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Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Trauernde Freundin, was ist noch ok?

Letzte Nachricht: 29. Mai 2015 um 17:09
H
hosea_12484786
28.05.15 um 22:33

Hi!

Ich habe ein Problem, und zwar mit einer eher nahen Freundin,- es war lange Zeit die nächste,- die schrecklicherweise vor einigen Monaten ihr erstes Kind bei der Geburt verloren hat.
Ich habe ihr sofort meine Anweseheit, Hilfe und Unterstützung angeboten kurz, was auch immer ihr recht sein oder ihr helfen würde. Regelmässig habe ich sie wissen lassen, dass ich für sie da bin und dan sie denke.
Dass erstmal nichts kam, hat mich wenig überrascht. Als sie mir nach etwa drei Wochen zum ersten Mal antwortete, dass wir uns in der darauffolgenden Woche sehen könnten, ausserdem ihr Partner bald wieder arbeiten müsse, habe ich ihr angeboten, wenn sie wollte die Nächte bei ihr zu bleiben, falls sie das möchte.
Darauf kam vier Wochen keine Antwort.
Als sie dann schrieb, sie wäre nun erstmal im Urlaub und wir könnten uns ja gerne danach treffen, war ich ehrlich gesagt nicht mehr nur gut auf sie zu sprechen. Ich komme mir selber so gemein vor und mir ist auch klar, dass ich emotional keine Vorstellung davon haben kann, was sie durchmacht, aber ich wusste einfach überhaupt nicht mehr, wie ich mich verhalten soll und fand es trotz allem nicht so einfach, dass sie nicht mal ein kleines Lebenszeichen von sich gibt, nachdem sie genau wusste dass ich Anteil an der Situation nehme.

Ich antwortete ihr dann, dass ich weg wäre, wenn sie gerade wiederkommt (das war der Fall), aber sie sich einfach melden sollte, wenn sie danach wiederum Lust auf ein Treffen hätte.
Seitdem sind zwei Monate vergangen und heute habe ich ihr geschrieben, dass ich nicht wüsste, ob sie sich so zurückziehen möchte oder ob es an mir liegen würde.
Ich habe auch eine Antwort erhalten und ich habe daraus lesen können, dass sie sehr mit sich beschäftigt ist, sich nicht aufraffen kann sich irgendwo zu melden, sich gerne mit mir treffen würde und sich Rücksichtnahme auf ihr gesamtes Verhalten wünscht. Ich möchte das hier nicht wortwörtlich wiedergeben und ich möchte auch nicht unfair sein.
Aber wie würdet ihr mit so etwas umgehen? Ich war wirklich bereit, mich auf sie einzustellen und habe bestimmt nicht das Bedürfnis, gross über mich zu sprechen oder mich sonstwie unnötig in den Vordergrund zu stellen, aber ihr Verhalten bewirkt, dass ich immer weniger Lust verspüre, sie noch zu sehen.
Kann mir jemand ein feedback geben, was er oder sie davon hält? Dankeschön!

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A
ashley_12845630
28.05.15 um 23:00

Ja kann ich,
liebe thechocolat. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die mit ihrer Trauer, gerne alleine umgehen möchten, und ich weiß auch, dass es Menschen gibt, dazu gehöre ich, die nur im ÄUßERSTEN Notfall Hilfe annehmen, weil sie eben der Überzeugung sind, dass sie keinen anderen Menschen zur Bewältigung dieses Problems brauchen. Viele Menschen wissen aber nicht, dass man sich ein solches Verhalten, in sehr, sehr langer Zeit, antrainieren kann. Wie das bei Deiner Freundin ist, weiß ich natürlich nicht. Ich kann hier nur von MIR sprechen. Das mag vielleicht seltsam klingen, weil es ja viele Menschen gibt, die sagen, alleine würde man eben dieses oder jenes Problem nicht bewältigen können. Du hast nichts falsch gemacht. Du hast Deine Hilfe angeboten, aber sie wurde nicht angenommen, oder nur teilweise. Deshalb brauchst Du Dir keine Sorgen oder gar Vorwürfe machen. Das was Du gemacht hast, ist sehr lobenswert, wenn aber Deine Freundin, aus welchen Gründen auch immer, vorzieht, sich zurückzuziehen, dann nutzt es natürlich auch nichts, wenn Du immer und immer wieder bemüht bist, ihr zu helfen. Wenn sie Deine Hilfe WIRKLICH braucht, dann wird sie sich bei Dir, zu gegebener Zeit, melden! Ich hoffe, dass ich Dir, wenigstens ein BISSCHEN helfen konnte(?)

Liebe Grüße,

lib

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H
hosea_12484786
28.05.15 um 23:09
In Antwort auf ashley_12845630

Ja kann ich,
liebe thechocolat. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die mit ihrer Trauer, gerne alleine umgehen möchten, und ich weiß auch, dass es Menschen gibt, dazu gehöre ich, die nur im ÄUßERSTEN Notfall Hilfe annehmen, weil sie eben der Überzeugung sind, dass sie keinen anderen Menschen zur Bewältigung dieses Problems brauchen. Viele Menschen wissen aber nicht, dass man sich ein solches Verhalten, in sehr, sehr langer Zeit, antrainieren kann. Wie das bei Deiner Freundin ist, weiß ich natürlich nicht. Ich kann hier nur von MIR sprechen. Das mag vielleicht seltsam klingen, weil es ja viele Menschen gibt, die sagen, alleine würde man eben dieses oder jenes Problem nicht bewältigen können. Du hast nichts falsch gemacht. Du hast Deine Hilfe angeboten, aber sie wurde nicht angenommen, oder nur teilweise. Deshalb brauchst Du Dir keine Sorgen oder gar Vorwürfe machen. Das was Du gemacht hast, ist sehr lobenswert, wenn aber Deine Freundin, aus welchen Gründen auch immer, vorzieht, sich zurückzuziehen, dann nutzt es natürlich auch nichts, wenn Du immer und immer wieder bemüht bist, ihr zu helfen. Wenn sie Deine Hilfe WIRKLICH braucht, dann wird sie sich bei Dir, zu gegebener Zeit, melden! Ich hoffe, dass ich Dir, wenigstens ein BISSCHEN helfen konnte(?)

Liebe Grüße,

lib

Danke
Hallo lightinblack,

vielen Dank für die Antwort, das hilft mir schon ein Stückchen weiter. Ich würde die betreffende Person tatsächlich so einordnen,- sie nimmt ungern Hilfe an. Das geht ja auch vollkommen in Ordnung, nur ist es nicht so einfach damit umzugehen, wenn jemand "nur" so indirekt das Signal gibt, dass er seine Ruche haben möchte und sich einfach Monate lang nicht meldet.
Was mir noch Sorgen macht ist, ob sie wohl versteht, wenn ich nicht mehr "hinter ihr herlaufe" und abwarte. Sonst komme ich mir mit der Zeit doch ein bißchen blöd vor, abgesehen davon, dass mein Verhalten ihr so anscheinend nicht gerade hilft.
Würdest Du das einem Freund oder einer Freundin übelnehmen, wenn sie sich in diesem Fall abwartend verhält?
Vielen dank auf jeden Fall nochmals!

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A
ashley_12845630
28.05.15 um 23:47

Habe ich
gerne getan.

Zu Deiner Frage: Nein, würde ich nicht, weil Du Dein Bestes gegeben hast. Und MEHR kann man von einem Menschen nicht verlangen. Wenn jemand Hilfe braucht bin ich da. Wenn diese(r) sie ablehnt, dann wird diese Person ihre/seine Gründe dafür haben.

lib

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H
hosea_12484786
29.05.15 um 17:09

Danke nochmal
Euch beiden für eure Antworten.
Janni21, ich möchte kurz ein paar Dinge richtig stellen, da ich einiges nicht geschrieben habe, worauf Du mir netterweise ein feedback gegeben hast.

Ich habe nicht geschrieben dass ich denke, sie möchte nichts mehr mit mir zu tun haben. Ich schrieb, dass ich mich gefragt habe, ob das auch eine Möglichkeit gewesen sein könnte (ob ich mich z.b. falsch verhalten habe anfangs).
Ich wollte auch nicht "bei einem Kaffee" mit ihr über alles reden. Auch wenn ich natürlich subjektiv nicht aus Erfahrung sprechen kann so stelle ich mir doch vor, dass das was sie die letzten Monate erleben musste und noch erlebt unvergleichlich schlimm ist und ich habe von Anfang an nicht erwartet, dass sie direkt mit mir darüber spricht. Die Trauernden (ich kenne ein paar) die ich kenne, hatten alle ihre eigenen Zeitpunkte und Wege, sich mit dem Verlust auseinanderzusetzen und zeitnahe Gespräche über das geschehene waren irgendwie nie die erste Wahl.

Schlussendlich habe ich mich einfach gefragt, ab wann man, bzw. ich in dieser Situation, aufhören sollte, seine Anwesenheit oder Hilfe immer wieder anzubieten.
Ich habe mich gefragt, ob meine Freundin nun wohl weiss, dass ich da wäre wenn sie es wollte und ob es eher aufdringlich wäre, sich immer wieder bei ihr zu melden und sich mit der Zeit selbst dabei ein wenig blöd vorzukommen, weil man sich seiner Sache unsicher ist. Oder ob sie sich alleine gelassen fühlen würde, wenn ich mich nun abwartend verhalte.
Über "den Propheten, der zum Berg kommt", habe ich auch nachgedacht. Ich bin mir nicht sicher.
So lange ich sie kenne, hat sie schwere Zeiten immer mit sich selbst abmachen wollen, nur so eine schwere Zeit gab es noch nie. Sie zieht sich dann immer zurück und wird sehr abweisend, wenn man sie dabei stört.
Gleichzeitig entnehme ich ihren Worten bis jetzt, dass sie sich vom Leben sehr schlecht behandelt fühlt und sich Rücksichtnahme auf ihre Person und ihr Verhalten wünscht.
Alle drei Punkte kann ich gut nachvollziehen. Damit aber als Aussenstehender umzugehen, ist vor allem bei Punkt 1 nicht auf Anhieb einfach, finde ich.
Einerseits denke ich dazu , es ist wichtig und normal, sich solche Gefühle und Gedanken in der Trauerphase zuzugestehen, andererseits hoffe ich, dass dieses Gefühl bei ihr nicht anhält.
Danke auch lightinblack. Ich werde noch einwenig darüber nachdenken müssen, ich finde einfach noch kein Ruhe über die Entscheidung. Ich hoffe das wird besser, wenn ich sie endlich gesehen habe.

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