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Studium abgebrochen, neuer Wohnort, was tun?

8. Mai 2010 um 9:32

Hallo alle zusammen,


ich habe ein Problem, von dem ich euch gern einmal erzählen würde. Es wäre schön, wenn ihr mir Ratschläge geben könntet, bzw. einfach erzählt, was man in so einer Situation tun kann.

Also es ist so, dass ich (m, 22) leider Einzelkind bin. In meiner Familie, bzw. dort, wo ich herkomme, gab es niemals Gefühle, offen gezeigte Emotionen oder Ähnliches. Bis ich vielleicht 14 war umarmte ich meine Mutter regelmäßig, aber geküsst bin ich von der niemals worden. Ich habe auch selbst nie jemanden geküsst, hatte nie Sex oder eine Freundin, geschweige denn je viele Freunde. Das liegt aber daran, dass meine Eltern stets in sozialer Isolation lebten. Besuch war nicht üblich, bzw. ich "kenne das auch einfach nicht", dass man mal Besuch bei sich hat. Meine Eltern standen und stehen morgens auf, frühstücken, fahren zur Arbeit, nehmen mittags die Mittagspause, arbeiten nachmittags weiter, fahren abends nachause, kaufen ein, schauen Fernsehen, und gehen wieder ins Bett. Freunde gab es da nie bzw. wirklich eigentlich nur zwei Leute, die die beiden dreimal im Jahr besuchen. Das sind dann beides Menschen, deren Existenz der meiner Eltern gleicht (keine Kinder, keine Freunde, keine aktive Teilhabe an der Gesellschaft).

Mein Vater ist praktischer Arzt (Internist) und meine Mutter arbeitet bei ihm in der Praxis als Sekretärin/Dame am Empfang. Dumm sind sie also beide wirklich nicht. Nur unfähig zu sozialen Bindungen.

Die beiden sehen sich also immer, den ganzen Tag über. Sie sehen also wirklich, außer den Patienten, die sie mehr oder weniger gut kennen, niemanden in ihrem Leben. Offenbar finden die das halt gut so.

Ich habe vor zwei Jahren Abitur gemacht, mit zwei Komma eins. Die zehnte Klasse hatte ich wiederholt. Danach (nach dem Abi) habe ich drei Semester Wirtschaft studiert, an der FU Berlin, an der ich von Freundschaften jedoch so weit entfernt war wie die Sonne vom Mond. Für mich hat sich dort keiner interessiert. Bzw. es war einfach so, dass die, die dort studierten, in der Lage waren, sofort Freundschaften aufzubauen oder sich generell von früher kannten/aus der Gegend kamen etc. Es war eine schreckliche Zeit für mich, weil ich dort niemanden kannte und niemanden hatte, mit dem ich mich hätte unterhalten können, etwas hätte unternehmen können etc. Es war nur Herumhocken in der Bude. Irgendwann bin ich dann auch gar nicht mehr in die Vorlesungen oder Übungen gegangen. Klausuren hatte ich insgesamt nur drei oder vier mitgeschrieben. Es war generell aussichtslos. Das hätte ich gar nicht erst anfangen brauchen.

Ich komme ursprünglich aus Pritzwalk. Das ist eine Gegend, die praktisch in idealer Weise von jeder Hochschule so weit wie möglich entfernt liegt. Für meinen Studiumsversuch war ein Umzug in eine andere Stadt also unumgänglich.

Naja, und hier in Berlin, das etwa 150 km von Pritzwalk entfernt liegt, wohne ich auch jetzt noch.

Ich habe mich im laufen der letzten 6 Monate für verschiedenste kaufmännische Ausbildungen beworben, da ich ja beruflich auch so langsam mal etwas brauche. Will ja nicht ewig den Erzeugern auf der Tasche liegen. Ich habe insgesamt rund 200 Bewerbungen verschickt, und war bei so vielen Vorstellungsgesprächen, das ich nunmehr genau weiß, was mit mir falsch ist, und dass ich völlig überqualifiziert bin für jegliche Aus(bildungs)-Berufe.

Kein Wunder, dass die mich alle nicht nehmen wollten.

Ich könnte alles studieren und erfolgreich zum Was-weiß-ich-Superakademiker werden. Das Problem ist nur, mir fehlen soziale Kontakte. Und an der Uni lernen sich halt nur solche kennen, die schon viele andere von vorher kennen. Ein völlig vereinsamtes "Superhirn" (übertrieben) nimmt dort niemand mehr auf, weil halt davon ausgegangen wird, dass jeder für sich selbst sorgen kann und keine Probleme damit hat, sich aus jahr(zehnt)elanger Einsamkeit zu re-sozialisieren. Ich bin nunmal dämlicherweise Einzelkind. Hätte ich Geschwister, wäre das alles mit Sicherheit nicht passiert.

Also es ist so, dass ich wie gesagt eine Zusage für einen Ausbildungsplatz bekommen habe, die ich auch (natürlich) angenommen habe. Ich habe den Ausbildungsvertrag unterschrieben und arbeite bereits jetzt in dieser Firma (IT-Branche). Der Beruf an sich macht mir einen riesengroßen Spaß und ich kann mir gut vorstellen, noch viele Jahre in diesem Bereich weiterzuarbeiten.

Das Problem an der ganzen Sache ist nur:

Der Betrieb besteht, mit mir, insgesamt aus fünf Mitarbeitern. Die drei Mit-Azubis sind tranige Luschen. Zwar nett, aber sie beachten mich überhaupt nicht. Warum beachten sie mich nicht?

Weil sie genau wissen, dass ich ein total schlauer Mensch bin, der nur aus dem Grunde dazu gezwungen ist, etwas zu machen, dass unter seiner Würde liegt, weil er keine Freunde hat/keinen Anschluss gefunden hat. Anders ausgedrückt: Ich werde dort hinterrücks belächelt, und egal wie sehr ich die Mit-Azubis unterstütze, um sie zu meinen Freunden zu machen, sie beachten mich einfach nicht und bringen mir keinen Respekt entgegen.

Es ist sowieso so, dass jemand, der meine Vergangenheit erlebt hat, einen solch riesengroßen Respekt verdient, dass die meisten Menschen das einfach nicht verstehen, bzw. wahrhaben wollen. Niemand war so lange einsam wie ich.

Niemand kennt das.

Niemand will so glücklich sein wie ich. Niemand will mehr als ich, dass Einsamkeit und schlechte Stimmung nie wieder passieren. Und deshalb bringt mir auch keiner den nötigen Respekt entgegen, damit ich mich wohlfühlen könnte und ne Menge Spaß mit den drei Leuten haben könnte.

Somit stellt sich mir die Frage: Was soll ich tun?

Ich fahre jeden morgen zur Arbeit, frühstücke vorher, arbeite dann dort, mache die Mittagspause, arbeite nachmittags weiter, fahre abends nachause, kaufe ein, und sitze dann allein herum. Keine Freunde, von Freundin wollen wir ja gar nicht erst reden, keine Küsse, kein Sex, keine Umarmungen, nichts. Wie immer.

Ich habe eine panische Angst, dass sich irgendwann die falsche Frau an mich schmeißt und ich so Ende wie meine Eltern: In Einsamkeit, und ohne das zu merken oder ändern zu wollen.

Was macht man in meiner Situation? Es muss doch Leute geben, die irgendwie ansatzweise dasselbe erlebt haben oder womöglich gerade selbst erleben. Was kann man tun, um Freunde zu finden? Um etwas zu tun zu haben außer der Arbeit?


Würde mich auf Eure Antworten freuen
Daniel

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8. Mai 2010 um 12:23

Also mal ehrlich,
es kann ja sein, dass du in emotionaler Kälte aufgewachsen bist und nun Probleme hast Freunde zu finden aber bei allem Respekt, so wie du hier schreibst wundert mich nicht, dass du keinen Anschluss findest.
Du machst Alle und Alles schlecht; angefangen bei deinen Eltern, Komillitonen, Arbeitskollegen u.s.w.
Hinzu kommt, dass du dich selber hier als 'falschverstandenes Genie' darstellst und im Zusammenhang damit alles andere als 'unter deiner Würde' zu empfinden scheinst.
Warum ist man mit einem 2er Abi und 'nem abgebrochenen Studium für jegliche Art von Ausbildungsplatz überqualifiziert?? Da ist wohl eher der Wunsch Vater des Gedanken. Nur zum besseren Verständnis: Um 'überqualifiziert' zu sein, muss man sich überhaupt ersteinmal durch verschiedene überdurchschnittliche Leistungen qualifiziert haben.

Deine Mitauszubildenden beachten dich wahrscheinlich nicht, weil du ihnen zu arrogant bist. Den eingeforderten Respekt bekommst du nämlich nicht dafürr, dass du dir einredest du seist ein Superhirn, den musst du dir schon konkret erarbeiten.

'Ich könnte alles studieren und erfolgreich zum Was-weiß-ich-Superakademiker werden.'
Ach ja? Warum tust du es dann nicht?? Du bist jung und kannst dich jederzeit wieder einschreiben und wenn du nicht willst, dass deine Eltern zahlen, dann jobbe halt nebenbei.

'Das Problem ist nur, mir fehlen soziale Kontakte. Und an der Uni lernen sich halt nur solche kennen, die schon viele andere von vorher kennen.'
Totaler Blödsinn, kann ich nur aus eigener Erfahrung sagen. Was zählt ist, ob DU offen bist für Kontakte

'Ein völlig vereinsamtes "Superhirn" (übertrieben) nimmt dort niemand mehr auf, weil halt davon ausgegangen wird, dass jeder für sich selbst sorgen kann und keine Probleme damit hat, sich aus jahr(zehnt)elanger Einsamkeit zu re-sozialisieren.'
Klar : Die sehen dich zweimal die Woche in irgendwelchen Seminaren und wissen genau was mit dir los ist und dann schreiben sie dich sofort in den Wind..

Du scheinst eine sehr hohe Meinung von dir selbst zu haben, vielleicht ist das eine Art Selbstschutz. Ich will dich nicht verurteilen oder dich beleidigen aber denk' doch mal bitte darüber nach, ob du nicht vielleicht häufig mit einer arroganten/ abwertenden Art auf Leute zugehst, die dann natürlich auf Abstand gehen, weil sie das nicht brauchen. Deine eigentliche Sehnsucht nach Freunden können sie nicht erahnen, weil du nicht zeigst, was du eigentlich willst und damit auch nicht bekommst, was du brauchst; nämlich Leute, die sich ehrlich für dich und dein Leben interessieren.
Du signalisierst: 'Ich bin toll, ich brauche euch A****** nicht, weil ich super allein klar komme' -damit erreichst du aber nur, dass du alleine bleibst und das widerum tut dir weh, weil du wie jeder andere Mensch gerne Freunde bzw. eine Partnerin hättest.
Wenn sich dieses Problem bei dir schon sehr tief eingegraben hat und du auch deinen familiärn Hintergrund aufarbeiten möchtest solltest du vielleicht überlegen, dir therapeutische Hilfe zu holen, ehe dein Frust in Depressionen oder Aggressionen umschlägt.

Liebe Grüße und viel Glück (und für die Zukunft ein paar nette Freunde) wünscht dir Tamara.

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8. Mai 2010 um 16:39

Meine sicht und erfahrung
hi daniel,

also ich würd mich auch der meinung anschließen, dass du kein "superhirn" bist. ich hatte auch einen schnitt im abi von 2,1, habe aber ne klasse übersprungen und nicht wiederholt. und meine eltern sind beide keine akademiker.

ich habe auch schwierigkeiten im studium bekommen, jedoch nicht gleich zu anfang. bei mir lag's daran, dass meine eltern immer noch der archaischen ansicht sind, dass frau mit mann nicht reden solle, denn sonst gebe es ja sofort gerüchte als hätte man mit ihm quasi "das eine" getan. und da mein studiengang männlich überbesetzt ist, meine eltern nicht wirklich weit von der uni wohnen, und -als hätte mir das noch gefehlt- einige bekannte dann auch noch auf der uni waren/sind, waren schwierigkeiten schon vorprogrammiert. zumal es schon immer schwierigkeiten gegeben hat, wenn ich mich auch nur mit weiblichen freunden anfreunden wollte. deren ansicht könne ja verkehrt sein....

und diese schwierigkeiten haben dann zu meinem unheil dazu geführt, dass ich aus angst und panik, meine eltern könnten mich beobachten/beobachten lassen und ausrasten, mich nicht mehr richtig konzentrieren konnte. bis hin zu unerklärten bauch und kopfschmerzen, ständiger übermüdung, übelkeit, etc.bin aus der wohnung meiner eltern "zwangsausgezogen", habe mich dann an eine beratungsstelle gewendet, und habe immer noch gewisse hemmungen auf meine mitstudenten zuzugehen.

habe in der "zeit der angst" ziemlich viel an stoff verpasst, musste sogar ein semester aussetzen, weil es mit der konzentration so weit bergab gegangen war und die inneren schmerzen zu stark waren, dass es für mich nicht mehr zu ertragen war.

was ich meine ist: es gibt kein superhirn. je nach lebenssitation kann man sich halt besser oder schlechter konzentrieren, ist man besser oder schlechter drauf. wichtig ist, dass man für sich selbst respektiert, dass man nicht perfekt ist.

kann ehrlich gesagt auch grad gar nicht sagen, wie es überhaupt mit meinem studium und meinem leben weiter gehen wird. ich werd einfach versuchen, das beste draus zu machen. und wär sowas von dankbar und zufrieden, wenn ich mein studium endlich beenden könnte, und nicht abbrechen müsste. die situation mit meinen eltern fand ich schwierig genug, studienabbruch wär ein weiterer harter schlag ins gesicht. und den würd ich ehrlich gesagt nicht gerne spüren.

naja. soviel zu der ganzen sache aus meiner sicht und erfahrung. vielleicht gibt dir das zu denken und hilft dir weiter

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8. Mai 2010 um 17:01
In Antwort auf seona_12567873

Also mal ehrlich,
es kann ja sein, dass du in emotionaler Kälte aufgewachsen bist und nun Probleme hast Freunde zu finden aber bei allem Respekt, so wie du hier schreibst wundert mich nicht, dass du keinen Anschluss findest.
Du machst Alle und Alles schlecht; angefangen bei deinen Eltern, Komillitonen, Arbeitskollegen u.s.w.
Hinzu kommt, dass du dich selber hier als 'falschverstandenes Genie' darstellst und im Zusammenhang damit alles andere als 'unter deiner Würde' zu empfinden scheinst.
Warum ist man mit einem 2er Abi und 'nem abgebrochenen Studium für jegliche Art von Ausbildungsplatz überqualifiziert?? Da ist wohl eher der Wunsch Vater des Gedanken. Nur zum besseren Verständnis: Um 'überqualifiziert' zu sein, muss man sich überhaupt ersteinmal durch verschiedene überdurchschnittliche Leistungen qualifiziert haben.

Deine Mitauszubildenden beachten dich wahrscheinlich nicht, weil du ihnen zu arrogant bist. Den eingeforderten Respekt bekommst du nämlich nicht dafürr, dass du dir einredest du seist ein Superhirn, den musst du dir schon konkret erarbeiten.

'Ich könnte alles studieren und erfolgreich zum Was-weiß-ich-Superakademiker werden.'
Ach ja? Warum tust du es dann nicht?? Du bist jung und kannst dich jederzeit wieder einschreiben und wenn du nicht willst, dass deine Eltern zahlen, dann jobbe halt nebenbei.

'Das Problem ist nur, mir fehlen soziale Kontakte. Und an der Uni lernen sich halt nur solche kennen, die schon viele andere von vorher kennen.'
Totaler Blödsinn, kann ich nur aus eigener Erfahrung sagen. Was zählt ist, ob DU offen bist für Kontakte

'Ein völlig vereinsamtes "Superhirn" (übertrieben) nimmt dort niemand mehr auf, weil halt davon ausgegangen wird, dass jeder für sich selbst sorgen kann und keine Probleme damit hat, sich aus jahr(zehnt)elanger Einsamkeit zu re-sozialisieren.'
Klar : Die sehen dich zweimal die Woche in irgendwelchen Seminaren und wissen genau was mit dir los ist und dann schreiben sie dich sofort in den Wind..

Du scheinst eine sehr hohe Meinung von dir selbst zu haben, vielleicht ist das eine Art Selbstschutz. Ich will dich nicht verurteilen oder dich beleidigen aber denk' doch mal bitte darüber nach, ob du nicht vielleicht häufig mit einer arroganten/ abwertenden Art auf Leute zugehst, die dann natürlich auf Abstand gehen, weil sie das nicht brauchen. Deine eigentliche Sehnsucht nach Freunden können sie nicht erahnen, weil du nicht zeigst, was du eigentlich willst und damit auch nicht bekommst, was du brauchst; nämlich Leute, die sich ehrlich für dich und dein Leben interessieren.
Du signalisierst: 'Ich bin toll, ich brauche euch A****** nicht, weil ich super allein klar komme' -damit erreichst du aber nur, dass du alleine bleibst und das widerum tut dir weh, weil du wie jeder andere Mensch gerne Freunde bzw. eine Partnerin hättest.
Wenn sich dieses Problem bei dir schon sehr tief eingegraben hat und du auch deinen familiärn Hintergrund aufarbeiten möchtest solltest du vielleicht überlegen, dir therapeutische Hilfe zu holen, ehe dein Frust in Depressionen oder Aggressionen umschlägt.

Liebe Grüße und viel Glück (und für die Zukunft ein paar nette Freunde) wünscht dir Tamara.

Schließe..
mich dir an, tamara

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8. Mai 2010 um 21:20

Interessanter text..
moragh .. ich tippe allerdings eher auf narzißtische persönlichkeit

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