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Therapie oder Arbeit?

1. Juli 2010 um 15:48

Hallo,

derzeit beschäftigt mich ein dringliches Problem und ich würde euch gern fragen, was ihr davon haltet.

Ich (w, 34) bin seit 01.01.10 arbeitslos, nachdem ich drei Jahre in der Firma meiner Tante (Kulturreiseveranstalter) im Bereich Marketing fest angestellt war (vorher 3 Jahre als freie Mitarbeiterin). Zuvor habe ich Soziologie, Politikwissenschaft und Germanistik studiert.

Seit vielen Jahren plagen mit Zwangsgedanken- und Handlungen gepaart mit Entscheidungsschwierigkeiten, Nicht-Loslassen-Können, psychischer Labilität und Anfälligkeit für gesundheitliche Probleme. Insbesondere macht sich dies immer wieder am Rücken bemerkbar. Als ich noch arbeiten ging, hatte ich sehr oft Rückenprobleme, konnte teilweise kaum gerade laufen und letztes Jahr war ich sogar 2 x 3 Wochen wegen Rückenproblemen daheim. Dies war übrigens dann der offizielle Kündigungsgrund bei meiner Tante! Der Arzt sagt, Abnutzungen der Wirbelsäule sind da, aber noch nicht operierungsbedürftig. Viel sind bei mir auch Verkrampfungen und Verspannungen. Darüber hinaus habe ich immer wieder Probleme mit Darm und Verdauung. Und immer wieder auch Erkältungen. Meine Hausärztin ist seit einer Weile ziemlich genervt von mir, weil ich im Jahr bestimmt so 6 oder 7 mal bei ihr bin. Sie rät mir seit 2 Jahren, dass ich wieder eine Psychotherapie machen soll, weil ich mir sonst mein Leben verbauen würde. Diagnose: somatoforme Störungen. Habe darüber hinaus auch immer Probleme mit Partnerschaften wegen meiner Labilität und meinen vielen Ängsten. Ich möchte aber auch mal eine stabile Partnerschaft und vielleicht eine Familie.

Seit ich arbeitslos bin, gehts mir gesundheitlich besser und ich habe die Zeit genutzt und habe im Januar eine Psychotherapie (Veraltenstherapie) angefangen, die ich aber vor 2 Wochen abgebrochen habe, weil ich mit der Frau nicht weiter kam. Ich hatte das Gefühl, dass wir aneinander vorbeireden. Sie empfahl mir nun zur Weiterbehandlung einen 5-wöchigen Aufenthalt in einer stationären Tagesklinik in unserer Stadt mit dem Schwerpunkt auf somatoformen Störungen. Sie meinte, 1x pro Woche 50 min würden bei meiner jetzigen psychischen Lage nicht reichen. Habe dort nun auch meine Gespräche geführt und die Therapie könnte am 02.08.10 anfangen. Danach möchte ich aber gern eine tiefenpsychologische Therapie anschließen, um mal den Grünen für mein Verhalten auf die Spur zu kommen.

Nun mein Problem: Ich bin derzeit arbeitslos gemeldet und muss mich ja immer auch bewerben. Momentan laufen natürlich einige Bewerbungen. Und nächste Woche habe ich gleich 2 Vorstellungsgespräche bei staatlichen Institutionen genau in meinem Arbeitsgebiet, was für mich echt ne super Chance wäre. Doch was soll ich machen, wenn ich danach wirklich ein konkretes Jobangebot habe? Soll ich denen sagen: Ich freue mich riesig, kann aber erst ab 15.09.10 anfangen, weil ich vorher eine stationäre Psychotherapie mache.? Meiner Arbeitsberaterin vom AA habe ich alles erzählt und sie meinte, das mit der Therapie ist gut, aber wenn ich einen Job wirklich bekommen sollte, muss ich eben die Therapie sausen lassen.

Zu bedenken ist auch, dass ich bis zum Jahresende einen Job gefunden haben muss, denn sonst gibts dann Harz IV. Und außerdem wird es nicht leichter, was zu finden, je länger man draußen ist.

Was denkt ihr? Wie würdet ihr euch verhalten?

Vielleicht hat ja jemand einen Tipp für mich

Würde mich freuen.

Liebe Grüße und Danke

Wella

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1. Juli 2010 um 16:34

Schwierige Entscheidung
Das ist wirklich schwierig zu entscheiden.
Jedoch solltest du das vllt gedanklich anders angehen. Ein was wäre-wenn-Spiel ist meist nicht gut, weil man sich schon vorher verrückt und Sorgen um etwas macht, was vllt gar nicht eintritt.
Auf dein Leben gesehen, denke ich ist es eher wichtiger die Therapie zu machen. Immerhin ist es schwierig eine zu bekommen und man kann nicht motiviert auf Arbeit gehen und ein schönes Leben haben, wenn man nichts gegen eine Störung macht, die man nun mal hat. Die verschwindet ja nicht, sondern beeinflusst dein Leben eher immer mehr umso weniger du dagegen tust! Also wenn du langsfristig denkst, dann erst Therapie, mit dir selber besser zurecht kommen und dann einen Arbeitsplatz suchen. Richtig ist, dass es schwerer ist eine Stelle zu finden umso länger man arbeitslos ist, jedoch ist es definitiv nicht unmöglich und deine Qualifikationen sind doch sehr gut! Die Dauer der Therapie in der du nicht nebenbei arbeiten kannst, ist ja auch nicht soo lang! Das wird deinem Lebenslauf nicht großartig schaden.

Leider handeln wir Menschen meist nur auf kurzfristige Sicht, daher schleppen wir vieles viel zu lange mit uns rum, was schön längst der Vergangenheit angehören könnte oder wir schon längst mit umgehen könnten!

Also ich rate dir, gehe zu deinen Vorstellungsgesprächen, warte erst mal ab was dort rauskommt und mache dir dann erst Gedanken was das Richtige oder Falsche ist! Denn vorher ist alles nur Spekulation und meist kommt es ja eh anders als man denkt! Du entscheidest dann vllt eh anders als du es jetzt beim Gedankenspiel tun würdest.

Viel Erfolg wünsch ich dir!

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