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Sexueller Missbrauch?!

14. Januar 2016 um 17:11 Letzte Antwort: 17. Januar 2016 um 11:42

Hallo ihr
Ich brauche dringend Rat! Meine alte Therapeutin ist der Meinung, dass ich evlt. ein Trauma haben könnte. Ich bin mir da nicht so sicher. Sie spielt vor allem sexuellen Missbrauch an. Könnt ihr mir sagen, ob diese Vermutung gerechtfertigt ist?
Ich leide seit Jahren unter Depressionen, Magersucht, ausgeprägten Zwängen und einer starken Angststörung.

Die Angststörung war "schon immer da", ich kenne es nicht, keine Angst zu haben. Bis ich 10 war, redete ich zudem nicht und bis ich 15 war sehr sehr ungerne mit Erwachsenen. Im Alter von neun Jahren entwickelte ich zusätzlich eine Essstörung, mit 11 schloss sich die Depression an. Ebenfalls leide ich unter tausenden von Zwängen, von denen der Zählzwang bereits da ist, seit ich zählen kann. Zum Beispiel habe ich feste Abläufe, die niemand durchbrechen darf, Rituale etc., kann nur auf bestimmtem Papier mit bestimmtem Stift schreiben unter bestimmten Bedingungen, alles muss sauber sein sonst bekomme ich Panikattacken etc.
Vor mehr als einem Jahr war ich bei einem Osteopathen in Behandlung, davor hatte ich als Ärzte immer nur Frauen. Irgendwie hatte ich die ganze Zeit über immer Angst, wollte mich gar nicht ausziehen, habe gezittert und versucht mich tot zu stellen. Ich war 4x da, danach nie wieder und bekomme noch immer Angst wenn ich an ihn denke.
Ich habe halt ein großes Problem damit, mich vor anderen auszuziehen, generell mag ich Berührungen nicht sehr gerne. Mein Sportlehrer z. B. legt mir häufiger mal den Arm um die Schulter oder umarmt mich etc. (ich frage mich lieber gar nicht, warum...), aber auch da bekomme ich eine Scheißangst, mit einem komischen Druck auf der Brust, Atemproblemen und Würgereiz. Ich mag Männer generell nicht so gerne, bzw. vor allem autoritäre Männer machen mir sehr Angst aber auch Frauen, die sehr männlich erscheinen wie z. B. durch kurze Haare oder männliche Klamotten.
Im Alter von 11 - 13 Jahren hatte ich nachts regelmäßig Panikattacken, weil ich fest davon überzeugt war, dass jemand in meinem Zimmer war und mich umbringen wollte. Ich habe auch seit ich denken kann immer wieder den gleichen Albtraum.
Abgesehen davon habe ich - ebenfalls seit ich denken kann - das verlangen "mich unten zu säubern", ich kann nachts nicht schlafen ohne mich untenrum gründlich sauber gemacht zu haben. ich habe schon versucht das abzustellen, weil das extrem nervig ist, aber ich kann gar nicht damit aufhören.
So, ich habe jetzt eben doch ein bisschen Angst, dass da was mit sexuellem Missbrauch ist. Mama sagt, dass sie das eigentlich ausschließt. Meine Thera meinte nur, ich solle das mal in Betracht ziehen.
Erinnerungen an Missbrauchssituationen habe ich keine.
Über eure Meinungen wäre ich dankbar... <3

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14. Januar 2016 um 21:03

Therapie etc.
Liebe Marlene131,
ich bin keine Psychologin oder Psychotherapeutin und finde,du solltest - auch wenn dein Leidensdruck groß ist und du bestimmt möglichst verschiedene Meinungen einholen willst - deiner Therapeutin vertrauen. In diesem Forum werden keine Fachleute unterwegs sein! Glaub also lieber einer Spezialistin.
Es hört sich allerdings so an, als seist du bei ihr nicht mehr in Behandlung; alles, was du beschreibst, klingt aber so, als wäre die dringend notwendig, denn es hört sich so an, als würde dich das alles sehr einschränken...
Viele Betroffene brechen Therapien dann ab, wenn es richtig "ans Eingemachte" geht, weil die Erinnerungen zu schmerzhaft sind. Die Seele will sich (verständlicherweise) schützen.
Nach deinen Schilderungen zu urteilen wirst du aber ohne Behandlung niemals klarkommen.
Schwerere Formen von sexueller Gewalt und vor allem Erfahrungen durch "Vertrauenspersonen" oder aus der frühen Kindheit werden total oft verdrängt und nur, weil deine Mutter sagt,da war nichts, muss das nicht stimmen. All deine Symptome weisen, denke ich, schon deutlich darauf hin, Es kann sein, dass deine Mutter nichts mitbekommen hat. Es kann sein, dass sie etwas ahnt, aber es nicht wahrhaben will/ kann. Es kann sein, dass sie damals etwas mitbekommen hat, aber nichts unternommen und das Ganze selbst verdrängt hat. Es gibt ganz viele Fälle, in denen die Mütter leider nicht sehr hilfreich sind, auch, wenn sie es nicht böse meinen. Leider gibt es auch Fälle, in denen Mütter am Missbrauch mit beteiligt sind. Das will ich alles deiner Mutter nicht unterstellen; vielleicht hat sie einfach wirklich nichts mitbekommen.
Ich finde es schon mal toll, dass du dich schon mal in Behandlung gegeben hast! Ich würde diesen Weg - so schmerzhaft er auch ist - mit einer Spezialistin weiter gehen. Das wird schwer, aber nur so kannst du heilen.

Übrigens zu deinem Sportlehrer: Ich bin selber Lehrerin in der Sek I (7. - 10. Klasse). NIEMALS sehe ich, dass einer meiner Kollegin eine Schülerin umarmt und ich würde das auch absolut unpassend finden. Nicht mal ich umarme mehr als notwendig Schülerinnen (und die Jungs erst recht nicht), nur, wenn sie selbst mich freudestrahlend umschlingen, aber auch dann finde ich es etwas grenzwertig. Nicht, weil ich irgendwas Sexuelles darin sehe, sondern einfach, weil ich es unprofessionell finde. Als Mann aber müsste er sich erst recht zurücknehmen. Und selbst, wenn er es ganz "unschuldig" meint, müsste er merken, dass du das nicht magst. Das klingt alles nicht in Ordnung. Macht er das auch, wenn andere dabei sind? Ich will dich ja nicht noch mehr verunsichern, aber es gibt so Typen (auch Lehrer, leider), die ganz genau merken, dass jemand ganz starr vor Schreck wird und sich nicht wirklich zu wehren weiß, und das nutzen sie Schritt für Schritt aus. Lass dich nicht anfassen bzw. umarmen. Sag es, wenn du ihn nicht selbst konfrontieren willst, der Klassensprecherin, einer Freundin oder einer Vertrauenslehrerin, die muss es ihm stecken. Oder schreib ihm einen kurzen, freundlichen, aber bestimmten Brief - du kannst ja schreiben, dass er es bestimmt nur gut meint, aber du magst Berührungen generell nicht gern und er möge das bitte respektieren. (Falls du Sorgen hast, dass er dir als "Rache" schlechtere Noten gibt - keine Angst, dann kann man das Geschehen beim Schulrat melden und dann muss er sich ernsthaft Sorgen um seinen Job machen. Wenn es unschuldig gemeint war, wird er sowieso Verständnis zeigen und einfach damit aufhören.)
Du hast es momentan wirklich nicht leicht. Aber versuch, dich zu akzeptieren - du bist genau so wertvoll wie jeder andere Mensch, egal, welche Ängste oder Störungen du hast.
Aber bitte hol dir lieber langfristige Hilfe als bei irgendwelchen Fremden im Internet, ja? (Huch, also auch nicht von mir - paradoxe Message)
Ganz liebe Grüße und alles, alles Gute!

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17. Januar 2016 um 11:42
In Antwort auf beate_12235622

Therapie etc.
Liebe Marlene131,
ich bin keine Psychologin oder Psychotherapeutin und finde,du solltest - auch wenn dein Leidensdruck groß ist und du bestimmt möglichst verschiedene Meinungen einholen willst - deiner Therapeutin vertrauen. In diesem Forum werden keine Fachleute unterwegs sein! Glaub also lieber einer Spezialistin.
Es hört sich allerdings so an, als seist du bei ihr nicht mehr in Behandlung; alles, was du beschreibst, klingt aber so, als wäre die dringend notwendig, denn es hört sich so an, als würde dich das alles sehr einschränken...
Viele Betroffene brechen Therapien dann ab, wenn es richtig "ans Eingemachte" geht, weil die Erinnerungen zu schmerzhaft sind. Die Seele will sich (verständlicherweise) schützen.
Nach deinen Schilderungen zu urteilen wirst du aber ohne Behandlung niemals klarkommen.
Schwerere Formen von sexueller Gewalt und vor allem Erfahrungen durch "Vertrauenspersonen" oder aus der frühen Kindheit werden total oft verdrängt und nur, weil deine Mutter sagt,da war nichts, muss das nicht stimmen. All deine Symptome weisen, denke ich, schon deutlich darauf hin, Es kann sein, dass deine Mutter nichts mitbekommen hat. Es kann sein, dass sie etwas ahnt, aber es nicht wahrhaben will/ kann. Es kann sein, dass sie damals etwas mitbekommen hat, aber nichts unternommen und das Ganze selbst verdrängt hat. Es gibt ganz viele Fälle, in denen die Mütter leider nicht sehr hilfreich sind, auch, wenn sie es nicht böse meinen. Leider gibt es auch Fälle, in denen Mütter am Missbrauch mit beteiligt sind. Das will ich alles deiner Mutter nicht unterstellen; vielleicht hat sie einfach wirklich nichts mitbekommen.
Ich finde es schon mal toll, dass du dich schon mal in Behandlung gegeben hast! Ich würde diesen Weg - so schmerzhaft er auch ist - mit einer Spezialistin weiter gehen. Das wird schwer, aber nur so kannst du heilen.

Übrigens zu deinem Sportlehrer: Ich bin selber Lehrerin in der Sek I (7. - 10. Klasse). NIEMALS sehe ich, dass einer meiner Kollegin eine Schülerin umarmt und ich würde das auch absolut unpassend finden. Nicht mal ich umarme mehr als notwendig Schülerinnen (und die Jungs erst recht nicht), nur, wenn sie selbst mich freudestrahlend umschlingen, aber auch dann finde ich es etwas grenzwertig. Nicht, weil ich irgendwas Sexuelles darin sehe, sondern einfach, weil ich es unprofessionell finde. Als Mann aber müsste er sich erst recht zurücknehmen. Und selbst, wenn er es ganz "unschuldig" meint, müsste er merken, dass du das nicht magst. Das klingt alles nicht in Ordnung. Macht er das auch, wenn andere dabei sind? Ich will dich ja nicht noch mehr verunsichern, aber es gibt so Typen (auch Lehrer, leider), die ganz genau merken, dass jemand ganz starr vor Schreck wird und sich nicht wirklich zu wehren weiß, und das nutzen sie Schritt für Schritt aus. Lass dich nicht anfassen bzw. umarmen. Sag es, wenn du ihn nicht selbst konfrontieren willst, der Klassensprecherin, einer Freundin oder einer Vertrauenslehrerin, die muss es ihm stecken. Oder schreib ihm einen kurzen, freundlichen, aber bestimmten Brief - du kannst ja schreiben, dass er es bestimmt nur gut meint, aber du magst Berührungen generell nicht gern und er möge das bitte respektieren. (Falls du Sorgen hast, dass er dir als "Rache" schlechtere Noten gibt - keine Angst, dann kann man das Geschehen beim Schulrat melden und dann muss er sich ernsthaft Sorgen um seinen Job machen. Wenn es unschuldig gemeint war, wird er sowieso Verständnis zeigen und einfach damit aufhören.)
Du hast es momentan wirklich nicht leicht. Aber versuch, dich zu akzeptieren - du bist genau so wertvoll wie jeder andere Mensch, egal, welche Ängste oder Störungen du hast.
Aber bitte hol dir lieber langfristige Hilfe als bei irgendwelchen Fremden im Internet, ja? (Huch, also auch nicht von mir - paradoxe Message)
Ganz liebe Grüße und alles, alles Gute!

Hallo,
Riesenriesenriesendank für diese unglaublich nette Nachricht!
Ja, ich hatte die Therapie zwischenzeitlich abgebrochen, werde sie nun aber denke ich doch weiter machen... Denn alleine ist alles noch viel schlimmer geworden.
ich muss einsehen, dass ich es alleine nicht schaffe.
Ich werde die Sache mit meinem Sportlehrer im Auge behalten... So ganz will man es ja doch nicht wahrhaben... Und wenn es mir dann wirklich zu viel wird, werde ich ihm das zeigen und/oder mit unserer Klassensprecherin reden.
Ich habe das Glück, von sehr vielen Lehrern aufgrund anderer Probleme (Essstörung, Angststörung) Unterstützung zu bekommen und weiß, dass ich auch immer zu ihnen gehen kann, wenn etwas ist.
Ganz liebe Grüße zurück

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