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Stationäre therapie

13. Juli 2012 um 0:47

Guten abend zusammen!

Ich leide seit ich fünfzehn bin an depressionen, zwangsvorstellungen und zwängen. Ausserdem bin ich an magersucht und bulimie erkrankt, verletze mich immer wieder selber und habe drogenprobleme.
Ich war jetzt (mal wieder) beim psychiater, der hat bei mir borderline, manische depressionen und essstörungen diagnostiziert.
Bekomme jetzt sertralin und quetiapin.
Zur therapie soll ich möglichst bald nach rinteln in die burghof-klinik.
Davor habe ich etwas angst (so lange von zuhause weg, meinen partner so lange alleine lassen, fremde menschen).
Welche erfahrungen habt ihr in stationären klinikaufenthalten gesamnelt?
Gibt es leute mit einem ähnlichen krankheitsbild hier im forum?
Habt ihr vielleicht tipps für mich?

LG!

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13. Juli 2012 um 2:35


Ich bin kein Betroffener, sondern habe im engsten Freundeskreis 3 Personen, die innerhalb des letzten Jahres stationär waren. Zudem hab ich mal ein Jahr auf einer akut-Station in der Psychiatrie gearbeitet.

Ich geb hier mal einige Dinge wieder, die mir von meinen Freunden erzählt wurden.

Die Zeit in der ersten Woche vergeht recht schnell, da man sich so vielen neuen Eindrücken ausgesetzt fühlt.
Da es in einer Psychiatrie darauf angelegt wird möglichst wenig Reize zu setzen, wird die zeit nach dieser ersten Woche verfliegen wie der Wind. Bei deinen Diagnosen würde ich, je nach Schweregrad und Erfolgen bei der Therapie, eine Aufenthaltsdauer zwischen 2 und 3 Monaten für möglich halten. Das klingt viel, wird sich aber ganz anders anfühlen, wenn du dabei bist.

Du wirst dort schnell FreundeInnen in den Mitpatienten finden. Vielen patienten gelingt es zum ersten Mal im Leben leicht Kontakt zu anderen Menschen aufzubauen, weil in diesem geschützen Rahmen eine viel vertraulichere Atmosphäre herrscht als draussen.

Du wirst gelgentlich merken, dass es anderen viel schlechter geht als dir selbst...das baut dich auf.

Du kannst dort sehr offen mit jedem über beinah alles sprechen. Ausserhalb der Psychiatrie ist dies niemals möglich.

Je nachdem wie weit die Klinik von deinem zuhause weg ist, kannst du jedes Wochenende (ggf. die ersten 2-3 Wochen nicht) nach Hause. Das hilft sehr, weil die Wochenende in der Klinik sehr langweilig sein können.

Du wirst vielleicht ein neues Hobby finden. In den Ergotherpien haben schon so manche ihre Freude am Malen oder Materialbearbeitung allgemein gefunden.

Du musst dich an 2 goldene Regeln halten.
1. Nimm deine Medikamente. Auch über die Klinikaufenthalt hinaus. Egal ob du ihre Wirkung anzweifelst, oder du das Gefühl hast sie nicht mehr zu brauchen.
2. Leider ist es gerade bei Borderline, Zwängen oder dem Drogenkonsum so, dass man es nicht "heilen" kann.
Es ist ein lebenslanger Prozess mit dem du lernen musst umzugehen. Du musst in der Klinik lernen dich selbst zu verstehen. Die Auslöser für dein Verhalten und skills, mit denen du dagegen angehen kannst. Deeskalationtraining im inneren deines Körpers.

-jetzt nicht falsch verstehen-
Die Medikamente, die du nimmst, bzw. kann es auch sein, dass diese nochmal umgestellt werden, machen vielen Patienten Probleme, weil sie teils massiv appetitsteigernd sind...dies kommt allerdings deiner Essstörung "zu gute" *smile*

Ich wünsch dir viel Kraft und genügend ruhige Momente. Letztendlich kommt es im Leben nur darauf an, was du draus machst.

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13. Juli 2012 um 3:05
In Antwort auf valec1983


Ich bin kein Betroffener, sondern habe im engsten Freundeskreis 3 Personen, die innerhalb des letzten Jahres stationär waren. Zudem hab ich mal ein Jahr auf einer akut-Station in der Psychiatrie gearbeitet.

Ich geb hier mal einige Dinge wieder, die mir von meinen Freunden erzählt wurden.

Die Zeit in der ersten Woche vergeht recht schnell, da man sich so vielen neuen Eindrücken ausgesetzt fühlt.
Da es in einer Psychiatrie darauf angelegt wird möglichst wenig Reize zu setzen, wird die zeit nach dieser ersten Woche verfliegen wie der Wind. Bei deinen Diagnosen würde ich, je nach Schweregrad und Erfolgen bei der Therapie, eine Aufenthaltsdauer zwischen 2 und 3 Monaten für möglich halten. Das klingt viel, wird sich aber ganz anders anfühlen, wenn du dabei bist.

Du wirst dort schnell FreundeInnen in den Mitpatienten finden. Vielen patienten gelingt es zum ersten Mal im Leben leicht Kontakt zu anderen Menschen aufzubauen, weil in diesem geschützen Rahmen eine viel vertraulichere Atmosphäre herrscht als draussen.

Du wirst gelgentlich merken, dass es anderen viel schlechter geht als dir selbst...das baut dich auf.

Du kannst dort sehr offen mit jedem über beinah alles sprechen. Ausserhalb der Psychiatrie ist dies niemals möglich.

Je nachdem wie weit die Klinik von deinem zuhause weg ist, kannst du jedes Wochenende (ggf. die ersten 2-3 Wochen nicht) nach Hause. Das hilft sehr, weil die Wochenende in der Klinik sehr langweilig sein können.

Du wirst vielleicht ein neues Hobby finden. In den Ergotherpien haben schon so manche ihre Freude am Malen oder Materialbearbeitung allgemein gefunden.

Du musst dich an 2 goldene Regeln halten.
1. Nimm deine Medikamente. Auch über die Klinikaufenthalt hinaus. Egal ob du ihre Wirkung anzweifelst, oder du das Gefühl hast sie nicht mehr zu brauchen.
2. Leider ist es gerade bei Borderline, Zwängen oder dem Drogenkonsum so, dass man es nicht "heilen" kann.
Es ist ein lebenslanger Prozess mit dem du lernen musst umzugehen. Du musst in der Klinik lernen dich selbst zu verstehen. Die Auslöser für dein Verhalten und skills, mit denen du dagegen angehen kannst. Deeskalationtraining im inneren deines Körpers.

-jetzt nicht falsch verstehen-
Die Medikamente, die du nimmst, bzw. kann es auch sein, dass diese nochmal umgestellt werden, machen vielen Patienten Probleme, weil sie teils massiv appetitsteigernd sind...dies kommt allerdings deiner Essstörung "zu gute" *smile*

Ich wünsch dir viel Kraft und genügend ruhige Momente. Letztendlich kommt es im Leben nur darauf an, was du draus machst.

Und noch was
fällt mir zum Drogenkonsum ein.
Die Ärzte in der Klinik werden sehr schnell ihren Fokus auf dieses Problem legen und versuchen dich in jedem Fall davon weg zu bekommen. Dies ist aber oftmals der flasche Weg.
Viele Borderliner nehmen Drogen nur, um aus der Spirale, die diese Erkrankung mit sich bringt, zu entkommen. Das Gefühl nichts als eine große Leere zu empfinden, den eigenen Körper nicht mehr wahr zu nehmen, kann entweder durch Selbstverletzung oder Drogen geändert werden....mir persönlich wäre da ein geregelter Drogenkonsum in Maßen lieber.

Ich hoffe du leidest nicht unter akkustischen o.ä. Halluzinationen...sollte das doch der Fall sein, können Drogen diesen Effekt nachhaltig natürlich verstärken und man müsste sich von Drogen doch mehr distanzieren.
Die Drogen hemmen natürlich deinen Appetit (meistens)...das wäre natürlich kontraproduktiv bei deiner Essstörung...ich hoffe auch um dein Gewicht ist es nicht allzu dramatisch bestellt.


Es wird nicht leicht, was vor dir liegt, aber verliere nie den Mut.Und solange du Menschen hast, die dich lieben, solltest du nie vergessen, dass es sich lohnt immer weiter zu kämpfen

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16. Juli 2012 um 16:35

Seit 20 Jahren Bulimie
Hallo Zusammen! Bin neu im Forum und echt erschüttert wie viele mein Schicksal teilen.....ich weiss einfach nicht mehr weiter...seit 20 Jahren bin ich krank, seit ca 3 Jahren trinke ich auch noch zu viel. Hab Familie, geh arbeiten funktioniere immer....Probleme in der gesamten Familie werden bei mir abgeladen. Ich sag schon immer das ich der seelische Mülleimer für alle bin....in letzter Zeithabe ich sehr häufig starke Kreislaufprobleme, das behindert meinen Alltag. Meine Kinder und mein Mann wissen nichts, ob sie was ahnen weiss ich nicht. Ich weiss nicht wem ich mich anvertrauen kann und wie es weiter geht. Ich möche einfach mal einen Tag nicht an das Sch...essen denken und keinen Supermarkt von innen sehen wollen!! Ich möchte wieder die sein die ich mal war....weiss aber nicht wie das gehen soll!
GVLG

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17. Juli 2012 um 22:20

Das ist der richtige weg
Eine Klinik sieht etwa so aus wie ein Krankenhaus. Wahrscheinlich wirst du mit einem Patienten ein Zimmer teilen und tags über Therapien haben. Du brauchst keine Angst haben, auch wenn dir die Mitpatienten vielleicht am ANfang etwas komisch vorkommen werden.

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24. Juli 2012 um 12:01

Stationär
ich war zweimal in einer tagesklinik, das war ok. dann war ich einmal stationär in der örtlichen psychiatrie (NIE wieder, sage ich dir!!!) und einmal in reha 300 km von daheim weg. diese reha war das beste, was mir passieren konnte.

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24. Juli 2012 um 13:21

Also
sehe die stationäre Klinik nicht als Feind/ Angst an. Wenn dir deine jetzige Situation nicht gut tut, dann sehe das als Chance für einen Neuanfang in Sachen diagnose/ Heilung. Ich war auch in stationäre Therapie, musste mien Kind, damals 5J, bei meiner Schwester lassen, aber ich habe dieses als Chance für uns beide gesehen, einerseits bekommt er eine gesundende Mama, andererseits lernt er selbstständiger zuwerden und außerdem schweißt das auch noch zusammen! Klinikaufenthalt hat mir im Nachhinein nicht all zuviel gebracht, weil das Problem(Vergewaltigung) immer noch besteht aber das mit meinem Kind Ist gut gelaufen. ER weiß, das es Mama gut gehen wird, wenn sie mal wieder in die Klinik sollte! Dein Partner wird das verkraften können, denn der will sicherlich auch eine gesundende Partnerin, oder?

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