Forum / Psychologie & Persönlichkeit
Umfassende Veränderungen der Lebenssituation
Ich möchte diese Plattform nutzen um mir eure anonymen Ratschläge einzuholen. Es betrifft meine momentane Lebenssituation: Es scheint so zu sein, dass eine Trennung auf mich zu kommt.
Warum? Ich lebe seit einem Jahr mit meinem Freund zusammen und die Beziehung war in diesem einen Jahr eher anstrengend als bereichernd und ich stelle nun ganz stark in Frage, ob das auch wirklich Zukunft hat. In dem einen Jahr gab es kaum Unternehmungen, mein Partner war meistens aufgrund Prüfungen (Studium) und Job schlecht drauf. Ich habe oft das Gefühl gehabt emotional zu vertrocknen und habe zeitenweise immer wieder daran gedacht mich von ihm zu trennen. Ich habe Verantwortung für alltägliche Erledigungen übernommen, da ich ihn während seiner Prüfungsphase unterstützen wollte. Sein Studienabschluss wird sich aufgrund der großen jobtechnischen Auslastung noch länger hinziehen und es ist also keine Änderung bezüglich seiner Studiensituation gegeben. Das Zusammenleben haben wir als Test angesehen, ob unsere Beziehung Zukunft hat.
Nun ist es so, dass ich ernsthaft über eine Trennung nachdenke, da meine ganzen Äußerungen und Wünsche die ich vorgebracht habe, oft überhört wurden, nicht ernst genommen wurden und ich ansonsten im Alltag auch wenig bekomme. Eine Trennung zieht allerdings einen ganzen Rattenschwanz mit sich: Ich müsste ausziehen, am besten zu Mietvertragsende Ende August. Die Stadt in der ich lebe hat sehr hohe Mietpreise, das heißt ich überlege schon länger bei einem möglichen Umzug eine größere Ortsveränderung vorzunehmen. Dauerhaft kann ich mir ein Leben an meinem momentanen Wohnort sowieso nicht vorstellen, da mich die Mentalität der Menschen an anderen Orten mehr anzieht.
Doch dann kommt die nächste Frage: Wohin? Zurück in die große Stadt in der ich davor gelebt habe und in der die Mieten leistbarer sind? Wenn, dann an den Stadtrand, ins Zentrum will ich nicht mehr. Und meine wenigen sozialen Kontakte die ich an meinem jetzigen Wohnort habe sind aufgrund der Entfernung dann leider auch nur noch online erreichbar. Von einem Jobangebot leiten lassen und umziehen? Was, wenn der Job sich als Griff ins Klo erweist?
Was meint ihr dazu? Was würdet ihr tun?
Danke,
LG
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Hallo 123los,
interessant, ich kann mich in einigen deiner Schilderungen durchaus wiederfinden. Ich bin mit meinem Freund seit knapp 1 1/2 Jahren zusammen. Auch er ist sehr karrierefokussiert und ich habe das Gefühl, dass seine ganzen Energien und Emotionen eher für seinen Job drauf gehen als für mich. Gespräche über Gott und die Welt? Fehlanzeige! Stattdes sen viel Gerede um den Job und ansonsten eher rümblödelndes BlaBla. Corona tut sein übriges, (gemeinsame) Aktivitäten beschränken sich auf Spaziergänge und Netflix.
Er ist nun Anfang diesen Jahres in eine für uns beide unbekannte Stadt gezogen. Ich bin hier bei ihm, kann auch von hier aus arbeiten. Meine Wohnung daheim habe ich aber noch nicht aufgegeben. Dafür bin ich mir mit all dem hier - Umzug, Beziehung - noch nicht sicher genug.
Tja was soll ich dir raten? Eigentlich das, was ich mir selbst auch raten würde. Höre auf dein Bauchgefühl und tue das, was dich glücklich macht. Aber was macht glücklich?
In vielen Beziehungsratgebern steht, dass man auch mal solche Durststrecken in einer Beziehung durchstehen muss. Das man das als vorübergehende Phase verstehen soll. Es könnte bspw. helfen, mit deinem Freund feste Verabredungen zu vereinbaren. Z.B. Dienstag Abend von 18-19 Uhr redet ihr über alles, was euch gerade emotional bewegt. Ab 20 Uhr wird nicht mehr vom Studium/Arbeit gesprochen. So was in der Art. Dein Freund sollte dir ein Entgegenkommen signalisieren, denn zu einer glücklichen Beziehung gehören 2. Was wünscht er sich denn von dir als Freundin? Was bedeutet ihm eine, eure Beziehung?
Allgemein kann ich nur sagen, würde ich lieber nicht zu viele Veränderungen auf einmal anstreben. Solltest du dich trennen, zieh erstmal irgendwo hin, wo du die Stadt und Leute kennst. Ganz woanders hin kannst du auch in ein paar Jahren. Auch ein Jobwechsel jetzt zum evtl. Beziehungsende und in Coronazeiten muss nicht unbedingt sein. Mute dir nicht zu viel auf einmal zu, bewahre dir ein Stück Vertraut- und Sicherheit.
Alles Gute für dich!
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Hallo Painainlove,
Vielen Dank für deine Antwort! Zu Beginn möchte ich dir viel Glück bei dem neuen Lebensabschnitt mit deinem Freund in der neuen Stadt wünschen. Vielleicht wirkt sich ja die neue Umgebung auch positiv auf eure gemeinsame Aktivitäten aus (aufgrund anderer Betätigungsmöglichkeiten etc.)? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Leben an unterschiedlichen Orten auch verschiedene Möglichkeiten eröffnet die Freizeit zu nutzen: Kultur, unterschiedliche Sportarten etc. Dass du deine eigene Wohnung weiterhin erhalten kannst scheint mir eine sehr wichtige Stütze zu sein - sozusagen ein Backup. Falls du den Rückzug brauchst, damit du eine Absicherung hast wenn die Beziehung aufgrund der Veränderungen nicht halten sollte und auch als "Wochenenddomizil", welches du mit deinem Freund aufsuchen kannst wenn die von dir erwähnte Vertrautheit in der neuen Stadt mal fehlt.
Eine eigene Wohnung hier in der Stadt in der ich lebe kann ich mir leider nicht leisten, die Mietpreise sind wirklich sehr hoch und bereits eine Garconniere ist sehr teuer. Für eine Wohngemeinschaft bin ich mittlerweile zu alt, obwohl es durchaus ein paar WGs mit Personen in meinem Alter geben würde. Ich kenne aus meiner Vergangenheit die Situation, jobbedingt in eine (meine aktuelle) Stadt zu ziehen und das alte Leben (also vor allem meine sozialen Kontakte) hinter mir zu lassen. Ich hatte vor einigen Jahren wirklich Probleme damit, dass sogar ein Wochenendbesuch aufgrund der örtlichen Distanz nicht möglich war und ich mir in einer anderen Lebensphase (erster Vollzeitjob nach meiner Ausbildungszeit) irgendwie ein soziales Netzwerk schaffen musste. Der Job stellte sich damals leider als nicht so vielversprechend heraus da keinerlei Entwicklungsmöglichkeiten und Eigenverantwortung - da fiel die Abwesenheit von Sozialkontakten doch leider mehr ins Gewicht als ich dachte. Karriere kann ich also je nach Persönlichkeitstyp nur bedingt unterstützen.
Ich dachte auch schon daran, an einen Ort zu ziehen, der sozusagen zwischen der Stadt die mich stark in meiner Ausbildungszeit geprägt hat, liegt, und zwischen meinem momentanen Wohnort. Letztendlich spielt natürlich auch das Bauchgefühl eine Rolle - fühle ich mich in der Umgebung wohl? Es kann sich ja bekanntlich viel verändern. Zurzeit würde ich eine Wohnsituation am Stadtrand bzw. in einem Vorort bevorzugen, mit Nähe zur Natur. Wenn ich Single wäre, wäre es mir jedoch auch wichtig, eine gute Anbindung an ein Stadtzentrum nutzen zu können, da man alleine bekanntlich mehr Kontakte und Austauschmöglichkeiten braucht.
Das alles ist in meinem Hinterkopf, alles zusammen ein bisschen viel. Normalerweise kommt die Lösung mit der Zeit. Diese möchte ich mir auf jeden Fall nehmen, ich will nichts überstürzen. Auch die von dir genannte Durststrecke würde ich gerne überwinden wollen, ich bin nicht mehr Anfang 20 und da ist der Wunsch groß eine Beziehung mit Zukunft zu haben, in der man zusammen wachsen kann. Als Frau kommt noch der Druck der biologischen Uhr dazu - irgendwann sind die fruchtbaren Jahre vorbei und ein Kind zu bekommen ist nicht mehr möglich.
Vielen Dank auch für deine Tipps wie bestimmte Zeiten der Kommunikation zu vereinbaren. Ich werde darüber nachdenken und es evtl. im Gespräch einbringen. Wir haben jetzt beschlossen, öfter einen Spaziergang außerhalb der Stadt zu unternehmen. Wir haben ebenfalls darüber gesprochen wie es wäre, wenn wir gemeinsam den Wohnort wechseln würden, da auch mein Freund sich in der Stadt in der wir leben nicht wohl fühlt. Doch würde das die Situation ändern? Wahrscheinlich nicht, denn dann wäre immer noch die Doppelbelastung Brotjob und Studienabschluss. Verstehen tue ich das nur zu gut, ich hatte in meiner Vergangenheit auch Jobs, welche mich mehr oder weniger stark belastet haben, jedoch ist es nun doch schon seit längerer Zeit so, dass diese Belastung auch auf mich wirkt. Es haben sich mehrere Dinge aufgestaut, ich habe immer wieder versucht in den Dialog zu gehen und habe meine Bedürfnisse und Wünsche formuliert. Und ja, dann kommt noch der Druck der Pandemie dazu, der auf uns allen lastet und diffus im Hintergrund wabert.
An mehreren Rädchen auf einmal drehen kann stark destabilisierend sein, in meinem Fall bzw. im worst case meiner Situation sehe ich leider keine andere Lösung für mich.
Ich werde wohl etwas Zeit vergehen lassen und sehen was sie bringt. Was wirst du tun?
Vielen Dank für deine Antwort, sie hat mir sehr geholfen!
Alles Gute auch für euch!
LG
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Hallo Painainlove,
Vielen Dank für deine Antwort! Zu Beginn möchte ich dir viel Glück bei dem neuen Lebensabschnitt mit deinem Freund in der neuen Stadt wünschen. Vielleicht wirkt sich ja die neue Umgebung auch positiv auf eure gemeinsame Aktivitäten aus (aufgrund anderer Betätigungsmöglichkeiten etc.)? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Leben an unterschiedlichen Orten auch verschiedene Möglichkeiten eröffnet die Freizeit zu nutzen: Kultur, unterschiedliche Sportarten etc. Dass du deine eigene Wohnung weiterhin erhalten kannst scheint mir eine sehr wichtige Stütze zu sein - sozusagen ein Backup. Falls du den Rückzug brauchst, damit du eine Absicherung hast wenn die Beziehung aufgrund der Veränderungen nicht halten sollte und auch als "Wochenenddomizil", welches du mit deinem Freund aufsuchen kannst wenn die von dir erwähnte Vertrautheit in der neuen Stadt mal fehlt.
Eine eigene Wohnung hier in der Stadt in der ich lebe kann ich mir leider nicht leisten, die Mietpreise sind wirklich sehr hoch und bereits eine Garconniere ist sehr teuer. Für eine Wohngemeinschaft bin ich mittlerweile zu alt, obwohl es durchaus ein paar WGs mit Personen in meinem Alter geben würde. Ich kenne aus meiner Vergangenheit die Situation, jobbedingt in eine (meine aktuelle) Stadt zu ziehen und das alte Leben (also vor allem meine sozialen Kontakte) hinter mir zu lassen. Ich hatte vor einigen Jahren wirklich Probleme damit, dass sogar ein Wochenendbesuch aufgrund der örtlichen Distanz nicht möglich war und ich mir in einer anderen Lebensphase (erster Vollzeitjob nach meiner Ausbildungszeit) irgendwie ein soziales Netzwerk schaffen musste. Der Job stellte sich damals leider als nicht so vielversprechend heraus da keinerlei Entwicklungsmöglichkeiten und Eigenverantwortung - da fiel die Abwesenheit von Sozialkontakten doch leider mehr ins Gewicht als ich dachte. Karriere kann ich also je nach Persönlichkeitstyp nur bedingt unterstützen.
Ich dachte auch schon daran, an einen Ort zu ziehen, der sozusagen zwischen der Stadt die mich stark in meiner Ausbildungszeit geprägt hat, liegt, und zwischen meinem momentanen Wohnort. Letztendlich spielt natürlich auch das Bauchgefühl eine Rolle - fühle ich mich in der Umgebung wohl? Es kann sich ja bekanntlich viel verändern. Zurzeit würde ich eine Wohnsituation am Stadtrand bzw. in einem Vorort bevorzugen, mit Nähe zur Natur. Wenn ich Single wäre, wäre es mir jedoch auch wichtig, eine gute Anbindung an ein Stadtzentrum nutzen zu können, da man alleine bekanntlich mehr Kontakte und Austauschmöglichkeiten braucht.
Das alles ist in meinem Hinterkopf, alles zusammen ein bisschen viel. Normalerweise kommt die Lösung mit der Zeit. Diese möchte ich mir auf jeden Fall nehmen, ich will nichts überstürzen. Auch die von dir genannte Durststrecke würde ich gerne überwinden wollen, ich bin nicht mehr Anfang 20 und da ist der Wunsch groß eine Beziehung mit Zukunft zu haben, in der man zusammen wachsen kann. Als Frau kommt noch der Druck der biologischen Uhr dazu - irgendwann sind die fruchtbaren Jahre vorbei und ein Kind zu bekommen ist nicht mehr möglich.
Vielen Dank auch für deine Tipps wie bestimmte Zeiten der Kommunikation zu vereinbaren. Ich werde darüber nachdenken und es evtl. im Gespräch einbringen. Wir haben jetzt beschlossen, öfter einen Spaziergang außerhalb der Stadt zu unternehmen. Wir haben ebenfalls darüber gesprochen wie es wäre, wenn wir gemeinsam den Wohnort wechseln würden, da auch mein Freund sich in der Stadt in der wir leben nicht wohl fühlt. Doch würde das die Situation ändern? Wahrscheinlich nicht, denn dann wäre immer noch die Doppelbelastung Brotjob und Studienabschluss. Verstehen tue ich das nur zu gut, ich hatte in meiner Vergangenheit auch Jobs, welche mich mehr oder weniger stark belastet haben, jedoch ist es nun doch schon seit längerer Zeit so, dass diese Belastung auch auf mich wirkt. Es haben sich mehrere Dinge aufgestaut, ich habe immer wieder versucht in den Dialog zu gehen und habe meine Bedürfnisse und Wünsche formuliert. Und ja, dann kommt noch der Druck der Pandemie dazu, der auf uns allen lastet und diffus im Hintergrund wabert.
An mehreren Rädchen auf einmal drehen kann stark destabilisierend sein, in meinem Fall bzw. im worst case meiner Situation sehe ich leider keine andere Lösung für mich.
Ich werde wohl etwas Zeit vergehen lassen und sehen was sie bringt. Was wirst du tun?
Vielen Dank für deine Antwort, sie hat mir sehr geholfen!
Alles Gute auch für euch!
LG
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