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Therapieerfahrungen?

14. März 2015 um 19:12

Hallo zusammen,

momentan bin ich mit meinem Latein am Ende und möchte einfach mal von "Betroffenen" hören, wie ihr damit umgeht bzw. die Krankheit überwunden habt. Ich möcht einfach ein bisschen Hoffnung schöpfen, weil ich gerade einfach nur fürchterliche Angst habe, dass ich mich nie wieder wie ich selbst fühlen kann. Sorry für den Roman, der es wahrscheinlich wird.

Ich bin weiblich, 25 und arbeite in der Psychiatrie (welch Ironie.) Ich bin nach der Ausbildung in meine Wahlheimat gezogen und habe gleich am Anfang meinen ersten Freund kennengelernt, für den ich so viel empfinde, wie ich es vorher noch nie habe.

Ich hätte niemals gedacht, dass ich solche Gefühle jemals haben könnte aber ich bin überglücklich. Er hat die letzten Jahre eine schwierige Zeit durchgemacht und weiht mich auch soweit er möchte in diese ein, quasi eine "Selbsttherapie" und hat sehr viel erreicht dafür, was er erleben und durchmachen wollte, zumindest von dem, was ich weiß.

Es gibt hin und wieder Tage, an denen es ihm nicht gut geht, er betont aber immer wieder, dass es nicht an mir liegt, sondern dass ihn manchmal die Vergangenheit einholt und er dann schlecht abschalten kann.
Ich habs dann immer auf mich bezogen aber das hat ja mit meinem Selbstbewusstsein zu tun. Jedenfalls liebe ich ihn sehr und er zeigt mir es jeden Tag und ich genauso. Da ich ihn früh nach meinem Umzug kennengelernt habe, hat sich für mich die Möglichkeit nicht so ergeben noch andere Leute kennenzulernen, so dass wir sehr, sehr viel Zeit miteinander verbringen, was wir jedoch immer genießen und keine Probleme gibt, wenn einer von uns Ruhe haben will, geht er in seine Wohnung und gut ist.

Ich bin mit einer Freundin zusammen in eine WG hierher gezogen und da ich eben meinen Freund sehr früh kennengelernt habe nach unserem Umzug und es die erste richtige Beziehung für mich ist, habe ich natürlich viel Zeit mit ihm verbracht.
Ich bin davon ausgegangen, dass sie genauso wie ich unter die Leute geht und die Stadt genießt, wie ich es eben gemacht und dabei meinen Freund kennengelernt habe.
Doch nach ein paar Monaten kamen nur noch Vorwürfe und wie ich sie die ganze Zeit alleine lassen kann, ihr geht es so schlecht und sie braucht mal eine Ansprache, ich kümmere mich um garnichts, WG-Leben mit mir macht keinen Spaß usw.

Ich habe versucht so lieb und verständnisvoll wie möglich zu sein, ihr Sachen abzunehmen und sie dazu bewegen sich mit mir zu treffen zum Frühstücken, Kino etc , sie hat auch selbst Treffen vorgeschlagen, aber mir eigentlich zu 90% immer abgesagt mit der Begründung sie wäre zu fertig von der Arbeit. Und jedesmal, wenn ich gefragt habe, wie es ihr geht, war alles scheiße und furchtbar und die Kollegen zu dumm, sie wäre die einzige, die es drauf hätte und alle anderen wären zu blöd.
Wollte dann nichts negatives drauf sagen und einfach für Sie da sein, da kam dann der Kommentar: Du brauchst nicht da bleiben, nur weil es mir jetzt so schlecht geht.

Mir ist es so unendlich schwer gefallen aber durch Zufall hat mir eine Kollegin ein Zimmer in ihrer Wohnung angeboten, da sie sich vor kurzem getrennt hat. Und es war in meiner Traumgegend, so wie ich mir das vorgestellt hatte und natürlich habe ich mich immer weiter zurückgezogen von meiner Freundin, weil ich mich zuhause einfach total unwohl gefühlt habe.
Ich habe drei Monate überlegt, dachte ich kann Ihr das nicht antun, bis ich allen Mut zusammengenommen habe und ihr meine Entscheidung mitgeteilt habe. Sie hat sofort geweint und gefragt, ob sie denn so schrecklich sei und warum wir uns nicht zusammen woanders in der Stadt etwas suchen, was es mir nicht einfacher gemacht hat.

Letzten Endes war es ok und sie meinte noch, dass es an unserer Freundschaft nichts ändern würde.
Ich habe aber gemerkt, wie distanziert sie wurde und mir nichts mehr erzählt hat, wobei ich ihr jede Hilfe und Unterstützung angeboten habe und da das Zimmer so oder so frei gewesen ist, hab ich ihr auch keinen Stress gemacht mit dem Umzug.
Mir ist klar, dass ich nicht die erste Ansprechperson sein sollte aber mich zumindest etwas auf dem Laufenden halten...

An Weihnachten war ich dann Zuhause und habe festgestellt, dass meine Mutter tief in einem Loch steckt. Ich habe mir die ganze Zeit anhören dürfen, wie undankbar und egoistisch ich doch bin, dass sich keiner um sie schert und sie nur verletzt ist, obwohl mein Stiefvater und ich unser bestes geben, um sie zu unterstützen. Ich habe Verständnis, wenn man vor lauter Wald den Bäumen nicht sieht, (wer momentan besser als ich) aber es tat sehr weh, normal ist meine Mutter warm und liebevoll und ich dachte sie freut sich, wenn ich an Weihnachten nach Hause komme aber so hab ich sie noch nie gesehen und das hat mir Angst gemacht.
Jedenfalls kam dann Mitte Januar die Nachricht von meiner Freundin, dass sie ab Februar ein Zimmer hätte und das mit dem Umzug jetzt schnell gehen müsse.

Ich habe die Kündigung geschrieben und den ganzen Papierkram erledigt, hab mit der Hausverwaltung getroffen und telefoniert, die Termine vereinbart und erreicht, dass wir früher rauskönnen aber es kam nur, dass sie auf keinen Fall doppelt Miete zahlt und warum ich nichts gesagt habe deswegen, sie hätte das alles selbst machen sollen.
Ich wusste dann auch nicht mehr weiter als das eben so hinzunehmen und auf die Frustration und die Wut zu schieben.

Habe dann beschlossen alles sacken zu lassen, weil mir trotzdem was an der Freundschaft liegt und ich mich ihr gegenüber eben nicht anders verhalten wollte als sonst und bin erst mal auf Abstand gegangen und hab ihr einfach nur gesagt, dass ich das sacken möchte und ich mich rühre, sie aber jederzeit kommen kann, wenn etwas sein sollte.

Dann hat sie mir trotzdem oft geschrieben und Fotos von sich geschickt und ich hab mehr oder minder geantwortet, bis sie irgendwann angefangen hat "Sag mal, was ist eigentlich los, du schreibst mir nicht mehr, was hast du für ein Problem, vielen Dank für das Gespräch, allgemein vielen Dank für die ganzen tollen Gespräche in letzter Zeit, was ist los mit dir, ich kenn dich nicht mehr"
Hab ihr eben dann geschrieben (in kurz), dass mich die letzte Zeit echt geschlaucht hat und ich unsere Freundschaft beibehalten möchte und deswegen ein paar Sachen sacken lassen und mich auf mich konzentrieren möchte.

Das war dann anscheinend zuviel für sie, jedenfalls kamen nur Vorwürfe, es sei doch verständlich, dass sie so reagiert hat, schließlich war sie nur alleine und natürlich macht das dann keinen Spaß und es wäre sehr unfair, wenn ich ihr das jetzt alles zum Vorwurf machen würde und außerdem verstehe sie garnicht, was das Problem wäre. Hab dann einfach nur geschrieben, dass ich mich melde wegen der Hausverwaltung und gute Nacht. Darauf kam nur "Das kann doch jetzt nicht dein Ernst sein, das glaub ich jetzt nicht, weißt du was, lass es einfach bleiben, generell lass es einfach"

Jedenfalls haben wir sporadisch noch Kontakt wegen dem Mist mit der Hausverwaltung aber ungefähr seit dem Zeitpunkt bin ich am Ende. Ich weine nur noch, bin innerlich dermaßen unruhig, dass ich das erste Mal in meinem Leben zu Beruhigungsmitteln greifen musste, was mir immer noch so unangenehm ist.
Mein Freund hat alles mitbekommen und mach alles mit, und ich fühl mich so schlecht, weil er alles versucht und es mir nicht besser geht. Das Schlimmste für mich ist allerdings diese Gefühlstaubheit, ich kann nur noch weinen, das ist die einzige echte Gefühlsregung, ansonsten spüre ich nur noch Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Ich habe zu dieser innerlichen Unruhe ein abartiges Stechen, mitten in der Brust und ein Brennen über dem Herzen, das einfach nicht weggeht.
Ich habe noch nie so für jemanden empfunden, wie für meinen Freund. Ich kann ihm aber nicht annähernd die Gefühle zeigen bzw geben, die ich normalerweise für ihn habe, dabei sind die so überwältigend und intensiv, mir tut das so leid und macht mich fertig.
Ich habe so Angst, dass ich nie wieder Freude und Glück und dieses schöne warme Gefühl in der Brust habe, wenn ich ihn sehe, berühre oder Küsse.
Ich fühl mich nur leer und ausgebrannt, ich hab Angst, dass ich nie wieder aus diesen Loch herauskomme.
Weiterhin hab ich Angst Antidepressiva zu nehmen, weil ich nicht dick oder wesensverändert werden möchte.

Das geht jetzt extrem so seit einem Monat und mein einziger Hoffnungsschimmer ist ein Termin für ein Erstgespräch für eine Verhaltenstherapie in 4 Tagen.

Ich denke auch vermehrt darüber nach dem ganzen ein Ende zu setzen, kann aber den Gedanken nicht ertragen, falls es nicht funktionieren sollte und ich dann mit dieser Scham leben müsste, dann wäre es erst recht vorbei.

Kann mir irgendjemand von Therapieerfolgen berichten bzw. irgendetwas aus eigener Erfahrung?

Ich bin für jede Antwort dankbar.

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15. März 2015 um 19:55

Ja alles einbisschen Viel aufeinmal
man könnte auch sagen vom Leben wild geritten. Was du dir da von der Seele geschrieben hast, ist schon ein Klopper hoch drei. Aber ich denke eine Therapie brauchst du nicht. Du bist jetzt gerade am Boden zerstört, hast dein seelisches Gleichgewicht verloren und bist kraftlos. Das ist schlimm. Noch schlimmer ist, dass du merkst das dein Körper angegriffen wird. Mit den Schmerzen in der Brust ist nicht zu spassen. Soetwas kann weitreichende Folgen haben. Aber genug gejammert. Was kannst du für dich machen. Ich denke du solltest mal ganz auf Null schalten. Somal 3, 4 Tage Ruhe(wenn das geht), nur du allein, ganz ohne irgend was. Und dann findest du wieder zu dir selbst. Mach dir mal Gedanken über dich. Was du magst und möchtes. Wie du leben möchtest. Wie dein Leben sein soll damit es dir gefällt. Auch Gedanken machen, was da jetzt falsch gelaufen ist. Mach dir mal klar, wieviel du anderen Menschen (deiner Mutter, deiner Freundin, Bekannte) geben kannst und willst und zwar ohne das sie dich aufzerren. Was sie ja jetzt getan haben. Werde dir klar, dass du in erster Linie ein Recht darauf hast dein eigenes Leben zu leben. Ohne Rücksicht auf Verluste. Klar helfen ist immer schön und man hat ja auch ein Verantwortungsgefühl. Aber was nutzt es dann noch wenn du daran zerbrichst? Nimm dir eine Zeit nur für dich. Überdenke mal die schönen Sachen in deinen Leben, wie dein Freund und alles was du noch machen wolltest. Es ist bestimmt ein Neustart wert. Oder? Auch wenn es für dich hart oder schwer ist. Du mußt auch mal darüber nachdenken, wann dir von dir geforderte Hilfe, zuviel für dich wird. Und du mußt lernen, zu sagen halt bis hier hin und nicht weiter. Ich habe auch lange gebraucht, bis ich zugeben konnte, ich kann nicht mehr. Aber du wirst sehen, dass braucht man öfters als man denkt. Eines ist doch sicher, du kannst nur helfen, wenn du selbst Kraft hast. Es ist auch nicht fair von Ihnen sich einfach nur an dich zuhängen und mach mal. Also ich hoffe ich habe dir einen Denkanstoß geben können. Ich bin sicher du schaffst das schon und morgen scheint dei Sonne wieder. Mach was daraus . . .

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