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Verbittert und gescheitert...

23. Juli 2012 um 13:22

Hallo liebe Foris!

Ich habe mich hier angemeldet weil einfach so viel in meinem Kopf herumschwirrt, und ich Angst habe, mich vor meinen Mitmenschen bloßzustellen, wenn ich Ihnen mein Herz ausschütte. Auf diese Weise hoffe ich auf junge Menschen zu treffen die Ähnliches erlebt haben, und wissen, wie man damit leben kann.

Ich beginne einfach mal zu erzählen, und hoffe man kann mir folgen.
Ich bin 20 Jahre alt. Meine Eltern haben sich getrennt als ich noch sehr klein war, aufgrund der langen Arbeitszeiten meiner Mutter und der fehlenden Fürsorge meines Erzeugers war meine Mum gezwungen, mich zu meinen Großeltern zu geben.
Aber auch diese starben sehr früh.
Auch sämtliches anderes Glück das ich kannte zerbrach nach und nach, meine Cousine die wie eine Schwester war, war nun alt genug und begann mit ihrem Freund, der eine Art Vaterersatz für mich war, ein eigenes Leben zu leben, meine Tante und mein Onkel trennten sich und verkauften das Haus in dem ich aufgewachsen war.
Freunde hatte ich durch den Ruf ''Alleinerziehende Mutter und asozialer Vater'' nicht viele, von den Kindern in der Schule wurde ich geschlagen und beleidigt. Einmal versammelte sich der gesamte Schulhof und warf Steine auf mich.
In der weiterführenden Schule hatte ich keine Freunde mehr, ich wurde dick mit der Pubertät und war eine der größten Aussenseiter auf dieser dämlichen Dorfschule...
Oft wurde ich bloßgestellt, ich wollte niemanden kennenlernen, hatte Angst ich würde ihn mit meiner Hässlichkeit und meiner Art verärgern und belästigen.
Als ich dann die Klasse wiederholen sollte, wurde mir klar dass ich das ganze dadurch noch länger aushalten musste, und ich schmiss die Schule...
Meine Mutter wusste sich nicht anders zu helfen, als mich in die Psychatrie zu bringen, damit mir jemand helfen kann.
Natürlich war dies nicht der Fall, gerade 16 Jahre alt, gaben Sie mir die Diagnose ''Schizophrenie'' - mMn eine drastische Fehleinschätzung meiner Gedanken - ein übler Behandlungsmarathon mit starken Psychopharmaka begann.
Erst nahm ich noch weiter zu, wog bei 1, 70 70 Kg, wurde in der Klinik als Adipös (eine weitere Fehldiagnose) abgestempelt.
Gekränkt von diesem ''Stempel'' hungerte ich mich auf 50 Kg, begann mich mit einem Mädchen aus der Klinik zu treffen, und fand in Ihr meine erste Freundin.
Durch Sie lernte ich meinen Freund kennen.
Heute nach fast 4 Jahren kennen, kann ich ihr trotz dass sie mich beste Freundin nennt, sie nur wahrnehmen, als wäre sie eine Erscheinung.

Weiterhin gequält von den Gedanken der Vergangenheit - von den ungeklärten Vorwürfen des Missbrauchs, meinem Umgang mit dem Tod und all dem anderen Falschen in meinem noch so jungen Leben, versuchte ich einen Strohhalm zu greifen.
Dieser Strohhalm ist mein jetziger (erster fester) Freund.
Doch ich habe natürlich auch dabei wieder Fehler gemacht, und natürlich rächt sich das.
Denn ich habe gelogen. Aus scham erzählte ich ihm, ich hätte ein Leben wie in Saus und Braus geführt, wäre viel ausgegangen und vor allem erzählte ich ihm nicht, dass er mein erstes Mal war.

Jetzt nach 2 Jahren Beziehung, einem nachgeholten Schulabschluss & viel neuem Glück, holt mich meine Vergangenheit - auch wenn Sie für mich nie vergangen war - wieder ein.
Ich sehne mich danach, die Gefühle die ich durch meine Lüge verdrängt habe, auszuleben.
Ich würde so gerne alles erleben, was ich in meiner ''Jugend'' verpasst habe, weil ich mich versteckt habe vor den Anderen...
Es tut so sehr weh zu sehen, wie verbittert ich bin, wie wenig Freude ich empfinde.... Ich würde gerne endlich vertrauen, ich will mir und meiner Familie verzeihen und ich will... vergessen.

Und das alles OHNE Therapeutische Hilfe!!!
Denn ich bin bisher nur an Psychologen geraten, die meine Psyche nur noch kaputter gemacht haben!

Kann mir Ein/e von Euch helfen???


Liebe Grüße,

Light

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23. Juli 2012 um 16:01

Helfen nicht, aber ich kann dir sagen:
ein ganz schönes Drama hast du hinter dir, hut ab. Wenn man aber deine Nachricht so liest, weiß man, dass du deine Chance aus diesen Erfahrungen wahrgenommen hast und daran gereift bist. Es ist toll, dass du die Gefühle wahrnimmst, die dich von deinen Zielen noch trennen. Du hast viel Schmerz erlebt und mit Wunden im Innern ist es wie mit Wunden im Außen, sie tun weh, sie schucken- aber dadurch weiß man eigentlich, dass sie heilen. Du brauchst keinen Rat, du bist der beste Ratgeber für dich selbst. Heilung geht nur schrittweise, es wird wohl noch ein bisschen dauern - aber wenn du so weiter machst, wirst du mit Tränen in den Augen dem Leben dafür dankbar sein. Du wirst ein Mensch voller Weisheit und Tiefe - irgendwie weiß ich es.
....und mache dir nicht viel zu große Vorwürfe, weil du gelogen hast - halte statt dessen Ausschau nach einer Lösung - die ehrliche Wahrheit mit jeder Konsequez ist da wohl am besten - das müssen alle lernen, die Erwachsen werden - hey, du bist erst 20 Jahre alt
...na ja, es werden nicht immer alle Erwachsen...aber du schon...

Viel Glück auf deinem Weg

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24. Juli 2012 um 19:33
In Antwort auf lilieth11

Helfen nicht, aber ich kann dir sagen:
ein ganz schönes Drama hast du hinter dir, hut ab. Wenn man aber deine Nachricht so liest, weiß man, dass du deine Chance aus diesen Erfahrungen wahrgenommen hast und daran gereift bist. Es ist toll, dass du die Gefühle wahrnimmst, die dich von deinen Zielen noch trennen. Du hast viel Schmerz erlebt und mit Wunden im Innern ist es wie mit Wunden im Außen, sie tun weh, sie schucken- aber dadurch weiß man eigentlich, dass sie heilen. Du brauchst keinen Rat, du bist der beste Ratgeber für dich selbst. Heilung geht nur schrittweise, es wird wohl noch ein bisschen dauern - aber wenn du so weiter machst, wirst du mit Tränen in den Augen dem Leben dafür dankbar sein. Du wirst ein Mensch voller Weisheit und Tiefe - irgendwie weiß ich es.
....und mache dir nicht viel zu große Vorwürfe, weil du gelogen hast - halte statt dessen Ausschau nach einer Lösung - die ehrliche Wahrheit mit jeder Konsequez ist da wohl am besten - das müssen alle lernen, die Erwachsen werden - hey, du bist erst 20 Jahre alt
...na ja, es werden nicht immer alle Erwachsen...aber du schon...

Viel Glück auf deinem Weg

Vielen lieben Dank
...für die aufbauenden Worte!
Ich werde mir zu Herzen nehmen, meinen Wunden noch etwas Zeit zum heilen zu geben.


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24. Juli 2012 um 19:42

Dankeschön,
...dass du dir für mich die Zeit genommen hast!

In der Stadt in der ich lebe, habe ich mich schon bei sämtl. Therapeuten gemeldet, die mein Gebiet behandeln - leider haben die ''kompetenten'' Therapeuten einen Aufnahmestopp, da die Nachfrage derartig groß ist.
Nachdem ich vor knapp 2 Monaten einen Therapeuten an der Angel hatte, der mich als erstes lauthals schreiend bei offener Tür fragte ''Und, mögen Sie ... ! Macht Ihnen das so richtig Spass?!'', und im weiteren Gesprächsverlauf deutlich machte er würde Schwule und Lesben hassen und wäre gegen eine ''Rassenvermischung'', habe ich den nächsten Termin nicht wahrgenommen. Muss ehrlich sagen, dass ich nach einer derartigen Grenzerfahrung gar keine Lust mehr habe, mich psychologisch beraten zu lassen!
Aber du hast Recht, der Markt quillt beinahe über, was Selbshilfe angeht.
Habe sogar noch einen Gutschein von Weiland, werde mich morgen in der Stadt mal erkundigen!
Die Denkarbeit leiste ich sehr gerne, hauptsache ich kann mich wieder glücklich machen!

Danke für Deinen Tipp

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