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Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Ständiges Gefühl der Ablehnung

Letzte Nachricht: 3. Januar um 15:20
J
jeli107
23.10.23 um 1:14

Hallo, ich möchte einfach mal die Möglichkeit nutzen mich auszutauschen. 
Aktuell befinde ich mich in einer Lebensphase in der ich einfach nur unzufrieden bin und würde mich gerne euren Rat einholen. 
Ich bin jetzt Mitte 30 und merke einfach durch ein Aufarbeiten der letzten Jahre wie sehr mich die stetige "Ablehnung" in meinem belastet. Ich komme aus einer Mittelstandsfamilie und bin das älteste Kind. Ich habe zwei jüngere Geschwister die Problemkinder waren (ADHS, früher Kontakt zu Drogen und Alkohol) die meinen Eltern die letzte Energie geraubt haben. Ständig gab es Probleme mit ihnen. Ich bin irgendwie immer nebenher gelaufen. In meiner Teenagerzeit ist mein Freund verstorben, auch das wurde nur mäßig thematisiert. Ich habe es irgendwie geschafft mich zu erholen und alles durchzuziehen. Wirklich Unterstützung hab ich familiär nicht erfahren, da das Hauptaugenmerk auf anderen Problemen lag. Seitdem ich denken kann wird aber jedes Problem familiär bei mir abgeladen elterlicherseits und man schüttet sich bei mir das Herz aus. Wirklich aufrichtige Freundschaften habe ich eigentlich im Nachhinein betrachtet nie gehabt. Ich bin ein geselliger Mensch, jedoch ist es mir nie gelungen sehr enge Freundschaften aufzubauen. Ich habe meistens als Zuhörer/Ratgeber fungiert, man konnte mit mir feiern gehen, aber meine Probleme wurden meistens abgetan-auch wenn ich ehrlich geäußert habe das es verletzend ist, sodass ich dann auch nicht weiter drauf eingegangen bin. Auf der Arbeit bekomme ich immer gesagt, dass alle mich lieben, ich der Sonnenschein bin, aber am Ende habe ich dennoch immer das Gefühl, dass ich der Lückenbüßer bin, wenn es darum geht spontan in Dienste einzuspringen etc. (Akutklinik)Ich habe zum Glück einen wundervollen Partner der mich unterstützt, aber ich habe langsam das Gefühl ich halte nur noch eine Fassade aufrecht erhalte, niemand sich für mich aufrichtig interessiert etc. Neue Kontakte zu knüpfen fällt mir schwer, da ich langsam das Gefühl habe das es nichts engeres wird. Vereinen etc beizutreten wird zeitlich eng, da ich im 3 Schicht System arbeite und teilweise auf eine 65 Stunden Woche komme. Wirklich traurig und beschämt war ich, als ich überlegt habe wer meine Trauzeugin sein könnte. Ich habe dann meinen Mut zusammengenommen und eine Arbeitskollegin gefragt, die es dann auch gemacht hat. Sie hat sich sehr geehrt gefühlt, war aber auch verwundert. Nach einem offenen Gespräch hat sie aber zugestimmt wofür ich immer noch sehr dankbar bin. Seitdem treffen wir uns etwas häufiger und ich hoffe, dass sich daraus langfristig eine gute Freundschaft entwickeln könnte. 
Habt ihr vielleicht eine Idee wo man ansetzen könnte? Ich fühle mich immer so, als wäre ich die zweite Wahl und habe das ständige Gefühl der Ablehnung, obwohl ich immer offen und hilfsbereit bin. So langsam habe ich aber leider das Gefühl, dass es mich innerlich zerreißt.

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B
brumby
27.12.23 um 3:17

Hallo Jeli,

sonderbare Beziehungsdynamik, die du schilderst zwischen dir und deinen Bekannten.

Es plätschert so dahin, habe ich den Eindruck. Du nimmst vieles auch einfach hin. Es ist ja das Eine, zu sagen, es sei verletzend, dass alles abgetan wird, aber mir fehlt jetzt so ein bisschen die Durchsetzung.

Kannst du gut Nein sagen? Sagst du auch gelegentlich Nein? Also, so nach dem Motto, will ich nicht hören? Ich habe den Eindruck gewonnen, dass du dieses Probleme abladen hinnimmst, und die Leute daran gewöhnt sind.

Du kannst dir nun ein neues Umfeld suchen, oder aber an den Beziehungen arbeiten. Das ist hart, da müssen Gewohnheiten und Verhaltensmuster durchbrochen werden, da bleibt vielleicht auch die ein oder andere Beziehung auf der Strecke, und Angst macht es vielleicht auch. Aber Angst ist in diesem Fall etwas sinnvolles, solange du ihr begegenen kannst, und sie dich nicht lähmt.

Ich würde mir an deiner Stelle professionelle Unterstützung suchen. Verhaltens"therapie" könnte eine Lösung sein. Könnte, weil ich seit langem zwar mit Psycholog*innen rede, aber eben in der Regel tiefenpsycholgisch. Diese dauert länger, hilft aber nachhaltig. Mach dich einfach schlau, wenn du das für eine gute Idee hältst, und führe ein paar Kennenlern-Gespräche und lass dich beraten, von den Möglichkeiten, die beide Wege bieten.

Ich will damit ja nicht sagen, dass du krank bist, und eine*n Therapeut*in brauchst, sondern, einfach jemanden suchst, der dir mit Methoden gegen diesen Teufelskreis den Rücken stärkt. Nichts anderes ist es nämlich, ein Teufelskreis. Und du hast jetzt den ersten Schritt gemacht, und jetzt geh einfach weiter... 

Viel Glück.
Thomas



 

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F
frank35g
03.01.24 um 15:20
In Antwort auf brumby

Hallo Jeli,

sonderbare Beziehungsdynamik, die du schilderst zwischen dir und deinen Bekannten.

Es plätschert so dahin, habe ich den Eindruck. Du nimmst vieles auch einfach hin. Es ist ja das Eine, zu sagen, es sei verletzend, dass alles abgetan wird, aber mir fehlt jetzt so ein bisschen die Durchsetzung.

Kannst du gut Nein sagen? Sagst du auch gelegentlich Nein? Also, so nach dem Motto, will ich nicht hören? Ich habe den Eindruck gewonnen, dass du dieses Probleme abladen hinnimmst, und die Leute daran gewöhnt sind.

Du kannst dir nun ein neues Umfeld suchen, oder aber an den Beziehungen arbeiten. Das ist hart, da müssen Gewohnheiten und Verhaltensmuster durchbrochen werden, da bleibt vielleicht auch die ein oder andere Beziehung auf der Strecke, und Angst macht es vielleicht auch. Aber Angst ist in diesem Fall etwas sinnvolles, solange du ihr begegenen kannst, und sie dich nicht lähmt.

Ich würde mir an deiner Stelle professionelle Unterstützung suchen. Verhaltens"therapie" könnte eine Lösung sein. Könnte, weil ich seit langem zwar mit Psycholog*innen rede, aber eben in der Regel tiefenpsycholgisch. Diese dauert länger, hilft aber nachhaltig. Mach dich einfach schlau, wenn du das für eine gute Idee hältst, und führe ein paar Kennenlern-Gespräche und lass dich beraten, von den Möglichkeiten, die beide Wege bieten.

Ich will damit ja nicht sagen, dass du krank bist, und eine*n Therapeut*in brauchst, sondern, einfach jemanden suchst, der dir mit Methoden gegen diesen Teufelskreis den Rücken stärkt. Nichts anderes ist es nämlich, ein Teufelskreis. Und du hast jetzt den ersten Schritt gemacht, und jetzt geh einfach weiter... 

Viel Glück.
Thomas



 

Ich würde mich anschließen. Ein guter Therapeut wäre hilfreich. Das hat nichts mit krank zu tun.
Es ist schon mal der wichtigste Schritt dass du selbst merkst das es dich zerreist.

Das Problem wird sein einen guten Therapeuten zu finden. Bis dahin halte ich es für wichtig, sich immer wiede selbst zu überprüfen und tatsächlich zu schauen, wo kann ich dinge, die mich stören abwenden oder verhindern oder ablehnen.

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