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Vergewaltigung und Karma

3. Juli 2014 um 18:24

Liebe gofeminin community,

dies ist mein erster Beitrag überhaupt, ich habe mich dafür mit einer neuen email angemeldet. Dieses Forum habe ich über google gefunden und muss nebst meiner eigenen Geschichte auch ein paar generelle Dinge loswerden. (Wenn das ganze bla bla jemanden nicht interessiert, die Moral der Geschichte ist nach den Leerzeichen zusammengefasst)

1. Die Anmeldung mit den sogenannten Captcha's ist eine Zumutung. Nach einer zweistelligen Anzahl an Versuchen, den Mist zu entziffern der mir da angedreht wird, habe ich es irgendwann geschafft, richtig zu raten, was da steht. Das habe ich schon benutzerfreundlicher in anderen Foren gesehen. Ich war kurz davor einfach drauf zu pfeifen und das will etwas bei der Ernste des Thema's bedeuten.

2. Mir ist aufgefallen dass die Antworten auf Vergewaltigungserfahrungen sehr generisch und täter-distanziert sind. "Geh zur Polizei", "Du armes Ding". Das fasst wohl alles zusammen. Wenn ich angehender Vergewaltiger wäre, würde ich mir in diesem Forum meinen Mut anlesen, das mag hart klingen, trifft es aber leider.

Zu meiner Geschichte:

Ich bin jetzt 24, vergewaltigt wurde ich von zwei Männern im Alter von 22 Jahren. Ich war/bin Studentin und arbeite nebenbei als Fotomodell für kleine Projekte, was ich auch auf facebook bewerbe. Meine geschätzten Vergewaltiger haben mich zu einer Fotosession mit Aussicht auf gutes Geld eingeladen, ich bin dann dort hin (sie haben ein Fotostudio, das habe ich überprüft zuvor) und wie man sich den Rest denken kann, wurde dort über 4 Stunden in Handschellen vergewaltigt, während die Täter das offenkundig sehr genossen und sich damit Zeit ließen. Fotos haben sie dann auch gemacht, aber nur um mir zu drohen dass die Bilder an meine Familie gesendet werden und auf facebook, sollte ich zur Polizei gehen. Da ich kein Interesse daran hatte, dass meine Familie Bilder von mir mit diversen Dingen in meinen Körperöffnungen sieht, während mein Gesicht von Sperma dekoriert war, habe ich das erst einmal so hingenommen (dieser satirische Ton ist gewollt, er ist mehr von Wut als von Humor begleitet, aslo keine Sorge, aber Zynismus liegt mir seit der Kindheit).
Ein halbes Jahr verging und ich habe die elende Selbsthinterfragungs- und Selbstmitleidsgeschichte mitgemacht, ohne jemandem etwas davon zu erzählen. Dann erzählte ich es meiner Freundin, welche mit mir schon immer darin konkuriert hat, wer das größere Ego hat. Entgegen meiner Erwartung kam sie mir nicht mit der leidigen "du armes Ding" - Nummer. Das erste was sie mich fragte war: "Wer sind die Männer?" Nachdem sie mir bei unserer Freundschaft schwören musste, nichts zu unternehmen, erzählte ich es ihr. Seit diesem Tag, für ein weiteres halbes Jahr, hat sie jedes Mal beim Aufkommen des Themas (was sie auch selbst angesprochen hat) über die beiden Feiglinge hergezogen. Ich kann hier locker 1000 Wörter darüber schreiben wie sie es schaffte, mein Selbstmitleid in Wut umzuwandeln. In mir begann es zu brodeln, da meine Gedanken an die Vergewaltigung mein Leben einschränkten und ich das als selbstbewusster Mensch nicht hinnehmen wollte. Unsere Stadt hat 100.000 Einwohner, ich begegnete einem der Feiglinge nach dieser Zeit im Kaufladen. Ich war alleine und wie erstarrt, dann kam es zum Blickkontakt. Nicht eine Sekunde hielt er diesen Aufrecht sondern ging schnell weiter. Das habe ich nicht erwartet. Aus irgend einem Grund gab mir diese Sekunde mehr Mut als 1000 Gespräche zuvor. Seine Schwäche zu sehen, seine Erbärmlichkeit im normalen Umfeld. Ich stand an der Kasse genau hinter ihm und er bemerkte, wie ich ihn anstarrte (nicht grimmig, eher neutral, den Kopf etwas geneigt als wollte ich besser hören), als er sich zur Kassiererin umdrehte. Auch hierzu könnte ich Unmengen schreiben, was in meinem Kopf los war und was dieser Moment mit mir gemacht hat, aber das Internet hat nicht viel Geduld, soviel weiß ich als Nutzer selbst.
Unter dem Strich ging in meinem Kopf folgendes vor, nachdem unser romantisches Wiedertreffen gelang:
1 Jahr lang depressionsasrtige Minderwertigkeitskomplexe wegen einem so erbärmlichen Stück Scheisse? Ich war noch nie so wütend auf einen Menschen wie in diesem Moment auf dem Fahrrad nach dem Einkauf. Ich wollte Vergeltung, so einfach und ich dachte an die Opfer nach mir, die ich zu keinem Moment im Gedächtnis hatte, weil ich mit Selbstmitleid beschäftigt war. Das sagte ich meiner Freundin, die mir das Telefon bereits hinhielt, um die Polizei zu verständigen.
Hier ist nun mein kleines Problem: Ich empfand den Prozess, die Täter über eine Verhandlung VIELLEICHT ins Gefängnis zu befördern sehr unbefriedigend. Ich weiß nicht wie Freiheitsentzug bei anderen Frauen rüberkommt, aber ich halte die Justiz ohnehin für inkompetent und täterschonend. Aber was bleibt einem anderes übrig?
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Hier kommt etwas ins Spiel was ich als "Karma" bezeichnen würde und die Moral meiner Geschichte bildet. Ein paar Wochen später ereignete sich ein Unfall am Tatort meiner Vergewaltigung. Zwei schwerverletzte Männer, die in einem Fotostudie arbeiteten, wurden in die Notaufnahme gebracht. (Da ich anonym bleiben möchte werde ich nicht den Artikel verlinken) Das Motiv war Diebstahl, so wurde von der Polizei angegeben. An die Täter konnte man sich nicht erinnern. Was sich aber im Volksmund erzählt wird, ist deutlich spannender: Man munkelt (Kneipentratsch halt), dass die Täter mit Elektroschockern und Pfefferspray die beiden Männer in ihre Wohung gedrängt haben, diese mit Handschellen bewegungsunfähig gemacht haben und sie genital verstümmelt haben. Man stelle sich das Bild eines Mannes mit seinem eigenen Penis auf dem Kopf vor, der gesagt bekommt, dass die Bilder an seine Familie gehen wenn er der Polizei etwas erzählt. Hätte ein anonymer Anruf nicht die Polizeit verständigt, wären die beiden armen Fotografen wohl verstorben, *heul*.

Seitdem ich diese Neuigkeiten gehört habe, was mich doch sehr überraschte (welch ein schicksalhafter Zufall), geht es mir so gut wie schon lange nicht mehr. Ich habe kein Gefühl der Minderwertigkeit mehr, keinen Zorn, nur die direkte Erinnerung an meine Vergewaltigung schmerzt noch.
Was kann ich anderen Frauen empfehlen, nachdem ich zurückblicke? Vergewaltiger sind die schwächsten Männer! Sie fühlen sich groß wenn du klein bist, aber sie sind zu feige, wenn du stärker bist. Ich weiß nicht welche Befriedigung die juristische Gerechtigkeit mit sich bringt, noch will ich irgend jemanden dazu aufmuntern Selbstjustiz walten zu lassen. Aber wenn man die Schuldgefühle erst einmal in Hass umwandelt, wird vieles einfacher. Was dann passiert ist der Phantasie zu überlassen.

Tschüss

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3. Juli 2014 um 20:41

Hm...
Hass mag sich sicher befreiend anfühlen angesichts einer solchen Situation. Aber Du solltest nicht vergessen, dass es auch Hass war, der die Täter dazu gebracht hat, sich durch Deine Vergewaltigung zu "befreien". Das mag jetzt erstmal seltsam klingen, aber wenn man nicht von vorneherein ein extremes Defizit hat, macht man sowas wie eine Vergewaltigung nicht. Das ist selbstverständlich keine Rechtfertigung für die Täter. Aber es sollte eine Ermahnung sein für dich, dich nicht durch ihre Bosheit auf ihr Niveau zu begeben. Hass führt dazu, dass sich Gewalt fortpflanzt.

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3. Juli 2014 um 22:16
In Antwort auf viorel_12910638

Hm...
Hass mag sich sicher befreiend anfühlen angesichts einer solchen Situation. Aber Du solltest nicht vergessen, dass es auch Hass war, der die Täter dazu gebracht hat, sich durch Deine Vergewaltigung zu "befreien". Das mag jetzt erstmal seltsam klingen, aber wenn man nicht von vorneherein ein extremes Defizit hat, macht man sowas wie eine Vergewaltigung nicht. Das ist selbstverständlich keine Rechtfertigung für die Täter. Aber es sollte eine Ermahnung sein für dich, dich nicht durch ihre Bosheit auf ihr Niveau zu begeben. Hass führt dazu, dass sich Gewalt fortpflanzt.

Also...
Täter vergewaltigen in der Regel nicht, weil sie damit ihre eigenen Unzulänglichkeiten bewusst oder unbewusst kompensieren wollen. Es ist eine simple Machtausübung, die gesellschaftlich vor allem beim männlichen Geschlecht anerzogen wird. Ich kann mich nicht dazu hinreißen lassen, Vergewaltiger als Opfer ihrer Vergangenheit anzusehen, wenn sich Gruppen von jungen Männern an Mädchen vergehen, sich dabei anfeuern, das Opfer auslachen und ihre Dominanz zur Schau stellen. Dazu bedarf es mit Sicherheit keiner Defizite im Privaten.
Das sind keine Opfer, es sind Leute die über die Gefühle anderer hinwegsehen und ihre eigene Lust, gesteigert durch die Machtausübung, befriedigen.
Also bitte, erzähl mir nichts vom Vergewaltiger, dem Opfer. Ich weiß deine Anteilnahme an meinem ehemals hassefüllten Dasein zu schätzen, aber mit der (angeblichen) Kastration dieser Schweine ist der Hass auf mysteriöse Art und Weise verschwunden. Wir können es auch gerne als Wut deklarieren, falls dies motivierender wirkt.
Hass, Wut, Zorn, Rache --> das alles ist um ein vielfaches besser als das Selbstmitleid, dass hier nur allzu oft unterstützt wird.
Ich hoffe das mein Anliegen hier klar rüberkommt: Ich habe selbst mit der Geschichte abgeschlossen, bin verliebt in einen Mann (ich bin absolut keine Männerhasserin, ich mag sogar dominante Brummbären wie den meinen) und denke über die ganzen, häufig minderjährigen, Mädchen nach wie sie die Vergewaltigung ertragen müssen und hier gesagt bekommen wie schlimm das sei und dass sie doch zur Polizei gehen sollen.
Liebe Mädels, ihr könnt euch selbst helfen. Wenn ihr nicht zur Polizei geht, dann beißt ihm beim nächsten Mal seinen verdammten Schwanz ab, er wird sicher nicht mehr dominant sein, da er mit Bluten beschäftigt ist. Er wird euch auch bestimmt nicht anzeigen, da er erstens mit Bluten beschäftigt ist und zweitens die Sache recht schnell umgedreht wird, da ihr das Opfer seid.
Körperliche Überlegenheit bedeutet nicht mehr viel, wenn man auf eine Situation vorbereitet ist. Es ist euer gutes Recht, mit Gewalt auf Gewalt zu antworten.

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