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Trauer um meinen Bruder

6. Juli 2007 um 16:58

Hallo Ihr,
im Moment weiß ich nicht was ich tun soll.
Vielleicht weiß ja jemand von Euch einen "guten" Rat.
Also: Mein Bruder war selbstständig und hatte eine Firma mit LKW`s. Als er einen davon reparieren wollte
hatte er diesen nicht richtig abgesichert und wurde von ihm regelrecht zerquetscht. (Das war im November 2005.) Meine Mutter stand daneben und konnte nichts tun. Ich habe mich Hals über Kopf in`s Geschäft gestürzt mein Mann hat mich unterstützt aber er hat mich nie in den Arm genommen und getröstet sondern sich immer weiter (innerlich) entfernt, was mir zusätzlich weh tut. Meinen Eltern geht es auch immer noch sehr schlecht, es machen sich auch alle sorgen um meine Eltern aber bei mir ist das ja anscheinend nicht so schlimm denn ich bin ja nur die Schwester.
Ich und mein Bruder wir haben uns super verstanden und waren immer füreinander da wenn einer ein Problem hatte. Und jetzt bin ich alleine und alles was ich habe sind Eltern die nicht mehr allein sein wollen oder können, eine Firma mit 10 Arbeitern, einen Mann der kein Verständnis hat daß meine Eltern trauern und mir erklärt daß ich eh alles falsch mache und alles nur organisationssache ist, und zwei Kinder (6 u.9 J.)die mir noch halt geben und die auch oft die Stimmungsschwankungen von mir aushalten müssen.
Ich habe jeden Tag funktioniert aber langsam verlässt mich die Kraft. Ich weiß nicht wie es weitergehen soll.
Aber kann es sein, daß man als Schwester nicht das recht hat zu trauern solange noch die armen Eltern da sind ?

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2. August 2007 um 22:16

Trauer um den Bruder
Hallo lissi82,
ich glaube nicht, dass ich Dir wirklich helfen kann, aber ich wollte Dir ein paar Worte zu Deinen Fragen schicken.
Ich habe meinen Bruder auch verloren, vor 5 Jahren, und ich habe genau die gleichen Erfahrungen gemacht wie Du. Alle Leute haben mir gesagt, ich soll mich um meine Eltern kümmern, denen es ja jetzt schlecht geht. Mein Freund hat mir gesagt, ich soll mich nicht in meinem Selbstmitleid baden, immerhin sei ich ja nur die Schwester gewesen. Das hat mich alles so sehr verletzt, deswegen kann ich Dich so gut verstehen. Jetzt, nach 5 Jahren weiß ich, dass die Leute, die so was sagen, einfach keine Ahnung haben. Sie meinen es daher auch nicht böse, sie kapieren es bloß nicht. Der Tod Deines Bruders hat Dein Leben und Deine Persönlichkeit genauso geprägt wie Deine Eltern, Du hast also auf alle Fälle genau dasselbe Recht auf Trauer wie sie! Versuch doch mal mit Deinem Mann zu reden und ihm zu sagen, dass Du ihn jetzt mehr dennje brauchst, dass Du sehr traurig bist und dass er sehr wichtig für Dich ist. Mein Freund hat mir erst jetzt gesagt, dass er damals das Gefühl hatte, er sei gar nicht mehr wichtig für mich, weil ich so um meinen Bruder getrauert habe,und dass er sich deshalb von mir distanziert hat. Deswegen ist es vielleicht wichtig Deinem Mann zu sagen, dass Du ihn genauso liebst wie zuvor, dass er jetzt sogar besonders wichtig für Dich ist und dass Du froh bist, dass Du ihn hast. Vielleicht kann er sich dann mehr für Deine Trauer öffnen. Aber erwarte nicht von ihm, dass er Deine Trauer lindern kann, das kann nur die Zeit.
Was Deine Eltern anbelangt: Du kannst ihnen nicht helfen. Ich habe 5 Jahre lang versucht, meinen Eltern zu helfen und habe dadurch kaum mein eigenes Leben gelebt. Erst als ich selbst nicht mehr konnte und mich zurückgezogen habe, haben meine Eltern gelert, selbst ganz gut klar zu kommen. Jeder kann nur sich selbst helfen. Erwarte auch umgekehrt nicht von Deinen Eltern, dass sie Dir helfen. Das kann nicht funktionieren.
Ich war ungefähr drei Jahre lang sehr sehr traurig, es ist also ganz normal, dass das lange dauert. Du darfst nur nicht verzweifeln! Auch wenn Dus Dir jetzt nicht vorstellen kannst: Es wird irgendwann besser. Gib Dir Zeit und nimm Dir auch ab und zu Zeit für Dich, in der Du alleine sein und nur weinen kannst, das hilft. Lass die Trauer so gut Du kannst zu, mit jedem Tal, das Du durchschreitest, komst Du danach eine Stufe weiter oben raus.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute und vor allem Zuversicht - und vergiß nicht: Es wird besser!

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16. August 2007 um 15:00

Hallo lissi82,
was bei euch passiert ist,ist wirklich für jeden von euch schlimm. Deine Eltern erwarten Hilfe, die du ihnen nicht geben kannst. Aber du hast KInder und die werden unter der Situation leiden, wenn du sich nicht änderst, das soll bitte kein Vorwurf sein. Bitte hol dir Hilfe, geh in eine Trauergruppe, die gibt es in der
Zwischenzeit fast überall. Vielleicht wären auch mal "Paargespräche" angesagt, denn das mit deiner Ehe klingt ja auch nicht gerade gut.
Bitte laß es nicht so weit kommen, dass du nicht mehr kannst. Handle!!!! Im Notfall ist auch immer die Telefonseelsorge anzusprechen, das sind wunderbare Menschen,die einem dort zuhören und auch gute Ratschläge und Adressen geben können (Tag und Nacht)
liebe Grüße
viel Mut und Kraft
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