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Vater steht kaum noch auf

30. Dezember 2017 um 16:23 Letzte Antwort: 1. Januar 2018 um 3:03

Hallo an euch alle,

mein Vater, 62 Jahre alt, liegt seit einigen Wochen nur noch im Bett und steht kaum noch auf, höchstens um etwas zu essen oder auf die Toilette zu gehen. Er hat Diabetes und nimmt dagegen auch Tabletten, aber er ernährt sich zudem noch total ungesund und genauso, wie es ein Diabeter nicht tun sollte: Von Eis und Kohlenhydraten. Seine Beinmuskulatur hat sich mittlerweile so stark zurückgebildet, dass er kaum noch laufen kann und ich denke, dass es um seine Gesundheit auch nicht mehr gut steht. Hinzu kommt, dass er laut eigener Aussage ständig müde ist. Ich denke, dass er unter schweren Depressionen leidet und daher so müde ist. Allerdings kann es natürlich auch mit dem ständigen Überzucker in seinem Körper zusammen hängen, dass er nicht mehr fit wird. Wir alle in der Familie (Bruder, Mutter und ich) haben ihn schon mehrmals darauf angesprochen, mal nett und mal wütend. Er sagt immer nur, er ginge bald zum Arzt, passiert ist bis heute noch nichts. Ich denke auch nicht, dass er sein Versprechen einhält. Mich belastet das wirklich sehr stark, da ich sehe, dass mein Vater seine eigene Gesundheit von Tag zu Tag mehr ruiniert und einfach nichts passiert. Ich bin wirklich langsam mit meinen Kräften am Ende und habe große Angst, dass er bald, mit Anfang 60 (!) ein Pflegefall wird und das zum größten Teil aus eigenem Verschulden. Natürlich, dass er Diabetes hat, ist unter anderem familiär bedingt und er hat auch schon lange Rückenprobleme, doch ich denke das Schlimmste an allem sind seine Depressionen, denn sein körperlicher Verfall interessiert ihn einfach nicht. Wir alle sehen es aber und sind sehr besorgt, aber auf eine andere Art und Weise auch wütend, weil er uns einfach zusehen lässt, wie er langsam verfällt. Denkt ihr es gibt irgendetwas, was wir tun können? Ich halte diese Situation schier nicht mehr aus.

Danke schonmal
Neutrogena

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30. Dezember 2017 um 19:41

Hallo Neutrogena,

das klingt ja wirklich grauenhaft! :/
War dein Vater schon mal irgendwie in psychotherapeutischer oder psychiatrischer Behandlung?
Ist er nicht mal dazu zu bewegen, von euch begleitet zum Hausarzt zu gehen? 

LG

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30. Dezember 2017 um 22:17

Bin 6 Jahre jünger wie dein Vater

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31. Dezember 2017 um 10:03
In Antwort auf sarinan

Hallo Neutrogena,

das klingt ja wirklich grauenhaft! :/
War dein Vater schon mal irgendwie in psychotherapeutischer oder psychiatrischer Behandlung?
Ist er nicht mal dazu zu bewegen, von euch begleitet zum Hausarzt zu gehen? 

LG

Er ist leider ein sehr sturer Mensch, der sich von niemand was sagen lässt. Ich glaube, er will sich noch einen Rest Autorität und Ehre bewahren und würde das deshalb nicht zulassen. Er hat ja gesagt, er ginge im neuen Jahr zum Arzt. Ich hoffe einfach nur, dass er das macht. Es ist einfach schwer auszuhalten mit ihm, er motzt und meckert nur noch an allen rum und hat schlechte Laune. Wenn man ihn auf seine Probleme anspricht, dann reagiert er meistens wütend und aggressiv und wiegelt alles ab, nach dem Motto "Mir gehts doch gut, alles in Ordnung!" Nur jeder sieht einfach, dass es ihm gar nicht gut geht. Ich empfinde einerseits Mitleid, aber auf der anderen Seite bin ich nur noch enttäuscht von ihm.

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31. Dezember 2017 um 14:07
In Antwort auf neutrogena89

Er ist leider ein sehr sturer Mensch, der sich von niemand was sagen lässt. Ich glaube, er will sich noch einen Rest Autorität und Ehre bewahren und würde das deshalb nicht zulassen. Er hat ja gesagt, er ginge im neuen Jahr zum Arzt. Ich hoffe einfach nur, dass er das macht. Es ist einfach schwer auszuhalten mit ihm, er motzt und meckert nur noch an allen rum und hat schlechte Laune. Wenn man ihn auf seine Probleme anspricht, dann reagiert er meistens wütend und aggressiv und wiegelt alles ab, nach dem Motto "Mir gehts doch gut, alles in Ordnung!" Nur jeder sieht einfach, dass es ihm gar nicht gut geht. Ich empfinde einerseits Mitleid, aber auf der anderen Seite bin ich nur noch enttäuscht von ihm.

Ist er auf Eure Hilfe angewiesen?
Manchmal kann es ja helfen, wenn man radikal aufzeigt, dass es so nicht weitergeht... 

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1. Januar 2018 um 3:03

@neutrogena
Picke ich mir nur 1 Teil heraus: Rückenprobleme
Weisst du, was da los ist? Da er für etwas zu essen oder auf die Toilette aufsteht, dürfte es noch nicht so übel aussehen. Aber wenn es nur ein kleinerer Bandscheiben-Rutscher gewesen ist, zieht das den Mensch schon arg herunter. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man sich von heute auf morgen um 40 Jahre älter fühlt. Und entsprechend niedergeschlagen ist. Da müsste mal mindestens ein Röntgenbild gemacht werden; je nach Anamnese/Befund wird auch mehr gemacht. Da er transportfähig und sogar noch gehfähig ist, könntest du ihn vllt zum Arzt/KH anliefern.

Wie kommst du an ihn heran?
Die eigene Tocher wird die besten Karten dafür haben. Hattet ihr bisher immer eine friedliche Beziehung? Ich war mal in der Krankenpflege. Und aus dieser kurzen Zeit, 21 Monate Zivildienst, habe ich doch so einiges gelernt. Also mit Druck wird's wohl nicht gehen. Wohl aber, wenn du ihn täglich oder jeden 2. Tag besuchen kannst.
Alleine durch deine Anwesenheit kann er 1.) Vertrauen gewinnen und 2.) beginnen, dich zu vermissen, wenn wieder eine Besuchszeit vorbei ist.
Einen Vortrag oder so brauchst du ihm nicht halten. Viel besser, wenn er ohne Worte merkt, dass du ihn gern hast und ihn noch nicht gehen lassen willst. Daran kann man vielleicht ansatzweise mit 90 denken. Für den Anfang vllt nur so viel, dass du ihn jetzt fest soundsooft in der Woche besuchen möchtest.
Ein einfaches kurzes Lächeln deinerseits wird ihm nicht entgehen.

{Da gibt's für Pflege von Angehörigen auch ne Vergütung von der Krankenkasse. Jedenfalls war es mal so. Und wenn es die 1800,- sind, die ich in Erinnerung habe, dann könnte man die Bedingungen herausfinden. Muss man halt sehen, ob sich überhaupt, und wenn ja, die vergütete Angehörigen-Betreuung mit dem aktuellen Job in welchem Masse vereinbaren lässt. Möglicherweise gibt der Pflegedienst einen Teil an dich ab.}

Nochwas: Lasse dich nicht entmutigen, wenn er (zu anfangs) aggresiv oder ungerecht zu dir wird. Du kommst nächsten Tag wieder.

Was ist mit deiner Mutter? Welche Lebensaussichten hat er, wenn du ihn tatsächlich wieder auf die Beine stellen kannst?

Ich würde es aber verstehen, wenn dir mit heute 28J. diese (fast) täglichen Besuche zuviel wären. Probleme in deinem Privatleben wird dein Vater ohnehin nicht wollen. Kannst ja hier berichten, wieviel dir möglich ist.

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