Home / Forum / Psychologie & Persönlichkeit / Ängste, Phobien und Stress / Verlustängste gegenüber Eltern

Verlustängste gegenüber Eltern

12. Januar 2011 um 6:21 Letzte Antwort: 27. Juni 2011 um 18:22

Hallo ihr Lieben

Ich kenne das Forum zwar schon länger aber jetzt hab ich mich entschieden mich hier mal anzumelden weil mir etwas auf dem Herzen liegt. Ich hoffe ich bin hier richtig mit meinem Beitrag, sonst bitte einfach verschieben!

Naja, also wie schon der Titel sagt plagen mich seit etwa zwei Jahren extreme Verlustängste was meine Eltern anbelangt.

Vor zwei Jahren bin ich von daheim ausgezogen, mit meinem damaligen Freund zusammen. Ich habe es zuhause nicht mehr ausgehalten, meine Eltern und ich hatten kein gutes Verhältnis mehr. Haben uns oft gestritten und überhaupt hatte ich einfach keinen Bock mehr ständig kontrolliert zu werden - ich wollte auf eigenen Beinen stehen. Damals war ich gerade kurz vor meinem 19. Geburtstag. Dazu kam noch, dass meine Eltern meinen damaligen Freund nicht ausstehen konnten. Ich musste ihn immer besuchen an den Wochenenden. Bin mehr als ein Jahr immer hin und her gependelt, und das bei einer Stunde Zugfahrt. Bei mir zuhause war er innerhalb dieses Jahren nur zweimal.

Nachdem ich dann ausgezogen war herrschte zwischen meinen Eltern und mir ziemliche Funkstille. Ich konnte mich auch nicht richtig verabschieden. An dem Tag, an dem ich das Haus verlassen habe, dachte ich, ich käme sowieso in ein paar Tagen wieder, um den Rest zu holen. Aber das war nicht der Fall. Ich war nach dem Auszug mehrere Wochen nicht mehr daheim.

Der Kontakt baute sich dann aber allmählich wieder auf. Wir verstanden uns wieder super, und meine Eltern waren auch meinem Exfreund nicht mehr so abgeneigt. Sie halfen uns immer wo sie nur konnten und wir besuchten sie viel. Auch mit meinem Bruder hatte ich sehr viel Kontakt zu der Zeit. Er hat mich sehr vermisst.

Jedenfalls ging die Beziehung dann in die Brüche und ich zog aus der gemeinsamen Wohnung aus, nach nur einem Jahr. Meine Eltern halfen mir eine neue Wohnung zu finden (zurück nach Hause wollte ich nicht, und sie auch nicht) ganz in der Nähe von ihnen. Sie halfen mir finanziell aus und unser Kontakt war besser denje.

Etwa ein halbes Jahr später lernte ich meinen jetztigen Partner kennen. Er zog bei mir ein, wir lebten ein halbes Jahr in meiner Wohnung und sind letztes Jahr im Oktober in unsere erste gemeinsame Wohnung gezogen. Der Kontakt zu meinen Eltern ist immernoch sehr gut, wenn auch weniger geworden. Wir haben jede Woche Kontakt, aber ich merke dass ich nicht mehr viel von ihrem Alltag mitbekomme. Mein Bruder ist in der Pubertät, von dem muss man sowieso nicht viel wollen im Moment. Auch wenn ich bestimmt immer für ihn da bin, und das weiss er auch.

Und nun zu meinem eigentlichen Problem... Seit ich auf eigenen Beinen stehe, leide ich unter extremen Verlustängsten was meine Familie betrifft. Alles was meine Eltern, insbesondere meine Mutti mir je geschenkt hat, darf niemand anders anfassen, berühren, verschieben, wegschmeissen, ein böses Wort drüber verlieren - es ist mir alles heilig. Jedes Jahr an Weihnachten oder an meinen Geburtstag, wenn ich eine liebe Karte bekomme, rührt es mich zu Tränen. Selbst wenn ich von meinem Papa Geld bekomme zu Weihnachten, ich bringe es kaum übers Herz das Geld auszugeben, weil es ist ja von ihm!!
Ich kann mir vorstellen, dass meine Eltern einmal nicht mehr da sind. Manchmal glaub ich, ich dreh vollkommen am Rad... Es bringt mich jedesmal sofort zum weinen. Ich habe nicht oft solche Anfälle, aber doch immer wieder, die ganzen zwei Jahre schon. Habe letztens ein Shirt gefunden, mit meinen Babyfüsschen drauf. Meine Mutti hat es mit Farbe gemacht als ich klein war. Ich habs sofort angezogen und musste losheulen.

Ich muss dazu sagen dass ich meinen Eltern, vorallem meiner Mutter in meiner Pubertät oft das Leben zur Hölle gemacht habe. Ich war ständig auf der Suche nach mir selbst, und hab heftig rebelliert. Heute tut mir das alles so Leid. Dass ich sie so oft zum weinen gebracht habe. Ich weiss dass meine Mutti mir längst verziehen hat, sie war ja schliesslich auch mal jung. Trotzdem komme ich nur schlecht damit klar.

Ich weiss wirklich nicht mehr weiter... Bislang habe ich mich auch nicht getraut mit jemanden, auch nicht mit meinem Partner, der mir bei allem beisteht, darüber zu reden. Schon gar nicht mit meinen Eltern. Ich glaube zwar es schonmal erwähnt zu haben, beiläufig, und meine Mutti hat es dann abgetan und gesagt, ich solle aufhören, es sei doch alles gut...

Ich hoffe jemand kann mir ein paar Tipps geben... oder Erfahrungen mitteilen. Vielleicht auch per Mail.
Schonmal danke im Voraus, wenn sich jemand die Zeit nimmt meinen Monstertext zu lesen...

Mehr lesen

10. Februar 2011 um 13:12

Vielen dank..
ich dachte schon es liest gar niemand mehr was ich geschrieben habe..

ich war erst gestern wieder bei ihnen.. im moment geht es mir eigentlich super, und wir hatten auch schon die letzten woche eine wirklich tolle zeit.. meine mutti hat mir gestern die haare gemacht und nachdem ich und mein schatz gegangen sind haben wir uns noch hin und her gesimst wie lieb wir uns haben
und im mai flieg ich zusammen mit meinem freund, meinem vater und meinem kleinen bruder in den urlaub. ich freu mich schon

ich bin wirklich froh bin ich nicht die einzige die manchmal solche phasen hat..
wie gehst denn du damit um, mit deiner angst die eltern zu verlieren? hast du permanent angst oder manchmal einfach nur wie ich so ein "loch"? :S

1 LikesGefällt mir
27. Juni 2011 um 18:22

Mir gehts ganz genau so!
Hallo Wiebli!
Ich war gerade so froh deinen Beitrag zu lesen!
Was du beschreibst kenne ich nur zu gut. Ich habe ab und zu extreme Angstattacken meine Mutter zu verlieren. Der Gedanke, dass sie irgendwann nicht mehr leben wird ist für mich kaum auszuhalten. In solche Momenten steigen mir auch automatisch die Tränen in die Augen (sogar wenn ich gerade in der Uni in einer Vorlesung sitze - ich muss mich dann immer sofort angestrengt auf etwas anderes konzentrieren.)

Ich bin 24 und wohne bereits seit 2 Jahren nicht mehr bei meinen Eltern. Anfangs habe ich noch in der gleichen Stadt gelebt, doch seit einem dreiviertel Jahr lebe ich mit meinem Freund in einer anderen Stadt, vier Stunden von meiner ehemaligen Heimat entfernt.
Kurz nach meinem Auszug von zu Hause trennte sich meine Mutter von meinem Vater. In dieser Zeit habe ich sie unterstützt wo ich nur konnte. Im Nachhinein betrachtet glaube ich, dass und diese Zeit extrem zusammengeschweißt hat. Meine Mutter steht bei mir an aller erster Stelle. Wie in deiner Beschreibung ist mir alles heilig, was in entferntester Weise mit ihr zu tun hat (Fotos, Geschenke, aber auch unwichtige Gegenstände, die mich einfach nur an eine Situation mit ihr erinnern). Wenn ich allein bin und eine Geburtstagskarte oder einen netten Brief von ihr lese breche ich vor Rührung sofort in Tränen aus...Ich bin furschtbar melancholisch und übertrieben sensibel sobald es um sie geht.

Dieser Zustand hat sich nun noch verschlimmert, da im vergangenen Jahr sowohl mein Opa als auch meine Oma (mütterlicherseits) gestorben sind. Ich habe die Trauer über meine Großeltern bereits relativ gut überwunden, doch seither plagen mich immer wieder bedrückende Gedanken über das Sterben an sich und den Verlust von geliebten Menschen. Genauergesagt denke ich einfach viel zu viel darüber nach wie viel Zeit meiner mir mit meiner Mutter bleibt (immer wieder rechne ich nach wieviele Jahre sie noch leben wird, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht.

Ich würde mich selbst eigentlich als einen sehr positiven, optimistischen Menschen bezeichnen. Auch meine Freunde ahnen nichts von dem, was in meinen Gedanken vor sich geht. Ich bin auch glücklich mit meinem Freund, meinem jetzigen Wohnort und meiner derzeitigen Lebenssituation.
Trotzdem denke ich immer wieder darüber nach, dass all die Zeit, die ich hier verbringe verlorene Zeit ist, die ich nie wieder mit meiner Mutter verbringen kann. Ich habe nicht das Bedürfnis sie jeden Tag zu sehen, aber ich wünsche mir einfach, dass unsere Treffen wieder ein regelmäßiger (selbstverständlicher) Teil meines Alltags sein könnten.
Im Augenblick sehen wir uns etwa alle 2 bis 3 Monate mal für ein Wochenende.

Ich bin mir sicher, dass viele Menschen das Gefühl von Heimweh und Sehnsucht nach den Leuten in ihrer Heimat kennen. Doch bei mir ist es anders... es ist eine Angst davor sich irgendwann gar nicht mehr sehen zu können und dass man dann das Gefühl hat, man hätte die Zeit gemeinsam mehr nutzen sollen.

Ich wünsche mir einfach, dass ich die Zeit mit meiner Mutter wieder gelassen genießen kann, ohne ständig darüber nachdenken zu müssen, dass das irgendwann nicht mehr geht.
Ich habe bereits darüber nachgedacht ein paar Sitzungen bei einer Terapeutin in ANspruch zu nehmen. Ich glaube, dass es vor alle, hilft darüber zu sprechen. So kann man viele Gedanken einfach aussprechen und verhindern, dass sie weiterhin im Kopf rumspuken.

Ich hoffe, dass du meine Antwort noch liest, obwohl dein Beitrag schon etwas älter ist. Doch wenn nicht hat es gut getan zu lesen, dass es jemandem außer mir genauso geht!
Ich würde mich über eine Antwort freuen!

Gefällt mir
Teste die neusten Trends!
experts-club
Magic Retouch
Magic Retouch
Teilen