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typische Anzeichen für Bindungsangst oder keine Gefühle

10. Januar 2017 um 17:38 Letzte Antwort: 10. Januar 2017 um 19:55

Hallo, 

ich brauche dringend eurem Rat. Die Ausgangssituation sieht folgendermaßen aus: Ich bin mit meinem Freund seit 3 Monaten zusammen. Er wurde in beiden vorherigen Beziehungen, die er hatte, betrogen. Wir haben offen darüber gesprochen und er hat gesagt, dass es ihm sehr schwer falle im Allgemeinen Vertrauen deshalb aufzubauen.
Die ersten Jahre seiner Kindheit verbrachte er bei seinen Großltern, da seine Eltern krankheitsbedingt nicht für ihn da sein konnten (danach aber schon).
Ich habe ihn öfters gefragt ob er denn Probleme habe mir zu vertrauen und er sagte jedes mal "nein das hab ich jetzt abgeschlossen" - ich habe ihm aber nie geglaubt, denn er hatte öfters Tränen in den Augen als er erzählte wie heftig das Gefühl war gesagt zu bekommen er wurde betrogen (schon über 1 Jahr bzw 4 Jahre her).

Anfangs war alles gut zwischen uns. Er ließ unsere Beziehung sehr schnell ernst werden und sprach von Zusammenziehen nächsten Jahr (alles von sich aus) und erwähnte Heiraten und Kinder. Mir fiel aber auf, dass er in der Öffentlichkeit eigentlich nie Zärtlichkeiten von sich aus mit mir austauschte. Nicht mal Händchen halten von sich aus. Ich dachte damals er sei dafür einfach nicht so der Typ. Als ich davon sprach ihm meinem Freundeskreis vorzustellen, war er begeistert, aber er sprach nie davon mich in seinen zu integrieren.

Sex hatten wir, aber er ging öfters von mir aus als von ihm (was ich als Frau nicht kannte). Er erzählte mir auch er möge beispielsweise keine Massagen weil er nicht möchte, dass man Fremde ihn anfassen. Auch von mir wollte er keine Massagen. Küsse und Umarmungen seierseits waren sehr selten. Nur im Schlaf drängte er sich immer ganz eng an mich und ließ mich nicht mehr los. Er drückte sogar richtig zu, so dass ich Probleme hatte mich auch nur umzudrehen. 

Zudem ist er Workaholic und laut eigenen Aussagen nicht in der Lage sich auch nur eine halbe Stunde Ruhepause zu gönnen. In unseren 3 Monaten haben wir nur einen gemeinsamen Tag verbracht (nach dem ich gefragt habe). Er sprach aber öfters seinerseits von gemeinsamen Urlauben nächsten Jahr und hat sogar schon Flugpreise, Urlaubsort und Hotels rausgesucht.

Außerdem mag er sich selbst nicht. Er ließ oftmals Aussagen fallen wie "du könntest auch jnd anderes haben" "in 4 Wochen willst du bestimmt nichts mehr von mir wissen"...

Vor kurzem hatten wir Streit. Ich war sauer weil er abends wieder so müde war, dass er sich kaum mehr mit mir unterhalten konnte/wollte. Im Streit bin ich gegangen. Ab da hat er sich sehr stark zurückgezogen. Irgendwann hab ich dann bemerkt, dass er sich Datingapps auf sein Handy geladen hat. Ich habe ihn damit wüten am Telefon konfronitiert wo er mir dann völlig verwirrende Erklärungen lieferte. Als allererstes sprach er davon, dass ich jemanden bräcuhte der sich beruflich auf mich einrichten könne (er macht ja nie Pause arbeitet, studiert, Sport, ehrenamtliche Tätigkeieit usw) dann sprach er davon, dass er kein Vertrauen zu mir fassen konnte weil er sonst wieder verletzt werden würde. Und dass er Angst habe, dass ich mehr für ihn empfinde weil ich im Streit furchtbar geweint hätte und er mich nicht verletzten wolle. Dann sagte er, er hätte auf jeden Fall Gefühle für mich und wir werden uns baldmöglichst (ich war bei meiner Familie) treffen und er möchte mich nicht verlieren. Ich war dann doch ziemlich wütend und habe sauer das Telefon aufgeglegt. Daraufhin hat er mich bei Facebook gelöscht. Bei einer späteren weitereren Aussprache am Telefon sagte er, er könnte mir das alles nicht erklären. Das Gefühl als ich im Streit einfach nach Hause gegangen sei und ihn dort sitzen lassen habe, habe eine Art Lähmung in ihm ausgelöst. Er könne es nicht beschreiben aber das Gefühl könne er nicht wieder zulassen. Ich habe ihm einen Brief geschrieben, dann hat er mich kontaktiert und nun möchte er sich wieder treffen und nochmal reden. Und je nachdem was im Gespräch herauskommt nochmal von vorn anfangen... ich weiß nicht ob das eine gute Idee ist.

Hat jemand Erfahrung mit Bindungsangst? Ist das wirklich typisch für Bindungsangst (zb das Löschen bei Facebook, daraufhin folgte ein tagelanger Rückzug und ich musste ihn für eine Aussprache kontaktieren, das lähmende Gefühl von dem er sprach, kein Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit, aber gleichzeitig Zusammenziehen vorschlagen, Urlaub vorschlagen und von Heiraten reden etc? ) oder empfindet er einfach zu wenig für mich? Ich bin völlig verwirrt und wäre um jeden Rat/Erfahrung/Vermutung dankbar.


 

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10. Januar 2017 um 18:44

ja wir waren meistens bei ihm zuhause. er hat ja auch ncih viel zeit mit seinen freunden was zu machen da er so viel arbeitet und studiert etc

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10. Januar 2017 um 18:46

nein das auf keinen fall. er hatte sonst eine sehr behütete kindheit und hat diese eigenschaft an sich selbst als "komisch" abgetan und gegrinst...

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10. Januar 2017 um 19:06

also meinst du es ist schon bindungsangst? ich bin mir nach 3 monaten beziehung so unsicher ob er nicht nur ausreden sucht mir zu sagen dass er zu wenig empfindet. bin sehr sehr verunsichert... und weiß nicht was ich tun soll. 

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10. Januar 2017 um 19:28
In Antwort auf cedar_12965370

Hallo, 

ich brauche dringend eurem Rat. Die Ausgangssituation sieht folgendermaßen aus: Ich bin mit meinem Freund seit 3 Monaten zusammen. Er wurde in beiden vorherigen Beziehungen, die er hatte, betrogen. Wir haben offen darüber gesprochen und er hat gesagt, dass es ihm sehr schwer falle im Allgemeinen Vertrauen deshalb aufzubauen.
Die ersten Jahre seiner Kindheit verbrachte er bei seinen Großltern, da seine Eltern krankheitsbedingt nicht für ihn da sein konnten (danach aber schon).
Ich habe ihn öfters gefragt ob er denn Probleme habe mir zu vertrauen und er sagte jedes mal "nein das hab ich jetzt abgeschlossen" - ich habe ihm aber nie geglaubt, denn er hatte öfters Tränen in den Augen als er erzählte wie heftig das Gefühl war gesagt zu bekommen er wurde betrogen (schon über 1 Jahr bzw 4 Jahre her).

Anfangs war alles gut zwischen uns. Er ließ unsere Beziehung sehr schnell ernst werden und sprach von Zusammenziehen nächsten Jahr (alles von sich aus) und erwähnte Heiraten und Kinder. Mir fiel aber auf, dass er in der Öffentlichkeit eigentlich nie Zärtlichkeiten von sich aus mit mir austauschte. Nicht mal Händchen halten von sich aus. Ich dachte damals er sei dafür einfach nicht so der Typ. Als ich davon sprach ihm meinem Freundeskreis vorzustellen, war er begeistert, aber er sprach nie davon mich in seinen zu integrieren.

Sex hatten wir, aber er ging öfters von mir aus als von ihm (was ich als Frau nicht kannte). Er erzählte mir auch er möge beispielsweise keine Massagen weil er nicht möchte, dass man Fremde ihn anfassen. Auch von mir wollte er keine Massagen. Küsse und Umarmungen seierseits waren sehr selten. Nur im Schlaf drängte er sich immer ganz eng an mich und ließ mich nicht mehr los. Er drückte sogar richtig zu, so dass ich Probleme hatte mich auch nur umzudrehen. 

Zudem ist er Workaholic und laut eigenen Aussagen nicht in der Lage sich auch nur eine halbe Stunde Ruhepause zu gönnen. In unseren 3 Monaten haben wir nur einen gemeinsamen Tag verbracht (nach dem ich gefragt habe). Er sprach aber öfters seinerseits von gemeinsamen Urlauben nächsten Jahr und hat sogar schon Flugpreise, Urlaubsort und Hotels rausgesucht.

Außerdem mag er sich selbst nicht. Er ließ oftmals Aussagen fallen wie "du könntest auch jnd anderes haben" "in 4 Wochen willst du bestimmt nichts mehr von mir wissen"...

Vor kurzem hatten wir Streit. Ich war sauer weil er abends wieder so müde war, dass er sich kaum mehr mit mir unterhalten konnte/wollte. Im Streit bin ich gegangen. Ab da hat er sich sehr stark zurückgezogen. Irgendwann hab ich dann bemerkt, dass er sich Datingapps auf sein Handy geladen hat. Ich habe ihn damit wüten am Telefon konfronitiert wo er mir dann völlig verwirrende Erklärungen lieferte. Als allererstes sprach er davon, dass ich jemanden bräcuhte der sich beruflich auf mich einrichten könne (er macht ja nie Pause arbeitet, studiert, Sport, ehrenamtliche Tätigkeieit usw) dann sprach er davon, dass er kein Vertrauen zu mir fassen konnte weil er sonst wieder verletzt werden würde. Und dass er Angst habe, dass ich mehr für ihn empfinde weil ich im Streit furchtbar geweint hätte und er mich nicht verletzten wolle. Dann sagte er, er hätte auf jeden Fall Gefühle für mich und wir werden uns baldmöglichst (ich war bei meiner Familie) treffen und er möchte mich nicht verlieren. Ich war dann doch ziemlich wütend und habe sauer das Telefon aufgeglegt. Daraufhin hat er mich bei Facebook gelöscht. Bei einer späteren weitereren Aussprache am Telefon sagte er, er könnte mir das alles nicht erklären. Das Gefühl als ich im Streit einfach nach Hause gegangen sei und ihn dort sitzen lassen habe, habe eine Art Lähmung in ihm ausgelöst. Er könne es nicht beschreiben aber das Gefühl könne er nicht wieder zulassen. Ich habe ihm einen Brief geschrieben, dann hat er mich kontaktiert und nun möchte er sich wieder treffen und nochmal reden. Und je nachdem was im Gespräch herauskommt nochmal von vorn anfangen... ich weiß nicht ob das eine gute Idee ist.

Hat jemand Erfahrung mit Bindungsangst? Ist das wirklich typisch für Bindungsangst (zb das Löschen bei Facebook, daraufhin folgte ein tagelanger Rückzug und ich musste ihn für eine Aussprache kontaktieren, das lähmende Gefühl von dem er sprach, kein Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit, aber gleichzeitig Zusammenziehen vorschlagen, Urlaub vorschlagen und von Heiraten reden etc? ) oder empfindet er einfach zu wenig für mich? Ich bin völlig verwirrt und wäre um jeden Rat/Erfahrung/Vermutung dankbar.


 

das ist von aussen schwer zu unterscheiden.

Abgesehen davon: für Dich zählen primär die Auswirkungen. Es verletzt Dich. Das ist der Fakt. Welche Rolle spielt das Warum?

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10. Januar 2017 um 19:30

weil ich ihm bei einer bindungsstörung natürlich noch die chance der weiterführung einer beziehung mit therapie einräumen würde... ich weiß nicht ob das vergebene liebesmüh ist..

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10. Januar 2017 um 19:55
In Antwort auf cedar_12965370

weil ich ihm bei einer bindungsstörung natürlich noch die chance der weiterführung einer beziehung mit therapie einräumen würde... ich weiß nicht ob das vergebene liebesmüh ist..

Natürlich? ^^
Mit anderen Worten: Du würdest "natürlich" gern mit dem weiter machen, was Dich verletzt und was Du eigentlich nicht erträgst und "natürlich" damit weit über Deine eigenen Grenzen gehen und "natürlich" Dein Herz noch ein paar mal zerfleddern lassen, wenn Dir nur irgendwer im Internet schreibt, dass es sein kann, dass es eine Chance gibt?

Sorry für die harten Worte, aber...

Ich fange anders herum an: ich kenne Bindungsangst. ZU gut. Habe ich nämlich selbst und so gar nicht wenig davon. Aber ob es bei Dir "vergebene Liebesmüh" (interessante Wortwahl in dem Kontext...) ist oder nicht.
Erstens: noch nicht einmal Fachleute könnten Dir nach einer Beschreibung wie Deiner (auch nicht, wenn die noch 2 Seiten ausführlicher ist) sagen, ob das Bindungsangst ist oder nicht - sie müssten eine Diagnostik machen - mit dem Betroffenen selbst - und ich gehöre nicht zu den Fachleuten, ich muss mich "nur" selbst damit herumschlagen.
Zweitens: eine Therapie im psych. Bereich ist etwas ganz anderes als bei einem gebrochenen Bein. Ja, das KANN funktionieren. Und es ist die bei weitem leichteste Chance, dass es funktioniert, deswegen ist jedem dazu zu raten. Nur ... wie soll ich sagen... die Chancen dafür, liegen nicht über 90%. Auch nicht über 80% - und mehr kann und darf ich als Laie dazu nicht sagen. KANN auch sein, dass es schlimmer wird. Oder gar nichts ändert. Dann kann (und sollte) man noch eine machen. Und ggf. noch eine. Und dann kann man von vorn anfangen oder über alternative Wege nachdenken.
Ausserdem sprechen wir bei einer "Therapie" nicht von Wochen, sondern bestenfalls von Monaten. Und nein, ich meine nicht "nur" 3 Monate, damit ist er schon einmal kein Notfall - d.h. Wartezeiten von mehreren Monaten (3-6 afaik mindestens) bis er überhaupt mit einer anfangen könnte, sind völlig normal. Bis die Therapie greift, vergehen weitere Monate. Im besten Falle. Ausserdem wird das "auf und ab" zuerst einmal (deutlich) schlimmer werden.

Und das alles würdest Du "natürlich" mitmachen? Sorry, wenn ich das so direkt sage, aber ich glaube, Du weißt nicht, was Du da sagst.
Kurz: ich denke Du unterschätzt das. Und zwar übel.
Ja, es IST möglich, dass man damit eine intakte Beziehung führen kann. Aber es ist ein ziemlich häßlicher und langer Weg da hin. Den erstens nicht jeder schafft (und das hängt primär von der Persönlichkeit, vom Charakter (beider) ab und NICHT, ganz, ganz sicher NICHT davon, dass die Liebe nur stark genug sein muss!!!) und zweitens gut überlegt sein will, ob man sich das antun möchte. Denn es bedeutet, dass beide lange Zeit in ihrer persönlichen, privaten Hölle verbringen werden - für eine CHANCE, dass es klappen KANN.

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