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Selbstzerstörerisches Verhalten

24. Mai 2011 um 12:41

Hallo Forum,

ich bin neu hier und habe mich wegen eines konkreten Problems angemeldet bei dem ich nicht mehr weiter weiss. Ich mache mir Sorgen um eine gute Freundin, die fast wie eine Schwester für mich ist. Wir reden seit Jahren über alles, auch unsere intimsten Wünsche und Sehnsüchte, über unsere Partner, einfach über alles. Außerdem haben wir uns auch schon über die ein oder andere private Krise hinweg geholfen. Aber seit einiger Zeit bekomme ich keinen Zugang mehr zu ihr.

Sie ist 33 Jahre alt und, von aussen betrachtet, führt sie ein perfektes Leben, ist verheiratet mit einem guten Ehemann, der ihr alle Freiheiten lässt, sie ist finanziell ungebunden, hat (noch) keine Kinder. Ihr Mann ist im gehobenen Management eines mittelständischen Unternehmens und öfter für längere Zeit im Ausland unterwegs.

Sie fühlt sich sehr einsam. Ihr Mann ist aktuell wieder für 5 Monate in Shanghai. Sie ist irre hiflsbereit und kann niemandem etwas abschlagen. Sie hat einen großen Bekanntenkreis, von dem sie m. E. aber oft ausgenutzt wird. Sie merkt das, versucht aber durch ihre Hilfsbereitschaft und Verfügbarkeit zu erreichen das die Menschen sie mögen. Sie hat ständig das Gefühl nicht genug gemocht zu werden, dadurch wird sie dann oft von anderen enttäuscht und verletzt. Sie hat immer das Gefühl nicht gut genug zu sein...

Das hat sich in letzter Zeit sehr verstärkt und ihre Reaktionen auf diese Entäuschungen machen mir Sorgen. Sie lässt sich dann in einer melancholischen Stimmung gefangen nehmen und beginnt den Menschen die ihr wirklich nahe stehen weh zu tun, sie durch Reden und Handeln zu verletzen. Ich denke sie tut das um sich selbst zu bestrafen, denn wenn diese Personen sich dann von ihr entfernen sieht sie sich bestätigt in ihrer Unzulänglichkeit.
Auf diese Weise hat sie schon einige Freunde verloren, was sie immer weiter in einen Strudel hinabzieht. Ihr Verhaltensmuster verstärkt sich und konzentriert sich nun auf die wenigen bedingunglosen Freunde die sie noch hat, und ganz speziell auch auf ihren Ehemann.
Sie ist ein wertvoller Mensch, und ich verzweifle dabei zusehen zu müssen wie sie sich kaputt macht. Ich würde gerne helfen aber ich komme nicht durch die Mauer die sie aufgezogen hat. Ich weiss nicht mehr weiter...

Was können wir tun um ihr zu zeigen, dass sie gemocht und geliebt wird wie sie ist? Das sie die Anerkennung die sie erhält auch als solche ansieht, das sie mit sich und ihrem Leben besser zurecht kommt und zufriedener wird?

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25. Mai 2011 um 10:02

Hallo,
du hast den Teufelskreis aus Handlungen und Reaktionen gut erkannt, aber für sie ist es noch nicht deutlich bzw. noch nicht schlimm genug. Als Freundin kannst du wahrscheinlich wenig machen. Da ist therapeutische Hilfe vonnöten. Allerdings muss sie das selbst wollen.
Versuche ihr durch offene Fragen deutlich zu machen, dass etwas schief läuft. Z.B. Bist du mit deinem aktuellen Leben zufrieden? Wenn nein: Was sollte denn anders laufen? Wie könntest du das erreichen? Wenn du es allein nicht schaffst, welche Art von Hilfe benötigst du? etc.
Vielleicht erkennt sie dadurch, dass sie etwas ändern muss. Vorschriften inkl. gut gemeinter Ratschläge werden nichts bringen! Eventuell kannst du noch ihren Mann mit ins Boot holen, damit er sie überzeugt.

Viel Erfolg, Phenyce

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25. Mai 2011 um 11:36

Deine Freundin ist das Opfer
und war in dieser Opferrolle, doch nun scheint sich das Blatt gewandelt zu haben und sie wird nun zum Täter, so zum Beispiel dir gegenüber. Sie bräucht wohl dringend eine Therapie, weil bei so eingeschliffenen Mustern kommt man da alleine nicht raus. Sie müßte etwas über ihren Selbstwert kennen lernen, dass sie nicht unentwegt geben muß und geliebt zu werden, dass sie nein sagen darf usw.
Es gibt Bücher z.B. "Schon wieder ich" oder "Lebst du schon oder leidest du noch" und andere. Vielleicht kannst du ihr behutsam klar machen, dass du dir Sorgen machst und wie du es erlebst und dass sie sich vielleicht doch Hilfe holen sollte.
Gruß melikel

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25. Mai 2011 um 13:11
In Antwort auf melike13

Deine Freundin ist das Opfer
und war in dieser Opferrolle, doch nun scheint sich das Blatt gewandelt zu haben und sie wird nun zum Täter, so zum Beispiel dir gegenüber. Sie bräucht wohl dringend eine Therapie, weil bei so eingeschliffenen Mustern kommt man da alleine nicht raus. Sie müßte etwas über ihren Selbstwert kennen lernen, dass sie nicht unentwegt geben muß und geliebt zu werden, dass sie nein sagen darf usw.
Es gibt Bücher z.B. "Schon wieder ich" oder "Lebst du schon oder leidest du noch" und andere. Vielleicht kannst du ihr behutsam klar machen, dass du dir Sorgen machst und wie du es erlebst und dass sie sich vielleicht doch Hilfe holen sollte.
Gruß melikel

Einsicht
Vielen Dank für Eure Antworten!
Ich habe ihr schon sehr deutlich klar gemacht, dass ich mir Sorgen mache, dass sie Hilfe benötigt um sich nicht weiter zu Schaden... Sie weiß sehr wohl was ihr Verhalten bewirkt, sagt aber nicht anders zu sein zu können. Hilfe von außen lehnt sie kategorisch ab...

Sie sucht geradezu danach entäuscht zu werden um sich bestätigt zu sehen. Und das erreicht sie, in dem sie ihrerseits die ihr nahestehenden Personen entäuscht und verletzt.

Ich bin rat- und hilflos.

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26. Mai 2011 um 9:59
In Antwort auf aroldo_12646883

Einsicht
Vielen Dank für Eure Antworten!
Ich habe ihr schon sehr deutlich klar gemacht, dass ich mir Sorgen mache, dass sie Hilfe benötigt um sich nicht weiter zu Schaden... Sie weiß sehr wohl was ihr Verhalten bewirkt, sagt aber nicht anders zu sein zu können. Hilfe von außen lehnt sie kategorisch ab...

Sie sucht geradezu danach entäuscht zu werden um sich bestätigt zu sehen. Und das erreicht sie, in dem sie ihrerseits die ihr nahestehenden Personen entäuscht und verletzt.

Ich bin rat- und hilflos.

Vorsicht
dann hast du alles getan, was eine Freundin tun kann!
Jetzt ist es ihre Entscheidung, wie sie sich weiterhin verhält. Und du musst aufpassen, dass sie dich nicht mit in diesen negativen Sog reinzieht! Löse dich von ihr und lebe dein Leben!

Noch scheint es ihr nicht schlecht genug zu gehen, so traurig, wie es klingt...

Sag ihr konkret, dass du unter diesen Umständen keinen weiteren Kontakt mit ihr haben kannst. Sie könne aber jederzeit zu dir kommen, wenn sie sich wirklich helfen lassen will.

Manchmal bewirkt das Abwenden sehr wichtiger Menschen beim Patienten ein Umdenken... Also denke jetzt an deine psychische Gesundheit!

Alles Gute! Phenyce

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