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Umgang mit Trauer um ein Sternenkind

15. Februar 2016 um 13:39 Letzte Antwort: 9. März 2017 um 23:16

Hallo,
meine zweite Tochter ist im letzten November still geboren. Angeblich sind alle ganz bestürzt und betroffen. Aber ich fühle mich durch mein Umfeld ziemlich allein gelassen und bin enttäuscht von einigen Leuten. Meine Mutter und meine beste Freundin waren für mich da und natürlich (und Gott sei Dank) mein Mann. Aber das übrige Umfeld versucht mir und dem Thema Trauer aus dem Weg zu gehen. So haben wir zB ganz wenige Trauerkarten bekommen. Insbesondere aus dem Kollegenkreis gibt es bisher überhaupt keine Rückmeldung. Und ich muss jetzt bald wieder arbeiten gehen. Ich habe einer Kollegin/Freundin den Tipp gegeben, dass ich mir eine Karte von allen Kollegen gewünscht hätte/wünschen würde. Aber sie hat das ganz von sich gewiesen, fühlte sich glaube ich sogar angegriffen. Sie meinte dann, dass mich keiner der Kollegen ansprechen werde. Aber genau das tut mir ja weh. Als meine große Tochter geboren wurde, habe ich ja auch eine Karte bekommen (mit Glückwünschen). Und jetzt wird mein einschneidendes Lebensereignis einfach ignoriert. Meine Tochter ist tot und sie wird auch noch totgeschwiegen. Ich will jetzt mal außen vor lassen, dass meine Schwiegermutter mich bis heute auch nie auf ihre tote Enkelin angesprochen hat, dass sie den Namen meiner toten Tochter mir gegenüber noch nie erwähnt hat. Denn meine Schwiegermutter ist ein eigenes Thema- unser Verhältnis ist eh belastet und ich halte sie für gefühlsarm.
Aber wie gehe ich mit dem Kollegium um? Ich bin manchmal total wütend und stelle mir vor, wie ich dem einen oder anderen richtig patzig ins Gesicht sage, dass er ein schwacher Geist ist. Das werde ich natürlich nicht tun. Aber der Wiedereinstieg fällt mir sehr schwer. Gibt es eigene Erfahrungen?

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26. Februar 2016 um 14:22

Was mir geholfen hat
Hallo liebe Threadschreiberin,
ich kann Dich sehr gut verstehen - unser zweites Kind ist im Oktober 2015 im 6. Monat still geboren worden. Natürlich hatte ich es im Kollegenkreis schon erzählt, und natürlich hatte ich nach Beendigung der 12. Woche auch nicht wirklich damit gerechnet, dass irgendetwas schiefgehen könnte. Eines morgens hatte ich plötzlich Wassereinlagerungen überall, bin zum Arzt, habe mir nichts wirklich böses dabei gedacht....unsere Maus war schon gestorben, Plazentainsuffizienz. Ich habe sie nach Einleitung der Geburt still zur Welt gebracht.

Was Dich jetzt beschäftigt ist der Umgang mit Trauer mit den Kollegen. Ich bin bereits nach einer Woche wieder ins Büro gegangen und für mich war das letztendlich auch der beste Weg, ich wäre zu Hause wahnsinnig geworden und liebe meinen Job, mir hat die Ablenkung geholfen. Bei mir waren die Reaktionen sehr sehr unterschiedlich. Mein Chef kam direkt zu mir, nahm mich in den Arm und ich konnte merken, dass es ihm echt nahe geht. Mehrere Kollegen kamen in einer ruhigen Minute in mein Büro und sprachen mir ihr Beileid aus. Dann gab und gibt es aber auch diejenigen, die mich zwar anschauen (fast neugierig schon) und nichts sagen, obwohl sie es wissen. Und dann gibt es die, die es wirklich nicht wissen und um Weihnachten rum gefragt haben, warum ich denn auf der Weihnachtsfeier Wein trinke und von meiner Antwort überfahren worden sind.
Ich kann Dir nur eins sagen: es ist Deine bzw. Eure ganz persönliche Tragödie, nicht die der Kollegen. Und der Tod, insbesondere der Tod eines Kindes in der SSW, ist ein Thema, über das niemand gerne spricht. Und dann ist da bestimmt auch die Angst, etwas falsches zu sagen und Dich zu verletzen, die manche davon abhält etwas zu sagen. Ich bin da sehr großzügig meinen Mitmenschen gegenüber und auch nachsichtig. Man darf bei diesem Thema glaube ich einfach nicht zu hohe Erwartungen an seine Mitmenschen haben. Mich haben Familie und Freunde teilweise wirklich überrascht, positiv wie negativ. Ich habe versucht, aus dieser riesengroßen Sch..... das schöne für mich herauszuziehen: ich habe den besten Mann der Welt geheiratet, der das mit mir durchgestanden hat und es immer noch tut, ich habe das Wunder, einen gesunden Sohn zu haben umsomehr schätzen gelernt und bin dankbar, dass es ihn gibt, ich habe das Wunder des Lebens begriffen, ich bin so glücklich, dass ich ganz viele wunderbare Menschen habe die mir gezeigt haben, dass sie mich lieben, meine Maus im Himmel ist mein ganz persönlicher Schutzengel UND das Wichtigste: ich habe einfach die Hoffnung, dass wir noch ein weiteres Kind bekommen werden. Irgendwann, wenn wir bereit dazu sind.

Zu Deiner Schwiegermutter: ich hatte das gleiche Erlebnis der dritten Art mit meiner eigenen Mutter. Kein Wort mehr über unser Kind, keine Nachfrage, wie es mir geht, das Leben geht einfach weiter, als wäre nichts gewesen. Letzte Woche bin ich dann hochgegangen wie eine Bombe. Meine beste Freundin hatte mir erzählt, dass sie schwanger ist - und obwohl ich mich wie Jeck gefreut habe bin ich unfassbar traurig gewesen, da es bei uns noch nicht wieder geklappt hat. Ich erzählte meiner Mutter von der SSW meiner Freundin und es kam nichts in meine Richtung....da habe ich sie dann mal gefragt warum sie mich nicht mal fragt wie es mir geht, warum sie unsere Maus totschweigt, warum sie noch nie an ihrem Grab war, warum sie so tut, als sein nichts passiert. Sie war total geschockt und sagte auch nur dass sie nicht wüsste, wie sie damit umgehen sollte und da ich nach außen so stark wirken würde hätte sie halt nichts gesagt. Wir waren gestern das erste Mal zusammen am Grab und sie war echt lieb - manchmal muss man sich das vielleicht auch einfordern.

Puh, das war viel, vielleicht kannst Du für Dich ja was mitnehmen. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für Deinen Wiedereinstieg und dass die Kollegen Dich so lieb aufnehmen, wie Du es brauchst. Die Situation ist für alle alles andere als alltäglich.
Wenn Du reden möchtest meld Dich einfach.
Liebe Grüße

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8. März 2016 um 20:24

Hallo,
erst einmal, mir tut es für dich unendlich leid, dass du auch dieses schwere Schicksal durchmachen musstest.

Ich kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen, wie die einzelnen Menschen mit Trauer umgehen. Mir ist es mit meiner Mama ganz ähnlich gegangen, inzwischen kann ich ihre Art akzeptieren. Meine Oma, also ihre Mama sagte einmal zur mir: Wirklich nachvollziehen können dies nur Menschen die das Gleiche mitgemacht haben. Und ich habe oft den Eindruck, dass sie recht hatte.

Ich ging auch nach dem Mutterschutz (ich weiß wie abartig das nach einer Todgeburt klingt) wieder in die Arbeit. Ich hab dann schnell gemerkt, dass viele Kollegen, obwohl wir uns seit langem kannten, einfach nicht wußten, wie sie mit der Situation umgehen sollten.

Im Endeffekt wollte ich ganz "normal" behandelt werden. Es ist mein ganz privates persönliches Schicksal.

Ich hoffe, du findest deinen Weg mit den Kollegen. Viell. wäre auch ein Wechsel in eine andere Abteilung hilfreich.

Ich wünsche dir viel Kraft!

Lg Bonnie (mit Sternenkind Nina fest im Herzen und ihren Bruder fest an der Hand)

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14. Mai 2016 um 14:05

Hallo
Ich bin auch seit 2 Wochen sternenmami. Mein Sohn hat 6 Tage gelebt (war sehr krank und lag an schläuchen).
Meine Mama würde an liebsten so tun als hätte es keine ss und kein baby gegeben. (Natürlich der falsche weg).
Aber viele Menschen , die nie in der Situation waren, wissen auch nicht wie sie damit umgehen sollen. Sollen sie dich ansprechen oder lieber in ruhe lassen? Willst du darüber reden oder nicht?
Ich kann deine Kollegen und Familie verstehen. Klar könnte man sein Beileid ansprechen oder dir anbieten da zu sein wenn du reden magst, aber viele sind mit dieser Situation einfach überfordert

Liebe grüße
Und mein aufrichtiges Beileid ich weiss wie du dich fühlst

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9. März 2017 um 23:16

Hallo ihr lieben
Ich bin seit 8.11. 15 Sternmama..Ein kleinen Prinz in der 35 ssw.. Er war 51 cm und 2272 gramm er ist am 5.11.15 gestorben, Und habe unerwartet nochmal das Glück haben dürfen das an seinem Todes Tag 5. Bloss .10 und nicht 11 2016 meine kleine maus geboren wurde... Der schrei als sie per Kaiserschnitt kam war einfach nur erleichtert... Sie sieht bzw sah ihm so unendlich ähnlich... Die ersten Monate waren wie ein Traum doch zur Zeit hab ich ein riesen Loch ich vermisse ihn so sehr es tut mir alles so weh, weine jede Nacht... Habe angst um meine kleine ich hab das gefühl alle rings rum verlangen von mir das ich glücklich sein kann den die kleine ist da aber sie ersetzt ihn nicht was sie ja auch nicht soll und kann aber alle rings rum erwarten das... Bin ziemlich fertig fühl mich so hilflos und unmachtig... Muss ich vielleicht doch eine Therapie machen... Eh es noch schlimmer wird.. Alles sachen was mich quält...

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