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Trauer - wann wird man denn wieder normal???

20. November 2009 um 13:23 Letzte Antwort: 30. April 2010 um 12:39

Hallo,
die ganzen Forenbeitrage handeln hauptsächlich von akuter neuer Trauer und ich würde gerne mal wissen, was andere für Erfahrungen gemacht haben, wie lange sich Trauerprozesse hinziehen.

Mein Freund (und große Liebe) ist vor einem Jahr an Krebs gestorben. Wir sind erst durch die Krankheit nach der Diagnose zusammengekommen, dadurch wußte ich von Anfang an, daß das Glück nur von kurzer Dauer sein würde. So verrückt es sich anhört, die gemeinsamen 8 Monate waren geprägt von Lebensfreude, Glück, Unbeschwertheit und Liebe. Ich denke, daß das der Grund dafür ist, daß ich das erste Trauerjahr gut überstanden hab: weil ich wußte, daß Schmerz, Trauer, Wut, Tränen, Verlust nie so schlimm wären, wenn es nicht viel bedeutetet hätte - es war irgendwie verbunden mit ganz viel Liebe und Gefühl, das immer noch so präsent war. Die ersten Monate war ich völlig in meiner eigenen Welt von Schmerz und Gefühl gefangen - mit vielen Gesprächen mit Freunden, Verwandten usw., mit viel Rückzug, Träumen, Erinnern, Tagebuch nachträglich schreiben. Andererseits hat er mir auch soviel dagelassen als ob sein Feuer in mir weiterbrannte hab ich mich auch in Aktivitäten gestürzt: mein Freund war sehr engagiert im Sportverein und ich habe mich in ähnliches hineingestürzt: hab den Schiedsrichter -Ausbildung gemacht, angefangen, eine Jugendmannschaft zu trainieren und so. Wir haben sogar ein Gedächtnisturnier veranstaltet. Das war das erste Jahr. Und irgendwie dachte ich immer, ich muß nur das erste Jahr rumkriegen, dann wird alles so langsam besser. Das ist aber überhaupt nicht so: im Gegenteil!! Nach dem 1. Jahrestag/Todestag bin ich in so ein furchtbares Loch gestürzt und in dem sitze ich nun schon sechs Wochen und komme nicht wieder raus. Hatte ich vorher diese ganze Trauer/Gefühle-Energie genutzt fühle ich mich nur noch leer, ohne einen Funken an Gefühl. Ich muß immer noch täglich an ihn denken, weine auch wieder öfter und frage mich, hört das denn nie auf?? Und ich frage mich auch: wie viel loslassen muß ich lernen, wieviel darf ich behalten? Ist es langsam an der Zeit seine Zahnbürste in den Müll zu schmeissen, die bei mir eingelagerten Wechsel-Unterwäsche und Socken rauszuwerfen? Macht es einen Unterschied, ob ich in seiner oder meiner Bettwäsche schlafe? In diesen ganzen bescheuerten Trauerphasen-Theorien wird immer geschrieben, daß man irgendwann in dankbarer Erinnerung zurückblicken kann und der Schmerz nachläßt. Ist das so??? Ich hab das ganze Jahr den Einklang von Schmerz und schöner Erinnerung erlebt, ja auch Dankbarkeit darüber, daß man eine einzigartige unglaubliche, intensive magische Zeit erleben durfte. Jetzt habe ich das Gefühl, daß er ganz weit weg ist, ich ihn verloren hab, die Erinnerung wird blasser - er ist nicht mehr greifbar, mein Gefühl für ihn spüre ich nicht mehr - aber der beschissene Schmerz ist geblieben!! Und woher weiß ich, daß das immer noch Trauer ist und keine tiefe Depression darüber, daß es noch 10 andere Baustellen im Leben gibt, mit denen man nicht klar kommt? Im Moment komme ich gar nicht klar. Ich weiß, daß Trauer in Schüben kommt, aber läßt das irgendwann mal nach???

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2. Dezember 2009 um 11:15

Hallo!
Erstens,es tut mir Leid für deinen Verlust!
Was ich dir sagen kann,ist dass ich selber letztes Jahr jemanden verloren hab.Und zwar meine kleine Schwester.Ende Juli ist sie gestorben,ende Sept.wäre sie 21 geworden.
Ich,weiss...man kann es nicht vergleichen.Denn Liebe kann so viele Gesichter haben.
Du hast so schön geschrieben.Du hast es hinbekommen,das zu schreiben was dir auf der Seele wehtut.Dir ist bewusst dass du leiden musst,dass du dir Zeit lassen musst,dass es weh tun musst,so lange du ihn so geliebt hast.Du liebst ihn immernoch.Oder die Errinerungen,die dir keine Ruhe lassen.
Du meintest du spürst auch Wut.Das hab ich auch gespürt.Und jetzt manchmal wieder.Aber ich weiss nicht ob uns das weiter bringen kann.
Versuch,so wie du selber erkannt hast,dich mehr um dein Leben zu kümmern,dein jetztiges Leben.Um deine Baustellen,wie du sie nennst.
Die Trauer,die schmerzhaften Errinerungen,die Sehnsucht...sie werden nachlassen.Das hoffe ich für dich und für mich.Aber ich glaube es hängt vieeel von uns ab.Wann und wie schnell das passiert.
Ich wünsche dir viel Kraft und Mut die schwersten Zeiten zu überwinden und ich hoffe dass du weiter in deinem Tagebuch schreibst,denn schreiben hilft dir besser dich zu betrachten.Hab Vertrauen und lass deinen Kopf nicht hängen.
Lebe dein Leben weiter! Für dich und für ihn!

Alles Gute und wenn du nicht sicher bist,such Hilfe bei einem Profi.Du weisst was ich meine.Es kann nicht schaden.

LG Sofia


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10. Dezember 2009 um 13:05

Trost
Liebe Chrissie,
meine große Liebe ist am letzten Mittwoch unverhofft gestorben. Sein schmerzerfülltes Herz hat seinem turbulenten Lebenswandel nicht mehr standgehalten. Deshalb kann ich dir nicht wirklich Trost spenden, dir nur sagen, ich denke die gleichen Gedanken wie du und habe auch Angst, wie es jetzt weitergeht.
Momentan bin ich noch mit den Endlosschleifen im Kopf beschäftigt und werde immer wieder von Traueranfällen geschüttelt. Es ist erst 2 Tage her, dass ich von seinem Tod erfahren habe. Sein Telefon war tagelang aus und ich wusste, da war was schlimmes passiert. Wir waren nicht mehr zusammen, deshalb konnte ich nur eine Freundin beauftragen, in seiner Firma nach ihm zu fragen. Wir hatten erst in den letzten Wochen wieder aktiven Kontakt zueinander aufgenommen, haben uns alles gesagt, was wir die ganzen Jahre nicht konnten oder einfach versäumt haben. Es war, als hätten wir beide die Dringlichkeit gespürt, ohne ein Wort darüber zu verlieren.
Ich hoffe, dass es mich eines Tages beruhigt, dass wir im Frieden und ganz viel Liebe auseinander gegangen sind. Ich vertraue der Zeit..
Ich wünsche dir und auch mir, dass dieser beschissene Schmerz, den ich genauso fühle wie du, im Laufe der Zeit nachlässt. Dass es neue Dinge gibt, die unser Leben mit Energie und Liebe füllen und dass wir die schönen Erinnerungen schmerzfrei in unseren Herzen bewahren können.
Ich wünsche dir ganz, ganz viel Kraft, Liebe und viele gute Freunde, die dir zuhören und so hoffentlich deinen Schmerz lindern. Teile den Schmerz, dann wird er kleiner und kleiner! Ich denke an dich und deine Geschichte.
Viele Grüße
Julia

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30. April 2010 um 12:39

Trauer kann Jahre dauern
Also,ich kann Dir sagen,daß Trauer Jahre andauern kann.Mein erster Mann starb 1991 im Alter von 22 Jahren an einer Überdosis Heroin,ich fand ihn damals tot im Badezimmer,nachts um halb 4.Er war und ist die große liebe meines Lebens..ich habe erst vor 4 Jahren geschafft,ihn endlich los zu lassen.Sicher hatte ich beziehungen nach ihm,war 14 Jahre verheiratet(aber ich habe meinen 2.Mann nie geliebt)Aus meiner 1.Ehe habe ich eine Tochter und aus meiner 2.Ehe auch.Erst jetzt,nach 19Jahren....bin ich bereit mich wieder auf die Liebe einzulassen.Ohne schlechtes Gewissen.Mit meinem jetztigem Partner bin ich verdammt glücklich,aber ich möchte ihn nich auch verlieren,ich glaube,dann würde ich ohne Umschweife hinterher gehen.
Liebe Grüße,Kerstin

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