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Sexuelles Bild gestört

19. November um 9:12

Hey,
ich bin mir mittlerweile ziemlich sicher dass ich ein sexuelles Problem habe, deswegen möchte ich es mir von der Seele schreiben.
Ich würde streng religiös erzogen, so fehlte mir auch schon als Kind bis zum jugendlichen Alter der „normale“, „gesunde“ Bezug zu Sex. Als ich 14 war verliebte ich mich in einen 9 Jahre älteren Typen, und er auch in mich, jedenfalls glaubte er das. Aus der heutigen Sicht war er eindeutig das schlechteste was mir mitten in meiner Entwicklungs und Pubertätsphase hätte passieren können. Viel zu alt für dieses alter, drogensüchtig und dadurch sehr pervers und sexuell. Nach 3 Jahren viel Leid und Schmerz hab ich den Kontakt abgebrochen, weil mir bewusst wurde wie gestört das alles war. Er hat mein Bild gegenüber Sex sehr stark geprägt, da ich bevor ich ihn kennenlernte sogut wie keine Verbindung diesbezügliche hatte. Ich versuche mich jetzt kurz zu fassen, damit es erträglicher ist zu lesen. Aus Wut und Hass ihm gegenüber ließ ich mich bewusst von jemand anderem entjungfern mit dem ich 3 Monate Kontakt hatte, doch es abbrach nachdem er handgreifliche Gewalt gegen mich verwendete. Kurz darauf wurde ich vergewaltigt und eine Woche später ein Freund von mir erschossen. Statt dass ich Angst vor Sex habe, suchte ich noch mehr als vorher mit dem Gedanken, Männer lieben mich nur wenn ich Ihnen Sex gebe. Weil ich es seitdem ich sexuelle Lüste verspüre nicht anders kenne. Außerdem kann ich Sex nicht wirklich mit Liebe verbinden, es ist für mich Lust und die Befriedigung des Mannes plus meine „Trance“ währenddessen. So versuchte ich platt gesagt „meine Gefühle wegzu*****“. Das letzte halbe Jahr war ich in einer Beziehung, als ich jedoch merkte es kann nichts langfristig werden betrog ich ihn (war eine Fernbeziehung) obwohl ich ihn unfassbar liebe. Aber wie gesagt, liebe und Sex sind für mich unterschiedliche Dinge.
Naja ich weiß nicht wie ich mein Bild wieder hergestellt bekomme. Wenn andere Frauen über ihre Beziehungen reden und den Sex macht es mich traurig... ich bin erst 18 und hab das Gefühl wenn es so weiter geht ist die einzige logische Lösung irgendwann hure zu werden damit ich sonst niemandem schade.

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19. November um 10:04

Ich würde mal ganz an den Beginn der Entwicklung schauen: Wie konnte es dazu kommen, dass du für das wahre Wesen des Typen, in den du dich "verliebt" hattest, nicht früh genug sehen konntest? Warum klammerst du dich an Menschen, die dich respektlos behandeln und dir gegenüber Gewalt ausüben? Ist dir aufgefallen, dass du - genau wie diese Menschen - dir selbst gegenüber Gewalt angewendet hast, indem du dich aus Hass auf ihn von "irgendjemand" entjungfern lassen hast, der dich letztendlich selbst schlecht behandelt hat? Das war im Grunde deine erste Vergwaltigung... du hast dich selbst vergewaltigt...

Die Gewat, die dir deine Partner entgegen bringen, ist nur ein Spiegel für die Gewalt, die du selbst in dir trägst. Hättest du von Anfang an Selbstachtung gehabt, wärst du nie mit dem ersten Typen zusammengekommen. Und hättest den anderen Männern rechtzeitig Grenzen gesetzt und deinen Körper vor ihnen geschützt.

Wo hast du diese Gewalt kennengelernt? Wie konnte es geschehen, dass sie ein Teil von dir selbst wird? Vielleicht bringt es dich einen Schritt weiter, wenn du diese Zusammenhänge erkennen kannst. Ich kann dazu nur sagen, in den allermeisten Fällen liegt die Ursache im System der Eltern. Selbst wenn oberlächlich gesehen alles eine heile Welt ist, verdrängt im Unterbewusstsein können unverarbeitete Erlebnisse schlummern, die von Gewalt durchsetzt sind... und bei strenger/extremer religiöser Erziehung ist auch das oft der Fall. Durch die "Religiosität" (was aber keine wirkliche ist, sondern ein System aus Zwängen und Gewalt) wird versucht, die eigenen unverarbeiteten und verletzenden Erlebnisse zu überdecken...

Du schreibst von dem Gedanken, Männer könnten dich nur lieben, wenn du ihnen Sex gibst. Das was du hier beschreibst ist aber keine Liebe, sondern eine zutiefst von Gewalt durchsetzte Abhängigkeitsbeziehung. Wie konnte es dazu kommen, dass du so etwas als "Liebe" empfindest? Wer hat dir diese Form von "Liebe" vorgelebt? Und zwar auf Gefühlsebene, auch wenn es oberflächlich gesehen alles "normal" gewirkt hat...

Vielleicht wäre ein erster Schritt, dir einzugestehen, dass du auf diesem Weg niemals Liebe finden wirst. Sondern nur immer mehr von dir selbst (von deiner Selbstachtung) verlieren wirst. Der Sex wirkt zum einen durch die Hormonausschüttung wie Drogen, die deine Wahrnehmung und deinen Schmerz betäuben. Zum anderen ist er für dich zum "Zahlungsmittel" für ein bisschen Aufmerksamkeit geworden - so gesehen bist du bereits eine Hure, die sich durch ihren Körper die Illussion von Nähe erkauft...

Die entscheidende Frage ist wohl, wie stark dein Wille ist, aus diesem Muster wieder herauszukommen. Und wie viel Schmerz du dafür bereit bist zu ertragen. Schmerz, den du bereits tief in dir trägst und der zu einem Teil von dir geworden ist, den du aber nicht wahrnimmst, weil du dich durch die Beziehungen immer wieder betäubst. Und dich von deiner wahren Einsamkeit ablenkst... Erkenntnis ist manchmal mit sehr viel Schmerz verbunden... aber sie ist der einzige Weg, sich aus Zwängen und Abhängigkeiten zu befreien und zu sich selbst zurückzufinden (und wieder ein Stück Selbstachtung zu finden)...

Wenn du wirklich etwas ändern möchtest, dann wäre ein wichtiger Schritt, den Respekt vor deinem Körper vor alles andere zu stellen. Auch vor dein "Wohlfühlen". Verbanne alle Handlungen, die sich gegen deinen Körper richten, aus deinem Leben. Und verbanne alle Menschen, die sich gegen deinen Körper richten, aus deinem Herzen. Nur so bleibt Platz für dich selbst... und für respektvollere Menschen in deinem Leben...

Viele Grüße und alles Gute!

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21. November um 13:17

Ich habe eine ähnliche Geschichte hinter mir wie du.
mit 20 dachte ich: ich bin kaputt und manche Dinge kann man nicht reparieren.
beziehungen sind in die Brüche gegangen, genauso wie Freundschaften, als ich am meisten jemanden gebraucht hätte.
ich habe alleine die schlimmste Zeit durchgehalten. Durch Therapie habe die suizidgedanken „abgelegt“ etc.
trotzdem hatte ich das Gefühl, dass mir das Leben zwar wieder Spaß macht, dass ich aber beziehungsunfähig bin oder so ähnlich.

inzwischen bin ich 25 und komme immer mehr drauf, dass ich zwar immer noch traumatisiert bin in vielen Dingen, aber nicht kaputt.
ich bin seit einiger Zeit in einer Beziehung und die ist es mir wert auch die schmerzhaften Erinnerungen immer wieder anzugehen.
Wir haben zb ausgemacht, dass er beim sex immer darauf achtet wie ich „schaue“. Schaue ich abwesend, spricht er mich an. Reagiere ich nicht in dem ich sage, dass es mir gut geht, hört er sofort auf - ich kann mich beruhigen, wir machen weiter oder auch nicht. 
Aber aus dieser Trance, wie du es nennst, kann ich zb nur so raus. 

Und ich denke, dass man nur mit liebe zu einer normalen sexualität finden kann.
da es was mit vertrauen zu tun hat und das kann man eben nur mit der Zeit aufbauen.

sex ohne liebe kann gut sein - natürlich. Aber deiner Beschreibung nach geht es nicht darum.

meine Stufen sahen so aus (ist natürlich wieder bei jedem anders!!)
- Sex benutzen. So ähnlich wie du es zur Zeit tust, übertreiben.
- jegliche Berührung verweigern. 
- Beziehung begonnen, zu Sex immer prinzipiell nein gesagt, ohne zu hinterfragen ob ich eig will oder nixht
- drauf gekommen, dass Sex mit einem Mann der mich liebt und mir das auch mit körperlicher liebe zeigen will doch auch für mich gut ist.

Es ist auch ein entdecken der Liebe zu sich selbst, wenn man gemeinsam mit einem liebevollen Mann die sexualität neu entdeckt.

kannst mir gerne eine pn schreiben,
alles gute.

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