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Sexueller Übergriff durch Behinderten?

6. Juli 2014 um 11:09

Hallo zusammen,

ich hatte Freitag ein merkwürdiges Erlebnis, über das ich seitdem nachdenke.

Ich saß nachmittags auf einer Grünfläche auf einer Bank in einem öffentlichen Park und las eine Zeitschrift. Es war während des WM-Spiels Deutschland-Frankreich, so dass nicht viele Leute im Park waren.

Irgendwann setzt sich ein junger Mann mit einem neon-gelben Sporttrikot neben mich auf die Bank. Ich dachte mir dabei nichts und las weiter. Er sprach mich dann von der Seite an:
"Du, darf ich dich mal was fragen?"

Ich sah auf, und ihm ins Gesicht. Die Art wie er intonierte hatte etwas kindliches und irgendwie war sein Blick merkwürdig, die Augenstellung war ungewöhnlich, vielleicht Down dachte ich. Und sehr direkt irgendwie. Ich hatte jedenfalls den Eindruck irgendwas stimmt nicht mit ihm, vielleicht eine geistige Behinderung.
Ich sagt zu ihm: "Nagut, was willst du denn wissen?"
Er: "Kannst du bitte die Zeitung wegpacken?"
Ich: "Naja, ich will die schon noch weiterlesen gleich."
Er: "Kannst du bitte deine Sonnenbrille abnehmen?" (Ich hatte meine Sonnenbrille in die Haar gesteckt.)
Ich: "Warum, stört sie dich?"
Er: "Kannst du sie bitte einpacken?"
Sein Ton war jetzt scharf, gar nicht mehr kindlich, und auch eigentlich keine Frage sondern eine Anweisung.
Ich wusste nicht so recht, wie ich damit umgehen sollte, hielt kurz inne.
Er fuhr fort:
"Kannst du bitte deine Tasche auf die andere Seite legen?"
Ich begann mich echt unwohl zu fühlen. Er war kräftiger als ich und ich hatte keine Ahnung was er eigentlich von mir wollte. Wollte er mich ausrauben?
Ich sagt zu ihm: "Hör mal, ich kann die Sonnenbrille schon einpacken, aber ich will es nicht. Was willst du denn jetzt wissen? Ich will eigentlich weiterlesen.."
Er, wieder kindlich: "Hast du eine Frau oder eine Freundin?"
Ich, um Entspannung bemüht: "Ich hab eine Freundin, aber wir leben schon lange zusammen, sind also so ähnlich wie verheiratet." Ich ertappte mich dabei, wie ich zu ihm sprach wie zu einem Kind, obwohl er sicher Ende 20 war.
Er: "Und was arbeitest du?"
Ich überlegte kurz wie ich das jetzt zusammenfassen sollte - und vor allem wie ich aus dieser Situation möglichst schnell herauskommen konnten. Ich begann einen Satz, um zu erklären was ich beruflich mache..

Plötzlich streckte er seinen Arm auf der Rückenlehne der Bank aus und fasste mich an.
Ich wich zurück und sagt zu ihm:
"Lass das! Das will ich nicht!"
Er antwortete darauf, als sein nichts gewesen:
"Und wie hast du angefangen in deinem Job?"
Ich zu ihm:
"Ich werde jetzt gehen."

Während ich von der Bank aufstand, fasste er mich nochmal am Arm an und fragte ärgerlich:
"Dann gehst du jetzt also lieber?"
Ich: "Ja, ich gehe jetzt lieber."
Er: "Ja, dann geh mal besser.", sagte er und stand auf, um mir langsam zu folgen. "Geh besser langsam", sagt er während er mich verfolgte, und das klang wie eine Drohung.

Ich war froh, als ich am anderen Ende der Wiese eine Gruppe Leute auf der Wiese sah, die das Fußballspiel in einem kleinen Fernseher beobachteten. Ich steuerte darauf zu und rief zwei Jungs laut zu: "Wie steht's?"

Damit war ich aus der Situation raus. Der junge Mann, der mich auf der Bank belästigt hatte, ging mit normal weiter Richtung Parkausgang, sah sich nur noch einmal um, und verschwand dann mit seinem Neontrikot Richtung Straße.

Ich merkte erst da, dass ich hektisch atmete und echt Angst vor dem Typ gehabt hatte.


Abends habe ich beim Essen meiner Freundin und ein paar Freunden davon erzählt, und wir haben überlegt, was das war. Mein Eindruck ist nach wie vor, dass mit ihm geistig irgendwas nicht stimmte. Wahrscheinlich nicht Down, eher Alkoholembryopathie. Ist natürlich reine Spekulation und im Prinzip auch egal. Und ich habe mich gefragt: War das aus seiner Perspektive ein ganz normaler Annäherungsversuch? Es ist sicher nicht unkompliziert mit einer geistigen Behinderung homosexuell zu leben.
Aber ich habe auch gedacht: Das war schon echt übergriffig. Ich bin ein erwachsener Mann und eigentlich relativ souverän denke ich. Aber ein Jugendlicher oder gar ein Kind hätte sich da vielleicht weniger gut aus der Affäre ziehen können.
Meine Freundin meinte zu mir später: "Als Frau erlebt man sowas öfter mal, ist echt unangenehm, aber passiert leider im Alltag. Und das sind dann meistens keine Behinderten, sondern irgendwie Gestörte."


Ich hab dann heute mal gegoogelt und realtiv wenig zu dem Thema gefunden. Insgesamt ist es wahrscheinlich als Mann eher selten, dass man sowas erlebt. Die Kombination aus geistiger Behinderung und sexueller Übergriffigkeit ist natürlich ein kompliziertes Thema. Aber ob jetzt eine Behinderung oder eine psychosoziale Störung zu dem Verhalten des jungen Mannes geführt hat, ist ja eigentlich auch irrelevant. Man sollte da auch nichts verallgemeinern, ich bin sehr dafür das Spektrum des Normalen als so breit wie möglich zu betrachten. Aber ein Übergriff ist trotzdem auch immer ein Übergriff, der schlimme Konsequenzen für das Gegenüber haben kann.
In meinem Fall kann ich das ganz gut als unschöne aber interessante Erfahrung verbuchen. Ich habe es auch deshalb so detailliert hier beschrieben, damit es vielleicht Leuten mit ähnlichen Erfahrungen zum Abgleich dienen kann.

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8. Juli 2014 um 21:22

Hab ich auch überlegt..
Aber ich lebe in einer Millionenstadt, es ist wirklich aussichtslos, dass man mit so einem Hinweis ohne Nachname (Vornamen weiß ich sogar) etwas erreicht.
Ich hätte ihn verfolgen müssen, um zu sehen wo er wohnt, und ob es jemand gibt, der sich um ihn kümmert. Aber das hab ich verpasst, und ich war in dem Moment auch echt froh als er weg war muss ich gestehen.

Falls ich ihn nochmal in der Umgebung sehe, werde ich mir was überlegen.

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