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Vergewaltiger Angezeigt..und wie geht es weiter?

14. November 2009 um 19:35 Letzte Antwort: 7. Januar 2010 um 23:57

ich habe es endlich geschafft meinen exfreund, der mich 1 jahr lang vergewaltigt hat anzuzeigen. nächste woche habe ich eine vorladug bei der polizei.
kann mir jemand sagen was da auf mich zukommt, und wie es danach weitergeht?

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16. November 2009 um 11:03

Aussageverhalten
Hallo,

zunächst einmal tut es mir sehr leid, was Dir Dein Ex-Freund angetan hat.

Das wichtigste bei Deiner Aussage über das Erlebte ist, dass Du einfach die Wahrheit sagst und dabei möglichst detailiiert, so gut Du kannst, sagst, was passiert ist, was er mit Dir gemacht hat, wie Du Dich verhalten hast. Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass dies sicher sehr sehr schwer für Dich ist.

In Vergewaltigungsfällen kommt es sehr sehr stark auf die Glaubwürdigkeit an. Je detaillierter eine Aussage ist, desto glaubwürdiger ist sie für eine Person, die nicht dabei gewesen ist. Versuche dabei so gut es geht sachlich zu bleiben. Natürlich darfst Du auch Gefühlsregungen zeigen, etwa einen, wenn Du während Deiner Aussage das Bedürfnis hierzu hast.

Zu der Tatsache, dass Du ein Jahr bei ihm geblieben bist, wirst Du sicher gefragt werden. Bereite Dir hierzu eine möglichst gute Antwort vor. Es kommt oft vor, dass Vergewaltigungsopfer sich nicht gleich von ihrem Partner, der sie vergewaltigt hat, trennen. Damit meine ich, dass Du keine Angst davor haben musst, dass Dir deswegen nicht geglaubt werden könnte.

Wenn Du Beweise hast für die Vergewaltigungen benenne sie unbedingt. Vielleicht warst Du ja mal nach einer solchen Tat beim Arzt, wenn ja, gib seinen Namen an. Wenn Du irgendjemandem von seinen Taten erzählt hast möglichst zeitnah gib deren Namen und Adressen an. Gib auch die Namen von Personen an, die Dich vielleicht mal in schlechtem Zustand gesehen haben nach einer Tat, auch wenn Du diesen nicht gesagt hast, was passiert ist.

Es ist möglich Dir weitere Ratschläge zu geben. Allerdings müsste man dazu mehr wissen, was genau passiert ist, wobei ich verstehe, dass es Dir sehr schwer fällt hierzu was zu sagen. Wenn Du dies nicht möchtest, ist es völlig in Ordnung, denn es geht um Dich, so dass es allein Deine Entscheidung ist, ob Du mehr sagen möchtest oder nicht.

Viele Grüsse

smartie

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7. Januar 2010 um 22:22

Zum Ablauf nach der Anzeige
Also ich habe den Täter meiner Vergewaltigung vor etwas über einem Jahr angezeigt..
Ich bin zur Polizei gegangen und hab da meine Aussage gemacht, die auch gleich aufgezeichnet wurde..
Das wurde dann an die zuständige Staatsanwaltschaft weitergeleitet, die dann ihn und weitere Zeugen (Seine Frau = meine Cousine, meine Schwester und meine Cousine, die etwas zu dem Abend sagen konnten) angeschrieben hat.
Nun im Dezember (13 Monate nach der Anzeige) kam es dann zur Hauptverhandlung. Es wäre vermutlich schneller gegangen wenn der Fall aktueller gewesen wäre, aber da der Vorfall nun schon 3 Jahre her ist haben die erst dringendere Sachen vorgezogen.
Bei der Hauptverhandlung mussten dann er, ich und die anderen Zeugen aussagen.. Dann wurde die Sitzung aber vertagt, weil noch 2 weitere Zeugen geladen werden sollten. Die Fortsetzung fand dann vor 2 Tagen statt, und ich hatte grosse Hoffnung, dass endlich das Urteil gefällt wird und ich damit vielleicht damit abschliessen kann, aber so war es nicht. Sein Anwalt beantragte ein sog. Glaubwürdigkeitsgutachten ("Aussagepsychologisches Gutachten") da muss ich dann also demnächst hin, und dann wird die Verhandlung nochmal ganz von vorne begonnen.

Was ich damit sagen will ist, dass du dich auf eine lange Tortour einstellen solltest, und auch darauf, dass evtl. noch ein Gutachten von dir erstellt werden muss, gerade wenn es keine konkreten Beweise (wie ein Arztbericht o.Ä.) gibt.
Ich hoffe sehr für dich, dass das bei dir alles schneller durch ist als bei mir.
Liebe Grüe und Alles Gute, Pieps

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7. Januar 2010 um 23:57

Such Dir bitte Begleitung
Hallo!

Zunächst einmal von mir mein volles Mitgefühl, für das was Du durchgemacht hast und das was noch vor Dir liegt.

Ich hoffe, Du bist nicht sauer, wenn ich Dir sage, dass ich Dir sage, dass ich selber als Sozialpädagoge eine Zeit lang in einer Jugendstrafanstalt mit Sexualstraftätern gearbeitet habe und aus dieser Warte einen gewissen Einblick bekommen habe, was das bedeutet.

Aus meiner Erfahrung kann ich bestätigen, dass Opfer, die den Mut haben, die Täter anzuzeigen einen verdammt schweren Weg vor sich haben. Es hat sich erwiesen, dass es unter Umständen zu einer s. g. "sekundären Viktimisierung " kommen kann. Das heißt man wird nach der eigentlichen Tat (primäre V.) durch das ganze erneute Aufarbeiten und im Prozess öffentlich machen ein zweites Mal in seiner Opferrolle bestätigt. Und vor diesem Hintergrund kann ich Dir nur dringend raten, Dich in diesem Prozess professionell begleiten zu lassen!

Ich weiß leider nicht wo Du lebst. Daher gebe ich mal einen niedersächsischen Tipp: In Niedersachsen gibt es in jeder Stadt, die Landgerichtssitz ist (Hannover, Hildesheim, Bückeburg, ...) ein Opferhilfebüro. Deren Mitarbeiter werden vom Land Niedersachsen bezahlt - es kommen also keine Kosten auf die Hilfesuchenden zu, außer eventuellen Fahrtkosten. Aber die sollten es Dir wert sein. Meine Erfahrung ist, dass dort sehr, sehr engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sitzen, die auf genau solche Fälle (Opfer von Sexualstraftaten) vorbereitet sind und genau wissen, wie sie helfen können.
Neben der direkten Hilfe und Begleitung während des Prozesses und weit darüber hinaus hat dieser Kontakt noch einen weiteren Vorteil: Das Niedersächsische Gesetz sieht im Rahmen des Opferschutzes vor, dass Opfer von Sexualstraftaten rechtzeitig vor einer Entlassung des Täters aus der Haft nach Strafverbüßung bzw. Therapieabschluss über die Entlassung informiert werden. Leider haben die Mitarbeiter im der JVA oft kaum hinweise darauf, wo und wie man das Opfer erreicht. Auch ist es nicht gewollt, dass Betroffene keinen Kontakt zu den Menschen wünschen, die mit den Tätern arbeiten. Und dann kann das Opferhilfebüro hier vermitteln. Das dürfen die allerdings nur, wenn sich die Betroffene vorher bei denen gemeldet hat.
Ich weiß es nicht, kann mir aber gut vorstellen, dass es diese Büros auch in anderen Bundesländern gibt.
Ansonsten ist auch der "Weiße Ring e.V." ein deutschlandweit aktiver Opferhilfeverein, der in diesem Bereich eine Menge Erfahrung hat.

Ich wünsche Dir für Deine Zukunft ganz viel Stärke und Begleitung!

Falls Du noch Fragen hast, kannst Du mich gerne Kontaktieren!

Grüße!!!

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