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Vater mit Psychose in Klinik nach Suizidversuch

4. Februar 2008 um 14:55 Letzte Antwort: 9. Februar 2008 um 13:39

Hallo zusammen,
ich bin Angehörige (Tochter) eines Betroffenen und komme mit der momentanen Situation sehr schwer klar. Da mir von Sozialdienst und Ärzten leider kaum Unterstützung gewährt wird, würde ich mir gerne Tipps bei euch einholen. Vor allem, was den Umgang mit mit meinen Vater betrifft.

Folgende Situation:
Mein Vater nahm solange ich denken kann Medis gegen Schizophrenie. Anfang letzten Jahres hat er angefangen die Medis selber abzusetzen und seinen Psychater verweigert. Wir wussten es bis vor kurzem nicht und konnten nur rekonstruieren. Er wurde immer schwieriger und es gab familiären Streit. Anfang Januar sprang er 7 Meter von einer Brücke, da er laut eigenen Aussagen nicht die Aufmerksamkeit bekam, die er wollte. Er überlebte mit Knochenbrüchen ab dem Becken und landete auf der Intensivstation.
Seitdem bekommt er wieder Medikamente für die Psyche. Er liegt - weil angeblich nicht gefährdet - auf einer normalen Unfallstation und ich habe es nur einmal geschafft einen Psychiater zu sprechen, nachdem ich im Schwesternzimmer Amok gelaufen bin, da ich ihn zwischen KH und Reha in häusliche Pflege nehmen soll (so laut Station)und voll berufstätig bin. Der Psychiater war entsetzt und sagte, er gehöre auf jeden Fall in ein psychiatr. KH für diese Zeit, da er schwer krank wäre und etwas passieren könnte, wenn er ein paar Stunden alleine ist.

Das ganze drum herum ist schwierig genug, da ich tausend verschiedene Dinge höre (Ärzte, Psychiater, Gericht, Sozialdienst...)
Die mir nicht zu bewältigenden erscheinenden Probleme habe ich aber mit meinem Vater selber. Er sagt klipp und klar, das wäre richtig gewesen was er gemacht hätte, da ich mich ja endlich um ihn kümmern würde. Dazu bin ich auch gerne bereit um das Grundproblem zu lösen (Aufmerksamkeit, finanzielle Schwierigkeiten). Aber ich bin junge Mutter, voll berufstätig und lebe 120km entfernt. Er verlangt von mir, dass ich mich um alles kümmere und wenn ich einen Tag mal nicht die Zeit habe um 4h (Fahrt plus Aufenthalt) zum Krankenhaus zu fahren (z.B. fehlender Babysitter nach der Arbeit) ruft er im 2h Takt hier an und erzählt mir, dass er Angstzustände hat und die Schwestern sich nicht um ihn kümmern. Er droht indirekt damit, dass ich schuld bin wenn ihm was passiert. Er darf nicht aufstehen, da Becken und Beine gebrochen und es ist zu befürchten, dass er es tut.
Ich kann nachvollziehen, dass ihm alle Knochen weh tun und es tut mir sehr leid. Aber er verlangt von mir, dass ich ihm das ganze Leben von Wohnung, Finanzen über Ärzte etc. alles abnehme und meine eigene Familie plus meinen Job dafür liegen lasse. So wollte er z.B. dass ich mir zur Pflege zwischen KH und Reha 5 Wochen frei nehme und er in das Kinderzimmer meines Sohnes kann.

Ich gehe kaputt, da ich natürlich irgendwie für ihn mitverantwortlich bin und viel mache. Bei meinem Bruder macht er das nicht, da er ihm gesagt hat, er wäre es selber schuld und er nicht bereit wäre, alles für ihn aufzugeben. Andererseits sagt der Psychiater mir, dass mein Vater halt schwer krank wäre. Aber wie ich mit ihm umzugehen habe, das sagt mir keiner. Lau Äußerungen meinem Bruder gegenüber nutzt er mich absichtlich aus. Sätze wie "wenn ich ins Heim soll, kläre ich das schon" sind da gefallen.

Inzwischen habe ich mit meinem Mann nur noch Streit (er sagt ich solle ihm mal die Meinung sagen), reagiere gereizt auf meinen Sohn, schlafe kaum noch und breche mitten am Tag wegen kleinen Aufgaben in Heulkrämpfe aus.

Mit dem Psychiater von meinem Vater bei dem er lange war kann ich kaum sprechen, da mein Vater die Behandlung vor über einem Jahr abgebrochen hat.

Wer kennt Anlaufstellen wo man erfährt, wie man damit umzugehen hat? Oder hat selber Tipps? Kann ich es verantworten nein zu sagen, wenn er sich noch einmal was antut?

Dank euch für jeden Ansatz...

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4. Februar 2008 um 16:27

Hallihallo!!
ja wie fang ich jetzt am besten an? ja erstmals tut es mir wahnsinnig leid für dich dass du dich in so einer situation befindest. eins ist auf jeden fall klar: gib dir für die dinge die dein vater tut nicht die schuld. nicht für die vergangenheit und auch nicht für die zukunft!!
dass du natürlich nicht 24 stunden am tag für ihn da sein kannst ist klar. dein bruder hat das schon richtig erkannt und ihm die meinung gesagt, dein vater schmollt da jetzt und versucht die ganze verantwortung dir aufzuhalsen. das geht nicht.
mich wundert das schon, dass es in der klinik dort keinen guten psychiater oder psychologen gibt? vielleicht kontaktierst du wirklich mal eine psychatrische klinik und wenn es auf keinen fall mehr geht gibt es ja auch die mittel der zwangseinweisung. auf jeden fall muss dein vater zu einem kompromiss bereit sein und auf jeden fall musst du und er und am besten auch mit deinem bruder zusammen mit einem psychiater gemeinsam sprechen. ich möchte jetzt nicht soviel von mir erzaehlen, aber selbstmordversuche gab es auch in meiner familie.
ohne psychologische hilfe für den patienten und die angehörigen geht es nicht. so traurig es auch ist, lass dich nicht erpressen! du hast auch eine eigene familie. im endeffekt gehts du dann selber dran kaputt.
wünsch dir alles liebe und ganz viel kraft

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5. Februar 2008 um 18:04

Hallo

das ist eine sehr schwierige Situation und du hast mein aufrichtiges Beileid.

Dein Vater gehört in eine psychiatrische Klinik und nicht zu dir nachhause, mal abgesehen davon dass du mir schlichtweg überlastet scheinst, können sich die dortigen Psychiater wohl besser und effizienter um deinen Vater kümmern.
Er ist Selbstmordgefährdet und hat eine ernstzunehmende Psychose und benötigt dringend Medikamente. Das solltest du ihm, am besten unterstützt dich jemand da (ehemann z. b.), unmissverständlich klar machen.
ich würde am besten anfangen, dass ich mir ernsthafte sorgen um ihn mache und ihn nicht verlieren will.... usw., damit er sich nicht so extrem zurückgewiesen fühlt.

Der Umgang mit schizophrenen ist immer schwierig, aber man muss versuchen sie nicht mit zuviel Aufmerksamkeit zu behandeln, denn daran könnten sie sich gewöhnen und gesellschafts-und familienunfährigkeit ist die folge.
ich kenne mich mit schizophrenen nicht so gut aus, dass ich dir jetzt eine verhaltensanweisung geben könnte, daher rate ich dir an menschen zu kontaktieren die da umfänglicheres wissen haben, hier einige links, die dir bestimmt helfen können!

http://www.selbsthilfeschizophrenie.de/

http://www.kompetenznetz-schizophrenie.de

http://www.handicap-network.de/handicap/Handicaps/-schizophrenie/schizof.htm


ich wünsche dir alle kraft der welt und alles liebe, viele Grüße

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8. Februar 2008 um 13:17
In Antwort auf an0N_1277659499z

Hallihallo!!
ja wie fang ich jetzt am besten an? ja erstmals tut es mir wahnsinnig leid für dich dass du dich in so einer situation befindest. eins ist auf jeden fall klar: gib dir für die dinge die dein vater tut nicht die schuld. nicht für die vergangenheit und auch nicht für die zukunft!!
dass du natürlich nicht 24 stunden am tag für ihn da sein kannst ist klar. dein bruder hat das schon richtig erkannt und ihm die meinung gesagt, dein vater schmollt da jetzt und versucht die ganze verantwortung dir aufzuhalsen. das geht nicht.
mich wundert das schon, dass es in der klinik dort keinen guten psychiater oder psychologen gibt? vielleicht kontaktierst du wirklich mal eine psychatrische klinik und wenn es auf keinen fall mehr geht gibt es ja auch die mittel der zwangseinweisung. auf jeden fall muss dein vater zu einem kompromiss bereit sein und auf jeden fall musst du und er und am besten auch mit deinem bruder zusammen mit einem psychiater gemeinsam sprechen. ich möchte jetzt nicht soviel von mir erzaehlen, aber selbstmordversuche gab es auch in meiner familie.
ohne psychologische hilfe für den patienten und die angehörigen geht es nicht. so traurig es auch ist, lass dich nicht erpressen! du hast auch eine eigene familie. im endeffekt gehts du dann selber dran kaputt.
wünsch dir alles liebe und ganz viel kraft

Danke für eure Tipps
Ich habe es geschafft und mein Vater wird heute in eine psychiatr. Klinik verlegt. Psychiater gab es am KH ohne Ende, aber angeblich nie erreichbar und kam nur 1x Woche zu einer "Beurteilung". Der Stationsarzt war Knochenarzt und da mein Vater sich wunderbar verstellen kann, gab er sich dort immer normal. Ich hab den Aufstand geprobt und den Psychiater ans Telefon bekommen, der mich danach voll unterstützt hat.

Gestern habe ich morgens und nachmittags angerufen. Ich war am Vortag nicht in der Klinik. Er war am weinen und erzählte mir todernst, ich hätte seit 10 Wochen nicht mehr angerufen.
Kurz drauf habe ich mit dem Arzt telefoniert, der die Geschichte kaum fassen konnte - da er kurz vorher noch ganz normal mit ihm gesprochen hatte. Als ich später da war hat mein Vater es nicht mit einem Wort erwähnt.

Ich bin heilfroh, dass er jetzt gut aufgehoben ist und ich heute nachmittag ggf. jemanden von den Psychiatern sprechen kann.
Ich muss ihm nur irgendwie erklären, dass er sich bei Freunden und Angehörigen komplett anders äußert als bei Weißkitteln.

Mir wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als meinem Vater wegen der Aufmerksamkeit übel vor den Kopf zu stoßen. Ich habe mich in den letzten zwei Tagen zurück gehalten und meine Nerven danken es mir. Nur wenn man dann "wenigstens" telefoniert und dabei geweint, gebettelt und gejammert wird, verdirbt es mir auch den Tag.

Außerdem habe ich mich nach einer Selbsthilfegruppe umgesehen, die sich aber leider nur einmal am Monatsende trifft...


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9. Februar 2008 um 13:39
In Antwort auf marisa_12186700

Danke für eure Tipps
Ich habe es geschafft und mein Vater wird heute in eine psychiatr. Klinik verlegt. Psychiater gab es am KH ohne Ende, aber angeblich nie erreichbar und kam nur 1x Woche zu einer "Beurteilung". Der Stationsarzt war Knochenarzt und da mein Vater sich wunderbar verstellen kann, gab er sich dort immer normal. Ich hab den Aufstand geprobt und den Psychiater ans Telefon bekommen, der mich danach voll unterstützt hat.

Gestern habe ich morgens und nachmittags angerufen. Ich war am Vortag nicht in der Klinik. Er war am weinen und erzählte mir todernst, ich hätte seit 10 Wochen nicht mehr angerufen.
Kurz drauf habe ich mit dem Arzt telefoniert, der die Geschichte kaum fassen konnte - da er kurz vorher noch ganz normal mit ihm gesprochen hatte. Als ich später da war hat mein Vater es nicht mit einem Wort erwähnt.

Ich bin heilfroh, dass er jetzt gut aufgehoben ist und ich heute nachmittag ggf. jemanden von den Psychiatern sprechen kann.
Ich muss ihm nur irgendwie erklären, dass er sich bei Freunden und Angehörigen komplett anders äußert als bei Weißkitteln.

Mir wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als meinem Vater wegen der Aufmerksamkeit übel vor den Kopf zu stoßen. Ich habe mich in den letzten zwei Tagen zurück gehalten und meine Nerven danken es mir. Nur wenn man dann "wenigstens" telefoniert und dabei geweint, gebettelt und gejammert wird, verdirbt es mir auch den Tag.

Außerdem habe ich mich nach einer Selbsthilfegruppe umgesehen, die sich aber leider nur einmal am Monatsende trifft...


Hallo nachmal!
ich finde es gut dass dein vater jetzt in eine psychiatrische klinik kommt. ja das gibts es sehr oft, dass sich die menschen vor den aerzten so zusammenreissen, haengt manchmal auch mit dem eigenen schamgefühl zusammen und zu den angehörigen sind sie dann so dass die nur mehr denken können 'manchmal könnt ich ihm den hals umdrehen' - aber glaub mir, gute psychiater und psychologen kennen dieses phaenomaen.
finds auch gut dass du für dich selbst was tust und zu einer selbshilfegruppe gehst, man vergisst das immer sehr schnell dass es für angehörige sehr sehr belastend sin kann.
falls ich fragen darf würde es mich interessieren welche diagnose bei deinem vater gestellt wurde bzw. wird!
alles gute für euch

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