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Sexuelle Belästigung, Erfahrungsbericht

2. November 2015 um 21:50

Im August 2014 habe ich mein Anerkennungsjahr begonnen, welches im August diesen Jahres endete.

So im November kamen meine privaten Probleme in einer Supervision zur Sprache.
Dies wurde auch Gegenstand von den Anleitungen.
Der Kontakt zu dem Chef wurde immer enger, wobei ich immer ein komisches Bauchgefühl hatte.

Und im Januar ging es dann langsam los.
Um meinen Kopf frei zu kriegen, so bot mir der Chef an, sollte ich doch mal mit schwimmen kommen (Schwimmbad in unserer Einrichtung). Ich verneinte dies und gab nach ewigen gerede nach, mit der Premisse 'Ist nichts für mich - und schon bin ich raus aus der Nummer' Weit gefehlt, ich kam da nicht raus.
Irgendwann wollte er Fotos von mir, im Bikini. Ich sagte dass ich garantiert keine Bikinifots von mir geben würde.

Immer und immer wieder, wurde ich auf der arbeit zu 4 Augengesprächen gerufen, dabei ging es aber nur um "uns" und "unsere Beziehung".
Um meine Ruhe zu haben, gab ich immer wieder nach.
In den Osterferien war eine dieser Diskussionen, dass ich bei der Gruppenübernachtung auf seiner Matratze schlafen sollte, dies verneinte ich und es gab darüber streit. (Es sollte gesagt werden, dieser Mann ist so alt wie meine Eltern!!!!)

Immer wenn ich mich versuchte abzugrenzen, wurde ich so lange bearbeitet, bis ich nach gab. Zur Arbeit wollte ich nicht mehr wirklich, ich hatte ständig Angst wieder zu 4 Augengesprächen zu müssen. Anleitungen fanden nun wöchentlich statt, immer wenn keine Kollegin da war.
Arbeiten war einfach nicht mehr vernünftig möglich.

Mittlerweile ging mein Chef in der Anleitung dazu über, dass ich neben ihm sitzen sollte, seine Hand ruhte auf meinem Oberschenkel.
Auch wurde ich nun an die Hüfte gepackt und auch ab und an tiefer. Wenn ich die Grenze zog, führte dies nur zu elendigen Disskusionen. Ich würde ihm ja immer alles weg nehmen und ihn verarschen! Richtig Asozial wäre ich.

Im Juni ging es dann so weit, dass ich mal wieder nachgegeben hatte zum Schwimmen. Dabei hatte ich mir am Vortag einen Sonnenbrand zugezogen. Kurzerhand, wurde mir einfach mein BikiniOberteil nach vorne gezogen und er schaute auf meine blanke Brust. Ich schlug die Hand weg und wollte die Gelegenheit ergreifen, endlich aus der ganzen Nummer raus zukommen. BEi einem anderen Schwimmen maßte er sich an, mir meine Bikinihose zu richten.

Danach zog ich rigeros durch, dass er mich nicht anfasst. Dies akzeptierte er nicht. Es wurde wieder ewig diskutiert, 4 Augengespräche geführt....

Auch sollte ich nun Überstunden machen um die Küche der Gruppe auf Vordermann zu bringen. Mein Chef wartete solange, bis die Kolleginen weg waren und befahl mir mich mit ihm hinzusetzen und über uns zu reden.

Bezüglich meines Studiums brauchte ich noch ein Empfehlungsschreiben. Dies schrieb mir mein Chef. Und als ich berichtete, dass ich angenommen wurde und weiterhin in dieser Einrichtung bleiben würde (Gruppenwechsel), kamen so Aussagen, dass ich es ihm zu verdanken hätte, ohne ihn und dass er alles schön geredet hat, wäre ich nicht mehr da.

Ich habe die Tage gezählt bis ich endlich da weg kam. Es kamen noch einige Grenzüberschreitungen dazu...

An meinem ersten Arbeitstag in der anderen Gruppe, rief er dort an und ich sollte rüber kommen. MEine neue Chefin schaute mich an und bot mir an zu reden, ihr kam wohl etwas komisch vor.
Mein Abschied aus der Gruppe sollte noch gefeiert werden und nach dieser Feier wurde ich auch noch auf dem Parkplatz auf seite gepfiffen. Ob wir denn noch weiterhin Kontakt halten. Was ich bejahte. Aber nie tat. Nummer war bereits gelöscht!!

Nun habe ich vor 4 Wochen eine Kollegin aus der alten Gruppe getroffen, die mir berichete, dass mein ExChef auf dem Parkplatz schaue, ob ich da wäre, sich aufregte, dass ich nie "arbeiten müsste" und nie online wäre mit meinem Handy.

Mein Freund bekam dieses GEspräch mit. Danach erzählte ich ihm alles. Verständlicherweise war er sehr sauer aber auch enttäuscht.

Damit nahm alles seinen Lauf.
Ich berichtete meinem Vater davon und sprach dann meine Chefin an.
Diese hatte dies bereits geahnt (Mein ExChef war zu ihr gegangen und hatte gesagt, wenn ich mal komisch wäre, könne sie jederzeit zu ihm kommen und mit ihm darüber reden)
Gemeinsam gingen wir zu unseren Vorgesetzten.

Noch am selben Tag hatte ich ein Gespräch mit denen und wir hielten schriftlich fest wann welcher Übergriff passiert war.
Auf Anraten meines AG ließ ich mich krank schreiben.

Mit meinem ExCehf wurde eine Woche später ein Gespräch geführt, in dem er alles leugnete (war ja klar).
Noch im selben Gespräch wurde er vom Dienst suspendiert.

Mittlerweile war ich zu einer Frauenberatungsstelle gekommen, was mir passiert war über einen Zeitraum von einem halben Jahr sickerte langsam durch.

Es kam noch zu einem Gespräch mit dem Obersten Chef. Indem ich noch etwas befragt wurde und er mir erzählte was die befragten Kolleginnen sagten.
Nach wie vor steht mein AG voll hinter mir.

Mein EXChef wurde nun gekündigt.
Ich bin nun heute zum 3. mal bei der Frauenberatung gewesen und es hilft mir ungemein!!!

Auf anraten von der FB habe ich nun Kontakt mit einem Anwalt aufgenommen (Fachgebiet Strafrecht).
Ich sollte nun verschriftlichen was wann geschehen ist.
Dies habe ich nun gemacht und habe übermorgen noch mal einen Termin beim Anwalt.
Der Anwalt schaut dann ob es einen Sinn hat Strafanzeige zu stellen. Da Aussage gegen Aussage steht.
Ich hoffe dass es positiv für mich verläuft und ich Strafanzeige stellen kann um für mich einen sauberen, privaten Abschluss zu bekommen.


Im Moment durchlaufe ich ein Auf und Ab, zwischen Leugnung "Nein, sowas ist mir nicht passiert, alles nur ein Traum", dem "realisieren" was mir da angetan wurde und dem "Es geht mir gut".


Ich bin aber froh, dass mein AG so toll reagiert hat und mir alle geglaubt haben. Ich hatte Angst dass mir keiner glaubt und ich die Schuld zugewiesen bekomme, denn dies habe ich mir selbst auch gesagt. "Hättest du dich abgrenzen können, dann wäre dir das nie passiert"
Aber ich bin nun so weit zu erkennen, dass dieser Mann meine privat schwierige Situation, meine Schwächen und auch seine Stellung ausgenutzt hat und mich zum Opfer gemacht hat. Mich trifft keine Schuld!

Und ich will dass er dies versteht, versteht was er mir angetan hat und dass er dafür die gerechte Strafe bekommt!!!!!


Liebe Mädels, ich kann euch nur eins raten.
Traut euch euch jemanden anzuvertrauen. Mir sind 1000Kg Steine von den Schultern und aus dem Bauch gefallen.
Es ist schwierig und wird auch immer wieder schwierig werden diesen Weg, den ich nun eingeschlagen habe, zu gehen.Aber ich weiß, am Ende war es genau das richtige!!!!


Mein Rat zur Vorgehensweise?
- Schreibt es nieder. Macht euch eine Übersicht was geschehen ist, so genau wie möglich.
- Redet mit jemandem, dem ihr vertraut.
- Geht zu eurem (Obersten) Chef. Laut Gleichstellungsgesetz müssen die handeln!!!!
(- Geht zum Anwalt, legt ihm diese Übersicht vor und überlegt was ihr tun könnt.)

Alles Gute

Shutterflyx3

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10. November 2015 um 0:15

Respekt
Hey Shutterflyx3,

ich habe gerade deine Geschichte gelesen und die ganze Zeit die Daumen beim Lesen gedrückt, dass Du ihn am Ende angezeigt hast und dass Du erfolgreich warst. Allein, dass das Gesetz erstmal von einer Gleichberechtigung, also Aussage gegen Aussage ausgeht, find eich extrem ernüchternd. Ich habe gerade eine sexuelle Belästigung durch einen Arzt erlebt und fand es erschreckend, wie lange ich gebraucht habe, um das zu kapieren, was dort passierte. Ich habe nach langem hin- und Her auch beschlossen, dass ich diesen Typen anzeigen werde - egal, was passiert. Da ich Filmstudentin bin, mich aktiv für Frauenrechte einsetze (und gerade deshalb noch erschrockener über mich bin) möchte ich gerne einen Film mit Erfahrungen über sexuelle Belästigung machen. Ich würde mich freuen,w enn Du Lust hast mir Deine Geschichte noch einmal zu erzählen. Ob vor der Kamera, verpixelt oder wie auch immer ist ja erstmal egal. Ich suche mutige Frauen, die anderen Frauen Mut machen, ein Vorbild sein wollen und aufklären, denn eine Ausnahme sind wir weiß Gott nicht.
Liebe Grüße!

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10. November 2015 um 10:11

Toll...
--- dass Du dieses Qual mit deinem Chef überstanden hast und den anderen Frauen Mut machst sich in einem solchen Fall richtig zu wehren. Vergessen hast Du noch im RAT die Määdels sollen Uhrzeit, Ort wo es geschah und Datum dazu aufschreiben.

Dir alles Gute !

Kalle

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10. November 2015 um 11:11
In Antwort auf earl_12367715

Respekt
Hey Shutterflyx3,

ich habe gerade deine Geschichte gelesen und die ganze Zeit die Daumen beim Lesen gedrückt, dass Du ihn am Ende angezeigt hast und dass Du erfolgreich warst. Allein, dass das Gesetz erstmal von einer Gleichberechtigung, also Aussage gegen Aussage ausgeht, find eich extrem ernüchternd. Ich habe gerade eine sexuelle Belästigung durch einen Arzt erlebt und fand es erschreckend, wie lange ich gebraucht habe, um das zu kapieren, was dort passierte. Ich habe nach langem hin- und Her auch beschlossen, dass ich diesen Typen anzeigen werde - egal, was passiert. Da ich Filmstudentin bin, mich aktiv für Frauenrechte einsetze (und gerade deshalb noch erschrockener über mich bin) möchte ich gerne einen Film mit Erfahrungen über sexuelle Belästigung machen. Ich würde mich freuen,w enn Du Lust hast mir Deine Geschichte noch einmal zu erzählen. Ob vor der Kamera, verpixelt oder wie auch immer ist ja erstmal egal. Ich suche mutige Frauen, die anderen Frauen Mut machen, ein Vorbild sein wollen und aufklären, denn eine Ausnahme sind wir weiß Gott nicht.
Liebe Grüße!

Wie ging es weiter.
Ich hatte nun den zweiten Termin beim Anwalt, der war ein wenig ernüchternd.

So gravierend dass alles war, desto harmloser ist es vor dem Gesetz.
Bei diesem ganzen Theater handelte es sich nur um "Sexuelle Beleidigug". Welches mit wenigen tagessätzen bestraft wird und wohk nicht mal als Vorstrafe reichen wird, durch die wenigen Tagessätze.

Mein Anwalt fand sehr gut, dass ich sehr sachlich geblieben bin und nichts "hoch gepusht" habe. Dazu sage er, dass das häufig geschieht und die staatsanwaltschaft dass sehr schnelk merkt und das nicht gut heisst.

Nun, wie sind wir verblieben?
Mein anwalt verfasst eine strafanzeige, welche ich gegenlese. In dieser anzeige werden beispiele für die übergriffe genannt und darauf verwiesen, dass ich bereit bin mich von einer polizeibeamtin vernehmen zu lassen.

Ich soll auf keinen fall meinen Zettel aus der hand geben und sagen, dass das ein merkblatt von mir ist und diese daraus eh nicht schlau werden würden.

Auch, wenn es keinen bombastischen Effekt hat, geht es mir ums Prinzip.
Ich will damit ein Zeichen setzen und für mich einen Abschluss finden.


Nun werde ich über die nächsten 6wochen wieder auf der arbeit wieder eingegliedert.

An der stelle muss ich aber auch noch mal sagen, dass mein AG wirklich klasse hinter mir steht.
Sie ganz tolle arbeit geleistet haben und mich stützen.
Einige kollegen, die eingeweiht waren, kamen zu mir und sagten wie klasse das gewesen wäre, dass ich den Mut zusammen genommen habe und das anesprochen habe. Da hatten alle hochachtung vor mir.

Auch diese aussagen, tun gut.
Da ich anfangs und zwischen durch immer mal wieder gezweifelt habe...

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23. November 2015 um 9:26

Hey ..
... finde deinen Erfahrungsbericht Top !
Bin zwar ein Mann aber diesen Idioten gehört es
nicht anders.
Mädels befolgt Ihren Rat.


.

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