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Sexueller Kindesmissbrauch

19. August 2018 um 21:58 Letzte Antwort: 24. August 2018 um 10:31

Hallo,

ein krasses ernstes Thema, was meiner Meinung nach viel zu dolle tot geschwiegen wird. Ich war selbst Opfer, hatte alles andere als eine schöne Kindheit. Trotzdem führe ich ein relativ normales Leben, ich bin selbst 2 fache Mama, seit der Geburt meiner Tochter vor 10 Monaten, holt mich die Vergangenheit immer ein Stück mehr ein. Ich konnte es viele Jahre verdrängen aber inzwischen wird meine Vergangenheit allgegenwärtig. Ich kann so gut wie an nichts anderes denken, so sehr ich es will, ich bin eigentlich gut ausgelastet im Alltag trotzdem werde ich ständig neu getriggert. Es wird allmählich unerträglich. Mich quälen auch so viele Fragen ob man es hätte verhindern oder lindern können, wieso hat keiner was unternommen. Einer meiner Peiniger lebt noch und seit einigen Wochen überlege ich ein Verfahren gegen ihn einzuleiten, aber es ist alles schon soooo lange her, dass ich befürchten muss, dass er schuldfrei davon kommt, das würde ich nicht ertragen ... Hat jemand eigene Erfahrungen machen müssen, kennt ihr Menschen denn sietwas widerfahren ist. Ich brauche Hilfe, denn langsam zerbreche ich an meinen Erinnerungen und meinen Emotionen, danke! 

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19. August 2018 um 22:58

Ich habe selbst zum Glück nicht solche Erfahrungen machen müssen, aber habe gesehen wie andere Menschen darunter leiden, und was das Jahrzehnte später noch für Folgen haben kann. Das gehört mit zu den übelsten Dingen, die man einem anderen Menschen antun kann. Und es tut mir sehr, sehr leid, dass dir das angetan wurde.

Warum man das macht? Warum andere davor die Augen verschließen? Tja, ich fürchte das kann ich dir auch nicht beantworten. Und was man hätte anders machen können? Du selbst gar nichts. Du warst ein Kind, und auf Schutz angewiesen. Schutz, den dir schlimme Kreaturen verwehrt haben.

Hast du schon mal über Therapie nachgedacht? Das ist sicher nicht für jeden was, und ich kenne Leute denen das genau gar nicht geholfen hat, aber das kommt ja auch immer stark drauf an, an wen man da gerät. Man kann es zumindest versuchen - und wenn es dann nicht passt immer noch abbrechen. Oder Selbsthilfegruppen? Literatur? Hast du für dich vielleicht schon eine Strategie gefunden?

Weiß dein Partner davon? Hast du mit Verwandten schon ml darüber gesprochen? 

Ach ja, Gerichtsverfahren... du könntest ja immerhin mal mit einem Anwalt darüber sprechen, wie die Aussichten sind. Aber das ist wohl meist nach so langer Zeit sehr schwierig, sehr sehr aufreibend, und die Erfolgsaussichten sind mäßig. 

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20. August 2018 um 7:06

Danke für deine Antwort. Als Jugendliche hatte ich mehrere diverse Therapien die mir von der Heimeinrichtung aufgedrängt wurden, da wusste aber niemand davon. Vor 5 Jahren habe ich nochmal eine begonnen aber aus anderen Gründen, das war eher eine Stressbewältigungstherapie. Ich hatte Therapie diesbezüglich immer abgelehnt da es mir meines Erachtens immer gut ging und mir war bewusst wenn ich eine Therapie mache, wird das aufhören. Ja aber mittlerweile ist der Leidensdruck, nicht nur für mich sondern, auch für meinen Partner, so groß, dass ich nächste Wochen schon einen Vorstellungstermin bei einer Psychologin habe. Mein Partner weiß davon, vor kurzem habe ich meinem Bruder, nach langem Überlegen, alles erzählt, ich hatte mich sehr schwer damit getan, denn mein 1. Peiniger war sein Vater, inzwischen ist dieser Mensch tot, und ich bin so froh, dass mein Bruder sich nicht an ihn erinnern kann.

Ja und tatsächlich, hatte ich mich anwaltlich schon erkundigt, er meinte man kann es probieren, Erfolgschancen wären nucht sehr groß, es sei denn er wäre selbst von anfang an geständig. 

Ich habe überlegt erst die Therapie zu machen und dann evtl gefestigt ein Verfahren gegen ihn einzuleiten. 

 Meine Strategie bis jetzt... Wenns mir sehr sehr schlecht geht, kontaktiere ich ihn, per Telefonie, Whatsapp, und vor 2 Monaten stand ich sogar vor seiner Tür, viele können sowas auch nicht verstehen... Ich manchmal selbst nicht, es ist einfach nur eine große emotionale Verwirrung die man da erleiden muss

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20. August 2018 um 8:02

Ich finde es sehr gut, dass du den Termin gemacht hast. Alles Gute dafür! In einer Therapie wird natürlich alles wieder hochgeholt, das ist nicht leicht. Aber verdrängen klappt ja auch nicht wirklich, es wirkt ja so oder so nach. Von daher finde ich es richtig, dem zu stellen.  Und eine Klage würde ich auch eher nach einer Therapie in Erwägung ziehen. Du solltest sich darauf gefasst machen dass dir das noch mal eine Menge abverlangt. Verstehe ich das richtig, du kontaktierst den Täter? Hilft dir das? Wie reagiert er? Ach ja, um dir Mut zu machen zum Abschluss noch: Ich kenne tatsächlich eine Person, bei der das ganze gut ausging. Natürlich nicht gut im Sinne von "vorbei und vergessen", den sowas bleibt einfach immer eine Last. Aber schon gut dass man im Märchen schreiben würde "and she lived happily ever after" - und das obwohl man das vorher kaum hätte glauben können. 

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20. August 2018 um 8:20

Ja, er ist mein Onkel, also eigentlich der Onkel von meinem Bruder, ich habe einige Jahre bei ihm gelebt, er war also eigentlich soetwas wie ein Vater für uns...

Als ich ihn das erste Mal deswegen anrief, wollte er es runter spielen, es wäre nicht so schlimm gewesen und mehr Spaß und Spielerei, als ich das Kind dann direkt beim Namen nannte "ich weiß nicht ob das spaß ist, was hat die Hand eines Erwachsenen Mannes in der Unterhose vin einer 9 Jährigen zu suchen?", ich weinte und schrie ins Telefon, ich war so wütend. Das war der Moment als er den Ernst der Lage verstand, dann fing auch er an zu weinen und sich 1000 nal zu entschuldigen.

Ein anderes mal habe ich ihn besucht, er wohnt 120km von mir entfernt, das war mir an diesem Tag egal. Ich war wütend, ich bin an manchen Tagen so voller Hass und Vergeltungsdrang, dass ich nun zu im fuhr.... Mir war durchaus bewusst, sollte alles ausarten wäre er mir körperlich überlegen gewesen, ich bin sehr sehr winzig klein und zierlich, ich war fest entschlossen, wenn es darauf ankommt werde ich mich wehren, ich habe mir ein Messer eingepackt, ich habe mir ein Messer zur Sicherheit eingepackt, ich wollte ihn nicht schwer verletzen oder gar töten, mich lediglich schützen, ich bin krankenschwester, für den fall der Fälle hatte ich natürlich gewusst wi ich nicht hinstechen darf und wie ich 1. Hilfe zu leisten habe... Aber zu unser aller Glück, er war nicht im Geringsten aggressiv, ganz im Gegenteil, eher apathisch, ich sprach die ganze Zeit und er brachte nicht mehr heraus, als dass es ihm leid tut. Ja das hat mir, zumindest kurzzeitig, gut getan ihn so klein und mich selbst so groß zu sehen!

Ein anderes mal schrieb ich ihm einen Text, auf welchen ich leider keine Antwort bekam. 

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20. August 2018 um 21:25

Mit einem Messer im Eifer des Gefechtes "sicher" zustechen ist aber auch utopisch, da kann schnell was mörderisch schief gehen, im wahrsten Sinne des Wortes. Und das ist er nicht wert.

Ich war nie in so einer Situation, aber ich kann mir gut vorstellen dass es gut tut dass er weiß wie falsch es war. Macht es zwar nicht besser, aber irgendwie entlastender als der Gedanke, er würde sich da schuldlos oder als Kavaliersdelinquent fühlen. So stelle ich mir es jedenfalls vor.

Ich glaube, grundsätzlich ist es auch eine gute Strategie, keine Angst zu haben, sondern sich - und sei es auch viel später - zu wehren und in die Offensive zu gehen. 

Kannst du denn benennen, worauf du hoffst, bzw. was dir gut tun würde? Geht es dir um Revanche, ihn jetzt sich schlecht fühlen lassen? Handlungsmacht zurück gewinnen? Oder könnte dir eine Aussprache helfen? 

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20. August 2018 um 21:35
In Antwort auf ari4nna

Mit einem Messer im Eifer des Gefechtes "sicher" zustechen ist aber auch utopisch, da kann schnell was mörderisch schief gehen, im wahrsten Sinne des Wortes. Und das ist er nicht wert.

Ich war nie in so einer Situation, aber ich kann mir gut vorstellen dass es gut tut dass er weiß wie falsch es war. Macht es zwar nicht besser, aber irgendwie entlastender als der Gedanke, er würde sich da schuldlos oder als Kavaliersdelinquent fühlen. So stelle ich mir es jedenfalls vor.

Ich glaube, grundsätzlich ist es auch eine gute Strategie, keine Angst zu haben, sondern sich - und sei es auch viel später - zu wehren und in die Offensive zu gehen. 

Kannst du denn benennen, worauf du hoffst, bzw. was dir gut tun würde? Geht es dir um Revanche, ihn jetzt sich schlecht fühlen lassen? Handlungsmacht zurück gewinnen? Oder könnte dir eine Aussprache helfen? 

Ich möchte einfach nur, dass es ihm mindestens genauso schlecht wie mir, ich gönne es ihm nicht, dass er seine Taten verdrängt und vergisst, er sollte jeden Tag daran denken müssen so wie ich, er soll sich jeden Tag deswegen schlecht fühlen, er soll jeden Tag jede einzelne Tat aus tiefstem Herzen bereuen... Das würde nichts wieder gut machen, meine psyche wäre trotzdem nicht die stabilste, es geht mir um Gerechtigkeit, es ist doch nur fair wenns ihm auch deswegen schlecht geht... Sonst wäre das alles noch viel sinnloser als es ohnehin schon ist. Wenn ich könnte wie ich wollte, würde ich ihm wünschen dass er gleiches oder schlimmeres erleidet... Dieses Gefühl dass mein Stiefvater diese Welt verlassen hat ohne nur ein Hauch an Verantwortung zu übernehmen, bringt mich um den Verstand. Da ist so viel Schmerz, Leid, Wut und Zorn in mir und ich weiß nicht wohin damit, ich muss das alles aussitzen, hinnehmen und ertragen... Und die Verursacher? Ich ertrage es einfach nicht mehr

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24. August 2018 um 10:31

Hey...

dieses Bedürfnis nach "Heimzahlung" - es hilft ja nicht wirklich weiter, aber ich kann es auch verstehen. Leider ist es im Leben, und vermutlich auch hier, oft genug so dass die Drecksäcke ungestraft davon kommen.

Ich hatte gehofft, dass sich vielleicht auch wer anderes meldet, weil ich nicht wirklich weiß was ich sagen soll. Ich würde ja sagen, versuch dich von dem Wunsch nach Heimzahlung zu lösen, der bringt dich nicht wirklich weiter. Aber ich stecke nicht in deinen Schuhen, und weiß nicht ob das für dich überhaupt möglich wäre. Ob ich das an deiner Stelle könnte. Also wenn dieses Bedürfnis in dir ist und bleibt, dann würde ich es auch so akzeptieren. 

Wie sieht es denn mit den anderen Baustellen aus? Du musst jetzt nicht ins Detail gehen, aber Überlebende von sexuellem Missbrauch in der Familie haben ja oft Schwierigkeiten mit (Ur)Vertrauen, Nähe, Sexualität. Gibt es da etwas, was dir hilft?

Wie gesagt, viel kann dir leider nicht raten. Aber ich wünsche dir alles Gute, und dass du einen Psychologen findest mit dem du gut arbeiten kannst (das ist sehr viel Wert und leider nicht selbstverständlich).

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