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Selbst das Fühlen noch denken???

12. Februar 2003 um 11:22

Hallo zusammen

Habe ein Problem, vielleicht weiß in diesem Forum jemand Rat: Irgendwie kann ich mich selbst nicht so richtig fühlen. Ich weiß, das klingt jetzt total komisch und schwammig...
Ich scheine selbst so wenig über mich selbst, meine Wünsche und Bedürfnisse zu wissen... In letzter Zeit habe ich mich besonders weit von mir selbst entfernt gefühlt, alles war irreal und so weit weg... Da es mir wirklich nicht gut ging, bin ich nach langer Zeit mal wieder zu meinem Psychologen gegangen. Die Gesprächstherapie ist eigentlich seit gut einem Jahr abgeschlossen und ich hatte auch das Gefühl, es ginge mir wirklich besser. Momentan nicht mehr: jetzt habe ich das Gefühl, mir selbst die ganze Zeit nur etwas vorgemacht zu haben. Meine Probleme haben sich anscheinend nur irgendwie auf andere "Schauplätze" begeben...

Viel Geschwafel, sorry, aber worauf ich eigentlich hinaus will: mein Psycho-Doc meinte (hat er auch früher schon immer gesagt), mein größtes Problem wäre, daß ich den Leistungsdruck, den ich früher von meinen Eltern bekommen habe, inzwischen selbst auf mich ausübe. Weiterhin, daß ich immer mein Leben unter Kontrolle haben wolle (auch wenn man sich da natürlich Illusionen macht, denn kan KANN da gar nix kontrollieren) und vor lauter Denken gar nicht richtig fühlen könne. Deshalb wäre ich so weit von mir selbst entfernt. Ich würde selbst mein Fühlen noch denken, hat er wort-wörtlich gesagt.
Ich habe viel darüber nachgedacht (jaja, mal wieder GEDACHT... ) und glaube, er hat recht. Mittlerweile weiß ich nicht mal mehr, ob ich überhaupt wirklich fähig bin, jemanden zu lieben. Die Erkenntnis hilft mir jedoch nicht, sondern ich fühle mich nur noch schlechter und verlorener. Bin irgendwie inzwischen total verunsichert.
Auf meine Frage, was ich denn nun machen könne, um das zu ändern, konnte mir der Psycho-Doc nicht so richtig was sagen. Da fielen eher so Floskeln wie "in der Gegenwart leben", mal "genießen", "spontan sein"... Aha. Ich kann damit nicht wirklich was anfangen. Daher meine Hoffnung: vielleicht hat ja jemand hier aus dem Forum so etwas auch schon erlebt und kann mir einen Tip geben? Wäre Euch dafür wirklich super-super dankbar!!! Möchte so gerne aus diesem Zustand entkommen...

Sorry, das ist jetzt sehr lang geworden...
Traurige Grüße

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12. Februar 2003 um 12:41

Danke, Werdandi
Das von Dir emmpfohlene Buch werde ich mir mal besorgen, vielleicht bewirkt es ja bei mir auch etwas...
Du hast recht damit, daß ich immer das Gefühl habe, es nicht wert zu sein, geliebt zu werden. Ich selbst liebe mich nämlich nicht - im Gegenteil, daher kann ich mir auch gar nicht vorstellen, daß jemand anders es tut. Irgendwie mache ich mir selbst ständig Vorwürfe wegen irgendwelcher Dinge, die ich meiner eigenen Meinung nach nicht gut genug gemacht habe. Vielleicht liegt es ja auch daran, daß ich nie so richtig fühlen kann: ich "ruhe nicht in mir", bin nie zufrieden mit mir.
Du schreibst, wenn ich es letztlich geschafft hätte, könne ich stolz auf mich sein. Ich habe festgestellt, daß ich irgendwie bisher auf nichts, das ich erreicht habe, stolz bin - obwohl ich es eigentlich sein könnte. Sobald ich etwas erreicht habe, scheint es irgendwie weniger wert zu sein und ich rede es mir selbst schlecht. Habe selbst das Gefühl, daß ich von einem Ziel zum nächsten hetze, immer auf der Jagd nach etwas, das ich aber nie erreiche...

Vielen Dank auf jeden Fall für Deine lange Antwort! Werde mir jetzt mal den Thread über Kinesiologie ansehen - weiß nämlich gar nicht genau, was das eigentlich ist...

Schöne Grüße!

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12. Februar 2003 um 12:58

Danke für deinen beitrag
ich kenne diese gefühle ziemlich gut. lebe selbst mittendrin. ich bin auch nie zufrieden, kann sehr schlecht einfach dinge mal genießen, wenn sie erreicht sind, will immer mehr. aber was genau, weiß ich auch nicht.
bisher hab ich immer gedacht, ich stehe ziemlich allein mit diesen empfindungen. alles um mich herum hat einen großen freundeskreis, und wenn das nicht, dann aber wenigstens eine tolle familie. oder ist auch einfach zufrieden mit sich selbst.
ich finde mich selbst nicht so klasse, aber ich hab auch immer das gefühl: stell dich nicht so an, gibt schlimmeres. kinder, die hungern. menschen ohne arbeit ohne wohnung. oder leute, die wirklich schlimme sachen erleben.
meist denk ich ich hab gar kein recht so zu empfinden.
kann dich sehr gut verstehen.
kann dir aber leider auch nicht helfen.

liebe grüße
sarisha

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13. Februar 2003 um 10:21

@Werdandi
Wirklich viele Fragen...
Es ist schon so, daß ich abhängig vom Urteil anderer Personen bin. Wenn ich das Gefühl habe, in irgendeiner Form Ablehnung zu erfahren, dann kann auch ich selbst mich nicht gut mit mir fühlen. Keine Ahnung, woher das schlechte Eigenbild kommt. Sicherlich habe ich einige schlechte Erfahrungen gemacht. Aber andere Menschen mußten sicher noch viel schlechtere Erfahrungen machen, ohne gleich so darauf zu reagieren... Als Kind habe ich mich - soweit ich mich erinnere - schon geliebt gefühlt, stand aber eben auch (wie anfangs beschrieben) unter hohem Leistungsdruck. Ein wenig hatte ich immer das Gefühl, nur unter bestimmten Umständen geliebt zu werden - nämlich, wenn ich die Erwartungen meiner Eltern erfülle. Komich eigentlich, wie sehr einen so etwas nachhaltig beeinflussen kann, denn ich leide noch heute darunter, obwohl mir mein Verstand sagt, daß meine Eltern mich ohne derartige Bedingungen lieben - habe auch trotz räumlicher Entfernung ein sehr "nahes" Verhältnis zu meinen Eltern.
Aber was ich tue, tue ich eben immer noch eher, weil ich denke, es wird von mir erwartet, nicht weil ich es selbst wirklich will. Das heißt aber nicht, daß diese Dinge WIRKLICH von mir erwartet werden, sondern ich denke das eben häufig auch nur. Mein Problem ist ja auch nicht, daß ich meine Ziele nicht erreiche - es sind aber keine Ziele, die ich aus tiefstem Inneren heraus erreichen möchte.
Leider weiß ich gar nicht, wie es in diesem "tiefsten Inneren" aussieht... als hätte ich da irgendwie die Verbindung zu mir selbst verloren. Momentan würde ich mich wirklich so beschreiben, daß ich nur funktioniere, wie Du es so schön ausgedrückt hast.
Vielleicht sollte ich es nochmal mit einer weiteren Therapie bei einem anderen Therapeuten versuchen?

Ist es Dir denn gelungen, Deine innere Mitte wiederzufinden? Und wie hast Du das angestellt?

Liebe Grüße!

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13. Februar 2003 um 10:41

@Samanta
Hallo Samanta

Vielen Dank für Dein Angebot.
Werde mal versuchen, ein wenig von meinen Gedanken aufzuschreiben, auch wenn ich nich sicher bin, ob ich das wirklich kann...
Ich mache mir momentan sehr viele Gedanken über mich selbst, bin sehr unzufrieden mit mir. Ich bin antriebslos und nichts macht mir richtig Spaß. Wenn ich morgens aufwache, liege ich im Bett und denke "Ich habe überhaupt keine Lust auf diesen Tag, am liebsten wäre mir, der Abend wär schon da und ich könnte direkt wieder einschlafen... nur noch schlafen...". Gleichzeitig mache ich mir selbst deswegen Vorwürfe, denn ich könnte doch eigentlich glücklich sein. Andere haben wirklich Grund, unglücklich zu sein - ich eigentlich nicht.
Mit meinem Job bin ich derzeit auch total unzufrieden. Meine Stelle ist befristet und läuft noch für ein Jahr, das will ich irgendwie durchhalten. Denn ich habe auch keine Ahnung, was ich sonst machen könnte, weiß auch nicht, was ich danach machen will - weiß mal wieder ÜBERHAUPT nicht, was ich WILL... Für mein gesamtes Leben habe ich eigentlich gar kein Ziel, es gibt keinen Lebensinhalt, keinen Sinn darin. Keinen Halt.
Bzw. bisher ist mein Partner immer mein Halt gewesen: zumindest das konnte ich wissen, daß ich mit ihm zusammen sein wollte. Momentan weiß ich nicht einmal mehr das - ich kann nicht sagen, was ich noch für ihn empfinde. Ich war schon kurz davor, mich von ihm zu trennen, weil ich lieber allein sein wollte. Doch dann habe ich es nicht getan - zum Teil, weil ich Angst bekommen habe, diesen letzten Halt zu verlieren, zum Teil, weil da irgendwie doch noch Gefühle waren. Diese Gefühle kann ich aber nicht einordnen: ist es nur Mitleid? Gewohnheit? Sicherheitsbedürfnis? Bequemlichkeit (z.B., weil ich bei Trennung umziehen müsste...)? Oder doch noch Liebe? Fühle ich überhaupt WIRKLICH? Oder denke ich dieses Fühlen wieder nur? Alles ist durcheinander, nichts stimmt momentan in meinem Leben. Ich lasse mich hängen, kann mich nicht konzentrieren. Und ärgere mich deswegen wieder über mich selbst...
Sorry, ein bißchen wirr das Ganze.
Ich lese das jetzt lieber gar nicht noch einmal durch, sonst ärgere ich mich nur wieder über mich selbst und mein Gejammer...

Danke für's Zuhören bzw. lesen...
Liebe Grüße!



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13. Februar 2003 um 11:42

Liebe werdandi
ich hab mich jetzt einfach mal an die entliebte drangehängt.
aber auch ich finde mich in deinen antworten wieder. es ist beruhigend zu erfahren, daß menschen ,die schon ewig in einem tiefen loch stecken auch wieder rausfinden können.

dieses forum hab ich erst vor ca. 1 monat entdeckt, aber ich fühle mich sehr gut aufgenommen. es hat eine sehr behutsame atmosphäre. auch im chat gibt es leute, die sehr gut zuhören können und vielleicht auch mal einen rat wissen und einen aufmuntern können.
und da das alles ziemlich anonym läuft fällt es mir leichter mich zu öffnen, als in der realität.

wollte ich nur mal sagen
liebe grüße
sarisha

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16. Februar 2003 um 10:17
In Antwort auf bluma_12749708

Liebe werdandi
ich hab mich jetzt einfach mal an die entliebte drangehängt.
aber auch ich finde mich in deinen antworten wieder. es ist beruhigend zu erfahren, daß menschen ,die schon ewig in einem tiefen loch stecken auch wieder rausfinden können.

dieses forum hab ich erst vor ca. 1 monat entdeckt, aber ich fühle mich sehr gut aufgenommen. es hat eine sehr behutsame atmosphäre. auch im chat gibt es leute, die sehr gut zuhören können und vielleicht auch mal einen rat wissen und einen aufmuntern können.
und da das alles ziemlich anonym läuft fällt es mir leichter mich zu öffnen, als in der realität.

wollte ich nur mal sagen
liebe grüße
sarisha

Denken und fühlen
hängen eng zusammen, das sollte wohl die Aussage Deines Psychologen ausdrücken.

Leider sagen die Psychologen kaum etwas so, daß man es verstehen kann. Sie bedienen sich einer verscholüsselten Sprache und der Betreffende zweifelt dann immer an sich selbst, weil er das gehörte nicht umsetzen kann. Den konkreten Sinn dahinter habe ich noch nicht erschlossen. Es ist wohl eine Mischung aus nicht auf den nicht psychologisch gebildeten Normal-Bürger übersetzter Fachsprache und dem Ansinnen, die Patienten mit plausiblen Lösungen nicht vor Ende der angesetzten Therapiezeit zu verlieren.
Dafür spricht auch, daß Du am Ende Deiner Therapie nicht wirklich weitergekommen bist. Was das Ende Deiner Therapie bestimmte waren sicherlich die ausgeschöpften von der Kasse bezahlten Stunden.

Zum eigentlichen: Du fühlst Dich schlecht, weil Du schlecht von Dir denkst. Wenn Du Mißerfolge nicht gleich als Katastrophe ansehen würdest und Dich selbst dafür ablehnen würdest, ginge es Dir reichlich besser.

Ich weiß, das klingt jetzt recht pauschal.

Meine Vorredner haben schon viel dazu gesagt, es hängt auch mit Deinem Selbstwert zusammen. Du definierst Dich nur über Leistung und wenn da keine ist, dann bist Du in Deinen Augen auch nichts wert. Aber wer legt denn so was fest? Zum Teil haben es Deine Eltern getan, zum Teil liegt es auch an unserer Gesellschaft. Jeder will dazugehören jeder will die ganzen Trends mitmachen, läßt sich blenden von dem tollen Leben, das angeblich alle anderen Leute haben.

Dabei ist die Wirklichkeit die, daß jeder einen Alltag hat und jeder sich auch mal zurückzieht, klein ist, nichts leistet, schlecht drauf ist, sich mal ausruhe muß, einen Alltag hat, in dem nichts spektakulärest passiert.

Du bist so sehr von diesen Einflüssen und Vorgaben besessen, daß Du Dich selbst nicht mehr spürst. Aber Du bist jetzt erwachsen und kannst Deine eigenen Maßstäbe setzen, bist nicht an das gebunden, was Deine Eltern urpsrünglich wollten und Du bist auch nicht an die Vorgaben dieser Gesellschaft gebunden. Und wenn Du Dich mal umschaust, wie andere Leute mit ihren "Mißerfolgen" umgehen, so wirst Du feststellen, daß viele danach wie Phönix aus der Asche wieder aufsteigen. Das können sie nur,weil sie zu sich halten und zuerst mal zu sich selbst stehen, anstatt sich selbst zu verdammen.

Ich kann Dir zu diesem Thema die Bücher von Rolf Merkle und Doris Wolf empfehlen. Du findest Zusammenfassungen auf der Seite des Pal-Verlags:

http://www.pal-verlag.de

Davon kann ich Dir ganz besonders empfehlen das Buch "So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen", oder auch "Gefühle verstehen, Probleme bewältigen".

Ich habe die Themen, die dort ziemlich gut beschrieben werden mit guten Anleitungen, wie man damit umgehen und es überwidnden kann, hier nur angeschnitten.

Mir persönlich haben diese Bücher viel geholfen und weil ich mich in Deinem posting weitgehend wiederfinde, könnte ich mir vorstellen, daß sie Dir auch was bringen würden.

LG

Snowy

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23. Mai 2011 um 19:04

Nicht immer ankämpfen
Hi,

ich bin neu hier hab die Beiträge gelesen und dachte nur ich möchte dir irgendwie helfen...ich schreib dir einfach mal was ich tue wenn es mir so geht wie dir..

Wenn ich erkenne das ich die ganze Zeit innerlich gegen ein Gefühl ankämpfe es nicht wahr haben will habe ich die Erfahrung gemacht das es sich nicht einfach in Luft auflöst...es will gefühlt werden ok! Deswegen nimm dir die Zeit für dieses Gefühl am besten abends wenn etwas Ruhe in den Tag einkehrt kann man es schön üben.

Leg dich einfach hin und atme in dieses Gefühl hinein und wenn du weinen willst dann tue es wenn du unruhig bist dann wälst dich hin und her gebe deinem Gefühl einen Ausdruck von Lebendigkeit und dann nehme es an versuche es nicht zu verdrängen es wird besser glaub mir. Versuch es ruhig wenn du das nicht alleine kannst dann versuch dich zu spüren indem du dich massieren lässt ... manchmal hilft die Anwesendheit eines Menschen der dich sanft berührt...

lass mich wissen wie es dir ergangen ist ... und habe Geduld...manchmal muss die Unlust gelebt werden damit Lust entstehen kann.

Ganz liebe Grüsse!!!

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23. Mai 2011 um 21:23

Ups...kann ja mal passieren *g*
Ups...kann ja mal passieren *g*

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