Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Spiritualität vs. Angst

Letzte Nachricht: 19. April um 12:48
U
user311968609
15.04.22 um 12:55

Hallo,

ich habe eine Frage, worüber ich gerne mich austauschen möchte.
Kurz zu mir, ich interessiere mich für die ganze Materie über Spiritualität. Die Erkenntnisse, die Weisheiten und wie man einfach zu sich selber findet. Dazu gehört auch die Arbeit mit dem inneren Kind. Für mich alles nichts Neues, natürlich lerne ich immer wieder neues dazu und das ganze Leben ist ein Lernen. Mein Partner befasst sich überhaupt nicht damit, was auch vollkommen ok für mich ist. Manchmal stellt er mir fragen diesbezüglich, worauf ich aber sehr schlecht antworten kann. Weil jedes Wort ist ja für ihn neu, alleine das er gar nicht bereifen kann das jeder ein Bewusstsein bzw. ein Unterbewusstsein hat und wir durch die Erfahrungen und Erlebnisse, die wir im Leben machen handeln. Ich möchte es ihm erklären, aber es klingt aus meinem Mund so blöd und crazy das ich es entweder lasse oder es hört sich so an als wäre er blöd, wisst ihr was ich meine? Es wäre so als würden man seinen Beruf oder ein Hobby erklären, das man ja Jahre lang schon ausübt.

Seine Aussage war eben, dass ihm Spiritualität Angst macht, das fand ich schon sehr interessant, mich macht das ganze neugierig und ich lese mich gerne ein und schaue, was sich gut oder nicht so gut anfühlt.

Ich finde auch das Wort „Spiritualität“ irgendwie falsch, das hat mit so vielen Missverständen zu tun. Ohne Vorurteil, einige denken gleich an Tarotkarten, Sekte und esoterischem Mumpitz.
Manche Leute blocken gleich ab, wenn ich sage, dass ich mich für Spiritualität interessiere. Warum ist das so?

Gibt es hier auch Gleichgesinnte? Was antwortet ihr darauf, wenn es über diese Themen geht. Gibt es ein andere Wort für Spiritualität?

Ich habe Freundinnen, mit denen ich mich auch ganz „normal“ darüber unterhalten, es geht ja auch viel über Gefühle und die eigene Wahrnehmung. Das ist bei meinem Partner halt ganz anders, er reagiert, ohne darüber nachzudenken, warum er es so oder so sieht/macht.

Jetzt bin ich über eure Antworten gespannt und freue mich darauf

Schöne Grüße und frohe Ostern!

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Z
zauderer22
16.04.22 um 15:03

Es existieren unzählige Bedeutungen von "Spiritualität". Daher fällt es mir schwer, hierzu etwas Eindeutiges zu sagen, da meine Art von "Spiritualität" wieder nur von einem bestimmten Kreis von Menschen geteilt wird.

Allerdings hast Du Dich auf die Theorie vom "inneren Kind" bezogen. Zwar werden hier Theorie und Praxis von "spirituell" orientierten Psycholog*innen vorgetragen. Dennoch geht es primär um eine bestimmte psychotherapeutische Richtung, genau genommen um mehrere zum Teil sehr unterschiedliche Richtungen (die sich zwar nicht unbedingt widersprechen müssen, aber teilweise schon miteinander konkurrieren).

Es gibt auch gute Gründe, genau zu prüfen, ob dieser Ansatz wirklich für einen in Frage kommt. Bei einigen wird da einiges an traumatischem Material losgetreten. Andere hingegen profitieren davon. Also eher Vorsicht!

Für mich persönlich handelt es sich hier um Veranschaulichungen von psychisch eher diffusem Material, für dessen Verständnis wir Begriffe benötigen. In der Schematherapie scheint mir noch der wertvollste Ansatz zu bestehen, der eventuell sehr vielen Menschen tatsächlich geholfen hat und hilft. Wenn hier aus der Theorie eine Praxis abgeleitet werden kann, ein "gesundes Erwachsenen-Ich" zu etablieren, dann scheint mir das schon wertvoll zu sein. Wie man sowas jemandem erklären kann?

Schwierig. Man muss es erfahren. Dabei hilft eigentlich nur eine Gruppe. Ein bloßes Buchwissen ist da nicht ausreichend, zumal es nicht nur um begriffliches Verstehen geht, sondern um das Ansprechen bestimmter Seelenschichten.

Dennoch kann man das auch ganz rational "konstruierten" Menschen etwas näher bringen. Aber dazu existieren ein paar Standardwerke - und wir können das hier alles unmöglich diskutieren.

 

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user311968609
16.04.22 um 16:30
In Antwort auf zauderer22

Es existieren unzählige Bedeutungen von "Spiritualität". Daher fällt es mir schwer, hierzu etwas Eindeutiges zu sagen, da meine Art von "Spiritualität" wieder nur von einem bestimmten Kreis von Menschen geteilt wird.

Allerdings hast Du Dich auf die Theorie vom "inneren Kind" bezogen. Zwar werden hier Theorie und Praxis von "spirituell" orientierten Psycholog*innen vorgetragen. Dennoch geht es primär um eine bestimmte psychotherapeutische Richtung, genau genommen um mehrere zum Teil sehr unterschiedliche Richtungen (die sich zwar nicht unbedingt widersprechen müssen, aber teilweise schon miteinander konkurrieren).

Es gibt auch gute Gründe, genau zu prüfen, ob dieser Ansatz wirklich für einen in Frage kommt. Bei einigen wird da einiges an traumatischem Material losgetreten. Andere hingegen profitieren davon. Also eher Vorsicht!

Für mich persönlich handelt es sich hier um Veranschaulichungen von psychisch eher diffusem Material, für dessen Verständnis wir Begriffe benötigen. In der Schematherapie scheint mir noch der wertvollste Ansatz zu bestehen, der eventuell sehr vielen Menschen tatsächlich geholfen hat und hilft. Wenn hier aus der Theorie eine Praxis abgeleitet werden kann, ein "gesundes Erwachsenen-Ich" zu etablieren, dann scheint mir das schon wertvoll zu sein. Wie man sowas jemandem erklären kann?

Schwierig. Man muss es erfahren. Dabei hilft eigentlich nur eine Gruppe. Ein bloßes Buchwissen ist da nicht ausreichend, zumal es nicht nur um begriffliches Verstehen geht, sondern um das Ansprechen bestimmter Seelenschichten.

Dennoch kann man das auch ganz rational "konstruierten" Menschen etwas näher bringen. Aber dazu existieren ein paar Standardwerke - und wir können das hier alles unmöglich diskutieren.

 

Hallo, danke für deine Antwort.
 Ja, ich finde auch dass es echt schwer ist jemand der sich mit der Thematik nichts auskennt es zu erklären. Das beruhigt mich schon Mal 🙂 Du schreibst von Standardwerken? Kannst du mir da welche empfehlen?

Schöne Grüße und frohe Ostern

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zauderer22
16.04.22 um 16:50
In Antwort auf user311968609

Hallo, danke für deine Antwort.
 Ja, ich finde auch dass es echt schwer ist jemand der sich mit der Thematik nichts auskennt es zu erklären. Das beruhigt mich schon Mal 🙂 Du schreibst von Standardwerken? Kannst du mir da welche empfehlen?

Schöne Grüße und frohe Ostern

Wenn Dein Freund jemand ist, der so ähnlich wie ich erst einmal nur rationale Argumente zulässt, dem empfehle ich ein ziemlich einfach geschriebenes Buch am Anfang von Russ Harris: "Wer dem Glück hinterläuft, läuft daran vorbei".

Das hört sich zwar erstmal ziemlich blöd an, ist es aber gerade nicht. Es ist das geeignete Buch für Skeptiker, die anfangs an nichts glauben, was irgendwie die menschliche Seele betrifft.

Bei mir bewirkte das Buch eine Veränderung schon nach den ersten 20 Seiten.

Dann kriegt man auch gleich einen Grundlagenkurs, wie eigentlich so unsere Amygdala funktioniert: Das ist seriös und naturwissenschaftlich. Im nächsten Schritt wird einem klar, dass es das Unbewusste ja wirklich gibt. Das ist keine Spinnerei einer besonders spirituellen Gruppe von Menschen.

Allmählich baut der Autor dann Theorie und Praxis der sogenannten "ACT" (Acceptance Commitment Theory) auf. Zwar ist die vielleicht nicht für jeden geeignet, aber ich habe den Eindruck, dass besonders skeptische Menschen von der "ACT" mitgenommen werden können, weil sie an keinerlei "Brimborium" glauben müssen und die ACT in ihr tägliches Leben erfolgreich integrieren können.

Wer sich in Meditationstechniken und die Theorie der Achtsamkeit vertiefen möchte, für den ist das Standardwerk von Jon Kabat-Zinn die ganz große Sache: "Gesund durch Meditation. Full Catastrophe Living. Das vollständige Grundlagenwerk."

Ich muss aber gestehen, dass bei Kabat-Zinn ohne irgendeine Art von Glaubensmodell ganz schnell mit dem Verstehen Schluss sein kann. Man kann ihn allerdings auch als "Atheist", Ungläubiger, Skeptiker mit einigem Erfolg lesen. Dann wird man ziemliche Analogen zur oben zitierten "ACT" finden, wobei die ACT inzwischen wissenschaftlich gut etabliert ist. Auch Russ Harris (siehe oben) weist auf Kabat-Zinn hin und hat einiges von ihm übernommen.

Der Kabat-Zinn wäre etwas für Dich, der Russ Harris etwas für Deinen Freund (Buch kostet nicht viel).

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fridolin
17.04.22 um 11:50

Der Begriff Spiritualität ist wirklich kompliziert. Für mich impliziert der auch etwas "Übernatürliches" wie Horoskope usw (mMn alles Quatsch). Wenn es darum geht, sich zu fragen, was einen glücklich macht und was sich alles unbewusst in einem abspielt, ist das für mich mehr oder weniger Psychologie. Ich bin mir auch nicht sicher, was es genau mit dem inneren Kind auf sich hat. Ich kann aber jedem empfehlen, sich zu fragen, ob bestimmte Erfahrungen in der Kindheit ihn heute stärker beeinflussen, als man denkt. Das sehe ich aber auch nicht als Spiritualität.
Wenn man damit nichts anfangen kann, oder keine Lust hat, seine innen Schichten offenzulegen, muss man das respektieren. Wenn jemand Angst davor hat, kann ich nur vermuten, dass er unbewusst eine Ahnung hat, dass da etwas Unschönes lauert. In dem Fall wäre es wohl besonders ratsam, aber man muss wohl vorsichtig sein.

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S
sisteronthefly
19.04.22 um 12:48

Hallo, 

Spiritualität bedeutet für mich mein wahres Selbst zu erkennen und danach zu leben. Heutzutage wird uns Spiritualität abtrainiert. Ich möchte es auch nicht Mumpitz nennen, sondern vielleicht eher natürliche Intuition. Carl Gustav Jung war Psychiater, der tiefenpsychologisch und analytisch arbeitete. Er prägte auch den Begriff Schatten. Über diese Schatten bzw. blinde Flecken soll nach der Jungschen Meinung jeder Mensch verfügen. Er und Sigmud Freud befanden sich lange Zeit gemeinsam in einem elitären Zirkel. Freud vertrat die Meinung das Unbewusste wäre für viel Leid verantworlich. Wie man es jetzt nennt, darüber können ganze wissenschaftliche Abhandlungen herangezogen werden. Jung war der Meinung das Persönlichkeitsanteile durch die jeweiligen Schatten erklärbar sind. Er nannte sie auch Archetypen. Einer von ihnen schafft die Verbindung zum inneren Kind. Ganz kurz auf den Punkt gebracht ermöglich dieses uns den Zugang für kindliche Erfahrungen, psychosozialen Erlebnissen oder Verletzungen, die wir erlitten haben. Freud teilte die Psyche in drei Instanzen und verfolgte seine Theorie der libidinösen Strebungen. Mit der spirituellen Ansicht Jungs konnte er auf keinen gemeinsamen Nenner kommen, der übrigens auch Astrologe war und sogar der Alchemie zugewandt. Beide Männer haben großartige Arbeit geleistet, um den Menschen in seiner Gesamtheit zu verstehen. Es gibt auch ganz viele Therapieansätze aus beiden Richtungen. 

Wenn du an deiner Spiritualität arbeiten möchtest heißt das auch am Bewusstsein zu arbeiten. Bewusstsein hat auch immer etwas damit zu tun, wie man sich selbst erkennt oder wo man möglicherweise eine Maske trägt. Jung hat mal gesagt, dass Schwerste, was ein Mensch ertragen kann ist der Blick in den Spiegel. Damit meinte er, dass das was man dort sieht "wirklich sieht" zu ertragen und auszuhalten eine sehr große Herausforderung ist. Und weiter auch bedeutet das jeder Mensch negative Facetten hat, die er meistens nicht sehen  will oder vor anderen versteckt, weil sie ihm unangenehm sind. Geht man den Weg des Bewusstseins weiter ist Akzeptanz der eigenen Unzulänglichkeit ein Schritt für eine geöffnetes Bewusstsein und auch für Heilung, so sagt man. Das Wort Heilung sollte man hierbei jedoch sehr differenziert betrachten. 

Sobald wir also Facetten von uns verleugnen entfernen wir uns von unserem wahren Selbst. Facetten legen wir uns zu, wie oben erwähnt durch Erfahrungen und Erlebnisse, durch Ablehnungen oder Misserfolge, durch Schicksalsschläge, familiäre oder finanzelle Katastrophen. Das lässt uns eine starke Traurigkeit fühlen, inder man sich auch unvollkommen und minderwertig fühlen kann. Es kann sehr spannend sein hinter die eigene Fassade zu schauen und zu erkennen, welche Maske man trägt oder wozu sie gut und wichtig war. Denn Masken "Schatten" sind nicht nur negativ. 

Achtsamkeitsgestützte Übungen sind gut geeignet um uns mit unserem Selbst in Verbindung zu bringen. Auch hier geht es viel um Wahrnehmung des aktuellen "Bewusstseins"zustandes und der Akzeptanz dessen. 
Viele Menschen reagieren abwehrend oder ängstlich wenn sie mit etwas Unbekanntem in Berührung kommen. So eine Abwehrreaktion kann vor Gefühlen schützen, die wir nicht spüren wollen oder nicht zulassen können. Von daher ist es enorm wichtig niemanden zu einer Akzeptanz zu zwingen. Denn für jeden ist Spiritualität auch etwas anderes. Ich bleibe auch gerne ein wenig auf der naturwissenschaftlich begründeten Seite aber es gibt eben auch Dinge, die sich mitunter schwer begründen lassen. Vor allem, wenn man sich mit der menschlichen Psyche beschäftigt. Wer über diese Offenheit verfügt und sich durch die eigene Spiritualität weiterentwickelt, kann meines Erachtens viel über sich und die Welt lernen. Es ist oft ein Weg, den man alleine geht und häufig gibt es ja auch einen Grund, warum man sich dafür öffnet. 

LG Sis

 

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