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Sexueller Missbrauch...Therapie? (langer Text, lest ihn aber bitte trotzdem)

17. Oktober 2005 um 3:00

Ich bin im Alter von 8-9 Jahren von einem Freund meiner Eltern sexuell missbraucht worden. Ich kann mich nur an wenige Details erinnern, wobei ich denke dass mich größtenteils mehr an die Aussagen die ich mit 13 bei der Polizei gemacht habe erinnere, als an den Missbrauch an sich...Ich habe in den letzten 10 Jahren so gut wie es ging nicht an die Sache gedacht. Der Mann saß 3,5 Jahre im Knast und ist kurze Zeit danach an Krebs gestorben.
Ich weiß nicht mehr genau die Zeitspanne in der er es gemacht hat, es ging aber garantiert über 1 Jahr. Mehr oder weniger regelmäßig.
In dieser Zeit ist ein neues Kind in unsere Nachbarschaft gezogen, unsere aller Familien haben sich angefreundet und er ließ irgenwann von mir ab. Obwohl ich sehr jung war, war mir damals bewußt, dass er ES nun mit ihr macht. Sie war ein paar Jahre jünger als ich und entsprach wohl eher seinem Täterprofil... Und ich war glücklich darüber dass ich meine Ruhe hatte. Ein paar Jahre später platzte halt die Bombe, er wurde angezeigt und das Mädchen, mit dem ich mich mittlerweile ein wenig angefreundet hatte sagte bei der Polizei aus, dass er ihr erzählt dass ich ES ja auch tuen würde und dass nichts dabei wäre. So kam die Polizei auf mich. Ich weiß dass er schlimmere Dinge mit ihr gemacht hat, dass sie ihn auch oral befriedigen mußte u.ä. Wenigstens das ist mir erspart geblieben. Nichtsdestotrotz habe ich Dinge mit ihm machen müssen, die für jeden klar erkennbar sexuellen Missbrauch darstellen. Nach meiner Aussage mußte ich meiner und ihrer Familie erklären warum ich nichts gesagt habe, geschwiegen habe.
Ich weiß warum: ich hatte meine Ruhe, er war nie bösartig zu mir und ich wollte einfach nicht darüber reden. Ich war in der Pubertät, ich hatte andere Sorgen, andere Probleme...
Das Mädchen bekam damals eine Therapie. Zu mir meinte die Therapeutin, nachdem die meine Aussage oder so gelesen hatte, dass eine Therapie wohl nicht nötig sei. Sie würde sie nicht empfehlen. So kam es dass ich in den Jahren danach nie wieder darüber geredet habe, noch es wollte.
Ich weiß nur dass mir immer wieder gesagt wurde wenn ich das Thema doch anschlug, was unausweichlich war, vor allem in der Zeit als oft und offen über seine Verhandlung geredet wurde, dass ich glücklich darüber sein könnte, dass er mit mir nicht so etwas schlimmes gemacht hat wie mit ihr...

Im Alter von 16 hatte ich ein weiteres Erlebnis: Auf dem Nachhauseweg von der Disco bin ich von einer Gruppe von 5-6 alkoholisierten Typen im Alter von vielleicht Anfang 20 "überfallen" worden. Sie haben mich gegen einen Zaun gedrängt, angefangen auszuziehen und mich begrabscht. Autos fuhren vorbei, Passanten gingen an uns vorbei, aber niemand unternahm etwas...Einer von denen hatte bereits die Hosen unten, als zum Glück ein Freund von mir vorbeikam und mich "rettete"...Ich habe sie nicht angezeigt und erst Jahre später einen von ihnen wiedererkannt. Er war Stammkunde in dem Lokal in dem ich arbeitete, war supernett zu mir. Ich mochte ihn aber nie, warum wußte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Erst nach Monaten fiel es mir ein, woher ich ihn kannte: Von diesem Abend!!
Ich bin ihm später aus dem Weg gegangen und habe wenige Monate später im Lokal gekündigt.

Seit diesem Erlebnis sind nun gute 7 Jahre vergangen. Ich habe mein Leben weitgehend im Griff. Ich studiere, lebe allein. Habe Freunde, eine liebevolle Familie.
Was Männer angeht sieht es weniger rosig aus. Ich "habe" Männer, aber keine Beziehung mit ihnen. Oft schlafe ich nur mit ihnen und wenn ich doch anfange Gefühle für sie zu entwickeln, mache ich es mir zu schnell kaputt, indem ich versuche sie rein sexuell an mich zu binden. Von Emotionen möchte ich nicht reden. Ich bin sexuell für vieles offen. Angst macht mir, und den Männern auch oft, meine devote Ader. Ich bin oft zu forsch, überstürze gleich alles, im Bett möchte ich dagegen eine "harte Hand", einen Mann der mich erniedrigt und quält. Überträgt er dies aber in das normale Leben, reagiere ich emotional...
Ich weiß nicht inwieweit dies auf meine Vergangenheit zurückzuführen ist, aber solche Geschichten, Affären und ONS ziehen sich bei mir durch mein komplettes Beziehungsleben.
Schlimm ist dabei auch, dass ich von Männern nicht die Finger lassen kann, die bereits eine Beziehung führen. Dabei ist es mir egal, ob es sich dabei um die Männer von Freundinnen oder Bekannten von mir handelt.
Innerhalb meiner Familie und engen Freunden bin ich teils sehr liebevoll, andererseits auch oft launisch, agressiv und tyrannisch. Das wird in letzter Zeit schlimmer und schlimmer...
Ich beobachte viel neues, aber auch altes erschreckendes bei mir. Auch denke ich oft in letzter Zeit an die Erlebnisse aus meiner Kindheit.
Ich habe mit meiner Mutter darüber geredet und sie findet es richtig, dass ich eine Therapie machen soll.
Ich selbst weiß es nicht. Was soll es mir bringen? Wird es mir helfen? Was kostet soetwas? Übernimmt es in meinem Fall die Krankenkasse? Was sagt ihr dazu??

Vielen Dank fürs Lesen!!
Eure,
Ghettochicka

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17. Oktober 2005 um 7:26

Hi!
So wie du dein Leben beschreibst,ist dein Verhalten auf diesen Mißbrauch zurückzuführen. Alles was du gesagt hast. Die sexuellen Vorlieben zählen dazu,deine Launen und die Tatsache,daß du ein total sexualisiertes Verhalten an den Tag legst. Unter Liebe verstehst du Sex,das ist die einzige Form der Zuneigung die du akzeptieren und mit der du dich identifizieren kannst. Geht ein Mann nicht mit dir ins Bett liebt er dich nicht. Auch die Tatsache,daß du beim Sex für alles offen bist kommt daher. Du hast es gelernt dich anzupassen und unterzuordnen. Eigene Vorlieben hast du nicht,du paßt dich immer dem jeweiligen Partner an. Deine sexuellen Vorlieben sind Erinnerungen,die dich erregen beim Sex. Deine Launen kommen daher,weil du gelernt hast alles in dich reinzufressen. Aber das funktioniert nur begrenzt. Negative Gefühle wie Wut und Ärger kann man nicht auf Dauer unterdrücken,die muß der Körper entladen(im Gegensatz zu positiven Gefühlen). Also knallt es irgendwann mächtig,weil man soviel in sich reingefressen hat. Außerdem hast du wahrscheinlich Depressionen,was auch eine Ursache für diese Launen ist. Das du dich jetzt selbst beobachtest und in deine Kindheit zurück blickst liegt daran,daß deine Psyche jetzt bereit ist zu heilen,was sie all die Jahre nicht war. Mit den wiederkehrenden Erinnerungen fängt der Heilungsprozeß an. Und du bist jetzt bereit zuverstehen,wie stark die Auswirkungen dieses Vorfalls dein ganzes Leben beeinflußt haben. Was die Therapie betrifft,kannst du zu jedem Psychologen gehen. Das bezahlt die Krankenkasse. Du bezahlst nur die Praxisgebühr,wenn du dir keine Überweisung holen möchtest. Du kannst auch erstmal einfach so zum Psychologen gehen und dich beraten lassen. Er wird dann schon wissen,ob du noch eine Therapie brauchst. Auf jedenfall kann dir ein Psychologe dabei helfen Antworten zu finden. Er kánn dir all das beantworten,was dich bewegt und er kann dir erklären ob und wenn ja wie das mit dem Mißbrauch in Zusammenhang steht. Das macht er auch,wenn du keine Therapie machen möchtest.

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19. Oktober 2005 um 11:53

Trotz allem
Besorge dir bitte das Buch: "Trotz allem" von Ellen Bass/Laura Davis und versuche zusätzlich eine Therapie zu machen!
Es ist JETZT an der Zeit, mit deiner Heilung zu beginnen, SO geht es nicht weiter und das weißt du selbst.
Alles Liebe

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19. Oktober 2005 um 12:15

Erstmal danke für die Antworten...
Werde mir das Buch "Trotz allem" gleich bei Amazon bestellen...Die Kundenrezensionen haben mich überzeugt...

Habe ner Freundin von meinem Schritt ne Therapie machen zu wollen erzählt. Sie hat das als Schwachsinn abgetan, schließlich seien meine Männerprobleme ja ein Klacks (weil ich im Gegensatz zu ihr wohl Männer "habe")...zumindest alltäglich. Was ich nicht unbedingt finde: Schließlich ist sie nicht dabei wenn ich mit ihnen ins Bett gehe...
Hat mich irgendwie verletzt...

Bin gerade auf der Suche nach nem netten Therapeuten. Hatte einen an der Strippe, den fand ich echt übel...Über 60, unfreundlich. Weiß auch nicht ob ich unbedingt zu ner Frau will, oder würde mir das einer empfehlen?

Mal schaun, werde euch auf dem Laufenden halten wie sich das alle so entwickelt.

LG, Ghettochicka

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19. Oktober 2005 um 13:13
In Antwort auf yu_12378816

Erstmal danke für die Antworten...
Werde mir das Buch "Trotz allem" gleich bei Amazon bestellen...Die Kundenrezensionen haben mich überzeugt...

Habe ner Freundin von meinem Schritt ne Therapie machen zu wollen erzählt. Sie hat das als Schwachsinn abgetan, schließlich seien meine Männerprobleme ja ein Klacks (weil ich im Gegensatz zu ihr wohl Männer "habe")...zumindest alltäglich. Was ich nicht unbedingt finde: Schließlich ist sie nicht dabei wenn ich mit ihnen ins Bett gehe...
Hat mich irgendwie verletzt...

Bin gerade auf der Suche nach nem netten Therapeuten. Hatte einen an der Strippe, den fand ich echt übel...Über 60, unfreundlich. Weiß auch nicht ob ich unbedingt zu ner Frau will, oder würde mir das einer empfehlen?

Mal schaun, werde euch auf dem Laufenden halten wie sich das alle so entwickelt.

LG, Ghettochicka

Therapeut oder therapeutin?
Hi -chicka,

ich möchte dir unbedingt empfehlen, dich an eine Frau zu wenden. Wegen der Verhaltensweisen, die du Männern gegenüber an den Tag legst. Die Therapeutin/der Therapeut muss dir auch nicht unbedingt supersympathisch sein. Je weniger du dich mit ihr/ihm identifizieren kannst, je weniger du ihr/ihm gefallen willst (was ja automatisch passiert, wenn wir jemanden nettes kennenlernen) desto förderlicher für deine Therapie.

Soweit ich weiß, bezahlt die Krankenkasse bis zu fünf Probesitzungen. Frag' halt bei deiner mal nach. Dann mach deine Vorauswahl telefonisch, die Probesitzungen am besten alle kurz hintereinander und entscheide dich für diejenige/denjenigen bei der/dem du das Gefühl hast, ganz DU bleiben zu können, dich nicht verstellen zu wollen.

Vor vier Jahren suchte ich auch nach einer Therapie. Fand einen wirklich netten und sehr verständnisvollen Psychiater, der mich erstmal in Kur schickte. Danach wollte ich bei ihm eine Verhaltenstherapie machen. Er riet mir zu einer weiblichen Therapeutin. Als ich aus der Praxis rausging war mir klar, warum: Ich hatte mich ihm gegenüber verhalten, wie ich mich Männern gegenüber immer verhalte: Ein wenig kokett, flirten wäre zu viel gesagt, aber in die Richtung geht es schon.

Aus den Gesprächen mit meiner Psychologin, die ich absolut neutral betrachtete (es gibt immer wieder Frauen, die ich bewundere, verehre, nachahmen will), erkannte ich dann, dass ich immer noch versuchte, "Papas Liebling" zu werden.

Soviel zu meiner Geschichte, nur damit du verstehst, warum ich dir zu einer Therapeutin rate. Ich wünsche dir alles Gute bei deiner Suche und Durchhaltevermögen, wenn du dich dann entschieden hast.

Liebe Grüße, ghellina

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19. Oktober 2005 um 13:44
In Antwort auf yu_12378816

Erstmal danke für die Antworten...
Werde mir das Buch "Trotz allem" gleich bei Amazon bestellen...Die Kundenrezensionen haben mich überzeugt...

Habe ner Freundin von meinem Schritt ne Therapie machen zu wollen erzählt. Sie hat das als Schwachsinn abgetan, schließlich seien meine Männerprobleme ja ein Klacks (weil ich im Gegensatz zu ihr wohl Männer "habe")...zumindest alltäglich. Was ich nicht unbedingt finde: Schließlich ist sie nicht dabei wenn ich mit ihnen ins Bett gehe...
Hat mich irgendwie verletzt...

Bin gerade auf der Suche nach nem netten Therapeuten. Hatte einen an der Strippe, den fand ich echt übel...Über 60, unfreundlich. Weiß auch nicht ob ich unbedingt zu ner Frau will, oder würde mir das einer empfehlen?

Mal schaun, werde euch auf dem Laufenden halten wie sich das alle so entwickelt.

LG, Ghettochicka

Hi chicka
Das Buch wirft dich erstmal meilenweit zurück, bis in die Tiefen deiner Tiefen. ABER es muss so sein, um alle alten und negativen Verhaltensmuster, anzuschauen, sie wieder durchleben, und nach und nach aufzulösen und ganz neu zu beginnen. Halte durch, es wird nicht einfach werden, dass kann ich dir sagen. An deiner Stelle würde ich dir auch UNBEDINGT raten eine TherapheutIN aufzusuchen und gib nicht auf. Deine Seele schreit nach Heilung und Befreiung.
Ja halte uns auf dem laufenden über deine Fortschritte.
Alles Liebe huma

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18. Mai 2012 um 10:08

Therapie auf jeden Fall
Hallo Ghettochicka,
ich weiss nicht ob dir diese Email noch was nutzt, da es ja schon paar Jahre her ist, aber ich denke solche Erlebnisse verjähreh in unserer Gefühlswelt nie. ir verdrängen sie nur ins Unterbewusstsein wo sie uns im stillen lenken und manipulieren. Hast du mittlerweile einen guten Therapeut in gefunden ? Wie geht es dir jetzt?
Gruß Claudia
P.s. bin auch eine Betroffene

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