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Verzweiflung als Erwachsene wg. kranken Eltern (gr. Entfernung)

23. September 2016 um 0:57

Hallo ihr Lieben,

Ich leide aktuell unter sehr großem psychischem Druck. Ich (27) komme gerade von einem mehrtägigen Besuch meiner Eltern zurück. Mein Vater ist seit ca. drei Monaten in eine sehr schwere Depression verfallen, meine Mutter hat vermutlich auch dadurch nach ca. 2,5 Jahren Abstinenz wieder mit dem Trinken begonnen bzw. ist auf altem hohen Niveau.

Mein Vater hat bereits einen Platz in einer Tagesklinik abgesagt u. ob er den Termin in einer stationären Klinik nächste Woche Do. in Anspruch nehmen wird, ist stark zu bezweifeln. Meine Mutter verleugnet ihr Alkoholproblem. Sie ist aggressiv, launisch, lügt, erfindet Dinge - zeigt eben alle Symptome, die jahrelange Trinker so haben. Mein Vater war tendenziell immer etwas depressiv u. seit ich denken kann in psychatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung.

Nun hat sein Zustand aber ein neues Tief erreicht. In den fünf Tagen die ich dort verbracht habe, habe ich ihn nicht wiedererkannt. Nervös ist kein Ausdruck. Er ist unfähig längere Zeit zu sitzen. Ist fast apatisch. Er macht zwangsartige schmatzende Geräusche. Er hat schätzungsweise zehn Kilogramm abgenommen. Auffallend ist, dass er nahezu unfähig ist Entscheidungen zu treffen. Er benötigt ca. fünf Minuten einen Brief zu öffnen u. ich habe versucht mit ihm Kleidung für die Klinik einzukaufen. WIr haben es auch geschafft aber danach hat er gegrübelt, ob es die richtige Entscheidung war etc.

Meine Eltern tuen sich nicht gut. Meine Mutter redet den ganzen Tag auf meinen Vater in aggressivem Ton ein und er ist nur nervös. Er schläft nur noch mit Schlaftabletten.

In der Zeit, die ich dort verbracht habe, habe ich versucht Büroarbeiten zu machen. Die Steuererklärung eingereicht. Versicherungsanträge abgeschickt, notwendige Überweisungen gemeinsam mit meinem Vater erledigt. Meine Mutter ist nicht in der Lage u. hat auch kein Interesse an jeglichen Dingen, die schriftlich / bürotechnisch erledigt werden müssen.

Mein Vater sprach auch über Scheidung mit mir aber er hätte keinen Ehevertrag u. fürchtet um hohe Zahlungen.

Ich bin absolut überfordert mit der Situation. Ich habe es kaum ausgehalten im Haus zu Übernachten. Jedes Gespräch, egal welches Thema, endet im Streit u. ist ziellos. Es macht mich kaputt meinen Vater so zu sehen. Bei meiner Mutter bin ich dieses Bild mein fast ganzes Leben gewöhnt u. das Mitleid hält sich dadurch in Grenzen bzw. bin ich hier etwas abgestumft auch wenn das eventuell herzlos klingt aber mein Vater war zwar nie der Starke, hat aber immer den Mast noch halbwegs grade gehalten.

Ich bin auf den Rat einer Therapeutin, nach meinem Abitur von zu Hause ausgezogen (ca. 300 km entfernt). Damals was meine Mutter auch schwer alkoholkrank u. ich habe die Situation nicht ertragen bzw. konnte nicht verstehen wieso mein Vater sich nicht scheiden lässt. Nun zehn Jahre später, nach ca. drei jähriger "Ruhephase" scheint sich alles zu wiederholen nur auf einem neuen Level ohne "Mast". Ich bin am Ende.

Ich habe mehrere psychotherapeutische Praxen in der Stadt angerufen aber sie nehmen keine neuen Patienten. Nun habe ich ein Informationsgespräch an einer Zweigstelle der Uniklinik u. so wie ich verstanden habe, wird dort mein Problem eingeschätzt u. dann bekomme ich eventuell einen weiterführenden Termin.

Ich spreche mit Freunden aber ich fühle mich nicht im nötigen Maß verstanden. Meine Eltern rufen mich seit meiner Rückkunft (ca. 700km Entfernung) jeden Abend an u. ich bin ratlos u. werde aggressiv. Es ist kein normales Gespräch möglich. Ich habe mit dem Psychologen meines Vaters gesprochen u. er hat mir offen gesagt, die Situation sei "Scheiße" u. er sei ebenfalls ratlos. Er würde nicht daran glauben, dass mein Vater in die Klinik gehe. Dann Schweigen.

Meine Eltern haben bis auf nachbarschaftliche Kontakte, immer schon sehr eigen, gar zurückgezogegn gelebt. Es gibt eine Art Familienfreund der auch meinen Vater in die Klinik fährt u. dafür Urlaub genommen hat aber zwingen wird er ihn auch nicht können. Ich fühle mich schlecht weil ich die Situation nicht ertrage. Ich halte es noch nicht mal im Haus aus. Ich zwinge mich an das Telefon zu gehen aber es ist nicht zielführend u. ich habe das Gefühl es macht es nur noch schlimmer. Ich brauche Hilfe. Ich gehe zur Arbeit um mich abzulenken. Ich treffe Freunde um mich abzulenken. Ich habe das Gefühl, dass bald etwas Schlimmes passiert u. ich habe noch nicht mal so viel Angst davor. Diese Situation muss ein Ende finden.

Hat jemand noch ein Hilfsangebot für mich oder gar ähnliches erlebt?

Dank, Nia

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