Home / Forum / Psychologie & Persönlichkeit / Therapeutische Berührung

Therapeutische Berührung

13. März 2008 um 17:17

Hallo Zusammen

Mich würde einfach mal wundernehmen, was ihr von Therapeutischer Berührung haltet? Das ist ja immer noch ein sehr umstrittenes Thema. In vielen asiatischen Gebieten ist man der Auffassung man könne Körper und Seele nicht getrennt voneinander betrachten und folglich auch nicht separiert behandeln.

Was haltet ihr nun davon, wenn ein Therapeut seinen Patienten in die Arme nimmt um ihn zu trösten oder ihm ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, dass ihm vielleicht fehlt? Oder auch einfach nur die Hand halten.

Mich würde interessieren was ihr allgemein von dieser "Heilmethode" in Kombination mit Gesprächen haltet.

Vielen Dank im Voraus für Eure Gedanken!

Mehr lesen

15. März 2008 um 18:03

Also
ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Ich selbst, habe mehrere Jahre über die Verschiedensten Therapien gemacht inkl. Kliniken. Viel gebracht hat mir vorallem eine Einzeltherapiestunde Körpertherapie in einer der ersten Kliniken. Außerdem gehöre ich zu den Menschen, die manchmal auch ganz schön an ihre Therapeuten hängen und sich da diverses "Wunschdenken" zurecht träumen. Durch meine Erlebnisse in den ganzen Therapien kann ich nur sagen, es hat mir sehr oft gefehlt, mal in den Arm genommen zu werden. Oder mal zu umarmen, um selbst "Danke" zu sagen. Ich denke, wenn ich mal in den Arm genommen worden wäre, dann hätte es vielleicht auch mal geklappt das ich weinen kann, mich mehr öffnen kann. Doch gleichzeitig finde ich das auch gefährlich für einige Patienten oder auch den Therapeuten. Ich bin mir nicht sicher, ob dann die Grenzen Therapeut / Patient nicht vielleicht doch damit überschritten werden. Gerade wenn man dazu neigt, den Therapeuten sehr zu mögen (ich meine jetzt nicht zwangsläufig verliebt in ihm sein). Wenn ich mir vorstelle, die letzte, die ich sehr gemocht habe, hätte mich in den Arm genommen...ich weiß nicht, vielleicht wäre ich dann noch schwerer von ihr los gekommen. Es wäre mir vielleicht noch schwerer gefallen, mich von der Klinik zu verabschieden. Ich knabber da noch nach nem halben Jahr dran. Mag mir nicht vorstellen, wie es gewesen wäre, wenn sie mich öfters mal in den Arm genommen hätte....
Nun, ich finde es aber, wenn ich nach meinen Bedürfnissen gehe, doch irgendwie gut. ich würde es mir schon wünschen. Ich finde aber, dass sollte auf jeden Fall ganz klar und ehrlich gesprochen werden. Gerade wenn die Patienten ein großen Nähe / Distanzproblem haben, könnte das ganze schnell nach hinten los gehen.

Wie siehst du das eigentlich?

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

17. März 2008 um 9:52
In Antwort auf sima_12835769

Also
ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Ich selbst, habe mehrere Jahre über die Verschiedensten Therapien gemacht inkl. Kliniken. Viel gebracht hat mir vorallem eine Einzeltherapiestunde Körpertherapie in einer der ersten Kliniken. Außerdem gehöre ich zu den Menschen, die manchmal auch ganz schön an ihre Therapeuten hängen und sich da diverses "Wunschdenken" zurecht träumen. Durch meine Erlebnisse in den ganzen Therapien kann ich nur sagen, es hat mir sehr oft gefehlt, mal in den Arm genommen zu werden. Oder mal zu umarmen, um selbst "Danke" zu sagen. Ich denke, wenn ich mal in den Arm genommen worden wäre, dann hätte es vielleicht auch mal geklappt das ich weinen kann, mich mehr öffnen kann. Doch gleichzeitig finde ich das auch gefährlich für einige Patienten oder auch den Therapeuten. Ich bin mir nicht sicher, ob dann die Grenzen Therapeut / Patient nicht vielleicht doch damit überschritten werden. Gerade wenn man dazu neigt, den Therapeuten sehr zu mögen (ich meine jetzt nicht zwangsläufig verliebt in ihm sein). Wenn ich mir vorstelle, die letzte, die ich sehr gemocht habe, hätte mich in den Arm genommen...ich weiß nicht, vielleicht wäre ich dann noch schwerer von ihr los gekommen. Es wäre mir vielleicht noch schwerer gefallen, mich von der Klinik zu verabschieden. Ich knabber da noch nach nem halben Jahr dran. Mag mir nicht vorstellen, wie es gewesen wäre, wenn sie mich öfters mal in den Arm genommen hätte....
Nun, ich finde es aber, wenn ich nach meinen Bedürfnissen gehe, doch irgendwie gut. ich würde es mir schon wünschen. Ich finde aber, dass sollte auf jeden Fall ganz klar und ehrlich gesprochen werden. Gerade wenn die Patienten ein großen Nähe / Distanzproblem haben, könnte das ganze schnell nach hinten los gehen.

Wie siehst du das eigentlich?

Ich denke, dass
Das Thema ist in der Tat sehr heikel, ganz besonders wenn der Therapeut anderen Geschlechts ist als der Patient. Ich denke bei Berührungen die über sagen wir mal die Hand zum Trost halten hinausgehen ist es schon mal wichtig, dass Therapeut und Patient gleichen Geschlechts sind.

Was eine mögliche Abhängigkeit vom Therapeuten anbelangt war ich lange hin und hergerissen. Wenn jemand in seinem Leben nie Vertrauen und Geborgenheit erfahren hat, so kann das unerlässlich für den Patienten sein um zu seinem Thearpeuten ein Vertrauensverhältnis aufbauen zu können. Ich denke in der ersten Zeit wird dadurch sicher eine sehr starke Bindung zwischen Therpeut und Patient entstehen die vielleicht über einen gewissen Zeitraum auch eine gewisse Abhängigkeit seitens des Patienten bewirken kann. Allerdings bin ich genauso der Meinung, dass diese Abhängigkeit bei einer erfolgreichen Therapie mit dem Therapieende auch beendet sein wird. Falls dies nicht der Fall ist, wurde meiner Meinung nach ganz einfach die Therapie zu früh beendet.

Die Aussage *Eine Berührung kann mehr bewirken als 1000 Worte" kommt auch nicht so von ungefähr. Und aus medizinischer Sicht ist bewiesen, dass durch Berührung ein anderer Teil vom Gehirn aktiviert wird, der mit blossen Worten oft nicht zu erreichen ist.

Wenn ein Kind nie oder selten gehalten wurde, so können solche Berührungen durch einen Therapeuten als "Nachnährung" betrachtet werden.

Ein Idealverlauf einer solchen Therapie die Berührung mit einschliesst wäre meiner Meinung nach, dass diese Berührungen mit der Zeit sicher weniger intensiv und häufig werden. Ab welchem Zeitpunkt eine Reduktion geschieht sollte immer im Konsens zwischen Patient und Therapeut sein.

Zusammengefasst finde ich also, dass eine Therapie die gänzlich ohne Berührung abläuft, auch wenn sich das der Patient wünschen würde, nur teilweise heilsam sein kann. Der Mensch braucht Berührung, das ist erwiesen. Babys können sogar sterben wenn sie zu wenig Berührung erfahren und im erwachsenen oder jugendlichen Alter können durch zu wenig Berührung meiner Meinung nach erhebliche Beziehungsstörungen auf allen Ebenen herbeigeführt werden. Und in gewissen Situationen, eben wenn man sich vielleicht einfach mal fallen lassen möchte, weinen möchte, fällt einem das Vertrauen leichter wenn einem vielleicht nur jemand die Hand hält. In dieser kleinen Geste stecken soviele Bedeutungen "Du bist nicht alleine", "Ich verstehe Dich", "Lass Deine Gefühle ruhig zu" usw.

Ich denke hier ist uns vorallem die östliche Welt einen Schritt voraus. Berührung ist da in vielen Ländern zum Standard im Therapieprogramm geworden. Sie sehen den Körper und die Seele/Psyche nicht getrennt, sondern als Einheit an, was meiner Meinung nach nicht ganz so falsch ist.

Wichtig ist einfach, dass Patient und Therapeut offen darüber reden können. Was aber schade ist, wenn sich das der Patient wirklich wünscht und auch braucht und der Therapeut verweigert es ihm. So kann unter Umständen sehr viel Vertrauen kaputt gehen.

Noch eine kleine Anmerkung zum richtigen Zeitpunkt des Therapieendes. Ich denke wenn der Patient sich nach Therapieende noch nach dem Therapeuten sehnt, so war das Ende verfrüht, dann sollte die Therapie meiner Meinung nach noch fortgesetzt werden. Denn wäre der Patient tatsächlich geheilt- sprich bräuchte tatsächlich keine Therapie mehr, so würde er nicht mehr in solch einer Abhängigkeit zum Therapeuten stehen.

Eure Meinung und Feedbacks interessieren mich weiterhin sehr zu diesem Thema.

Liebe Grüsse

2 LikesGefällt mir Hiflreiche Antwort !

18. März 2008 um 18:15

Bist
du Therapeut?

Ich mein, hast ja wo recht. Aber es ist jedes mal das gleiche, wenn ich in ner Klinik war. Manche Patientin neigen eben dazu, nen Therapeut / Therapeutin zu fixieren etc. Vieles von dem abhängig zu machen. Gut, ein Problem. Aber ich habe oft mit Patienten darüber geredet und ich weiß daher, wievielen es helfen würde, wenn sie mal in den Arm genommen werden würden. Außerdem kann man das ja klären und drüber sprechen. Also die Leute die ich kenne und die zb ne Telefonnummer vom Therapeuten hatten etc. ging es wesentlich schneller besser, sie hatten mehr Mut und Kraft um für sich zu kämpfen. Ob man sich in nem Therapeut verliebt, passiert auch ohne dies Nähe. Ist mir mal passiert vor Jahren. Den hätte ich zb. nie in den Arm nehmen wollen. Da wäre ich ja selbst duchgedreht. Aber zb. wenn Abschied in ner Klinik ist und die weigern sich dann noch selbst da, mal kurz zu umarmen, dann frage ich mich, was der Müll soll. So fühlt man sich doch erst recht wieder scheiße und von aller Welt gehasst. Ich kann mich auch missverstanden fühlen, wenn der Therpeut so ne Aversion dagegen hat.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

18. März 2008 um 18:38

Also
ich bin voll deiner Meinung. Es ist ja wirklich wissenschaftlich erwiesen das Babys ohne ausreichend Zuneigung sterben können. Ich bin selber auch gerade in Therapie und wünsche mir auch sehr oft das mich mein Therapeut in den Arm nimmt.
Da ich einen Freund habe und auch nicht in meinen Therapeuten verliebt bin wäre das auch kein beziehungstechnisches Problem. Außerdem sehe ich meinen Therapeuten sowieso meistens nicht als Mann, sondern, auch wenn sich das jetzt komisch anhört, mehr als eine nicht definierbare Mischung aus Mann und Frau, also eigentlich eher geschlechtslos.
Und mein Therapeut hat auch mal im Scherz gemeint das seine Kollegin im Krankenhaus, die ich als behandelnde Ärztin habe, und er sozusagen meine Ersatzeltern seien.
Das habe ich total schön gefunden, und ich habe das auch so empfunden.

LG never

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

19. März 2008 um 16:51
In Antwort auf staci_12334689

Also
ich bin voll deiner Meinung. Es ist ja wirklich wissenschaftlich erwiesen das Babys ohne ausreichend Zuneigung sterben können. Ich bin selber auch gerade in Therapie und wünsche mir auch sehr oft das mich mein Therapeut in den Arm nimmt.
Da ich einen Freund habe und auch nicht in meinen Therapeuten verliebt bin wäre das auch kein beziehungstechnisches Problem. Außerdem sehe ich meinen Therapeuten sowieso meistens nicht als Mann, sondern, auch wenn sich das jetzt komisch anhört, mehr als eine nicht definierbare Mischung aus Mann und Frau, also eigentlich eher geschlechtslos.
Und mein Therapeut hat auch mal im Scherz gemeint das seine Kollegin im Krankenhaus, die ich als behandelnde Ärztin habe, und er sozusagen meine Ersatzeltern seien.
Das habe ich total schön gefunden, und ich habe das auch so empfunden.

LG never

...
Ich sehe hier spalten sich die Meinungen. Klar, es ist etwas sehr persönliches was auf einer völlig anderen Ebene stattfindet als reine Gesprächsstunden. Aber ich kann mir vorstellen, dass es viele Patienten gibt, die sich erst durch eine Berührung (und sei es bloss Hand halten), völlig öffnen können. Stellt euch vor ihr weint in der Therapie. Würdet ihr euch da nicht komisch fühlen, nicht richtig loslassen könnnen, wenn der Therapeut einfach daneben sitzt und euch zuschaut? Würdet ihr euch da nicht wohler, geborgener fühlen der Therapeut würde eure Hand halten?

Ein Therapeut ist eigentlich nicht eine Person zu der man Abstand halten sollte, sondern zu dem man ein Vertrauensverhältnis aufbauen können sollte. Und wenn da Berührungen dazugehören, finde ich sollten sie dem Patienten nicht verwehrt werden.

Wo ich allerdings wirklich auch ein Problem sehe, wenn der Therapeut anderen Geschlechts ist als der Patient, da wird es heikel. Da muss man dann sehr klar kommunizieren können wie weit die Berührungen gehen sollen, dass es für beide Parteien ok ist. Wenn beide aber des selben Geschlechts sind, sehe ich da echt kein Problem.

@never88: Das finde ich echt schön, was Dein Therapeut betreffend den "Ersatzeltern" gesagt hat. Das ist genau das was ich mir auch schon solange wünsche. Das zeigt eben doch, dass nicht alle Therapeuten die gleiche engstirnige Haltung haben.

Ich selbst bin seit zwei Wochen bei einer Psychologin, mal schauen wie sich das entwickelt.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

21. März 2008 um 1:45
In Antwort auf staci_12334689

Also
ich bin voll deiner Meinung. Es ist ja wirklich wissenschaftlich erwiesen das Babys ohne ausreichend Zuneigung sterben können. Ich bin selber auch gerade in Therapie und wünsche mir auch sehr oft das mich mein Therapeut in den Arm nimmt.
Da ich einen Freund habe und auch nicht in meinen Therapeuten verliebt bin wäre das auch kein beziehungstechnisches Problem. Außerdem sehe ich meinen Therapeuten sowieso meistens nicht als Mann, sondern, auch wenn sich das jetzt komisch anhört, mehr als eine nicht definierbare Mischung aus Mann und Frau, also eigentlich eher geschlechtslos.
Und mein Therapeut hat auch mal im Scherz gemeint das seine Kollegin im Krankenhaus, die ich als behandelnde Ärztin habe, und er sozusagen meine Ersatzeltern seien.
Das habe ich total schön gefunden, und ich habe das auch so empfunden.

LG never

Mmh..
...also ich und mein Psychologe wir sitzen uns auf Stühlen gegenüber mit gut Abstand dazwischen und außer einem Händedruck am Anfang und am Schluss ist da nix mit Berührung und ich glaube ich finde das auch ganz gut so.

Aber gut, ich hab halt auch generell eher ein Problem mit Körperkontakt, von dem her passt das auch irgendwie. Und selbst wenn mir dann mal die Augen wässrig werden, möchte ich gar nicht in den Arm genommen werden o.ä.

Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es einige gibt, die etwas eher körperbezogen sind und sich dann eine tröstende Hand wünschen würden.

Trotzdem finde ich die Distanz angebrachter.

Übrigens geht es mir so wie never88, ich sehe meinen Psychologen nicht als Mann, ich meine, ich weiß, dass er einer ist, aber ich blende das total aus. Muss ich auch weil ich sonst über einige Dinge wohl gar nicht reden könnte. Wobei das schon irgendwie seltsam ist, wenn ich dann anschließend als so darüber nachdenke. Aber eben, ich versuche das einfach total auszublenden.

Grüße
Rickyice

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Diskussionen dieses Nutzers
Noch mehr Inspiration?
pinterest