur für meine Geschichte wichtig). Wollte ich nicht sehen. Hatte natürlich Folgen - mit denen ich bis heute noch nicht völlig durch bin.
Dazu kommt, dass ich ADS habe (kein ADHS bei mir) - was es zu der Zeit, wo ich Kind war, natürlich noch nicht gab. Also die Krankheit selbstverständlich schon, sowohl ADS als auch ADHS gab es bekanntlich schon, als der Struwelpeter geschrieben wurde. Aber davon, dass das eine Krankheit ist und nicht einfach "ungezogen" bei ADHS bzw. "faul" bei ADS, war noch lange keine Rede. Also hat man beides versucht, wegzuerziehen. Hat viel verschlimmert, nichts verbessert. 
Es gibt nicht wenige Fachleute, die eine der Hauptursachen für Borderline in einer unbehandelten AD(H)S - Erkrankung in der Kindheit sehen.
Das könnte auch bei Deinem Bruder mit reinspielen (wo Diagnose / Behandlung erst als Jugendlicher erfolgten, wenn ich das richtig verstehe), aber zurück zu mir.

Es gab Probleme an allen Ecken und Enden.
Das erste mal selbst verletzt habe ich mich als Teenager. Eigentlich, um es irgendwie endlich zu schaffen, mich zu konzentrieren, statt ständig "abzudriften". Und es hat mich plötzlich so unglaublich beruhigt. Statt diesem ständigen Sturm in meinen Gedanken, Gefühlen... war da plötzlich... STILLE. 
WOW!
Jahrelang dachte ich, ich wäre die einzige, die "sowas" macht wie Selbstverletzung. Heute weiß ich, dass jeder zehnte (!) Mensch zumindest eine Phase mit Selbstverletzung im Leben hatte.

Anyway, die Pubertät hat nichts verbessert, alles verschlimmert. Ich hatte meinen ersten Suizidversuch nach vielen, vielen, vielen Gedanken darüber, mir das Leben zu nehmen. Hat nicht geklappt und ich habe es vertuscht.
Wie alles andere auch, denn ich hatte irgendwann als Kind mal die böse Erfahrung gemacht, dass es nicht gut ist, die eigenen Gedanken, Ängste, Sorgen... und damit die eigene Verletzlichkeit jemandem anzuvertrauen. 
Nun, das hat mir und den Menschen in meiner Umgebung zumindest die Erfahrungen erspart, die Dein Bruder und Du gemacht haben. 
Im Internet schreiben - kein Ding. Inzwischen. Macht mich aber auch nicht mehr verletzlich, hier kann mir keiner was tun. Darüber sprechen kann ich bis heute nur mit Menschen, denen ich zu 200% mindestens vertraue.
Aber glaube mir, von diesen Phasen hatte ich nicht weniger als Dein Bruder, bin ich mir sicher. Aber ich habe es bis ins späte Erwachsenenalter nie jemandem erzähl.

Mit 18 bin ich zu Hause ausgezogen, da wurde es erst einmal besser, ich war knapp 3 Jahre fast symptomfrei. Kein Stress, kein Druck, dafür die Freiheit, mir mein Leben an mich anzupassen. 
Und dann... ging es richtig abwärts. Das Studium lief nicht mehr von allein, ich hatte echte Probleme. Dazu einen harten Bruch mit meiner Familie, weil ich nun wirklich NICHT mehr so funktionieren wollte, wie die sich das vorgestellt haben. Also kein Geld mehr, Studium noch nicht fertig, ...
Mal vom Doc die guten Schmerztabellten bekommen - mit Opiaten. Und noch mal und noch mal ... oh, was waren die Dinger gut. Keine Schmerzen, keine Probleme, keine Sorgen, keine Ängste, ... ohhhhhhhhhhjaaaaaaaaaaaaa der Arzt wollte die nicht mehr verschreiben... macht nichts, das ist nicht der einzige. Nunja, Medikamentenabhängigkeit mit allem drum und dran.
Irgendwann entzogen, wieder hoch gekämpft.
Stuidium beendet.
Job gehabt.
Durch gekämpft.
Und gekämpft.
und gekämpft.
Jeder noch so banale Mist war ein Kampf. Jedes lächerliche Problemchen hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen.
Keinen Bock mehr auf Kämpfen, warum nicht einfach aufhören, sch*** auf das "Leben", kann nicht mehr...
weiter gekämpft.
Einen Job verloren.
Zurück gekämpft.
Nächsten Job verloren.
Zurück gekämpft.

Krankenhaus, Notaufnahme.

Und dann wurde zumindest Borderline bei mir diagnostiziert, ADS kam noch später.

Ab da folgten Jahre Therapie.
Medikamente, die mich manchmal völlig emotionslos gemacht haben. Ich habe nichts, gar nichts mehr gefühlt. Ok, keine Angst. Nur Freude, Glück, Liebe - tja, leider auch nicht. Alles egal.
Und / oder völlig asexell. Kommt bei jedem Partner super an.
Und / oder Medikamente mit denen ich 21 Uhr abends ins Bett fiel - 10 min nach Einnahme und 9 Uhr am nächsten Morgen noch getorkelt bin, weil ich im Halbschlaf war.
Und unzählige, die einfach nichts geändert haben.

Und dazu noch die Therapien.

Ich habe wie gesagt so meine Not damit, mich anderen Menschen anzuvertrauen. Ich musste das jedes Mal gewaltsam erzwingen, sonst wäre eine Therapie nicht möglich gewesen.
Bin damit auf Therapeuten getroffen, die mir erzählt haben, dass ihrer Meinung nach Borderliner "schreckliche Menschen" sind.
Oder aus solche, die mir sagten, dass Selbstverletzung "irgendwie eklig ist" (WTF, ein Hautarzt kann doch auch nicht sagen, dass er eine Schuppenflechte eklig findet, schon gar nicht, wenn er explizit die Behandlung von Schuppenflechte anbietet?!? )
Auf solche, die mir anz Herz gelegt haben, meinen Job zu kündigen (zu einer Zeit wo ich noch auf Monate nicht in der Lage war, mir einen anderen zu suchen! ) - fein, Sperrzeit ohne Geld und Hartz4 haben meine Situation enorm verbessert!
Und die Beziehung zu meinem Mann zu beenden und auch sonst - Tabula raza. auf ganzer Linie zu machen. Alle Kontakte, alle Brücken abbrechen, ganz neu anfangen. Informiere Dich mal im Netz, wie viele Beziehungen während einer Therapie durch ähnliche Empfehlungen zu Bruch gehen. Klingt in dem Moment tatsächlich toll. Man ist in einer totalen Euphorie. Aber wenn DIESE BLASE PLATZT... dann ist man ganz allein. Mit dem sicheren Wissen, dass man selbst alles zerstört hat. HALLELUHJA!
Dann war da noch diese unseelige Nummer mit dem Eisakku. Immer wenn die Sehn-Sucht danach, mir die Haut in Fetzen zu reißen übermächtig wurde, hat man mir geraten, einen Eisakku in die Hand zu nehmen. In allen Kliniken, bei allen Therapeuten. Durch die Bank. Immer wieder dieser verf*** Eisakku. Heute weiß ich, dass das für mich nie etwas ändern KONNTE. Damals wußte ich es nicht. Ich habe das Mistding niedergenutscht, was ging - und war noch verzweifelter, weil es nichts, gar nichts geändert  hat. Und wenn ich das bei den famosen Therapeuten angesprochen habe, hieß es, dass ich mich ja auch mal bemühen müsse! Danke, Faust in die Magengrube hätte nicht deutlicher sein können.
Ich habe bis heute keine Eisakkus zu Hause, in mir kocht die Wut hoch, wenn ich so ein Teil sehe. Die sind irgendwan alle in den Müll geflogen und ... ja, vielleicht kann ich mir im Altersheim mal wieder welche ansehen ohne einen Hals zu kriegen. Ja, ich weiß, dass die Dinger unschuldig sind, meine Erinnerungen, die damit so sorgsam verknüpft wurden, sind es aber leider nicht.
Dann noch die, die mir mit bekannter Medikamentenabhängigkeit in der Vorgeschichte unkommentiert Tranquilizer in BTM-pflichtiger Dosierung verschrieben haben, als ich einmal nicht in der Verfassung war, bei einem neuen Medikament erst so lange herumzudiskutieren, bis ich die Packungsbeilage zum Lesen bekomme. Gegen diesen Entzug waren die Opiate ein Kindergeburtstag.

Ich war verzweifelt. Ich wollte und brauchte Hilfe. Ich konnte nicht mehr. Zum Schluß hatte ich auch schon ein Kind mit meinem Mann (ok, das hat mir zumindest länger die Medis vom Hals gehalten).
Ich habe alles gemacht, was mir gesagt wurde. Immer.
Ergebnis von jeder einzelnen Therapie: keine Änderung oder Verschlechterung.
Ok, für meine Familie mag die Zeit mit den Medimanten, mit denen ich mich gefühlt habe, wie ein Zombie auf Valium, sicherlich eine totale "Verbesserung" gewesen sein. Für mich nicht, tbh. Hat nur bedingt was zu sagen, weiß ich, aber auch mein Mann und meine Freunde haben das so gesehen.
Nun, mit Kind konnte ich auch nicht mehr einfach gehen, ich war die Verpflichtung eingegangen und Verpflichtungen sind für mich etwas sehr ernstes.
Um es gesagt zu haben: das waren verschiedene Therapeuten, sogar verschiedene Städte und verschiedene Bundesländer. Also nichts mit "die einzige blöde Einrichtung der Welt erwischt!"

Was ich dann gemacht habe: Ich habe aufgehört mir helfen zu lassen und angefangen, mir zu helfen.
Ich bin in die nächste Unibibliothek gegangen. Tag für Tag und habe Fachliteratur gelesen. Psychologie und Psychiatrie. Dort standen auch tatsächlich die Lösungen.

Inzwischen komme ich recht gut klar. Ab und an habe ich einen Schub, ich kann und sollte auch nicht jeden Stress, jede Blastung vermeiden, aber ich kann es ausgleichen und abfangen - und ich weiß, wie ich recht schnell wieder zurück komme, wenn ich einen Schub nicht verhindern kann.
Ich nehme Medikamente, sowohl gegen ADS als auch gegen so einige Faktoren von Borderline (sprich: Ausgleich des Serotonin-Spiegels) - aber ganz ehrlich: ich manipuliere jeden Arzt, bei dem ich bin, nur noch. Ich erzähle das, was in das Bild passt, was ich haben möchte und zu dem gewünschten Ergebnis führt.
Seit dem habe ich ein Leben.
 

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27. September um 11:01
In Antwort auf avarrassterne3

was soll ich dazu sagen... vielleicht mal in groben Zügen meine Geschichte erzählen.

Ich hätte (bzw. habe) noch mit 30 gesagt, dass ich eine normale, glückliche Kindheit hatte. Hätte ich da schon besser wissen müssen, da war ich bereits in Behandlung, zwei meiner behandelnden Ärzte haben völlig unabhängig von einander meine Mutter kennen gelernt und gesagt, dass sie ein Nazisst ist. (hat keinen (!) Kontext zu Euch, ist nur für meine Geschichte wichtig). Wollte ich nicht sehen. Hatte natürlich Folgen - mit denen ich bis heute noch nicht völlig durch bin.
Dazu kommt, dass ich ADS habe (kein ADHS bei mir) - was es zu der Zeit, wo ich Kind war, natürlich noch nicht gab. Also die Krankheit selbstverständlich schon, sowohl ADS als auch ADHS gab es bekanntlich schon, als der Struwelpeter geschrieben wurde. Aber davon, dass das eine Krankheit ist und nicht einfach "ungezogen" bei ADHS bzw. "faul" bei ADS, war noch lange keine Rede. Also hat man beides versucht, wegzuerziehen. Hat viel verschlimmert, nichts verbessert. 
Es gibt nicht wenige Fachleute, die eine der Hauptursachen für Borderline in einer unbehandelten AD(H)S - Erkrankung in der Kindheit sehen.
Das könnte auch bei Deinem Bruder mit reinspielen (wo Diagnose / Behandlung erst als Jugendlicher erfolgten, wenn ich das richtig verstehe), aber zurück zu mir.

Es gab Probleme an allen Ecken und Enden.
Das erste mal selbst verletzt habe ich mich als Teenager. Eigentlich, um es irgendwie endlich zu schaffen, mich zu konzentrieren, statt ständig "abzudriften". Und es hat mich plötzlich so unglaublich beruhigt. Statt diesem ständigen Sturm in meinen Gedanken, Gefühlen... war da plötzlich... STILLE. 
WOW!
Jahrelang dachte ich, ich wäre die einzige, die "sowas" macht wie Selbstverletzung. Heute weiß ich, dass jeder zehnte (!) Mensch zumindest eine Phase mit Selbstverletzung im Leben hatte.

Anyway, die Pubertät hat nichts verbessert, alles verschlimmert. Ich hatte meinen ersten Suizidversuch nach vielen, vielen, vielen Gedanken darüber, mir das Leben zu nehmen. Hat nicht geklappt und ich habe es vertuscht.
Wie alles andere auch, denn ich hatte irgendwann als Kind mal die böse Erfahrung gemacht, dass es nicht gut ist, die eigenen Gedanken, Ängste, Sorgen... und damit die eigene Verletzlichkeit jemandem anzuvertrauen. 
Nun, das hat mir und den Menschen in meiner Umgebung zumindest die Erfahrungen erspart, die Dein Bruder und Du gemacht haben. 
Im Internet schreiben - kein Ding. Inzwischen. Macht mich aber auch nicht mehr verletzlich, hier kann mir keiner was tun. Darüber sprechen kann ich bis heute nur mit Menschen, denen ich zu 200% mindestens vertraue.
Aber glaube mir, von diesen Phasen hatte ich nicht weniger als Dein Bruder, bin ich mir sicher. Aber ich habe es bis ins späte Erwachsenenalter nie jemandem erzähl.

Mit 18 bin ich zu Hause ausgezogen, da wurde es erst einmal besser, ich war knapp 3 Jahre fast symptomfrei. Kein Stress, kein Druck, dafür die Freiheit, mir mein Leben an mich anzupassen. 
Und dann... ging es richtig abwärts. Das Studium lief nicht mehr von allein, ich hatte echte Probleme. Dazu einen harten Bruch mit meiner Familie, weil ich nun wirklich NICHT mehr so funktionieren wollte, wie die sich das vorgestellt haben. Also kein Geld mehr, Studium noch nicht fertig, ...
Mal vom Doc die guten Schmerztabellten bekommen - mit Opiaten. Und noch mal und noch mal ... oh, was waren die Dinger gut. Keine Schmerzen, keine Probleme, keine Sorgen, keine Ängste, ... ohhhhhhhhhhjaaaaaaaaaaaaa der Arzt wollte die nicht mehr verschreiben... macht nichts, das ist nicht der einzige. Nunja, Medikamentenabhängigkeit mit allem drum und dran.
Irgendwann entzogen, wieder hoch gekämpft.
Stuidium beendet.
Job gehabt.
Durch gekämpft.
Und gekämpft.
und gekämpft.
Jeder noch so banale Mist war ein Kampf. Jedes lächerliche Problemchen hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen.
Keinen Bock mehr auf Kämpfen, warum nicht einfach aufhören, sch*** auf das "Leben", kann nicht mehr...
weiter gekämpft.
Einen Job verloren.
Zurück gekämpft.
Nächsten Job verloren.
Zurück gekämpft.

Krankenhaus, Notaufnahme.

Und dann wurde zumindest Borderline bei mir diagnostiziert, ADS kam noch später.

Ab da folgten Jahre Therapie.
Medikamente, die mich manchmal völlig emotionslos gemacht haben. Ich habe nichts, gar nichts mehr gefühlt. Ok, keine Angst. Nur Freude, Glück, Liebe - tja, leider auch nicht. Alles egal.
Und / oder völlig asexell. Kommt bei jedem Partner super an.
Und / oder Medikamente mit denen ich 21 Uhr abends ins Bett fiel - 10 min nach Einnahme und 9 Uhr am nächsten Morgen noch getorkelt bin, weil ich im Halbschlaf war.
Und unzählige, die einfach nichts geändert haben.

Und dazu noch die Therapien.

Ich habe wie gesagt so meine Not damit, mich anderen Menschen anzuvertrauen. Ich musste das jedes Mal gewaltsam erzwingen, sonst wäre eine Therapie nicht möglich gewesen.
Bin damit auf Therapeuten getroffen, die mir erzählt haben, dass ihrer Meinung nach Borderliner "schreckliche Menschen" sind.
Oder aus solche, die mir sagten, dass Selbstverletzung "irgendwie eklig ist" (WTF, ein Hautarzt kann doch auch nicht sagen, dass er eine Schuppenflechte eklig findet, schon gar nicht, wenn er explizit die Behandlung von Schuppenflechte anbietet?!? )
Auf solche, die mir anz Herz gelegt haben, meinen Job zu kündigen (zu einer Zeit wo ich noch auf Monate nicht in der Lage war, mir einen anderen zu suchen! ) - fein, Sperrzeit ohne Geld und Hartz4 haben meine Situation enorm verbessert!
Und die Beziehung zu meinem Mann zu beenden und auch sonst - Tabula raza. auf ganzer Linie zu machen. Alle Kontakte, alle Brücken abbrechen, ganz neu anfangen. Informiere Dich mal im Netz, wie viele Beziehungen während einer Therapie durch ähnliche Empfehlungen zu Bruch gehen. Klingt in dem Moment tatsächlich toll. Man ist in einer totalen Euphorie. Aber wenn DIESE BLASE PLATZT... dann ist man ganz allein. Mit dem sicheren Wissen, dass man selbst alles zerstört hat. HALLELUHJA!
Dann war da noch diese unseelige Nummer mit dem Eisakku. Immer wenn die Sehn-Sucht danach, mir die Haut in Fetzen zu reißen übermächtig wurde, hat man mir geraten, einen Eisakku in die Hand zu nehmen. In allen Kliniken, bei allen Therapeuten. Durch die Bank. Immer wieder dieser verf*** Eisakku. Heute weiß ich, dass das für mich nie etwas ändern KONNTE. Damals wußte ich es nicht. Ich habe das Mistding niedergenutscht, was ging - und war noch verzweifelter, weil es nichts, gar nichts geändert  hat. Und wenn ich das bei den famosen Therapeuten angesprochen habe, hieß es, dass ich mich ja auch mal bemühen müsse! Danke, Faust in die Magengrube hätte nicht deutlicher sein können.
Ich habe bis heute keine Eisakkus zu Hause, in mir kocht die Wut hoch, wenn ich so ein Teil sehe. Die sind irgendwan alle in den Müll geflogen und ... ja, vielleicht kann ich mir im Altersheim mal wieder welche ansehen ohne einen Hals zu kriegen. Ja, ich weiß, dass die Dinger unschuldig sind, meine Erinnerungen, die damit so sorgsam verknüpft wurden, sind es aber leider nicht.
Dann noch die, die mir mit bekannter Medikamentenabhängigkeit in der Vorgeschichte unkommentiert Tranquilizer in BTM-pflichtiger Dosierung verschrieben haben, als ich einmal nicht in der Verfassung war, bei einem neuen Medikament erst so lange herumzudiskutieren, bis ich die Packungsbeilage zum Lesen bekomme. Gegen diesen Entzug waren die Opiate ein Kindergeburtstag.

Ich war verzweifelt. Ich wollte und brauchte Hilfe. Ich konnte nicht mehr. Zum Schluß hatte ich auch schon ein Kind mit meinem Mann (ok, das hat mir zumindest länger die Medis vom Hals gehalten).
Ich habe alles gemacht, was mir gesagt wurde. Immer.
Ergebnis von jeder einzelnen Therapie: keine Änderung oder Verschlechterung.
Ok, für meine Familie mag die Zeit mit den Medimanten, mit denen ich mich gefühlt habe, wie ein Zombie auf Valium, sicherlich eine totale "Verbesserung" gewesen sein. Für mich nicht, tbh. Hat nur bedingt was zu sagen, weiß ich, aber auch mein Mann und meine Freunde haben das so gesehen.
Nun, mit Kind konnte ich auch nicht mehr einfach gehen, ich war die Verpflichtung eingegangen und Verpflichtungen sind für mich etwas sehr ernstes.
Um es gesagt zu haben: das waren verschiedene Therapeuten, sogar verschiedene Städte und verschiedene Bundesländer. Also nichts mit "die einzige blöde Einrichtung der Welt erwischt!"

Was ich dann gemacht habe: Ich habe aufgehört mir helfen zu lassen und angefangen, mir zu helfen.
Ich bin in die nächste Unibibliothek gegangen. Tag für Tag und habe Fachliteratur gelesen. Psychologie und Psychiatrie. Dort standen auch tatsächlich die Lösungen.

Inzwischen komme ich recht gut klar. Ab und an habe ich einen Schub, ich kann und sollte auch nicht jeden Stress, jede Blastung vermeiden, aber ich kann es ausgleichen und abfangen - und ich weiß, wie ich recht schnell wieder zurück komme, wenn ich einen Schub nicht verhindern kann.
Ich nehme Medikamente, sowohl gegen ADS als auch gegen so einige Faktoren von Borderline (sprich: Ausgleich des Serotonin-Spiegels) - aber ganz ehrlich: ich manipuliere jeden Arzt, bei dem ich bin, nur noch. Ich erzähle das, was in das Bild passt, was ich haben möchte und zu dem gewünschten Ergebnis führt.
Seit dem habe ich ein Leben.
 

Danke für deine Geschichte! Ich sehe echt viele Parallelen, mein Bruder wurde 2mal um eine Klasse zurückgestuft weil er "faul" oder "dumm" sei - er ist aber wirklich intelligent, er war nur immer recht unruhig. 
und auch, dass für ihn alles ein Kampf ist - er hat mir das oft vorgeworfen und gemeint für mich sei alles so leicht, ich beschließe zu studieren, ich studiere; ich möchte auf Urlaub fahren, es passt alles und für ihn ist alles davon Anstrengung und ein Kampf und ich wisse gar nicht zu schätzen was ich habe.

Ich wünschte nur ich könnte seinen Schmerz lindern oder er könnte sehen dass ich ehrlich für ihn da sein möchte und nicht gegen ihn bin, wie er zu denken scheint.

Ich überlege, in ein oder 2 Monaten ihm was zu schicken nach Hause als Anstups dass er sich wieder melden kann bzw dass ich da bin. Ich denke an paar Kindheitsfotos wo wir beide abgebildet sind. Was meinst du? Wenn ich dazuschreibe, dass er für mich immer diese Person bleiben wird?

Ich möchte mich für meine falschen Aktionen und Worte irgendwie nicht entschuldigen, weil er dann weiterhin nicht sieht dass er auch weit daneben lag, oft.. 

Ich würde gerne irgendwie formulieren dass ich es gerne nicht schwarz oder weiss hätte sondern ihn halt zu weihnachten sehen oder zu Geburtagen mal Essen gehen möchte und wir ja nicht supereng sein müssen, aber ich gerne ihn weiter in meinem Leben hätte.. aber mir fällt nicht ein, wie ich das vermitteln kann...
 

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28. September um 8:02
In Antwort auf lostsis

Danke für deine Geschichte! Ich sehe echt viele Parallelen, mein Bruder wurde 2mal um eine Klasse zurückgestuft weil er "faul" oder "dumm" sei - er ist aber wirklich intelligent, er war nur immer recht unruhig. 
und auch, dass für ihn alles ein Kampf ist - er hat mir das oft vorgeworfen und gemeint für mich sei alles so leicht, ich beschließe zu studieren, ich studiere; ich möchte auf Urlaub fahren, es passt alles und für ihn ist alles davon Anstrengung und ein Kampf und ich wisse gar nicht zu schätzen was ich habe.

Ich wünschte nur ich könnte seinen Schmerz lindern oder er könnte sehen dass ich ehrlich für ihn da sein möchte und nicht gegen ihn bin, wie er zu denken scheint.

Ich überlege, in ein oder 2 Monaten ihm was zu schicken nach Hause als Anstups dass er sich wieder melden kann bzw dass ich da bin. Ich denke an paar Kindheitsfotos wo wir beide abgebildet sind. Was meinst du? Wenn ich dazuschreibe, dass er für mich immer diese Person bleiben wird?

Ich möchte mich für meine falschen Aktionen und Worte irgendwie nicht entschuldigen, weil er dann weiterhin nicht sieht dass er auch weit daneben lag, oft.. 

Ich würde gerne irgendwie formulieren dass ich es gerne nicht schwarz oder weiss hätte sondern ihn halt zu weihnachten sehen oder zu Geburtagen mal Essen gehen möchte und wir ja nicht supereng sein müssen, aber ich gerne ihn weiter in meinem Leben hätte.. aber mir fällt nicht ein, wie ich das vermitteln kann...
 

kann ich Dir nicht sagen - noch nicht mal OB das bei Euch möglich ist.

Ich für meinen Teil spare mir "Weihnachten und Geburtstag"s-Menschen in meinem Leben, muss ich ehrlich sagen.

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28. September um 13:34

ist das nicht ein bisschen kalt?

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28. September um 13:50
In Antwort auf lostsis

ist das nicht ein bisschen kalt?

ja, sicher ist es das.

Auf der anderen Seite aber: Ist es nicht ein bißchen kalt, von mir zu erwarten, dass ich mich durch Geburtstags- und Weihnachtsevents (oder vergleichbares, sowohl Geburtstag als auch Weihnachten findet in jedem Falle ohne mich statt) - also für irgendwelches 2x im Jahr Oberflächlichkeiten austauschen - halt gefälligst durchquäle für ... nix?

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28. September um 16:26
In Antwort auf lostsis

ist das nicht ein bisschen kalt?

also irgendwie...

denk mal darüber nach.

mal angenommen, ich will es "richtig" machen. Soll ja auch bei Borderlinern vorkommen und man sagt, das ist es, was wir tun sollen.

Also:
Emotionen kontrollieren, damit man nicht irgendwie sinnlos herum flippt.
Wahrnehmung kontrollieren, damit man auf keinen Fall was "in den falschen Hals kriegt". Bei jedem Satz der gesagt wurde (oder nicht gesagt, aber erwartet) abgleichen, ob das, was man verstanden / wahrgenommen hat, auch das war, was der / die andere gemeint hat. Ständig. Die ganze Zeit.
Schön aufpassen, was man sagt und wie man es sagt, damit es nicht falsch rüber kommt. Bei jedem Satz erst mal überlegen, ob das jetzt auch ok geht, das jetzt zu sagen und es so zu sagen.
Aufpassen, ob man etwas überhaupt aussprechen sollte. Von seinen Sorgen und Problemen erzählen geht eh nur bedingt, weil es zu 99% als Vorwurf oder Neid oder Herumgejammer ankommt.
Nicht zu laut reden.
Auf Augenkontakt achten.
Darauf achten, den / die Gesprächspartner/in nicht zu unterbrechen, nicht plötzlich mit einem ganz anderen Thema antworten, weil das niemand als AD(H)S-Symptom versteht, sondern ziemlich sicher als Desinteresse, Mißachtung der anderen Person usw.

Kurz: das ist 1000m Hürdern über's Minenfeld. Je weniger ich jemanden kenne, desto schlimmer. Und jemanden, den ich 2x im Jahr sehe - KANNTE ich vielleicht mal, aber kenne ich ganz sicher nicht.

Wofür? Für "ich war 2x im Jahr mit xy essen!" ?!? Nein, danke.
 

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28. September um 18:53
In Antwort auf avarrassterne3

also irgendwie...

denk mal darüber nach.

mal angenommen, ich will es "richtig" machen. Soll ja auch bei Borderlinern vorkommen und man sagt, das ist es, was wir tun sollen.

Also:
Emotionen kontrollieren, damit man nicht irgendwie sinnlos herum flippt.
Wahrnehmung kontrollieren, damit man auf keinen Fall was "in den falschen Hals kriegt". Bei jedem Satz der gesagt wurde (oder nicht gesagt, aber erwartet) abgleichen, ob das, was man verstanden / wahrgenommen hat, auch das war, was der / die andere gemeint hat. Ständig. Die ganze Zeit.
Schön aufpassen, was man sagt und wie man es sagt, damit es nicht falsch rüber kommt. Bei jedem Satz erst mal überlegen, ob das jetzt auch ok geht, das jetzt zu sagen und es so zu sagen.
Aufpassen, ob man etwas überhaupt aussprechen sollte. Von seinen Sorgen und Problemen erzählen geht eh nur bedingt, weil es zu 99% als Vorwurf oder Neid oder Herumgejammer ankommt.
Nicht zu laut reden.
Auf Augenkontakt achten.
Darauf achten, den / die Gesprächspartner/in nicht zu unterbrechen, nicht plötzlich mit einem ganz anderen Thema antworten, weil das niemand als AD(H)S-Symptom versteht, sondern ziemlich sicher als Desinteresse, Mißachtung der anderen Person usw.

Kurz: das ist 1000m Hürdern über's Minenfeld. Je weniger ich jemanden kenne, desto schlimmer. Und jemanden, den ich 2x im Jahr sehe - KANNTE ich vielleicht mal, aber kenne ich ganz sicher nicht.

Wofür? Für "ich war 2x im Jahr mit xy essen!" ?!? Nein, danke.
 

falls Du jetzt glaubst, ich mache grad einen auf Drama-Queen...

... er hat Dich angeschrien, beleidigt, sich im Ton vergriffen? Genau das passiert, wenn ich die Kontrolle über Emotionen und / oder Wahrnehmung verliere. Also... ganz genau aufpassen. Die ganze Zeit. Nur nicht entspannen und mal locker lassen, das kann ich nur bei ... lass mich überlegen: meinem Mann, inzwischen unserem Sohn und meinen (2) Freunden. Ende der Liste. Also ganze 4 Leutz. Und bei denen kann ich es mir nur trauen, weil ich weiß, dass die mich notfalls abfangen, wenn es doch passiert (und das wird es) statt es persönlich zu nehmen.

... ja, es ko*** mich an, dass auch heute noch an zu vielen Tagen ich um irgendwelchen banalen Mist kämpfen muss, in dem irgendwer anders kein / kaum ein Problem erkennen kann. Es ko*** mich MASSLOS an. Und rate was passiert, wenn ich es ausspreche? Also einfach mal von den Sorgen erzähle, die mich so beschäftigen? Richtig, wenn ich dabei nicht aufpasse, wie die Stachelschweine beim Liebe machen, findet derjenige, mit dem ich mich unterhalte, ich würde ihm / ihr vorwerfen, dass sie es leichter haben. Oder nach Aufmerksamkeit / Mitleid fischen. Oder...  Nein, will ich nicht. Und ich würde fast vermuten, Dein Bruder will es auch nicht.

Also was bitte ist "kalt" daran, sich das nicht für 2x im Jahr essen gehen anzutun? 

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29. September um 22:05

Hmm, das ist schon richtig und natürlich, es gab die Weihnachten, da habe ich ihm was geschenkt und er mir nicht oder hat es einfach ins Eck gelegt und ist mit wem telefonieren gegangen oder etc und dann habe ich geheult und ihm Vorwürfe gemacht und klar ist das aus der anderen Perspektive schrecklich, weil er sich dauernd überlegen muss, was kann er mir sagen, was fasse ich bereits als Beleidigung auf, was würde mich provozieren (das ist wiederum gefährlich, weil da antworte ich dann so, dass ich zurückprovoziere und am Ende eskaliert alles AN WEIHNACHTEN WIE KANNST DU MIR DAS ANTUN!!)

Andererseits als Antwort auf die Frage, warum soll man sich das für Essen mit xy antun? weil einem der Mensch was bedeutet? Weil der jemand immer für einen da war? Weil dieser jemand vielleicht einfach einen Anhaltspunkt braucht, um zu wissen, dass man sich noch etwas bedeutet und für einander mehr als XY ist sondern eben die Schwester oder die enge Bezugsperson, oder es zumindest einmal war? Dass diese Jahre die man gemeinsam durch Höhen und Tiefen gegangen ist auch etwas bedeuten?

Wobei das Gegenargument natürlich ist, dass man mit Exfreunden auch nicht jährlich Weihnachtsessen isst. Aber vielleicht erkundigt man sich nach langen Beziehungen ja auch mal, wie es geht und verliert sich nicht aus den Augen- weil man was besonderes war. Und so sehe ich es da auch, man IST noch was besonderes, man ist Familie. 

Und da keimt dann in mir die Wut, ist es denn zu viel verlangt einmal zusammenreißen um dem anderen zu zeigen, dass man noch da wäre?

Aber Zusatzinfo auch - mein Bruder und ich sind wirklich in einem nicht tollen Umfeld aufgewachsen und ich und meine kleine Schwester wurden zB in Schule, von Nachbarn etc immer überall als entzückend befunden und "sooo gescheit" und "soo aufmerksam" und ich muss ehrlich sagen, wir fielen (fast) immer auf die Füße. Bei ihm: Der ist zu dumm, der ist faul, der wird sowieso Drogen nehmen, der wird es nie schaffen - und kaum schaffte er etwas "er wird sowieso versagen das nächste Mal" und dann kam wieder eine Phase und er war wirklich am Boden und zack hieß es "na seht ihr, das wussten wir gleich". Selbst für wen, der nicht unter starken Emotionen lebt muss es eine gewisse Wut auslösen, zu sehen, wie ich scheinbar durchs Leben tanze und dann ein Drama draus mache, wenn er mich mal nicht grüßt. Klar habe ich es auch nicht immer einfach - aber durch das Umfeld... irgendwie schon.

Also vielleicht tut das auch weh, dann zusehen zu müssen, wie ich vor mich hin plappere wie dieses und jenes gerade ist und dieser Urlaub jetzt ins Wasser fällt (heul heul) und X so gemein das gesagt habe, aber dafür mein Chef mir mehr Gehalt geben werde etc wenn man gleichzeitig selber nicht auf Urlaub fahren kann, weil die Angszustände zu hoch sind und die Miete der Wohnung mit Freundin zusammen kaum schafft. Und dann noch sagen zu müssen "ja Schwesterherz, ich hab dich so lieb und bin froh dass du da bist" - vielleicht nicht Jedermanns Sache.

ich sehs ja. Es tut nur auf meiner Seite auch weh. Weil ich hätte gerne den Bruder, der das sagt... 

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30. September um 8:27
In Antwort auf lostsis

Hmm, das ist schon richtig und natürlich, es gab die Weihnachten, da habe ich ihm was geschenkt und er mir nicht oder hat es einfach ins Eck gelegt und ist mit wem telefonieren gegangen oder etc und dann habe ich geheult und ihm Vorwürfe gemacht und klar ist das aus der anderen Perspektive schrecklich, weil er sich dauernd überlegen muss, was kann er mir sagen, was fasse ich bereits als Beleidigung auf, was würde mich provozieren (das ist wiederum gefährlich, weil da antworte ich dann so, dass ich zurückprovoziere und am Ende eskaliert alles AN WEIHNACHTEN WIE KANNST DU MIR DAS ANTUN!!)

Andererseits als Antwort auf die Frage, warum soll man sich das für Essen mit xy antun? weil einem der Mensch was bedeutet? Weil der jemand immer für einen da war? Weil dieser jemand vielleicht einfach einen Anhaltspunkt braucht, um zu wissen, dass man sich noch etwas bedeutet und für einander mehr als XY ist sondern eben die Schwester oder die enge Bezugsperson, oder es zumindest einmal war? Dass diese Jahre die man gemeinsam durch Höhen und Tiefen gegangen ist auch etwas bedeuten?

Wobei das Gegenargument natürlich ist, dass man mit Exfreunden auch nicht jährlich Weihnachtsessen isst. Aber vielleicht erkundigt man sich nach langen Beziehungen ja auch mal, wie es geht und verliert sich nicht aus den Augen- weil man was besonderes war. Und so sehe ich es da auch, man IST noch was besonderes, man ist Familie. 

Und da keimt dann in mir die Wut, ist es denn zu viel verlangt einmal zusammenreißen um dem anderen zu zeigen, dass man noch da wäre?

Aber Zusatzinfo auch - mein Bruder und ich sind wirklich in einem nicht tollen Umfeld aufgewachsen und ich und meine kleine Schwester wurden zB in Schule, von Nachbarn etc immer überall als entzückend befunden und "sooo gescheit" und "soo aufmerksam" und ich muss ehrlich sagen, wir fielen (fast) immer auf die Füße. Bei ihm: Der ist zu dumm, der ist faul, der wird sowieso Drogen nehmen, der wird es nie schaffen - und kaum schaffte er etwas "er wird sowieso versagen das nächste Mal" und dann kam wieder eine Phase und er war wirklich am Boden und zack hieß es "na seht ihr, das wussten wir gleich". Selbst für wen, der nicht unter starken Emotionen lebt muss es eine gewisse Wut auslösen, zu sehen, wie ich scheinbar durchs Leben tanze und dann ein Drama draus mache, wenn er mich mal nicht grüßt. Klar habe ich es auch nicht immer einfach - aber durch das Umfeld... irgendwie schon.

Also vielleicht tut das auch weh, dann zusehen zu müssen, wie ich vor mich hin plappere wie dieses und jenes gerade ist und dieser Urlaub jetzt ins Wasser fällt (heul heul) und X so gemein das gesagt habe, aber dafür mein Chef mir mehr Gehalt geben werde etc wenn man gleichzeitig selber nicht auf Urlaub fahren kann, weil die Angszustände zu hoch sind und die Miete der Wohnung mit Freundin zusammen kaum schafft. Und dann noch sagen zu müssen "ja Schwesterherz, ich hab dich so lieb und bin froh dass du da bist" - vielleicht nicht Jedermanns Sache.

ich sehs ja. Es tut nur auf meiner Seite auch weh. Weil ich hätte gerne den Bruder, der das sagt... 

ja, genau so wie Du es beschreibst von Weihnachten.

Und jetzt stell Dir vor, genau in dieser Situation, wo Du Dich bis ins Mark getroffen und verletzt fühlst, musst Du 100% Kontrolle über Deine Emotionen gewinnen, die wieder herunter fahren. Einfach anhalten, den Gefühlsfasching. Nicht heulen, nicht rumschreien, fahr das mal auf normal runter. Schon mal versucht?

Und als nächstes stellst Du Dir vor, dass Du das, was Du wahrnimmst, hörst, siehst, Dir selbst nicht mehr glauben darfst. Weil immer die Wahrscheinlichkeit besteht, dass Du nur auf eine Illusion reagierst. Stell Dir vor, dass, worauf Du gerade reagierst, das was Du siehst, hörst... könnte auch einfach nicht real sein. Weil jemand, der vor Dir steht und etwas verletztendes tut / sagt, das gar nicht getan hat, Du hast es nur falsch verstanden. Also ignoriere das, was Du wahrnimmst und gehe statt dessen davon aus, es war gar nichts. Kein Ding, oder? Einfach mal zusammen reißen! Versuche es doch mal! Das nächste Mal, wenn Du das Gefühl hast, dass Dir irgendwer, gern Dein Bruder, gerade so richtig ans Bein pinkelt (Pardon) versuch einfach mal daran zu denken: das könnte jetzt auch eine Illusion sein und reagiere nicht darauf. Gar nicht. Probiere es mal. Einfach mal nur zum Ausprobieren dessen, was Du von ihm erwartest (mal abgesehen davon, dass er zuvor erst herausfinden muss, dass es bei ihm oft so ist).

Einfach mal lächeln und Dich freuen, wenn er Dir ein Geschenk hinhält und Du nur vor Augen hast, wie weh es Dir getan hat, dass er Deines so achtlos zur Seite gelegt hat, einfach zusammen reißen! Mal abgesehen davon, dass das bedeutet, vor Menschen, die einem wichtig sind sind, nicht zeigen zu dürfen, was man fühlt und schauspielern zu müssen - ich würde jetzt mal einfach mich soweit aus dem Fenster lehnen zu sagen: Das bekommst Du auch nicht einfach hin. Weil Du Schmerz, wirklich starken Schmerz fühlst und Freude zeigen sollst. Kannst Du? Glaub ich nicht wirklich, tbh.

Schon allein, weil ich auch sehe, wie stark DEINE Emotionen schon hochkochen, wenn Du hier davon erzählst. Du bist kein Borderliner, bei Dir sind Emotionen nicht so mächtig wie bei uns, Erinnerungen nicht so übel wie bei uns. Bei ihm ist das alles mindestens um Faktor 10 stärker.

Und jetzt sag mir: ist es zu viel verlangt?
Für nahestehende Menschen, für wichtige Menschen: nein.
Für jemanden, den man nur 2x im Jahr sieht: ja. Für mich zumindest. Für sich muss er das selbst entscheiden.

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30. September um 16:27

ja aber genau da verletzt es mich, dass ich einer der Menschen bin, die er als unwichtig kategorisiert. 
Ich glaube es hat für mich aber auch viel damit zu tun, dass er nicht darüber spricht. Würde er sich mit mir hinsetzen und sagen, du, ich weiß, es ist manchmal echt nicht einfach, ich hab aber Borderline und da fühlt man dieses/jenes - dann wäre das was anderes. 
Ich höre von ihm nur Kryptisches "ich weiß ich bin nicht immer einfach" oder "ich habe beschlossen keine Medikamente mehr zu nehmen, jetzt geht es mir schlecht", aber kein einziges Mal, jemals, hat er das Wort Borderline auch nur ausgesprochen. 
Das weiß ich nur aus seinem Verhalten, den Medikamenten die er nimmt und Eltern. 

Im Gegenteil, wenn ich die Kontrolle verliere, weil er mich bis zur Weißglut bringt und mir tausendmal sagt, wie schlecht mein Job sei, dass ich nichts könne etc - wenn ich dann beginne ihn anzuschreien und selbst auszucke, dann kommt manchmal von ihm süffisant "ich glaube du hast Borderline. Du brauchst einen Therapeuten. Red mit dem Therapeuten". 

Er ist ja nicht nur Borderliner sondern manchmal einfach auch ein richtiges A*loch. 

Sache ist, ich weiß ja, dass er da wäre, wenn ich ihn brauchen würde. Nur: Ich hab mein eigenes Leben, ich muss nicht gerettet werden. und da fehlt mir die Symbolik dafür, dass man sich nahe steht - und ein Weihnachtsessen wäre diese Symbolik.

Aber klar muss ich auch respektieren, dass nicht alles so funktioniert, wie ich mir vorstelle. Wohl bin ich auch das schlichtweg nicht gewohnt. 

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30. September um 18:20
In Antwort auf lostsis

ja aber genau da verletzt es mich, dass ich einer der Menschen bin, die er als unwichtig kategorisiert. 
Ich glaube es hat für mich aber auch viel damit zu tun, dass er nicht darüber spricht. Würde er sich mit mir hinsetzen und sagen, du, ich weiß, es ist manchmal echt nicht einfach, ich hab aber Borderline und da fühlt man dieses/jenes - dann wäre das was anderes. 
Ich höre von ihm nur Kryptisches "ich weiß ich bin nicht immer einfach" oder "ich habe beschlossen keine Medikamente mehr zu nehmen, jetzt geht es mir schlecht", aber kein einziges Mal, jemals, hat er das Wort Borderline auch nur ausgesprochen. 
Das weiß ich nur aus seinem Verhalten, den Medikamenten die er nimmt und Eltern. 

Im Gegenteil, wenn ich die Kontrolle verliere, weil er mich bis zur Weißglut bringt und mir tausendmal sagt, wie schlecht mein Job sei, dass ich nichts könne etc - wenn ich dann beginne ihn anzuschreien und selbst auszucke, dann kommt manchmal von ihm süffisant "ich glaube du hast Borderline. Du brauchst einen Therapeuten. Red mit dem Therapeuten". 

Er ist ja nicht nur Borderliner sondern manchmal einfach auch ein richtiges A*loch. 

Sache ist, ich weiß ja, dass er da wäre, wenn ich ihn brauchen würde. Nur: Ich hab mein eigenes Leben, ich muss nicht gerettet werden. und da fehlt mir die Symbolik dafür, dass man sich nahe steht - und ein Weihnachtsessen wäre diese Symbolik.

Aber klar muss ich auch respektieren, dass nicht alles so funktioniert, wie ich mir vorstelle. Wohl bin ich auch das schlichtweg nicht gewohnt. 

unwichtig? Wegen dem Geschenk? Das hat mit unwichtig, so weit ich das sagen kann, überhaupt nichts zu tun. Das ist unglaublich typisch für AD(H)S.
Unser Gehirn kann nicht zwischen wichtigen und unwichtigen Eindrücken unterscheiden. Ist TOTAL PRAKTISCH, wenn man gerade in einer Klausur sitzt und die Häfte der Zeit fasziniert den Regentropen am Fenster, der Fliege an der Wand zu sieht und darüber grübelt, warum sich die Falten in der Hose des Mitschülers vor einem so komisch bewegen während der schreibt... ach ja, das sollte man selbst auch gerade tun.
Oder dem Freund, der einem gerade davon erzählt, dass ihm der Job gekündigt wurde, mit sowas wie "oh, guck mal da, das Flugzeug, ist ein Vierstrahler, also ein Transatlantik..." ins Wort fällt, weil das verdammte Ding am Himmel ihn schlichtweg überlagert und es ewig dauert, bis man in die Situation zurück gefunden hat.

So ganz nebenbei macht es jeden Bahnhof (o.ä.) mit der Masse an Krach, Gewusel und Gewimmel, Gerüchen, Berührungen usw. zur Hölle auf Erden.
Oder man hat eine Hyperfokussierung, bei mir wenn ich lese, am Computer spiele oder zuweilen auch beim Arbeiten, da kann neben mir eine Bombe hochgehen, bekomme ich wahrscheinlich noch nicht mal mit.
Mit Borderline on Top kommen noch Dissoziationen dazu, die ich inzwischen aber wenigstens gezielt nutzen kann. Blöder Weise geht das ganz oder gar nicht, also ich kann auf einem Bahnhof herum laufen und in 80 von 100 Fällen den ganzen Mist ausblenden. Außer es ist jemand mit mir dort. Dann habe ich die Wahl, denjenigen mit auszublenden oder mir die ganze Hölle zu gönnen.

Mit den entsprechenden Medikamenten noch da, aber einiger Maßen berherrschbar. Meistens.

Was glaubst Du, warum das "AUFMERKSAMKEITSDEFIZIT-(Hyperaktivitäts-)Syndrom heißt? Weil man damit riesen DEFIZITE hat, seine AUFMERKSAMKEIT auf das zu fokussieren, was wichtig ist. Geschwister mit Weihnachtsgeschenken inklusive. Noch wesentlich wichtigeres auch inklusive.

Das was ich über Borderline und AD(H)S weiß, was ich hier geschrieben habe - und mehr, woher wohl weiß ich das? Sinnvoller Weise hätte man es mir im Rahmen einer Therapie erklärt. Dem war aber leider nicht so. Das habe ich aus besagter Unibibliothek. Alles. Davor konnte ich es auch nur so diffus ausdrücken. Aber deswegen tippe ich mir ja Fransen an die Finger, Dir was zu "mit Borderline /AD(H)S fühlt man das ..." zu erklären.
Das Gefühl, dass irgendwas davon zu Dir durchdringt habe ich aber nicht.

Aus meiner Sicht bist Du auch genug A***loch, von ihm etwas zu erwarten, was Du selbst nicht könntest. Beauty is in the eye of the beholder...
 

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1. Oktober um 0:14
In Antwort auf avarrassterne3

unwichtig? Wegen dem Geschenk? Das hat mit unwichtig, so weit ich das sagen kann, überhaupt nichts zu tun. Das ist unglaublich typisch für AD(H)S.
Unser Gehirn kann nicht zwischen wichtigen und unwichtigen Eindrücken unterscheiden. Ist TOTAL PRAKTISCH, wenn man gerade in einer Klausur sitzt und die Häfte der Zeit fasziniert den Regentropen am Fenster, der Fliege an der Wand zu sieht und darüber grübelt, warum sich die Falten in der Hose des Mitschülers vor einem so komisch bewegen während der schreibt... ach ja, das sollte man selbst auch gerade tun.
Oder dem Freund, der einem gerade davon erzählt, dass ihm der Job gekündigt wurde, mit sowas wie "oh, guck mal da, das Flugzeug, ist ein Vierstrahler, also ein Transatlantik..." ins Wort fällt, weil das verdammte Ding am Himmel ihn schlichtweg überlagert und es ewig dauert, bis man in die Situation zurück gefunden hat.

So ganz nebenbei macht es jeden Bahnhof (o.ä.) mit der Masse an Krach, Gewusel und Gewimmel, Gerüchen, Berührungen usw. zur Hölle auf Erden.
Oder man hat eine Hyperfokussierung, bei mir wenn ich lese, am Computer spiele oder zuweilen auch beim Arbeiten, da kann neben mir eine Bombe hochgehen, bekomme ich wahrscheinlich noch nicht mal mit.
Mit Borderline on Top kommen noch Dissoziationen dazu, die ich inzwischen aber wenigstens gezielt nutzen kann. Blöder Weise geht das ganz oder gar nicht, also ich kann auf einem Bahnhof herum laufen und in 80 von 100 Fällen den ganzen Mist ausblenden. Außer es ist jemand mit mir dort. Dann habe ich die Wahl, denjenigen mit auszublenden oder mir die ganze Hölle zu gönnen.

Mit den entsprechenden Medikamenten noch da, aber einiger Maßen berherrschbar. Meistens.

Was glaubst Du, warum das "AUFMERKSAMKEITSDEFIZIT-(Hyperaktivitäts-)Syndrom heißt? Weil man damit riesen DEFIZITE hat, seine AUFMERKSAMKEIT auf das zu fokussieren, was wichtig ist. Geschwister mit Weihnachtsgeschenken inklusive. Noch wesentlich wichtigeres auch inklusive.

Das was ich über Borderline und AD(H)S weiß, was ich hier geschrieben habe - und mehr, woher wohl weiß ich das? Sinnvoller Weise hätte man es mir im Rahmen einer Therapie erklärt. Dem war aber leider nicht so. Das habe ich aus besagter Unibibliothek. Alles. Davor konnte ich es auch nur so diffus ausdrücken. Aber deswegen tippe ich mir ja Fransen an die Finger, Dir was zu "mit Borderline /AD(H)S fühlt man das ..." zu erklären.
Das Gefühl, dass irgendwas davon zu Dir durchdringt habe ich aber nicht.

Aus meiner Sicht bist Du auch genug A***loch, von ihm etwas zu erwarten, was Du selbst nicht könntest. Beauty is in the eye of the beholder...
 

Ich meinte nicht wegen dem Geschenk sondern weil er entscheidet dass er mich nicht mehr sehen will - dass er bestimmen darf/kann dass ich nicht mehr im Kreis seiner "wichtigen" Personen bin oder zumindest wichtig genug als dass er sich ab und an mal zu einem Gespräch mit mir quält.
Aber klar, Persönlichkeitstechnisch sind wir auf anderen Enden oder letztlich doch zu ähnlich weil ich so hypersensibel bin dass ich wegen so einer Kleinigkeit wie Geschenk ignorieren wirklich eine Szene machen würde und dann alles eskaliert - wie es eben dauernd auch tat. 
aber da nochmals mein Bsp- ja ich kann das ignorieren oder mir erklären wenn ich selber fit bin. Dann kenn ich ja genau das was du beschreibst von ihm und es ist total schön das mal von wem anderen zu hören und bestätigt zu bekommen - weil ihm traut man ja manchmal schon fast lügen zu, weil man es einfach nicht weiß, grad wenn er auszuckt ist da "ich zeig euch an und behaupte ihr hättet mich misshandelt" an meine Eltern auch schon dagewesen.

also wenn ich fit bin hab ich kein Problem damit, dass er mitten im Gespräch woanders ist und wenn ihn etwas beschäftigt von diesem Thema nicht mehr wegkommt. Dafür wenn man ihm ein Problem erzählt das auch wieder solange analysiert und begutachtet bis er es für einen gelöst hat. Das ist er eben. Aber wenn ich selber erschöpft bin.. und dann kommt von ihm noch was Blödes.. dann denke ich nicht "ah richtig er hat momentan viel Stress und mir erzählt dass er gerade Medikament wechselt" (auch wenn es wahr wäre) sondern ich bin müde will schlafen oder eigentlich sogar selbst mal unterstützt werden und wenn er dann sagt "du bist für mich null Erleichterung im Leben, im Gegenteil" und ich denke an zig Momente die ich vor seiner Tür saß oder ihm Nachrichten geschickt habe und jede einzelne genau überlegt war.. dann ists auch bei mir vorbei. 
dann konter ich mit "ja voll, hat man ja schon in der Schule gesehen wie gut du allein zurecht kommst." Dann kommt zurûck "verp* dich, ich will dich nicht mehr sehen" und von mir dann "ja weil du unfähig bist bindung aufrecht zu halten, suhle dich im lonly ranger dasein"
Anders gesagt: ich streite mit ihm dann selber höchst untergriffig. Ich seh dann auch nur mehr rot. Ich kenn das nur von ihm, aber er trifft genau die Dinge die mich beleidigen und irgendwann klingelts mir dann in den Ohren und ich will nur zurückschlagen, zurückwehtun etc.

Hört bei mir meist nach einer Stunde auf, sobald ich die Situation verlassen habe jedenfalls. Nur ist es dann zu spät. 

Also sehe ich ja auch dass wir uns nicht gut tun, weil wir nur Sachen sagen können die irgendwann wirklich unumkehrbar sind.

Aber ich wäre immer für ihn da. Und ich hätte einfach so gerne irgendeinen Beweis dass es umgekehrt auch so ist oder wüsste ob ich ihm irgendetwas bedeute oder ob er wirklich glaubt, dass ich nur Teil allen Übels bin.

Mir gehts nicht um ein blödes Essen. Mir gehts um die Symbolik dass man sich etwas bedeutet.

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1. Oktober um 8:35
In Antwort auf lostsis

Ich meinte nicht wegen dem Geschenk sondern weil er entscheidet dass er mich nicht mehr sehen will - dass er bestimmen darf/kann dass ich nicht mehr im Kreis seiner "wichtigen" Personen bin oder zumindest wichtig genug als dass er sich ab und an mal zu einem Gespräch mit mir quält.
Aber klar, Persönlichkeitstechnisch sind wir auf anderen Enden oder letztlich doch zu ähnlich weil ich so hypersensibel bin dass ich wegen so einer Kleinigkeit wie Geschenk ignorieren wirklich eine Szene machen würde und dann alles eskaliert - wie es eben dauernd auch tat. 
aber da nochmals mein Bsp- ja ich kann das ignorieren oder mir erklären wenn ich selber fit bin. Dann kenn ich ja genau das was du beschreibst von ihm und es ist total schön das mal von wem anderen zu hören und bestätigt zu bekommen - weil ihm traut man ja manchmal schon fast lügen zu, weil man es einfach nicht weiß, grad wenn er auszuckt ist da "ich zeig euch an und behaupte ihr hättet mich misshandelt" an meine Eltern auch schon dagewesen.

also wenn ich fit bin hab ich kein Problem damit, dass er mitten im Gespräch woanders ist und wenn ihn etwas beschäftigt von diesem Thema nicht mehr wegkommt. Dafür wenn man ihm ein Problem erzählt das auch wieder solange analysiert und begutachtet bis er es für einen gelöst hat. Das ist er eben. Aber wenn ich selber erschöpft bin.. und dann kommt von ihm noch was Blödes.. dann denke ich nicht "ah richtig er hat momentan viel Stress und mir erzählt dass er gerade Medikament wechselt" (auch wenn es wahr wäre) sondern ich bin müde will schlafen oder eigentlich sogar selbst mal unterstützt werden und wenn er dann sagt "du bist für mich null Erleichterung im Leben, im Gegenteil" und ich denke an zig Momente die ich vor seiner Tür saß oder ihm Nachrichten geschickt habe und jede einzelne genau überlegt war.. dann ists auch bei mir vorbei. 
dann konter ich mit "ja voll, hat man ja schon in der Schule gesehen wie gut du allein zurecht kommst." Dann kommt zurûck "verp* dich, ich will dich nicht mehr sehen" und von mir dann "ja weil du unfähig bist bindung aufrecht zu halten, suhle dich im lonly ranger dasein"
Anders gesagt: ich streite mit ihm dann selber höchst untergriffig. Ich seh dann auch nur mehr rot. Ich kenn das nur von ihm, aber er trifft genau die Dinge die mich beleidigen und irgendwann klingelts mir dann in den Ohren und ich will nur zurückschlagen, zurückwehtun etc.

Hört bei mir meist nach einer Stunde auf, sobald ich die Situation verlassen habe jedenfalls. Nur ist es dann zu spät. 

Also sehe ich ja auch dass wir uns nicht gut tun, weil wir nur Sachen sagen können die irgendwann wirklich unumkehrbar sind.

Aber ich wäre immer für ihn da. Und ich hätte einfach so gerne irgendeinen Beweis dass es umgekehrt auch so ist oder wüsste ob ich ihm irgendetwas bedeute oder ob er wirklich glaubt, dass ich nur Teil allen Übels bin.

Mir gehts nicht um ein blödes Essen. Mir gehts um die Symbolik dass man sich etwas bedeutet.

genau das ist Borderline, ja.
Im Grunde schlägt er auch nur "zurück", weil er sich die ganze Zeit angegriffen fühlt. Ohne dass Du ihn faktisch angreifst, weil das - wie bei Dir auch - nur eine Frage der Wahrnehmung ist. Nur dass es bei ihm die "ruhigen, ausgeruhten" Tage nahezu nie gibt. Und für ihn ist das genauso real wie für Dich.
Nur müsste er es nicht nach einer Stunde, nicht nach dem Verlassen der Situation, sondern sofort stoppen, damit es geht und er mit Dir seine Zeit verbringen kann.
Und genau das meinte ich mit: Du verlangst von ihm, was Du selbst nicht könntest.
Fein, Du bist gesund, Du musst es auch nicht können. Gut für Dich.

Aber gerade Du solltest wissen, dass das kein Spaziergang ist. Und nie sein wird. Schon gar nicht im Gespräch mit jemandem, der sich selbst schön mit hochschaukelt. Wenn Du findest, das hat nur mit "ist mir wichtig" zu tun - dann mach es doch selbst ein paar mal. Halte Deine Emotionen einfach an. Nicht nach einer Stunde, gleich! Halte Deine Reaktionen darauf, dass Du Dich verletzt fühlst, einfach an. Nicht nach einer Stunde, sondern sofort. Kein Problem, er ist Dir doch wichtig, oder? Dann erklärst Du ihm, wie man das macht und schon wird alles gut. Dann könnt ihr in Zukunft Zeit miteinander verbringen, ohne Euch gegenseitig ständig zu verletzen und hochzuschaukeln.

Genau wie er Dich kannst Du ihn eigentlich nur deswegen verletzten WEIL Ihr Euch wichtig seid.  Ein Mensch, der einem Piepegal ist, kann einem herzlich wenig tun, oder? Ok, die können immer noch zufällig eine offene Wunde erwischen, die per se weh tut, aber bei Menschen, die einem nahe stehen gibt es da sehr viel mehr. Mit denen neutral umzugehen, ist um einiges einfacher, oder?

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1. Oktober um 21:43

Das stimmt. Mich ärgert manchmal auch wenn ich sehe dass er mit entfernteren Freunden super auskommt und ich mir denke aber unsere Eltern, kleine Schwester und ich gehen nicht?
Aber es stimmt natürlich, wir treffen einander ja auch so mit dem, was wir sagen, weil wir es nicht voneinander hören wollen.
wenn mir ein Fremder sagt, mein Job und ich seien wertlos, dann kostet es mich ein müdes Lächeln. Bei ihm trifft es mich, weil ich nicht will, dass er so denkt. 

Vielleicht muss ich lernen zu akzeptieren, dass es so ist, wie es jetzt ist und wir uns nicht sehen. 
Dass das nicht heißt, dass alles was bisher war egal war, sondern nur, dass es so nicht mehr weiterging..

 

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8. Oktober um 14:10
In Antwort auf lostsis

Hallo,
mir geht es momentan echt nicht gut...
Würde mich sehr freuen, wenn mir jemand helfen kann, mein Gefühlschaos einzuordnen.
Mein Bruder hat BPD, immer schon gehabt, war immer schon Thema in meiner Familie.

Ich stand ihm am Nächsten von uns allen, war die, die zu ihm fuhr wenn er sich einschloss und nicht mehr aufmachte, Suiziddrohungen machte, etc, weil er auf mich hörte. Mir gelang immer, das zu sagen, das ihn letztlich beruhigen konnte. Manchmal sofort, manchmal nach 8h Diskussion, manchmal nach einer Woche Diskussion.

Das war für mich alles noch in Ordnung, weil ich wusste, wir haben dafür ein ganz spezielles Band, das niemand brechen kann. Er hatte immer wahnsinnig Angst, ich würde anderen von seiner Krankheit erzählen, war irrsinnig paranoid, als wir noch daheim wohnten hat er meine Freunde gerne belauscht, ob ich schlecht über ihn rede mit ihnen. 

Aber wir hatten auch gute Phasen, viele. Nur habe ich jetzt erfahren, dass er in meinem Heimatort begonnen hat, zu erzählen, ich sei geldgeil und machtbesessen geworden (habe der Stadt studiert) und mit unzufriedenen Geschäftspartnern von mir gemeinsam gegen mich stichelt. Ich stehe ein bisschen in der Öffentlichkeit, das bedeutet, er wird immer Menschen finden, die mich nicht mögen.

Und das war für mich aufeinmal ein Bruch, dass ich nicht mehr vertrauen kann, dass er auf meiner Seite ist, sodass ich begonnen habe, alles zu hinterfragen. Und es gab Situationen zwischen uns, die mir jetzt bitter im Kopf herum spuken.

zB hat er, wenn ich Sachen von daheim gebraucht habe, (zB Scans von Zeugnissen etc), wenn wir gerade stritten, immer bis zur letzten Sekunde gewartet oder bis ich fast gebettelt habe, dass er sie mir schickt und fand das lustig. Beschimpfungen möchte ich gar nicht alle aufzählen. Seinen Bettgefährtinnen hat er auch immer erzählt, ich sei verrückt - die gingen dann an mir vorbei und sahen mich an, als wäre ich der Teufel. Bin daher auch mit 18 sofort ausgezogen.

Und als Kinder hat er mich natürlich unter Wasser gedrückt bis ich geheult habe. Aber wieweit ist sowas noch normal und wieweit nicht mehr? Natürlich hat er mich ja nicht ertrinken lassen. Handgreiflich wurde er, abgesehen vom spielerischen, nie.

Und natürlich gab es unzählige Situationen, in denen er mich von Parties in der Nacht abgeholt hat oder bei Trennungen mit mir Eis gegegessen und Sex&the City mitgeschaut hat. Gemeinsame Urlaube, in denen wir noch Zimmer teilten und ich in der Früh auf sein Bett gesprungen bin und gesagt habe, wir gehen jetzt zum Frühstück und er Schlafmusik aufgedreht hat, damit ich noch eine Stunde Ruhe gebe (lang ists her). 

Ich weiß sowieso, dass ich mich distanzieren muss. Aber ab wann sagt man, es sind Dinge vorgefallen, da ist auch eine weite Distanz zu nahe. Ab wann ist etwas Missbrauch? 

Danke, falls jemand so weit gelesen hat!
 

shit happens

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11. Oktober um 20:57
In Antwort auf lostsis

Hallo,
mir geht es momentan echt nicht gut...
Würde mich sehr freuen, wenn mir jemand helfen kann, mein Gefühlschaos einzuordnen.
Mein Bruder hat BPD, immer schon gehabt, war immer schon Thema in meiner Familie.

Ich stand ihm am Nächsten von uns allen, war die, die zu ihm fuhr wenn er sich einschloss und nicht mehr aufmachte, Suiziddrohungen machte, etc, weil er auf mich hörte. Mir gelang immer, das zu sagen, das ihn letztlich beruhigen konnte. Manchmal sofort, manchmal nach 8h Diskussion, manchmal nach einer Woche Diskussion.

Das war für mich alles noch in Ordnung, weil ich wusste, wir haben dafür ein ganz spezielles Band, das niemand brechen kann. Er hatte immer wahnsinnig Angst, ich würde anderen von seiner Krankheit erzählen, war irrsinnig paranoid, als wir noch daheim wohnten hat er meine Freunde gerne belauscht, ob ich schlecht über ihn rede mit ihnen. 

Aber wir hatten auch gute Phasen, viele. Nur habe ich jetzt erfahren, dass er in meinem Heimatort begonnen hat, zu erzählen, ich sei geldgeil und machtbesessen geworden (habe der Stadt studiert) und mit unzufriedenen Geschäftspartnern von mir gemeinsam gegen mich stichelt. Ich stehe ein bisschen in der Öffentlichkeit, das bedeutet, er wird immer Menschen finden, die mich nicht mögen.

Und das war für mich aufeinmal ein Bruch, dass ich nicht mehr vertrauen kann, dass er auf meiner Seite ist, sodass ich begonnen habe, alles zu hinterfragen. Und es gab Situationen zwischen uns, die mir jetzt bitter im Kopf herum spuken.

zB hat er, wenn ich Sachen von daheim gebraucht habe, (zB Scans von Zeugnissen etc), wenn wir gerade stritten, immer bis zur letzten Sekunde gewartet oder bis ich fast gebettelt habe, dass er sie mir schickt und fand das lustig. Beschimpfungen möchte ich gar nicht alle aufzählen. Seinen Bettgefährtinnen hat er auch immer erzählt, ich sei verrückt - die gingen dann an mir vorbei und sahen mich an, als wäre ich der Teufel. Bin daher auch mit 18 sofort ausgezogen.

Und als Kinder hat er mich natürlich unter Wasser gedrückt bis ich geheult habe. Aber wieweit ist sowas noch normal und wieweit nicht mehr? Natürlich hat er mich ja nicht ertrinken lassen. Handgreiflich wurde er, abgesehen vom spielerischen, nie.

Und natürlich gab es unzählige Situationen, in denen er mich von Parties in der Nacht abgeholt hat oder bei Trennungen mit mir Eis gegegessen und Sex&the City mitgeschaut hat. Gemeinsame Urlaube, in denen wir noch Zimmer teilten und ich in der Früh auf sein Bett gesprungen bin und gesagt habe, wir gehen jetzt zum Frühstück und er Schlafmusik aufgedreht hat, damit ich noch eine Stunde Ruhe gebe (lang ists her). 

Ich weiß sowieso, dass ich mich distanzieren muss. Aber ab wann sagt man, es sind Dinge vorgefallen, da ist auch eine weite Distanz zu nahe. Ab wann ist etwas Missbrauch? 

Danke, falls jemand so weit gelesen hat!
 

Hast du ihn direkt darauf angesprochen, waruk er so schlecht über dich in der Öffentlichkeit redet? 

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15. Oktober um 10:56

ja habe ich, aber er hat es geleugnet, hätte er nie gesagt, hätte ich falsch verstanden etc.
Allerdings weiß ich, welche Sätze gefallen sind- was er gesagt hat, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass er jedenfalls mit keinem Wort mich verteidigt hätte und, dass sich die Situation über eine Stunde gezogen hatte und er den Raum nicht verlassen hat und gelacht hat.
Also es haben sich beide Kundinnen sicher genug gefühlt, eine Stunde lang bei ihm über mich zu hetzen und er hat das nicht unterbunden und durch Mimik und Gestik gefördert und vermutlich auch geschürt.

 

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15. Oktober um 11:11
In Antwort auf avarrassterne3

genau das ist Borderline, ja.
Im Grunde schlägt er auch nur "zurück", weil er sich die ganze Zeit angegriffen fühlt. Ohne dass Du ihn faktisch angreifst, weil das - wie bei Dir auch - nur eine Frage der Wahrnehmung ist. Nur dass es bei ihm die "ruhigen, ausgeruhten" Tage nahezu nie gibt. Und für ihn ist das genauso real wie für Dich.
Nur müsste er es nicht nach einer Stunde, nicht nach dem Verlassen der Situation, sondern sofort stoppen, damit es geht und er mit Dir seine Zeit verbringen kann.
Und genau das meinte ich mit: Du verlangst von ihm, was Du selbst nicht könntest.
Fein, Du bist gesund, Du musst es auch nicht können. Gut für Dich.

Aber gerade Du solltest wissen, dass das kein Spaziergang ist. Und nie sein wird. Schon gar nicht im Gespräch mit jemandem, der sich selbst schön mit hochschaukelt. Wenn Du findest, das hat nur mit "ist mir wichtig" zu tun - dann mach es doch selbst ein paar mal. Halte Deine Emotionen einfach an. Nicht nach einer Stunde, gleich! Halte Deine Reaktionen darauf, dass Du Dich verletzt fühlst, einfach an. Nicht nach einer Stunde, sondern sofort. Kein Problem, er ist Dir doch wichtig, oder? Dann erklärst Du ihm, wie man das macht und schon wird alles gut. Dann könnt ihr in Zukunft Zeit miteinander verbringen, ohne Euch gegenseitig ständig zu verletzen und hochzuschaukeln.

Genau wie er Dich kannst Du ihn eigentlich nur deswegen verletzten WEIL Ihr Euch wichtig seid.  Ein Mensch, der einem Piepegal ist, kann einem herzlich wenig tun, oder? Ok, die können immer noch zufällig eine offene Wunde erwischen, die per se weh tut, aber bei Menschen, die einem nahe stehen gibt es da sehr viel mehr. Mit denen neutral umzugehen, ist um einiges einfacher, oder?

Sorry, das Thema nochmal aufzuwärmen. Ich habe im Zuge einer Aussprache versucht, die Situation für mich darzulegen, warum ich mich gekränkt gefühlt habe, ... wodurch es (natürlich) vollkommen eskaliert ist.

Ich habe dann versucht, festzulegen, dass wir uns zwar nicht mehr sehen, aber da sind füreinander wenn jemand etwas braucht und dass ich diese Sicherheit brauche/will. Er meinte darauf, nicht einmal bei einem Notfall wolle er mit mir Kontakt haben. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen kann, ohne ihn zu verachten.

Es gelingt ihm wirklich, dass keine einzige Person, die aus seinem Leben verschwindet ihn nicht hasst. Er hat 3-4 Freunde, die er einmal im Monat sieht und alle mit denen er einst befreundet war, hassen ihn. Er hat unserer Schwester seit mehr als einem Jahr den Kontakt abgebrochen, nur ist es ihr mittlerweile so egal, dass solche Dinge wie bei mir nie ausgesprochen wurden. Und er hat die Dreistigkeit zu sagen, ich sei ihm zu anstrengend in seinem Leben?

Wie kann ich die guten Erinnerungen noch wertschätzen, wenn er mir ins Gesicht sagt, er wolle nie wieder Kontakt und sei nichtmal im Notfall da? Er untergräbt die Grundvoraussetzungen von Familie und ist einfach ein grenzenloser Egoist, der nimmt solange man ihm gibt, aber wehe dir, wenn du einmal nicht so bist, wie er möchte, dann ist es vorbei und alles was du je getan hast vergessen.

das einzige, das mich noch an ein Fünkchen Gutes glauben lässt ist, dass ich ihn dann auch ordentlich beschimpft hatte und er mich aber (noch) nicht am Handy blockiert hat, das war früher seine Art. Theoretisch wäre es mir daher möglich, ihn im Notfall zu kontaktieren. Tatsächlich wüsste ich keine Situation, die mich dazu brächte: Da rufe ich lieber meinen Partner an, oder meine guten Freunde, die Personen, die mir nicht nur sagen wie sch** ich sei.

Es kränkt mich einfach, jetzt sein Feindbild zu sein. Ich weiß, er wird überall erzählen, dass ich ihn hintergangen hätte, verrückt wäre, er mit mir nicht mehr zurecht käme, und eben diese Ironie, dass er immer behauptet und allen erzählt, ich hätte Borderline und er müsse sich jetzt schützen. Wie kann er so verblendet sein?

 

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20. Oktober um 7:59
In Antwort auf lostsis

Sorry, das Thema nochmal aufzuwärmen. Ich habe im Zuge einer Aussprache versucht, die Situation für mich darzulegen, warum ich mich gekränkt gefühlt habe, ... wodurch es (natürlich) vollkommen eskaliert ist.

Ich habe dann versucht, festzulegen, dass wir uns zwar nicht mehr sehen, aber da sind füreinander wenn jemand etwas braucht und dass ich diese Sicherheit brauche/will. Er meinte darauf, nicht einmal bei einem Notfall wolle er mit mir Kontakt haben. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen kann, ohne ihn zu verachten.

Es gelingt ihm wirklich, dass keine einzige Person, die aus seinem Leben verschwindet ihn nicht hasst. Er hat 3-4 Freunde, die er einmal im Monat sieht und alle mit denen er einst befreundet war, hassen ihn. Er hat unserer Schwester seit mehr als einem Jahr den Kontakt abgebrochen, nur ist es ihr mittlerweile so egal, dass solche Dinge wie bei mir nie ausgesprochen wurden. Und er hat die Dreistigkeit zu sagen, ich sei ihm zu anstrengend in seinem Leben?

Wie kann ich die guten Erinnerungen noch wertschätzen, wenn er mir ins Gesicht sagt, er wolle nie wieder Kontakt und sei nichtmal im Notfall da? Er untergräbt die Grundvoraussetzungen von Familie und ist einfach ein grenzenloser Egoist, der nimmt solange man ihm gibt, aber wehe dir, wenn du einmal nicht so bist, wie er möchte, dann ist es vorbei und alles was du je getan hast vergessen.

das einzige, das mich noch an ein Fünkchen Gutes glauben lässt ist, dass ich ihn dann auch ordentlich beschimpft hatte und er mich aber (noch) nicht am Handy blockiert hat, das war früher seine Art. Theoretisch wäre es mir daher möglich, ihn im Notfall zu kontaktieren. Tatsächlich wüsste ich keine Situation, die mich dazu brächte: Da rufe ich lieber meinen Partner an, oder meine guten Freunde, die Personen, die mir nicht nur sagen wie sch** ich sei.

Es kränkt mich einfach, jetzt sein Feindbild zu sein. Ich weiß, er wird überall erzählen, dass ich ihn hintergangen hätte, verrückt wäre, er mit mir nicht mehr zurecht käme, und eben diese Ironie, dass er immer behauptet und allen erzählt, ich hätte Borderline und er müsse sich jetzt schützen. Wie kann er so verblendet sein?

 

wie kann man so verblendet sein...

nun, das müsstest Du selbst wissen, wenn auch nicht so stark wie er.
Wie reagierst Du selbst, wenn Deine Emotionen gerade so RICHTIG "kochen", wenn Du Dich bis ins Mark verletzt fühlst? Schlau? Sensibel? Vernünftig? Sinnvoll? Logisch? Weise? Überlegt? Gerecht? Nichts davon, oder?
Das Problem bei Borderline: die "kochenden" Emotionen sind der "übliche" Zustand.

Das Problem bei Euch beiden ist, dass Ihr Euch gegenseitig sooooooooooo hochschaukelt. Mag sein, dass er "überall herum erzählt", dass Du ihn hintergangen hast. Weil das genau das ist, was er im Moment empfinden wird.
Grenzenloser Egoist? Du hast ihm gerade gesagt, dass der Ankerpunkt seines Lebens sich jetzt in Luft auflösen wird. So. Okay, der Boden unter den Füßen ist halt weg, jetzt mach hier nicht so ein Drama?
Überlege, wie Du Dich gerade fühlst, multipliziere es mit 10 und Du kommst in seine Nähe.

Ja. Ihr tut Euch gegenseitig nicht gut. So gar nicht. Distanz ist das einzig sinnvolle. Aber ehrlich, musste es mit "famous last words" sein? Ja, NATÜRLICH eskaliert es. Weil Ihr beide bis Unterkante Oberlippe in Emotionen ersauft, schon bevor der erste Ton gesagt ist. Unter solchen Umständen eskaliert das Gespräch auch dann und hinterlässt beide tief verletzt, wenn beide quietsch gesund sind! Das KANN nicht anders ausgehen, nie, es gibt noch nicht mal die theoretische Möglichkeit, dass dabei etwas anderes heraus kommt.

Manchmal glaube ich, das Universum hat einen echt finsteren schwarzen Humor. Wann auch immer ich irgendwo Berichte lese von Menschen, die gerade dabei sind, zu einem Borderliner auf Distanz zu gehen, habe ich das Gefühl:
JETZT VERSTEHT IHR UNS WIRKLICH!
Denn ja, jetzt gerade in diesem Zeit hast Du in gewisser Weise (!!!) auch Borderline. Nein, nicht so wie er es meint!!!
Aber Du bist absolut und 100% emotional.
Spielball Deiner Emotionen, die fest die Zügel in der Hand halten - und die Dich steuern, während Du mitgerissen wirst und irgendwo in dem Strudel nach Halt suchst und die ganze Zeit das Gefühl hast zu ertrinken - richtig?
DAS ist Borderline!  Ganz genau das. Spielball der Emotionen, irgendwo im Strudel nach Strohhalmen grabschen - und mit den Strohhalmen wieder absaufen. 
Nur bei Dir wird es wieder aufhören, wenn Du die Distanz hergestllt hast. Bei ihm nicht. DAS ist sein Leben. Die ganze verdammte Zeit. Seit der Pubertät und wohl noch einige Jahre.


Geh auf Abstand. Lass es RUHEN. Keine "Erklärungen". Keine Fragen, nichts, RUHEN. Und dann versucht es mit einem MODERIERTEN Gespräch. Mit einer NEUTRALEN Person dabei - vorzugsweise einer, die dazu ausgebildet ist und nicht in persönlichem Verhältnis zu Euch steht und die Euch beide abfangen kann, wenn Ihr Euch wieder hoch schaukelt.
Alles andere endet für Euch beide wieder so. Es kann gar nicht anders laufen.

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20. Oktober um 9:49

Okay. Ich versuche meine Verletztheit auszuschalten und den Wunsch auf "famous last words". Es ist wohl auch so, dass er natürlich weiß, welche Worte mir am meisten wehtun und ich es bei ihm weiß und dann fliegen die Fetzen eben so richtig tief - da sollte ich vielleicht nicht urteilen, wenn er etwas sagte das mir gerade nicht passt und meine Grenze an "was man noch sagen darf" überschreitet - weil vielleicht habe ich davor 10 Dinge gesagt die für mich als "ach das war im Streit dahingesagt, er weiß doch ich meine es nicht" gelten und für ihn 100 Grenzen übertreten.
Du hast Recht, Ruhe ist das einzige, was wir beide brauchen, da sollte ich mich auch dran halten, ihm diese Ruhe zu lassen.

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