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Über die rechtliche Seite bezügl. des Einweisens in psychiatrische Kliniken

20. Juni 2008 um 20:03

Hallo,

mich interessiert das "Rechtliche" bei Einweisungen in psychiatrische Kliniken. Ich möchte wissen, ob jemand gegen seinen Willen in eine Klinik eingewiesen werden kann. Dass jemand eingewiesen wird, wenn er eine Gefahr für seine Umwelt bedeutet, weiß ich bereits. Nun frage ich mich, ob es auch noch andere Gründe geben kann. Mir wurde aus eigentlich sicherer Quelle gesagt, es sei nicht möglich, man könne jemanden nicht dazu zwingen. Das Nahelegen ist zwar nachvollziehbar, aber darum geht es in dieser Sache nicht.

Folgendes Beispiel:

Eine Person Anfang 20 befindet sich völlig am Anfang einer psychiatrischen/ psychologischen Behandlung und kann, aufgrund der psychischen Probleme, derzeit keine Arbeit aufnehmen. Er wird also als arbeitsunfähig eingestuft. Da die Ärzte noch nicht genau wissen, was genau dem Patienten fehlt, da sich Krankheiten gern überschneiden, ist die Therapie auch noch nicht in die Wege geleitet, sondern befindet sich in der Analysephase. Der Arbeitsunfähige hat eine eigene Wohnung und verspricht sich etwas von der bevorstehenden Therapie, ist motiviert und lernbereit. Er erhält seit vier Monaten ALG II und Wohngeld. Solange befindet er sich noch nicht in Therapie, weil er zum Zeitpunkt des Arbeitsloswerdens sich nicht darüber im Klaren war, weshalb es so kam.

Kann diese Person gezwungen werden sich in eine psychiatrische Klinik zu begeben, weil es eine finanzielle Entlastung darstellte? Falls er sich weigert in eine Klinik zu gehen, aber weiterhin ambulant in Therapie ist, wäre es möglich, dass sich die Bundesagentur für Arbeit weigert, weiterhin für Wohngeld und Unterhalt aufzukommen? Der Patient würde sich somit ja eigentlich nicht weigern, eine Therapie zu machen, sondern sich für eine andere Form von Therapie entscheiden; würde aber nicht seine Mitwirkungspflicht nicht nachkommen. Wäre es möglich, dass eine Art Ultimatum gestellt würde: der Aufenthalt in einer Klinik oder Geld weg?

Dass Kliniken oftmals erfolgsversprechender sind, mag sein. Aber die Frage ist: darf der Patient, der noch selbstständig denken, reden, essen und einkaufen gehen kann (somit kein Fall ist, der vor Hilflosigkeit evtl. verhungern könnte, sich umbringen, somit auch keine Gefahr für sich selbst darstellt), noch selbst entscheiden, welche Therapieform er wählt? Ist es zulässig, dass das Hauptargument (finanzielle Seite) für eine Klinik allein darüber entscheiden kann? Es wäre somit nur so begründet, weil es das "Praktischste" darstellte. Es würde mit dem Argument, Kliniken seien tauglicher, also vertuscht. Denn wenn er noch am Anfang der Therapie steht, ist doch gar nicht gesagt, dass eine ambulante Therapie nicht greift.

Wenn man von einem Psychiater erfährt, es sei nicht erlaubt, jemanden zu zwingen, in eine Klinik zu gehen, es sei denn er sei eine Gefahr sich selbst und für seine Umwelt, gilt dies ausnahmslos oder war der Psychiater nicht zu genüge informiert? Ist es möglich, dass dieser Satz in alle Richtungen interpretiert werden kann wie: "Er kann ja bereits nicht mehr Arbeit gehen. Wer nicht arbeiten kann, aufgrund seiner Probleme, ist natürlich eine Gefahr für sich selbst". Und dann wird er also gezwungen?

Bitte um ernstgemeinte Antworten von Leuten, die es möglicherweise wissen. Dankesehr.

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20. Juni 2008 um 20:07

Und
sorry für die Tippfehler!

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