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Trennungsangst bei Mama

12. Juli 2019 um 14:11 Letzte Antwort: 12. Juli 2019 um 21:15

Hallo ihr Lieben

Ich habe mich in diesem Forum angemeldet, weil ich schon lange ein Problem mit mir herum trage, über das ich nicht gerne spreche. Nun dachte ich mir, wenn ich anonym bleiben kann, gehts vielleicht ein bisschen besser.

Ich bin seit ein paar Tagen 27 Jahre alt und lebe in der Schweiz. Bin Einzelkind, wurde von meiner Mutter grossgezogen. Ich habe seit zwei Jahren einen Freund, mit dem ich seit Oktober 18 zusammen wohne.

Wahrscheinlich muss ich ein bisschen weiter ausholen, damit ihr meine Situation vielleicht ein bisschen besser nachvollziehen könnt. Entschuldigt bitte, wenn es ein langer Text wird. Aber ich merke schon jetzt, dass es mir gut tut, einfach mal alles von der Seele zu schreiben.

Ich bin ein sehr emotionaler und feinfühliger Mensch. Meine Mama hat Diabetes, Bluthochdruck, zum Teil Depressionen, hatte schon Hautkrebs und Rückenprobleme. Da ich die meiste Zeit meines Lebens mit Mama verbracht habe, ist unsere Bindung extrem stark. Ich kann mit ihr über alles reden, sie verurteilt mich nicht und hat mich schon aus jeglicher, noch so hoffnungslosen Situation rausgeholt. Sozusagen ist sie meine Mama und gleichzeitig meine beste Freundin.

Seit zwei Jahren habe ich einen Freund. Unsere Beziehung ist nahezu perfekt. Er lebte etwa 25 km weit weg von mir. Als er ein Jobangebot in meiner Nähe bekam, fragte er mich ob ich mir vorstellen könnte, mit ihm zusammen zu leben. Mir schnürte es die Kehle zu weil ich nicht wusste wie ich reagieren sollte. Natürlich habe ich mich gefreut, dass er sich überlegte in meine Nähe zu ziehen aber eigentlich wollte ich lieber bei Mama bleiben (und das mit 25!). Da ich ihm den Job nicht versauen wollte, stimmte ich zu.

Als ich das Mama erzählte, freute sie sich, dass er in unsere Nähe kommen wollte und ich nicht 'so weit' weg ziehen muss und ich? Ich weinte Tag und Nacht. Ich hatte so ein schlechtes Gewissen weil ich Mama nicht alleine in UNSEREM zu Hause sitzen lassen wollte. Ich hab mit ihr stundenlang darüber gesprochen und sie sagte mir immer und immer wieder, dass das doch alles kein Problem ist und dass sie ja nicht alleine ist, weil sie ja noch die Katzen hat (na toll..). Auf der einen Seite beruhigte mich das, auf der anderen Seite, glaubte ich ihr kein Wort. Noch heute denke ich, dass sie das alles nur sagt, damit ich mal ein bisschen runter kommen kann. 

Mein Freund weiss von all meinen Ängsten und meinem schlechten Gewissen nichts. Er weiss nur, dass ich nicht weit von ihr wegziehen möchte, weil sie eben ihre Krankheiten hat und ich für sie da sein möchte, wenn es ihr schlecht gehen sollte. Aber dieses schlechte Gewissen und dieses 'nicht loslassen können', macht mich schon bald krank. Sobald mein Freund mal nicht zuhause ist, rufe ich sie an oder unternehme etwas mit ihr. Meine Freunde sowie auch ich selbst, bleiben auf der Strecke. Ich versuche meine Woche so zu planen, dass ich genug Zeit mit Mama habe und mein Freund aber davon nichts merkt. Ich schäme mich vor ihm und ich weiss auch, dass er das nicht verstehen wird, da er nicht so eine enge Verbindung zu seiner Familie hat. Ich heule mich so oft in den Schlaf, weil ich einfach an einem Punkt angekommen bin, an denen ich es meiner Mama und meinem Freund recht machen will und ich.. ja ich renne von einem Ort zum anderen, nur um genug Zeit mit meinen Liebsten zu verbingen und Zeit für mich, finde ich dabei nicht.

Ich habe mir auch schon überlegt zu einem Psychiater zu gehen aber was sollte das denn bringen? Der Fakt, dass Mama jeden Abend alleine am Esstisch sitzt und ihre Krankheiten hat, bleibt ja bestehen auch wenn ich mit einem Psychiater rede, der mir sagt, dass ich mit 27 mein eigenes Leben leben sollte und meine Mama auch ganz gut alleine zurecht kommt- das weiss ich! Ändern kann ich aber dennoch nichts. Auch jetzt, wenn ich hier schreibe, kullern mir Tränen übers Gesicht. Ich denke daran, dass ich heute Abend gemeinsam mit meinem Freund am Esstisch sitze, während dessen meine Mama alleine zuhause sitzt. Das tut mir so unendlich weh.

Als ich mal mit meinem Freund stritt, meinte er: und was ist, wenn ich dich vor die Wahl stelle; deine Mutter oder ich? Was ist dann??. Ich wusste gar nichts darauf zu Antworten, obwohl ich die Antwort direkt wusste. Würde er mich vor so eine Wahl stellen, würde ich mich von ihm trennen. Schon nur alleine aus dem Grund, weil er sich in diesem Moment gegen mich, meine Gefühle, mein Sein und meine Mama stellt. Ist das schlimm?
Er entschuldigte sich danach auch wieder und meinte, dass er das natürlich nie machen würde. Ich habe jedoch das Gefühl, wenn er zu Hause ist und ich mit Mama telefonier, wirkt er total genervt. Ich muss dazu sagen, dass das nicht stundenlanges Telefonieren ist. Meist ruft sie mich an, wenn sie von der Arbeit kommt und fragt mich, wie mein Tag war. Ich bin in dieser Zeit eh meistens am Kochen und er irgendwo im Garten oder vor der Glotze- sollte ihn ja eigentlich nicht stören oder sehe ich das so falsch? Ich habe auch oft Angst ihm zu sagen, dass ich Mama anrufe oder noch zu ihr gehe nach der Arbeit weil ich einfach denke, dass er mich für vollkommen bekloppt hält, weil ich gerne mit ihr Zeit verbringe..dabei ist ja eigentlich mein Leben und ich kann dann zu meiner Mama gehen, wenn ich es möchte.. oder? Wenn er nur einmal in der Woche mit seinen Eltern telefoniert, dann ist das doch auch seine Sache. Da habe ich auch nichts zu melden.

Ich glaube ich könnte ein ganzes Buch über meine Gefühle schreiben- das möchte ich euch aber hier nicht antun Hat hier vielleicht jemand schon mal was ähnliches erlebt und kann mir Tipps geben, wie am Besten damit umzugehen?

Ich wäre euch sehr sehr dankbar. Bitte verurteilt mich nicht. Ich liebe meinen Freund wirklich sehr.. aber Mama ist eben meine Familie.

Danke fürs lesen..
Sunny

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12. Juli 2019 um 18:54

Hallo Sunny,

es wäre-mein Eindruck-eine ganz gute Idee,wenn Du Dir einen kompetenten Psychotherapeuten suchen würdest.Und mit dem eine längere Zeit arbeiten würdest.

Eine enge Bindung zur Mutter -die Dich alleine grossgezogen hatte-ok..aber das was Du beschreibst liest sich schon sehr extrem.
Deine Mum geht arbeiten,lebt ihr Leben..eben alleine aber es scheint doch ok für sie zu sein..eine Frau Ende 50 vermute ich mal..
Ich las auch nichts raus,dass sie schwer krebskrank ist oder irgendwas Deine überzogene Fürsorge begründen würde.

Nur sind es Deine Gedanken,die Dich so handeln lassen.
Hol Dir Probetermine bei Psychologen und arbeite eine Weile mit dem oder der Fachfrau (Mann)..mit dem Du gut klarkommst.Ich denke,das könnte Dir helfen,den Kontakt zu Deiner Mutter auf einen normalen Level zu stellen.

Da meine ich nicht die täglichen Telefonate und das häufige Treffen,jeder so wie er mag.ABer Du hast auch ein Leben und ebenso Deine Mutter.Vielleicht findet sie einen neuen Partner irgendwann..dann wird sie auch nicht immer Zeit haben.

Ich bin überzeugt es würde Dir besser gehen wenn...es anders wäre.Ohne Zwang..ohne schlechtes GEwissen,dafür sind Therapeuten die richtigen Ansprechpartner (nicht unbedingt ein Psychiater..ein Psychotherapeut).

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12. Juli 2019 um 21:15
In Antwort auf sunny921

Hallo ihr Lieben

Ich habe mich in diesem Forum angemeldet, weil ich schon lange ein Problem mit mir herum trage, über das ich nicht gerne spreche. Nun dachte ich mir, wenn ich anonym bleiben kann, gehts vielleicht ein bisschen besser.

Ich bin seit ein paar Tagen 27 Jahre alt und lebe in der Schweiz. Bin Einzelkind, wurde von meiner Mutter grossgezogen. Ich habe seit zwei Jahren einen Freund, mit dem ich seit Oktober 18 zusammen wohne.

Wahrscheinlich muss ich ein bisschen weiter ausholen, damit ihr meine Situation vielleicht ein bisschen besser nachvollziehen könnt. Entschuldigt bitte, wenn es ein langer Text wird. Aber ich merke schon jetzt, dass es mir gut tut, einfach mal alles von der Seele zu schreiben.

Ich bin ein sehr emotionaler und feinfühliger Mensch. Meine Mama hat Diabetes, Bluthochdruck, zum Teil Depressionen, hatte schon Hautkrebs und Rückenprobleme. Da ich die meiste Zeit meines Lebens mit Mama verbracht habe, ist unsere Bindung extrem stark. Ich kann mit ihr über alles reden, sie verurteilt mich nicht und hat mich schon aus jeglicher, noch so hoffnungslosen Situation rausgeholt. Sozusagen ist sie meine Mama und gleichzeitig meine beste Freundin.

Seit zwei Jahren habe ich einen Freund. Unsere Beziehung ist nahezu perfekt. Er lebte etwa 25 km weit weg von mir. Als er ein Jobangebot in meiner Nähe bekam, fragte er mich ob ich mir vorstellen könnte, mit ihm zusammen zu leben. Mir schnürte es die Kehle zu weil ich nicht wusste wie ich reagieren sollte. Natürlich habe ich mich gefreut, dass er sich überlegte in meine Nähe zu ziehen aber eigentlich wollte ich lieber bei Mama bleiben (und das mit 25!). Da ich ihm den Job nicht versauen wollte, stimmte ich zu.

Als ich das Mama erzählte, freute sie sich, dass er in unsere Nähe kommen wollte und ich nicht 'so weit' weg ziehen muss und ich? Ich weinte Tag und Nacht. Ich hatte so ein schlechtes Gewissen weil ich Mama nicht alleine in UNSEREM zu Hause sitzen lassen wollte. Ich hab mit ihr stundenlang darüber gesprochen und sie sagte mir immer und immer wieder, dass das doch alles kein Problem ist und dass sie ja nicht alleine ist, weil sie ja noch die Katzen hat (na toll..). Auf der einen Seite beruhigte mich das, auf der anderen Seite, glaubte ich ihr kein Wort. Noch heute denke ich, dass sie das alles nur sagt, damit ich mal ein bisschen runter kommen kann. 

Mein Freund weiss von all meinen Ängsten und meinem schlechten Gewissen nichts. Er weiss nur, dass ich nicht weit von ihr wegziehen möchte, weil sie eben ihre Krankheiten hat und ich für sie da sein möchte, wenn es ihr schlecht gehen sollte. Aber dieses schlechte Gewissen und dieses 'nicht loslassen können', macht mich schon bald krank. Sobald mein Freund mal nicht zuhause ist, rufe ich sie an oder unternehme etwas mit ihr. Meine Freunde sowie auch ich selbst, bleiben auf der Strecke. Ich versuche meine Woche so zu planen, dass ich genug Zeit mit Mama habe und mein Freund aber davon nichts merkt. Ich schäme mich vor ihm und ich weiss auch, dass er das nicht verstehen wird, da er nicht so eine enge Verbindung zu seiner Familie hat. Ich heule mich so oft in den Schlaf, weil ich einfach an einem Punkt angekommen bin, an denen ich es meiner Mama und meinem Freund recht machen will und ich.. ja ich renne von einem Ort zum anderen, nur um genug Zeit mit meinen Liebsten zu verbingen und Zeit für mich, finde ich dabei nicht.

Ich habe mir auch schon überlegt zu einem Psychiater zu gehen aber was sollte das denn bringen? Der Fakt, dass Mama jeden Abend alleine am Esstisch sitzt und ihre Krankheiten hat, bleibt ja bestehen auch wenn ich mit einem Psychiater rede, der mir sagt, dass ich mit 27 mein eigenes Leben leben sollte und meine Mama auch ganz gut alleine zurecht kommt- das weiss ich! Ändern kann ich aber dennoch nichts. Auch jetzt, wenn ich hier schreibe, kullern mir Tränen übers Gesicht. Ich denke daran, dass ich heute Abend gemeinsam mit meinem Freund am Esstisch sitze, während dessen meine Mama alleine zuhause sitzt. Das tut mir so unendlich weh.

Als ich mal mit meinem Freund stritt, meinte er: und was ist, wenn ich dich vor die Wahl stelle; deine Mutter oder ich? Was ist dann??. Ich wusste gar nichts darauf zu Antworten, obwohl ich die Antwort direkt wusste. Würde er mich vor so eine Wahl stellen, würde ich mich von ihm trennen. Schon nur alleine aus dem Grund, weil er sich in diesem Moment gegen mich, meine Gefühle, mein Sein und meine Mama stellt. Ist das schlimm?
Er entschuldigte sich danach auch wieder und meinte, dass er das natürlich nie machen würde. Ich habe jedoch das Gefühl, wenn er zu Hause ist und ich mit Mama telefonier, wirkt er total genervt. Ich muss dazu sagen, dass das nicht stundenlanges Telefonieren ist. Meist ruft sie mich an, wenn sie von der Arbeit kommt und fragt mich, wie mein Tag war. Ich bin in dieser Zeit eh meistens am Kochen und er irgendwo im Garten oder vor der Glotze- sollte ihn ja eigentlich nicht stören oder sehe ich das so falsch? Ich habe auch oft Angst ihm zu sagen, dass ich Mama anrufe oder noch zu ihr gehe nach der Arbeit weil ich einfach denke, dass er mich für vollkommen bekloppt hält, weil ich gerne mit ihr Zeit verbringe..dabei ist ja eigentlich mein Leben und ich kann dann zu meiner Mama gehen, wenn ich es möchte.. oder? Wenn er nur einmal in der Woche mit seinen Eltern telefoniert, dann ist das doch auch seine Sache. Da habe ich auch nichts zu melden.

Ich glaube ich könnte ein ganzes Buch über meine Gefühle schreiben- das möchte ich euch aber hier nicht antun Hat hier vielleicht jemand schon mal was ähnliches erlebt und kann mir Tipps geben, wie am Besten damit umzugehen?

Ich wäre euch sehr sehr dankbar. Bitte verurteilt mich nicht. Ich liebe meinen Freund wirklich sehr.. aber Mama ist eben meine Familie.

Danke fürs lesen..
Sunny

Das klingt wirklich nicht nach einer gesunden Beziehung, die du da zu deiner Mutter hast. 

Es ist für deine Mutter und dich wichtig, dass du dein eigenes Leben nicht vernachlässigt!

Deine Mutter ist kein Kleinkind, was ständige Betreuung benötigt, auch im Augenblick nicht sterbenskrank, also lass sie mal ein bißchen los! Deine Mutter kann jetzt zu sich finden, du bist groß, sie kann jetzt für sich nochmal einen neuen Lebensinhalt finden. Nimm ihr diese Chance nicht indem du sie mit deiner permanenten Anwesenheit und Führsorge erdrückst..

Widme dich etwas mehr deiner Partnerschaft und deinen Freunden, denn sonst läufst du Gefahr mal ganz allein da zu stehen. Leb dein Leben und genieße es. 

Denke mal über eine Therapie nach. Ein Psychiater wird dir nicht wirklich weiterhelfen, denn der kann dir nur Medikamente verschreiben und dein Probleme lassen sich so wohl eher nicht lösen. Du solltest da ganz dringend mal ein paar Dinge aufarbeiten. 

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