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Vom Umgang mit Geld.

17. Februar 2006 um 19:42 Letzte Antwort: 18. Februar 2006 um 0:10

Oder wie lerne ich den Umgang mit Geld? Denn ich bin schon fast 50 Jahre alt und habe bis jetzt nur Schulden gemacht.
Angefangen hat dieses Dilemma, aus dem ich unbedingt rauskommen will, als ich 18 war.
Ich weiß es noch wie heute.
Mein erstes Auto habe ich von meinem Vater bekommen. Ein alter Käfer, den er vorher selbst gefahren ist. Ich habe ihm dafür 1500 Mark in Raten geben müssen.
Irgendwann gefiel mir aber der Käfer nicht mehr, und so habe ich mir einen Golf gekauft. Natürlich auf Pump, denn nichts war damals so leicht, wie einen Kredit von der Bank zu bekommen. Die Bank hat sogar gefragt, ob es denn nicht besser ein wenig mehr sein solle, denn ich wolle doch bestimmt noch Zubehör kaufen. Also wurde mehr Geld genommen. Ich hatte ja schließlich einen Job.
Das Konto überziehen? Gar keine Frage. Die Bank war wieder sehr großzügig. Ich hatte ja einen Job.
Und so gab ich eine Unmenge Geld aus. Vor allen Dingen hat mir das Glücksspiel sehr viel Geld gekostet.
Im Hinterzimmer pokern. Das war meine Hauptbeschäftigung. Leider habe ich beim ersten Mal viel Geld gewonnen. Vielleicht hat man mich auc gewinnen lassen. Das weiß ich nicht. Und so kam ich auf Temperatur wie der Spieler sagt.
Mal habe ich gewonnen, um auf Temperatur zu bleiben. Meistens habe ich verloren, was mich anspornte noch mehr zu spielen.
Irgendwann habe ich dann in den Siebzigern eine Frau kennen gelernt, die prompt von mir schwanger wurde.
Wir wollten das Kind auf jeden Fall. Aber wir wollten nicht unbedingt heiraten. Dafür hatten wir kein Geld.

Diese Rechnung hatten wir allerdings ohne meine konservativen Eltern gemacht. Zusammen mit meinem Patenonkel haben sie uns förmlich gezwungen zu heiraten, obwohl wir es uns wirklich nicht leisten konnten. Das Geld, was wir geschenkt bekommen haben, konnten wir direkt in der Kneipe lassen, in der wir gefeiert haben. Ganz toll.

Meine damalige Frau gab mir damals das Geld, was ich brauchte, um meine Spiel- und Trinkschulden zu bezahlen.Ich kam also wieder problemlos an Geld.

Und dann kam der Lichtblick in unserem Alltag. Ich konnte bei der Berufsfeuerwehr unserer Stadt anfangen zu arbeiten. Ich wurde Beamter zur Anstellung. Dann Beamter auf Probe. Ich habe nicht schlecht verdient, und man glaubt gar nicht, wie leicht es als Beamter ist an Geld zu kommen. Die Banken sind geradezu versessen darauf einem einen Kredit zu geben. Denn ich war ja jetzt Beamter.
Bis zu dem Zeitpunkt, an dem meine Spielsucht wieder die Oberhand gewann. Schulden, Schulden, Schulden! UND DANN DER GRIFF ZU FREMDEM GELD.
Ich war auf einmal kein Beamter mehr.
Ich war jetzt selbständiger Finanzkaufmann der OVB (Objektive Vermögensberatung) Ist das nicht der blanke Hohn? Ich als Finanzkaufmann berate fremde Leute um ihnen alles mögliche zu verkaufen. Und ich war gut im Verkauf. Innerhalb kurzer Zeit habe ich viel Geld verdient. UND AUF DEN KOPF GEHAUEN. BEIM SPIELEN UND MIT FRAUEN. Nur nicht mit meiner eigenen Frau.
Und so kam, was kommen musste. Irgendwann lernte ich ein engelsgleiches Geschöpf kennen und war hin und weg.
Meiner Frau habe ich von einer Minute zur anderen eröffnet, dass ich mich scheiden lasse. Für sie brach eine Welt zusammen. Zusammen mit meiner Tochter, die zu dem Zeitpunkt gerade mal 2 1/2 Jahre alt war, ist sie zu ihrer Schwester ins Rheinland gezogen.

Und da schwante mir Schreckliches. Ich kam auf einmal nicht mehr mit meiner Freundin klar. Und ich merkte, dass ich meine Frau mehr liebte, als ich geglaubt habe, als ich noch meine rosarote Brille aufhatte.
Ich wollte also zurück zu ihr, was allerdings nun gar nicht mehr in ihrem Sinne war.
Statt zu spielen fing ich jetzt das Saufen an. Und im besoffenen Kopp habe ich dann Tabletten genommen.
Auf der Intensivstation bin ich dann irgendwann wach geworden. Auf eigene Verantwortung habe ich das Krankenhaus verlassen.
Zu dieser Zeit habe ich bei einem Kanalservice gearbeitet. Alles Scheiße könnte man sagen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Dann eine neue Chance. Ich hatte ja als Feuerwehrmann eine Ausbildung als Rettungssanitäter gemacht. Und tatsächlich bekam ich eine Anstellung bei einer Hilfsorganisation in Bonn und fuhr Rettungswagen. Eine Woche Dienst. Eine Woche frei. Das war nicht so gut. In meiner Freiwoche habe ich gespielt und getrunken.

Und ich lernte eine neue Frau kennen. Bzw. sie sprach mich in einer Disco an, und es stellte sich heraus, dass sie in meinem Heimatort wohnte.
Wir haben dann beschlossen uns eine Wohnung in Bonn zu suchen und zusammen zu ziehen. Das war 1983, und Bonn war noch Bundehauptstadt und wohnungsmäßig kaum zu bezahlen. Jobs gab es für meine Freundin leider auch nicht. Und so kam es, dass ich in meine alte Heimatstadt zu ihr in die Wohnung gezogen bin.
Es dauerte auch gar nicht lange bis ich wieder das Spielen anfing. Und wer gab mir das Geld für die Schulden????

Genau. Meine Freundin opferte ihre Ersparnisse und bezahlte meine Schulden.

1986 haben wir dann geheiratet und sind leider kinderlos geblieben. Ich habe mal hier und mal dort gearbeitet.

Und dann kam ab 1988 meine Selbständigkeit in der Baubranche. Mein damaliger Geschäftspartner und ich haben Hallen aufgebaut. In ganz Deutschland und im benachbarten Ausland. Es lief gut, und wir haben gutes Geld verdient, von dem mein Partner sich ein Mercedes Cabrio kaufte und bar zahlte. UND ICH?????
Alles auf den Kopf gehauen habe.Beim Spiel. Beim Saufen. Und bei anderen Vergnügungen.

Irgendwann habe ich das Spiel und das Saufen komplett gelassen. Heute bin ich absolut clean.

Außer einer oder zwei großer Macken bin ich clean.

Ich kaufe einfach alles was mir gefällt. Ob das teure Werkzeuge sind, die ich mittlerweile mehrfach habe, oder andere Dinge. Ein Auto, obwohl ich schon eins habe. Und wieder alles auf Pump. Sogar ein Haus haben meine Frau und ich Anfang der Neunziger gekauft. Das ist jetzt bis zum Anschlag belastet. Lieferantenschulden bis zu Abwinken. Und dann betrüge ich meine Frau noch 10 Monate lang mit unserer Mieterin, die mit ihrem Mann und ihrer Tochter zusammen im gleichen Haus wohnt wie wir.

Anfang Januar habe ich dann Schluss gemacht und alles meiner Frau erzählt. Das hat unsere Mieterin auch getan. Sie hat alles ihrem Mann erzählt, und jetzt haben sie die Wohnung gekündigt.

Für meine Frau bin ich gestorben. Wir wohnen zwar noch zusammen, aber das hat finanzielle Gründe.
Wenn ich jetzt in der Gosse lande, muss meine Frau alles allein bezahlen, für was sie mit unterschrieben hat.

UND JETZT ZU MEINER FRAGE:

IST MIR MIT EINER THERAPIE ÜBERHAUPT NOCH ZU HELFEN? ODER FAHRE ICH BESSER VOR DIE WAND?

SO WEIT BIN ICH MITTLERWEILE.

Ich will alle Schulden bezahlen, wenn das auch sehr schwer ist. Vor allen Dingen möchte ich aber nicht meine Frau verlieren. Ohne sie ist das Leben kein Leben.

Wer kann mir einen Rat geben??

Schreibt Klartext. Mitleid hilft mir nicht weiter.

Viele Grüße

DER TAUGENICHTS

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18. Februar 2006 um 0:10

Tacheles
Hallo Taugenichts,

du hast sehr offen und ehrlich deine Geschichte erzählt.
Und bis heute hast du es ja immer irgendwie geschafft, wieder
aus der Sch@isse zu kommen. Ob du es jetzt (dauerhaft) schaffen wirst, ist keine Frage deines Alters, sondern deines Willens.
Und vielleicht auch der Bereitschaft sich Hilfe von aussen zu holen bzw. zuzugeben, dass man Hilfe braucht und diese dann auch anzunehmen. Bei allem was mit Sucht zusammenhängt können das - neben einer Therapie - auch Leidensgenossen sein, die genau wissen, worum es geht, weshalb es so schwer fällt nicht wieder in alte Gewohnheit zurückzufallen.
Ich habe im Internet gesucht und folgendes für Dich gefunden:

Das Suchtportal (und Forum) sonderglocke:

http://www.sonderglocke.de/suchtausstieg/suchtfach-kliniken.html

hier werden auch Erfahrungsberichte gesucht
http://www.sonderglocke.de/suchtberichte/suchtgesc-hichten/sucht_biographie_anonym.html


mehr zu SUCHTBERATUNG NORDRHEIN-WESTFALEN findest Du unter:

http://www.sonderglocke.de/suchtberatung/nordrhein-_westfalen.html

zusätzlich gibt es noch:

http://www.anonyme-spieler.org/neues.htm


Hier gibt es auch Hilfe für deine Frau:

GA-Kontaktstellen
Gamblers Anonymous

GA-Kontaktstelle
Eilbeker Weg 20
D-22089 Hamburg
(040) 209 90 09
Mo-Fr 19:00-21:00
kontaktstelle.ga-Hamburg@t-online.de
http://www.ga-anonyme-spieler.de
GA-Kontaktstelle
Rosenweg 5
65760 Eschborn
kontakt@anonyme-spieler.org

GamAnon
(Anonyme Angehörige von Spielern)
Eilbeker Weg 20
D-22089 Hamburg
(040) 209 90 09
Mo-Fr 19:00-21:00
kontaktstelle.ga-Hamburg@t-online.de
http://www.gamanon.de


Und ein für dich vielleicht etwas ungewöhnlicher
"Einstieg in den Ausstieg":

Mit ZEN zur geistigen Freiheit

Spirituelle und therapeutische Techniken
zur Überwindung von Abhängigkeiten von Mel Ash
Beschreibung
Mel Ash, Zen-Meister und trockener Alkoholiker, stellt in diesem Buch einen außergewöhnlichen Ansatz vor, der Betroffenen hilft, sich nachhaltig von Süchten und Abhängigkeiten zu befreien: mit der fernöstlichen Praxis des Zen und dem Konzept der Anonymen Alkoholiker. Anschaulich und leicht verständlich beschreibt er, wie es gelingt, mit ehrlichem Blick das eigene Tun zu bewerten, sich die persönlichen Probleme bewusst zu machen und schließlich den Weg zur geistigen Freiheit zu gehen.
Mit Zen zur geistigen Freiheit

Mensch Taugenichts, nach dem was Du geschrieben hast, bist du ein Mensch, der Power für zwei hat. Du hast sehr viel Bockmist gebaut und bist dabei es einzusehen und zu bereuen.
Wenn Du all das zusammenfasst und wirklich ehrlich bereit bist an Dir zu arbeiten und dir helfen zu lassen, kann es klappen.

Gaaanz viel Rückenwind & alles Gute!






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