Home / Forum / Psychologie & Persönlichkeit / Thema, über welches man nicht reden darf?

Thema, über welches man nicht reden darf?

30. Juli 2007 um 1:24

Hallo zusammen

Wir haben ein Problem. Schon seit meiner Kindheit kenne ich einen guten Freund- einen aus der ehemaligen Nachbarschaft (knapp 4 Jahre jünger als ich). Er war eigentlich immer ein ganz netter Kerl, als er noch jünger war, ist den Leuten höchstend aufgefallen, dass er ein wenig schüchtern war, aber er hat niemandem etwas getan.

Als er letzten Sommer weggezogen ist, da er rund 100 km entfernt (in Basel) studiert, habe ich Stück für Stück von seiner Vergangenheit erfahren, ihn darauf angesprochen und mit ihm geredet: Er wurde jahrelang von einer Frau und gelegentlich einer Mittäterin sexuell missbraucht, vergewaltigt und teilweise auch im Genitalbereich geschlagen. Bei der Täterin handelte es sich um eine Gastarbeiterin aus Südamerika (Indianerin oder etwas hellhäutige Negerin, so viel ich weiss). Anscheinend wollte er eine Anzeige erstatten, jedoch die Polizei hat dringendst davon abgeraten, da es für ein Junge indirekt ( so quasi als ungeschriebenes Gesetz) zur Aufgabe gehört, sich selbst zu wehren und selbst klarzukommen. Wenn nämlich nicht genügend Beweismittel sichergestellt werden, wird ein Fall, in dem eine Frau einen Mann missbraucht hat, oft als unglaubwürdig dargestellt und es käme ein Verfahren wegen verleumdung auf ihn zu.

Mittlerweile hat sich das Problem auf die Art gelöst, dass er nun 23 jährig ist, gross und kräftig, er selbst wo anders wohnt, seiner Meinung nach genügend mit Waffen ausgerüstet ist, um sich zu wehren und diese Zigeunerin "vorübergehend" ins Heimatland zurückgereist ist.

Heute tut er nach aussen ganz locker und sagt immer so zeug wie: Er knalle sie ab, wenn die nochmals nach Europa komme.... und einfach solche Sachen, als wäre es für ihn überhaupt kein Problem. Aber ich finde, das kanns doch nicht sein. Heute würde ihn auch jeder auslachen, wenn er jemandem sagen würde, dass er früher mal missbraucht wurde. Man siehts ihm wirklich nicht mehr an: Intelligent, Stark, selbstsicheres Auftreten... wäre er nur noch ein wenig lockerer, würden ihm die Mädels hinterherlaufen.

Ich weiss doch, dass es keine besondere Seltenheit ist, dass eine Frau eine Täterin und ein Mann ein Opfer ist. Nur weil es in unserer Macho dominierten Aufreisserkultur nicht zum gesellschaftlichen Interesse gehört, dass Männer möglichst lange Jungfrauen bleiben, heisst das nicht, dass wir einfach damit leben müssen.

Immer wieder lese ich Schlagzeilen über Frauen, die vergewaltigt wurden und eine weltweite aufregung darüber (um den Tätern noch die schöne Aufmerksamkeit zu schenken)... doch wenn einem Jungen so was geschieht, lässt es die Gesellschaft kalt. in einer Projektarbeit über Kulturgeschichte und Psychologie habe ich einmal geschrieben, dass es zur gesellschaftlichen Aufgabe einer Frau gehört, möglichst jungfräulich bleibend erzogen zu werden, um möglichst unverdorben verheiratet zu werden. Männer hingegen werden eher zum führenden Part und Verantwortungsträger erzogen. - Irgendwie trifft das zu. Es widerspiegelt die ganze Problematik bei vergewaltigungsangelegenheiten, wie sie von der Gesellschaft wahrgenommen wird. Wenn eine junge Frau vergewaltigt wird, wirkt das wie ein Schlag ins Gesicht des Volkes. Deshalb wird auch überall gross darüber geredet, man errichtet Schutzmassnahmen und Anlaufstellen für junge Frauen, die zum Opfer gefallen sind, etc. Jedoch Jungs und ältere Menschen haben hierzulande nicht die Aufgabe, Jungfrau oder möglichst unverdorben zu sein, daher setzt man bei dieser Personengruppe viel mehr auf selbstständigkeit, statt Opferhilfe. So hart das ganze klingt, aber der Gesellschaft, unserer Kultur geht es bei der Problembehandlung der Vergewaltigungen nicht um die Gewalt an sich selbst, sondern um die verlorene Jungfräulichkeit/ die Unverdorbenheit einer ledigen Frau.

Ich fände es ein guter Fortschritt, wenn das Volk sich zur Aufgabe nehmen würde, Opfer, die ein wenig zu Randgruppe gehören, da sie nicht so im interessenfeld der Problembehandlung stehen, zu berücksichtigen und diese in die Gesellschaft zu integrieren. Vielleicht wäre es ein wichtiger Schritt, wenn solche Tabuthemen nicht weiterhin so tabu bleiben.

Habt ihr auch schon über solche Probleme nachgedacht? Eure Meinung würde mich interessieren.

Mehr lesen

19. September 2007 um 15:03

Das problem ist einfach
dass sich männer nicht trauen, darüber zu sprechen. nicht nur wegen einem stolz, sondern auch aus angst, ausgelacht zu werden.

man sagt ja auch, frauen können besser sprechen als männer. hat sicherlich auch eine erschwerende folge bei der ermittlung eines solchen sachverhaltes.

ich denke auch, dass gegen so etwas endlich widerstand geleistet werden müsste.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Noch mehr Inspiration?
pinterest

Das könnte dir auch gefallen