Home / Forum / Psychologie & Persönlichkeit / Suizid - der letzte Ausweg?

Suizid - der letzte Ausweg?

5. März 2013 um 23:26

Hallo liebe Community.

Ich heiße Mina und bin 19 Jahre alt.
Ich habe seit ich 6 Jahre alt bin ein verzerrtes Bild von meinem Körper und ein gestörtes Verhältnis zum Essen. Ich wurde 7 Jahre lang ausgegrenzt und misshandelt. Vor 5 Jahren habe ich eine richtige Essstörung entwickelt.
Die ersten Selbstmordgedanken hatte ich mit 9 Jahren, den ersten(aber sehr kläglichen) Versuch mit 12 und ich verletze mich von Zeit zu Zeit selbst.
Eine äußerst verkürzte Zusammenfassung meines Lebens.

All die Jahre wurde mir gesagt, dass ich zu jung sei mich so zu fühlen und, dass ich noch mein ganzes Leben vor mir hätte und es auf jeden Fall besser wird. Pubertät war auch ein oft verwendetes Argument.
Inzwischen bin ich 19 und ich hab jegliche Zukunftswünsche, Hoffnungen oder Träume verloren.
Ich bin es Leid mir immer wieder das gleiche anzuhören.

"Mach doch eine Therapie!"
Eine Therapie ist keine Garantie, dass die Probleme verschwinden oder sich dezimieren. Eine Freundin war jahrelang in Therapie und hat sich am Ende doch umgebracht. 3 meiner derzeitigen Freundinnen(wenn man das so nennen kann) sind es ebenfalls und es hat sich nichts verbessert sondern eher verschlimmert. Es ist ein Versuch an seinen Problemen zu arbeiten, wobei der erste Schritt ist diese und deren Auslöser zu erkennen.
Ich weiß warum ich was fühle oder warum ich mich in bestimmten Situationen auf eine bestimmte Weise verhalte.
Ich habe das gesamte letzte Jahr damit verbracht gegen meine Probleme zu kämpfen und durch bestimmte Ereignisse ist es noch schlimmer geworden weshalb ich es(und mich) wieder aufgegeben habe.
Ich kann nicht mit Bestimmheit sagen, dass eine Therapie nichts bringen wird aber wenn würde ich wahrscheinlich eh erst in einem halben Jahr einen Platz bekommen und bis dahin ist es vielleicht zu spät.

"Du darfst dir alles nicht so sehr zu Herzen nehmen"
Vielen Dank für diesen äußerst hilfreichen Tipp. Wer ebenfalls unter Depressionen o.ä. leidet wird diesen Satz wahrscheinlich genauso "belustigend" finden wie ich...

"Warte noch ein paar Jahre, du schaffst das schon"
Wie viele Jahre denn noch? Jeder Mensch hat seine Grenzen und ich kann mich nicht erinnern je glücklich gewesen zu sein. Im Kindergarten sicherlich aber wer war das nicht?

Es vergeht seit langer Zeit kein Tag mehr an dem ich nicht daran denke dieses Leid endlich zu beenden. Ich merke, wie ich alltäglichen Situationen immer weniger gewachsen bin, jeden Abend nach der Arbeit falle ich in ein tiefes Loch, das entweder mit Verzweiflung, Schmerz und Hass gefüllt ist oder aus einem tiefen Nichts besteht.
Manchmal(d.h. alle 3-4 Wochen) greife ich zur Alkoholflasche aber hilfreich ist das natürlich nicht.

Es tut mir Leid, wenn ich mit meinem Zynismus anecke...
Ich weiß auch nicht, was ich für Antworten erwarte... Ich weiß nicht einmal warum ich diesen Beitrag verfasse...
Ich weiß eigentlich gar nichts mehr. Alles erscheint sinnlos und kräfteraubend.

Mina

Mehr lesen

6. März 2013 um 16:48

Hallo Mina
Hallo Mina !!
Oh je, als ich deinen Beitrag gelesen habe, sind mir die Tränen gekommen.
Ich kann so gut nachfühlen, was du durchmachst. und kann dich nur ermutigen, eine Therapie zu beginnen bzw. dich in ärztliche Behandlung zu begeben.

Ich selber heiße Britta und bin 28 Jahre alt. Meine Eßstörungen begann vor ca. 10 Jahren. Damals war ich in stationärer Behandlung und habe danach eine ambulante Therapie gemacht. Zunächst schien alles "besser". Dann kam die Depression. Wegen ihr war ich bereits 2005 erneut in stationärer Behandlung. Dort habe ich Medikamente bekommen und es ging mir einige Jahre verhältnismäßig gut. Allerdings kam im November 2011 der nächste "Tiefschlag" und aus dem Loch bin ich bisher leider auch noch nicht wieder rausgekommen. Obwohl ich im Juli 2012 erneut 2 Monate stationär in Behandlung war.
Auf jeden Fall habe ich dort, in der Klinik, einen Therapeuten kennengelernt, bei dem ich seit Oktober eine ambulante Verhaltenstherapie mache und ich kann dich nur ermutigen, dir auch einen Therapieplatz zu suchen. Ganz ehrlich, was hast du denn zu verlieren? So kann es doch nicht weitergehen, oder?
Nimmst du Psychopharmaka ein?
In "tiefen Löchern" können sie wirklich sehr helfen und dazu beitragen, wieder etwas zu Kräften zu kommen. Ehrlich.
Eine Garantie, dass dir die Therapie etwas bringt und es dir danach besser geht, bekommst du leider nirgendwo. Aber einen Versuch ist es doch wert.
Schau, ich bin jetzt seit Oktober in wöchentlicher Therapie und es geht mir auch weiter ziemlich schlecht. Trotzdem tut es (mir) unglaublich gut, 1x in der Woche meinem Therapeuten erzählen zu können, was in mir vorgeht. In dem Moment, fühle ich mich erleichtert. Verstehst du das? Ich kann ihm alles sagen und er versteht es und hat "einfache" Erklärungen dafür, warum ich so reagiere und vor allem kann man daran arbeiten, wie man anders reagieren kann (um gesund zu werden und auch zu bleiben).
Auch ich habe schon sehr oft über Selbstmord nachgedacht und viele Stunden damit "verschwendet". Und auch ich habe Angst, was nach der Therapie sein wird (sie ist auf maximal 12 Monate begrenzt).
Ich weiß selber nicht, von wo ich immer wieder das bißchen Energie nehme, um weiterzumachen und weiterzukämpfen. Ich weiß, dass es unglaublich anstrengend ist, aber ich fürchte, wenn du nichts unternimmst, dann wird es sich auch nicht ändern...
Also bitte, denke doch mal darüber nach. Du bist es wert, wirklich (auch wenn du dich im Moment ganz anders fühlst).
Ich drücke dich in Gedanken,

Britta

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

6. März 2013 um 20:58
In Antwort auf ren_11952594

Hallo Mina
Hallo Mina !!
Oh je, als ich deinen Beitrag gelesen habe, sind mir die Tränen gekommen.
Ich kann so gut nachfühlen, was du durchmachst. und kann dich nur ermutigen, eine Therapie zu beginnen bzw. dich in ärztliche Behandlung zu begeben.

Ich selber heiße Britta und bin 28 Jahre alt. Meine Eßstörungen begann vor ca. 10 Jahren. Damals war ich in stationärer Behandlung und habe danach eine ambulante Therapie gemacht. Zunächst schien alles "besser". Dann kam die Depression. Wegen ihr war ich bereits 2005 erneut in stationärer Behandlung. Dort habe ich Medikamente bekommen und es ging mir einige Jahre verhältnismäßig gut. Allerdings kam im November 2011 der nächste "Tiefschlag" und aus dem Loch bin ich bisher leider auch noch nicht wieder rausgekommen. Obwohl ich im Juli 2012 erneut 2 Monate stationär in Behandlung war.
Auf jeden Fall habe ich dort, in der Klinik, einen Therapeuten kennengelernt, bei dem ich seit Oktober eine ambulante Verhaltenstherapie mache und ich kann dich nur ermutigen, dir auch einen Therapieplatz zu suchen. Ganz ehrlich, was hast du denn zu verlieren? So kann es doch nicht weitergehen, oder?
Nimmst du Psychopharmaka ein?
In "tiefen Löchern" können sie wirklich sehr helfen und dazu beitragen, wieder etwas zu Kräften zu kommen. Ehrlich.
Eine Garantie, dass dir die Therapie etwas bringt und es dir danach besser geht, bekommst du leider nirgendwo. Aber einen Versuch ist es doch wert.
Schau, ich bin jetzt seit Oktober in wöchentlicher Therapie und es geht mir auch weiter ziemlich schlecht. Trotzdem tut es (mir) unglaublich gut, 1x in der Woche meinem Therapeuten erzählen zu können, was in mir vorgeht. In dem Moment, fühle ich mich erleichtert. Verstehst du das? Ich kann ihm alles sagen und er versteht es und hat "einfache" Erklärungen dafür, warum ich so reagiere und vor allem kann man daran arbeiten, wie man anders reagieren kann (um gesund zu werden und auch zu bleiben).
Auch ich habe schon sehr oft über Selbstmord nachgedacht und viele Stunden damit "verschwendet". Und auch ich habe Angst, was nach der Therapie sein wird (sie ist auf maximal 12 Monate begrenzt).
Ich weiß selber nicht, von wo ich immer wieder das bißchen Energie nehme, um weiterzumachen und weiterzukämpfen. Ich weiß, dass es unglaublich anstrengend ist, aber ich fürchte, wenn du nichts unternimmst, dann wird es sich auch nicht ändern...
Also bitte, denke doch mal darüber nach. Du bist es wert, wirklich (auch wenn du dich im Moment ganz anders fühlst).
Ich drücke dich in Gedanken,

Britta

Liebe Britta
Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Wenn ich das richtig verstanden habe ist der Hauptvorteil der Therapie für dich, dass du sozusagen ein Ventil für deine Gefühle hast? Dass du sozusagen ein Mal pro Woche deinen "Seelenmüll" abladen kannst?
Bringt dir denn die Verhaltenstherapie etwas im alltäglichen Leben und im Umgang mit dir selbst?

Ich habe mich immer gut darin verstanden meine "Abnormitäten" zu verstecken und mich anzupassen(so weit es mir eben möglich war) sodass eigentlich niemand je mitbekommen hat, dass das was sie sehen nur eine Maske ist. Ich war auch bisher noch nicht bereit einzusehen, dass ich womöglich Hilfe brauche. Ich war immer überzeugt, dass ich eine Einzelkämpferin bin und alles alleine schaffe.
2011 vertraute ich mich meinem damaligen Freund teilweise an und seine einzige Reaktion war Unverständnis und Erpressung; in dem Sinne, dass er mich zwang zum Arzt zu gehen um mir eine Überweisung an einen Therapeuten zu holen, was ich dann auch tat. Es kostete mich unglaubliche Überwindung und noch viel mehr tatsächlich bei der Psychiaterin vorbei zu gehen. Diese teilte mir mit, dass ich mich in einem halben Jahr noch einmal melden sollte...
Ich habe nie angerufen.
Also nein, ich nehme keine Medikamente da ich noch nie in Behandlung war.
Inzwischen habe ich niemanden mehr zum reden und ersticke an meinen eigenen Gedanken weswegen ich allein deswegen einer Therapie nicht mehr so ablehnend gegenüber stehe.

Darf ich dich etwas fragen?
Wie gehst du mit Nähe zu anderen Menschen um?
Kannst du Vertrauen fassen?
Weißt du in bestimmten Situationen ob du "normal" handelst oder ob deine Reaktion überzogen ist?

Ich kann mit Nähe nur bedingt umgehen. Körperlich ja aber Gefühle mit Worten ausdrücken oder annehmen ohne mit Sarkasmus/Zynismus oder Schweigen zu antworten fällt mir sehr schwer.
Vertrauen kann ich wenig bis gar nicht fassen, ich vertraue eigentlich nur mir selbst.
Ich weiß auch inzwischen überhaupt nicht mehr ob ich zu lasch, zu überzogen oder normal reagiere weil jeder mir immer das Gefühl gibt, dass ich falsch reagiere.
Zwischenmenschliche Beziehungen fallen mir inzwischen so schwer, dass ich fast jeden von mir gestoßen habe um keine Ablehnung mehr erleben zu müssen.

Liebe Grüße,
Mina

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

6. März 2013 um 22:02

Hallo mina
Dann hast du bestimmt sehr schlechte Erfahrungen mit zwischenmenschlichen Beziehungen gemacht, oder?
Wie ist denn das Verhältnis zu deinen Eltern, wenn ich fragen darf?
Du darfst mich alles fragen, kein Problem. Also ich vertraue meinen "engsten" Menschen schon. Also meiner Familie und meinem Freund. Dennoch kann ich ihnen in den seltensten Fällen sagen, wie es mir geht, was mich bedrückt etc. Ich möchte oft einfach nur für mich sein und das schadet meiner Beziehung natürlich sehr...
Auch ich habe immer versucht, alles mit mir alleine auszumachen und immer schön alles versteckt... Aber glaub mir, das schaffst du nicht auf Dauer...
Ich habe immer wieder die Quittung dafür bekommen und bin in der Psychiatrie gelandet, weil ich am Ende meiner Kräfte war. In der Therapie lernt man (und lerne ich) anders mit den Problemen umzugehen. So, dass man daran nicht kaputt geht. Verstehst du?
Mit einem guten Therapeuten hat man das Gefühl, dass er einem selbst einen Teil der Last abnimmt und dir für eine gewisse Zeit beim Tragen hilft und das tut gut. Genau, du lässt deinen ganzen Müll dort und fühlst dich danach etwas leichter.
Mein Therapeut hilft mir gegen meine Depression. Meine Essstörung behandelt er nicht (oder kaum), aber es hilft, wirklich.
Es lohnt sich, den Schritt zu gehen.
Auch wenn die Therapie anstrengend ist.
Ich drücke dich und du kannst dich jederzeit melden und alles fragen. Kein Problem.

Liebe Grüsse
Britta

PS: dein Exfreund hat es damals bestimmt nicht böse gemeint. Er wusste sich sicher nicht anders zu helfen und wollte dir nur helfen. Für Aussenstehende ist das sehr schwer zu begreifen.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

10. März 2013 um 23:36

Hallo mina
bitte versuche eine therapie zu machen. gehe wenn nötig auch in eine klinik, wo man dir helfen wird.

viele liebe grüße

nachdenk

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

10. Februar 2016 um 23:11

Etwas spät.
Mit 19 Jahren oder besser 22, ist vielleicht das schlimmste vorüber. Jetzt hat man eigentlich seine Freiheit. Vieles wird einem eingeredet, tipps gegeben oder sogar bestimmt und wenn man noch die Falschen Menschen dabei trifft wird das für einen zur Höllenwelt. Das du die Therapie nicht weiter machen oder gar neu beginnen willst kann ich mehr als nachvollziehen, ich glaube nicht dass man dort glücklicher werden kann. Eine Antwort auf deibe Frage oder Fragen wirst du in keinem Foren Eintrag finden. Wenn ich dir einen vielleicht dummen Tipp geben darf, führ dein leben nicht 0815, du bist nicht mehr so ein Mensch. Finde einfach das wichtigste für dich, viele scheitern dabei.
Lg Anton xo

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. Februar 2016 um 1:03

Es gibt so viele andere Wege!
Liebe Mina, mir ging es auch sehr lange wie dir. Nun bin ich um einiges älter, konnte Erfahrungen sammeln, habe mich auch über einiges aufgeregt, sehe das mittlerweile aber auch ganz anders. 1. waren es verzweifelte Versuche mir zu helfen. Auch wenn das eine oder andere Wort saß, es regt zum nachdenken an. Ärzte und Therapeuten bezwecken etwas mit dem was sie tun
2. nicht der Therapeut / die Therapie ist die Medizin, du allein musst es wollen und der Therapeut leitet dich nur an, dir selbst zu helfen, einen Weg zu finden. Es liegt in deiner Verantwortung, du bist erwachsen, du musst es wollen!

Verschließe dich nicht und sei nicht allem skeptisch gegenüber. Natürlich kann Weg A, B und C schief gehen, aber das merkt man erst, wenn man diese Wege geht, dann ist es vielleicht D oder H? Das findest du nur heraus, wenn du immer wieder aufstehst, dann statt nach links, nach rechts läufst...

Dir muss klar sein, dass du entscheidest ob es dir besser gehen soll oder nicht. Die Vergangenheit kann man nicht ändern, aber das Hier und das Jetzt!

Ich empfehle dir zu Beginn erst mal eine stationäre Therapie, kannst dir ja eine Akutklinik auch aussuchen, am besten weiter weg von dir, damit du Abstand von allen hast. Es gibt da so tolle Kliniken, die Schönkliniken z.B. oder Heiligenfeld, Dr. Reisach Kliniken, Grönenbach, Curtius Klinik... Und wenn es Psychopharmaka gibt, nimm es an und probiere es aus. Wage dich und sei offen und mutig!
In dir steckt viel Kraft, die musst du wecken! Du schaffst das!

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Teste die neusten Trends!
experts-club

Das könnte dir auch gefallen