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Tut es irgendwann nicht mehr so schrecklich weh?

13. September 2005 um 16:46

Heute vor einem Jahr und einem Monat ist mein Vater gestorben. Er wurde nur 64 Jahre alt.
Mein Vater überließ (wie es wohl früher üblich war) die Erziehung ganz meiner Mutter. Meine Schwester und ich konnten nie eine richtige Beziehung zu ihm aufbauen. Das hat mich immer sehr belastet.
Im Januar 2004 bekam ich die Nachricht, das er an Krebs erkrankt ist und nicht mehr lange leben würde.
Dieser Tag änderte mein Leben. Ich versuchte so oft bei ihm zu sein wie ich konnte. Es war nicht immer einfach, da ich drei Kinder habe und auch noch berufstätig bin. Meine Kinder (damals 7, 11 & 13 Jahre) und mein Mann unterstützen mich so gut sie konnten. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.
In den 7 Monaten seiner Krankheit lernten wir uns gegenseitig richtig kennen und respektieren. Es war so schrecklich- endlich hatte ich das was ich ein Leben lang gesucht habe, aber ich wusste das ich es nicht behalten durfte. Trotzdem bin ich dankbar für diese Zeit.
Nun nach über einem Jahr ist die Trauer um meinen Vater immer noch so groß und schwer.
Sagt man nicht, die Zeit heilt alle Wunden?
Wer kann mir sagen, ob es irgendwann nicht mehr so wehtut.
Liebe Grüße Susi

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13. September 2005 um 16:57

Liebe susi.Es tut mir sehr sehr leid für Dich und
ich kann Dich sehr gut verstehen, als mein Vater damals starb wollte und konnte ich es noch nicht wahrhaben.

Es tat weh, sehr weh, viele ungesagte Worte, vieles an schlechtem Gewissen nicht alles oder ab und zu mal mit ihm gestritten zu haben, das Unverständnis warum es so war, dass er solange leiden musste.

Ich hab dann nächtelang vor dem Foto gesessen und geredet und geweint bis ich keine Tränen mehr hatte.

Ein sehr weiser älerer Mann gab mir damals den Rat, den ich Dir jetzt geben möchte:

" Liebes, die Erinnerung an Deinen Vater, kann Dir niemand nehmen und solange Du Dich an ihn erinnerst ist er immer bei Dir in Deinem Herzen daheim"

Seitdem ich das weiß, geht es mir besser und tut nicht mehr so sehr weh, denn für mich ist er da!

alles Liebe und Gute
Fortunia

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13. September 2005 um 17:00

Die nähe des todes
liebe susi,

verändert die menschen.
plötzlich hat der sterbende das bedürfnis, dinge, die in seinem leben "falsch" gelaufen sind in ordnung zu bringen. dieses bedürfnis wird von angehörigen nicht immer erkannt und viele können damit nicht umgehen.
du hattest das große glück deinen vater vor seinem ende noch einmal neu kennenzulernen. daran wirst du dich zeit lebens mit freude und wehmut erinnern.
jeder mensch der uns etwas bedeutet bekommt einen platz in unserem leben, nach seinem tod bleibt der platz leer, was bleibt sind die erinnerungen.
den gefühlen, die uns mit diesem menschen verbinden folgen die erinnerungen an diese gefühle.
wenn dieser punkt erreicht ist fühlt sich der schmerz nicht mehr so intensiv an, aber die erinnerung an diesen schmerz kann uns jederzeit erreichen und zu tränen rühren.
der tod meines bruders (damals17) liegt jetzt 31 jahre zurück und es gibt immer wieder momente in denen ich die tränen nicht zurückhalten kann - wozu auch - den schmerz fühle ich nicht mehr aber ich kann mich gut an ihn erinnern.

manndel

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16. September 2005 um 21:38

RE: "Tut es irgendwann nicht mehr so schrecklich weh?"

Hey Susi!

Ich kann Deinen Schmerz voll und ganz nachempfinden und mir geht es da nicht anders wie Dir!
Auch ich stell mir diese Frage... WANN hört dieser Schmerz, der so unendlich scheint, endlich auf?!
Aber ich denke, so ist das Leben, auch wenn es ziemlich hart und ungerecht scheint!
Ich weiß aus eigener Erfahrung, trotz des unendlichen Schmerzes, sich die Frage zu stellen wie man mit der jetzigen Situation umgehen soll!?!
Es ist ... schwer, vorallen wenn man selber diesen Schmerz in sich trägt, aber dennoch verstecken muss...vor Anderen, vor denen die quietsch lebendig durchs Leben gehen, fröhlich sind.. um dann nicht als trauerender Ausseitenseiter da zu stehen, weil man Angst hat sich wegen seiner Trauer und dem dazugehörigen Schmerz sich von Leuten zu distanzieren die einem Tagtäglich umgeben.
Dadurch wird man schnell als Träumer abgestempelt, aber man selber fragt sich jeden Tag, wie man damit umgehen soll, wie lange man noch fähig ist diesen Schmerz auszuhalten... geht mir zumindestens so!

Aber ich find's mutig von Dir, das hier nieder zu schreiben!
Ich dagegen hab ne Scheu davor, vielleicht weil ich Angst habe das der Schmerz sich tiefer in meine verletzte, weinende und schreiende Seele bohrt, als er es eh schon tut!?!
Okay*puuuhst*.....
Mein Paps ist Anfang diesen Jahres verstorben, anfang Janauar....es kam ganz plötzlich!
Wobei uns die Ärzte letztes Jahr gesagt haben das wenn Er 2004 überlebt, das dies an ein Wunder grenzen würde!
Wir haben damit nicht gehant, weil es so schien als ob es Ihm wieder bald ganz viel besser gehen würde und haben uns somit an den Vermutungen der Ärzte nicht festgehalten!
Er war vor 10 Jahren an Krebs erkrankt (Gehirntumor) ausgelöst durch ein Hypophysensyndrom (Fehlfunktion der Hirnanhangsdrüse), dann kamen noch ettliche andere Krankheiten hinzu.
Meine Eltern gennerell sind meine größten Vorbilder, so wie sie mich erzogen haben, so werd ich auch mal später meine eigenden Kinder erziehen (bin '23)!
Die letzten 10 Jahre waren für mich nicht ganz so hart, ich war ja daran gewöhnt.
Auch daran, jeden Tag mit einer **** Angst nach Hause zu kommen und zu erfahren oder mit zu erleben, das mein Paps nicht mehr "real" lebt!
Das war trotz allem nicht schlimm.
Dass, was jetzt ist, ist schlimm....es ist die Hölle!
Ich hab ein tolles Verhältnis zu meinem Paps gehabt, er war bzw. ist es immer noch mein bester Freund!
Wenn Wir zusammen waren, und das waren wir tagtäglich da ich immer noch zu Hause wohne, haben Wir nur Flausen im Kopf gehabt.
Na ja, das Leben geht weiter...muss es ja!

An diesem Spruch " Die Zeit heilt alle Wunden", glaub ich nicht drann.
Aber an diese hier ein wenig; -Wenn man im Gedanken und im Herzen der Liebenden weiter lebt, ist man "nur" fern nicht tod. Tod ist man erst dann, wenn man vergessen ist- und "Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir ungefragt weggehen und Abschied nehmen müssen" (Zitat: Albert Schweizer).

In diesem Sinne, wünsch ich allen, die so ähnlich fühlen, alles Gute und viel Kraft!

Twin06

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21. September 2005 um 13:28

Auch die Zeit braucht Zeit
Liebe Susi,

vor einem halben Jahr ist meine Oma gestorben an der ich sehr gehangen habe. Ich muss dir sagen, es scheint lange zu dauern bis die Zeit solche Wunden heilt. ABer ich habe das Gefühl es wird irgendwann besser, auch wenn es glaube ich nie ganz aufhört. Aber du solltest dankbar dafür sein, dass ihr euch noch so nah gekommen seid, manchen Menschen ist das nicht vergönnt. Als dein Vater starb wusste er das du ihn liebst und du weisst das er dich geliebt hat und das ist doch das wichtigste oder? Ausserdem glaube ich, dass er noch immer bei dir ist.. egal was du machst er schaut dir immer zu...

Ich hoffe es geht dir bald besser

LIebe Grüße Larissia

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21. September 2005 um 13:49

Der Spruch
"Die Zeit heilt alle Wunden" finde ich überhaupt nicht passend.

Wenn man einen geliebten Menschen verliert, dann reisst innerlich so eine grosse Wunde ein, die nie wirklich geheilt werden kann! Man trauert immer, man vermisst den Menschen immer. Mann weint vielleicht nach Jahren nicht mehr jeden Tag aber man trägt diese Wunde immer bei sich, denn irgendein Tag erinnert an diesen Menschen und schon reisst sie wieder auf.

Ich stecke auch noch mitten drin. Mein vater starb vor 2 1/2 Wochen. Ich glaube ein Spruch könnte passen. "Die Zeit bringts"

Irgendwann bringt die Zeit ein bischen mehr Lachen, ein bischen mehr Zufriedenheit, Glück. Aber die Zeit wird nieee die Wunden heilen.

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