Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Sich zusammenreißen, Disziplin, eine Haltung bewahren.

21. Januar um 21:14 Letzte Antwort: 22. Januar um 9:50

Hallo alle zusammen, das ist mein erster Post. Ich weiß gar nicht wo ich abfangen soll, aber es geht mir um Disziplin, Struktur, Verlässlichkeit und Konstanten. Wie kann man sich sowas aneignen? Kann man sich überhaut so etwas aneignen? Reißen sich disziplinierte Leute nur zusammen, oder macht es ihnen Spaß? Ich würde mich über eure Erfahrungen, euer Wissen und eure Ansichten freuen.

Warum ich diese Fragen stelle:
Ich habe in meinem familiären Umfeld nicht wirklich richtig struktur und Konstanten erfahren dürfen. Öfter wurde mir gesagt, dass ich sehr sozial begabt bin und in die soziale Richtung gehen soll. Vor einem derartigen Studiengang und der Arbeitswelt dahinter hatte ich jedoch Angst. Zwar bin ich unglaublich oft und gerne feiern oder unter Leuten, das schließt jedoch nicht aus, dass mir diese fremd sind oder zu viel emotionale Nähe abverlangen. Von Zeit zu Zeit muss ich aufpassen, dass ich nicht als emotionaler Mülleimer fungiere. Oft bin ich nach sozialer Interaktion einsam, ausgelaugt oder grübel lange darüber nach. Mir ist aufgefallen, dass das vor allem damit zusammenhängt, dass ich mich nicht abgrenzen kann und mich in meinen eigenen Bedürfnissen sehr zurück nehme. Hochsensible und so XD.
In der Schule war ich immer so ullala. Mitlerweile glaube ich, dass das mit dem Einfluss meines Umfeldes zusammenhängt. Zum Beispiel bin ich in der Oberstufe manchmal erst 3 Uhr nachts nach Hause gekommen. Die Stimmungen meiner Mutter waren mir auch oft ein Rätsel. Generell würde ich ein paar Sachen die ich in ziemlich jungen Jahren gesehen und erlebt habe rückgängig machen wollen.

Trotz dem ich selbst ein impulsiver, emotionaler Lebemensch bin, ist mir aufgefallen, das mir Sicherheit soooo wichtig ist. In der Schule gab es zwei Lehrer, die mir ganz besonders in Erinnerung geblieben sind. Diese sind mit einer Konstanz an Laune und Zuversicht in das Klassenzimmer gekommen und haben ihren Stoff durchgezogen. Zwei Lehrer denen ich nicht egal war, dank denen ich in diesen Fächern befähigt war ordentliche Häfter zu führen. Welche auf die man sich verlassen konnte. So möchte ich werden!

Mitlerweile versuche ich mir eine innere Schutzschicht aufzubauen. Ich gehe ins Bett, wenn ich denke, dass ich es brauch. Ich trinke und kiffe nicht, wenn ich mich seelisch nicht in der Lage sehe. Menschen mit denen ich mich nicht treffen möchte, mit denne treffe ich mich nicht, auch nicht aus schlechtem Gewissen. Ich habe keine Angst mehr Dinge anders oder langsamer zu machen. Ich beschäftige mich mit dem was mich interessiert (das war nicht immer so). Ich interessiere mich überhaupt wieder für Dinge! Wenn mir ein Junge zu schnell Kontakt aufbaut, dann bremse ich ab, weil das mein Tempo ist. Ich versuche Leuten rechtzeitig zu Antworten, pünktlich zu erscheinen und verlässlich zu sein, weil ich diese Eigenschaftne so schätze. Das ich so empfindsam bin und manchmal von emotionalen Flashbacks ergriffen werde und alles wieder hinschmeißen möchte, wirft mich von Zeit zu Zeit zurück. Vor ein paar Wochen saß ich neben einer Freundin und meinte zu ihr, sie solle sich überlegen, ob sie das Koks ziehen möchte. Ich sagte, dass ich es mir nicht vorstellen kann, dass das Leben da durch leichter oder schöner oder bereichert wird, geschweige denn, dass man davon schlauer wird. Ich habe das nicht belehrend oder so gesagt. Sondern ganz ruhig erläutert, warum ich es nicht machen würde, schließlich sitzt da ja ein Mensch den ich liebe. Sie hat es trotzdem gezogen - zum ersten Mal. Ein paar Tage später meinte sie, das Gespräch mit mir hätte sie voll gepuscht und vielleicht hätte sie es nicht probiert wenn es nicht gewesen wäre. Da ist mir klar geworden, was für Fortschritte ich gemacht habe. Vor nicht all zu langer Zeit währe ich wahrscheinlich wahnsinnig geworden , hätte mir Schuld zugesprochen, wäre nicht klar gekommen. Aber hier konnte ich ganz klar differenzieren. Ich habe sie zu nichts gedrängt und ich habe auch nicht belehrend den Zeigefinger gehoben. Es war allein ihre Entscheidung und ihre Erfahrung. Klar mache ich mir meine Gedanken dazu. Aber ich konnte nach Hause gehen und ich konnte mein Unizeug erledigen und nett zu meinem kleinen Bruder sein und gut geschlafen habe ich auch.
Also haut mal raus: Wie kann man Disziplin lernen? Und wie weit hat das was mit Zusammenreißen zu tun?

 

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21. Januar um 22:23

Es gab schon Leute die waren diszipliniert und haben sich zusammengerissen, Regeln und eigene Normen beachtet und aufgestellt, die sind irgendwann im burnout gelandet.

Es haben schon Leute ihr Studium geschmissen und waren unglücklichst gewesen, weil sie das studiert haben, was andere empfohlen haben. Sie haben nicht das studiert, was ihnen gefallen hätte.

Wenn man seine Erfolgserlebnisse und ein gutes Gefühl daraus zieht, dass man anderen geholfen hat, aber nichts für sich selber getan hat oder rausgesprungen ist, wird man auch irgendwann nihct mehr können.

Disziplin macht nicht glücklich und zufrieden. Da muss man schon die Freiheit haben, sich zu verwirklichen. Wenn man Disziplin praktiziert und seine eigenen Bedürfnisse einschränkt, geht das nicht auf.

Ich hab noch keinen Disziplinfan erlebt, der ausgelassen und fuchsfrei gelacht und gelebt hätte. Irgendwann stürzen die, wenn zu viel und übermäßig Disziplin, in eine Krise, sagen wir auch Sinnkrise. Manchmal psychosomatisch auch.

Zu viel Disziplin ist halt dan zu viel Disziplin. Zusammenreißen heißt, dass man Spannungen aufbaut und unter Spannungen lebt, was auf Dauer uach nicht geht.

Es geht irgendwann, wie gesagt, nicht mehr auf.

Ich kann persönlich nur davor warnen.

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21. Januar um 22:38
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Hallo alle zusammen, das ist mein erster Post. Ich weiß gar nicht wo ich abfangen soll, aber es geht mir um Disziplin, Struktur, Verlässlichkeit und Konstanten. Wie kann man sich sowas aneignen? Kann man sich überhaut so etwas aneignen? Reißen sich disziplinierte Leute nur zusammen, oder macht es ihnen Spaß? Ich würde mich über eure Erfahrungen, euer Wissen und eure Ansichten freuen.

Warum ich diese Fragen stelle:
Ich habe in meinem familiären Umfeld nicht wirklich richtig struktur und Konstanten erfahren dürfen. Öfter wurde mir gesagt, dass ich sehr sozial begabt bin und in die soziale Richtung gehen soll. Vor einem derartigen Studiengang und der Arbeitswelt dahinter hatte ich jedoch Angst. Zwar bin ich unglaublich oft und gerne feiern oder unter Leuten, das schließt jedoch nicht aus, dass mir diese fremd sind oder zu viel emotionale Nähe abverlangen. Von Zeit zu Zeit muss ich aufpassen, dass ich nicht als emotionaler Mülleimer fungiere. Oft bin ich nach sozialer Interaktion einsam, ausgelaugt oder grübel lange darüber nach. Mir ist aufgefallen, dass das vor allem damit zusammenhängt, dass ich mich nicht abgrenzen kann und mich in meinen eigenen Bedürfnissen sehr zurück nehme. Hochsensible und so XD.
In der Schule war ich immer so ullala. Mitlerweile glaube ich, dass das mit dem Einfluss meines Umfeldes zusammenhängt. Zum Beispiel bin ich in der Oberstufe manchmal erst 3 Uhr nachts nach Hause gekommen. Die Stimmungen meiner Mutter waren mir auch oft ein Rätsel. Generell würde ich ein paar Sachen die ich in ziemlich jungen Jahren gesehen und erlebt habe rückgängig machen wollen.

Trotz dem ich selbst ein impulsiver, emotionaler Lebemensch bin, ist mir aufgefallen, das mir Sicherheit soooo wichtig ist. In der Schule gab es zwei Lehrer, die mir ganz besonders in Erinnerung geblieben sind. Diese sind mit einer Konstanz an Laune und Zuversicht in das Klassenzimmer gekommen und haben ihren Stoff durchgezogen. Zwei Lehrer denen ich nicht egal war, dank denen ich in diesen Fächern befähigt war ordentliche Häfter zu führen. Welche auf die man sich verlassen konnte. So möchte ich werden!

Mitlerweile versuche ich mir eine innere Schutzschicht aufzubauen. Ich gehe ins Bett, wenn ich denke, dass ich es brauch. Ich trinke und kiffe nicht, wenn ich mich seelisch nicht in der Lage sehe. Menschen mit denen ich mich nicht treffen möchte, mit denne treffe ich mich nicht, auch nicht aus schlechtem Gewissen. Ich habe keine Angst mehr Dinge anders oder langsamer zu machen. Ich beschäftige mich mit dem was mich interessiert (das war nicht immer so). Ich interessiere mich überhaupt wieder für Dinge! Wenn mir ein Junge zu schnell Kontakt aufbaut, dann bremse ich ab, weil das mein Tempo ist. Ich versuche Leuten rechtzeitig zu Antworten, pünktlich zu erscheinen und verlässlich zu sein, weil ich diese Eigenschaftne so schätze. Das ich so empfindsam bin und manchmal von emotionalen Flashbacks ergriffen werde und alles wieder hinschmeißen möchte, wirft mich von Zeit zu Zeit zurück. Vor ein paar Wochen saß ich neben einer Freundin und meinte zu ihr, sie solle sich überlegen, ob sie das Koks ziehen möchte. Ich sagte, dass ich es mir nicht vorstellen kann, dass das Leben da durch leichter oder schöner oder bereichert wird, geschweige denn, dass man davon schlauer wird. Ich habe das nicht belehrend oder so gesagt. Sondern ganz ruhig erläutert, warum ich es nicht machen würde, schließlich sitzt da ja ein Mensch den ich liebe. Sie hat es trotzdem gezogen - zum ersten Mal. Ein paar Tage später meinte sie, das Gespräch mit mir hätte sie voll gepuscht und vielleicht hätte sie es nicht probiert wenn es nicht gewesen wäre. Da ist mir klar geworden, was für Fortschritte ich gemacht habe. Vor nicht all zu langer Zeit währe ich wahrscheinlich wahnsinnig geworden , hätte mir Schuld zugesprochen, wäre nicht klar gekommen. Aber hier konnte ich ganz klar differenzieren. Ich habe sie zu nichts gedrängt und ich habe auch nicht belehrend den Zeigefinger gehoben. Es war allein ihre Entscheidung und ihre Erfahrung. Klar mache ich mir meine Gedanken dazu. Aber ich konnte nach Hause gehen und ich konnte mein Unizeug erledigen und nett zu meinem kleinen Bruder sein und gut geschlafen habe ich auch.
Also haut mal raus: Wie kann man Disziplin lernen? Und wie weit hat das was mit Zusammenreißen zu tun?

 

ps.

Disziplinierte Leute ... kennst du vielleicht vom Studium und Beruf ...

Sie kennst du aber nicht 24h am Tag. Es gibt dann die Schattenseiten von solchen Leuten, da kann dir ein Psychologe so manche Geschichte erzählen.
Die waren froh, dass sie irgendwann ihre selbstgesteckten Normen ablegen konnten und ein neues zufriedeneres Leben führen konnten.

Es geht drum, dass man ein zufriedenes, eher glückliches und selbstgewähltes Leben führt. Da passen Struktur, Disziplin, Zusammenreißen nur in einem entsprechenden Maße rein.

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21. Januar um 23:51

lass die schutzschicht nciht zu dick werden. Irgendwann kannst du dich drin kaum noch bewegen und sie wird zu schwer ...

aber hast ein interessantes Thema beschrieben.

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22. Januar um 9:50

ich bin überhaupt kein Fan von "zusammenreißen"  und "Haltung bewahren". Hat man Probleme, macht es die i.d.R. schlimmer. Also für den Betreffenden. Für das Umfeld ist es natürlich angenehmer

Bei "Verlässlichkeit" differenziere ich stark. "Pünktlichkeit" beispielsweise ist mir tatsächlich völlig egal. "rechtzeitig antworten" auch. Das alles hat für mich null Relevanz - da muss ich mich dann auch nicht darauf verlassen können

Ich versuche Leuten rechtzeitig zu Antworten, pünktlich zu erscheinen und verlässlich zu sein, weil ich diese Eigenschaftne so schätze.
=> Das braucht zwingend Menschen in Deinem Umfeld, die die gleichen Eigenschaften schätzen wie Du. Dann klappt das. Und genau darin liegt der Trick. Immer da, wo man sich sein Umfeld aussuchen kann, sollte man auch Menschen wählen, die mit dem klar kommen (und klar kommen WOLLEN) wie man selbst ist und sein möchte.
Aber da es auch immer ein Umfeld gibt, was man sich nicht / kaum aussuchen kann (Kollegen, Nachbar, Familie...) sollte man immer im Blick haben, dass das nie bei allen gleich ist. Dann braucht man die Fähigkeit, sich auf das einzustellen, was dem Gegenüber wichtig ist, nicht einem selbst. Und die Fähigkeit, zu differenzieren, wie weit man damit gehen kann, sollte und will, das zu liefern.

 

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